Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 157 (29.12.1930)
- Date
- 1930-12-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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«y. Dezember 1930 uii; Mi.HMr Seite 7 Großer Komerthaueeael 2 jugendverein Erez Israel Sonntag, 1. Februar 1931,8 Uhr abends IV. Hebräisches Konzert Mitwirkend Wiener Sinfonieorchester Prof. Hugo Gottesmann (Dirigenten; Prof. Merlin Prof. Julius Woifson Spöhr. Israel Brandmann Hanna Schwarz Kammersänger Wiener Jüdischer Gesangs- Hans Duhan verein . V/^WWCKKXXX^KXXXXXXX-OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO* OO$OOOOOOOO<XXX>OOO<XW»^OO<>OOOOOO^OOOOOOO^O^OÖOOOOOOOOOO<>OO^©OOOO0<>OO^OO<? g Karten erhältlich: £ Zion. Büros, I., Kärntnerstraße 28, «elephon R-27-3-20 Erez Israel, Wien, II, Zirkusgasse 33 Telephon R-49-8-98 Plugah von großer Bedeutung für die österreichische Chaluz-Bewegung ist. Sic ist klein und noch jung, aber trotzdem ist es ihr gelungen, sich verhältnismäßig rasch den neuen Bedingungen anzupassen und einen guten Namen im Lande sich zu erwerben. Der Prozeß der Hebraisierung schreitet rüstig vorwärts, der Großteil der Mitglieder nimmt aktiven Anteil am öffentlichen Leben der Kolonie, Gesang und Tänz füllen die Abende aus. Es hängt viel von der künftigen Aliah aus Wien ab, in welchem Maße diese Wiener Chaluzgemeinschaft ihren Weg wird fortsetzen können. Es hängt auch vieles davon ab, in welchem Maße die zionistische Oeffcntlichkeit Oesterreichs diese m ersten Siedlungspunkt schaffen, ist Keim für zukünftige Entwicklung. Der Kibbuz ist so ein Keim. Und was wir in Palästina schaffen, kann nur unter Mitwirkung aller Kräfte im Zionismus sich entwickeln. Gegenwehr des Jischuw Von Dr. Chaim Tartakower. Wie jeder gesunde Organismus lernt es der Jischuw, sich jederzeit so einzustellen, daß er die gegen .ihn gerichteten Angriffe in geeigneter Weise abwehren könne. So hat es der Jischuw stets verstanden, durch geeignete Maßnahmen Ueberfälle auf Juden seitens einzelner Araber zunichte zu machen. Diese Gegenmaßnahmen In aller Kürze Marschall Pilsudski, der sich augenblicklich auf der Insel Madeira aufhält, soll demnächst Palästina besuchen. * Der jüdische General der australischen Armee, Sir John Monash, ist mit der Vertretung der australischen Regierung bei den Einweihungsfeierlichkeiten in Neu-Delhi betraut worden. * Dreizehn amerikanische Chaiuzim sind auf ihrer Reise nach Palästina in Paris eingetroffen. Der jugoslavische Außenminister Marincovic ist vom Völkerbundesrat an Stelle des finnischen Außenministers Juden Oesterreichs? Die Juden Palästinas haben in den letzten Monaten ihre Kereife- Kajemefh-Spenden verdreifach*? Tut das gleiche! österreichischcrChalüziniinPalästina ihr Interesse und ihre Hilfe entgegenbringen wird. Die Arbeits- und Lohnbedingungen in der Kolonie sind schlecht. Ein Auskommen auf die Dauer ohne eigene Wirtschaft (die Chaiuzim sind in den großen Orangengärten als Taglöhner beschäftigt) ist fast unmöglich. Die Aussichten, eine eigene Wirtschaft zu gründen, sind jedoch günstig: die Jewish Agency hat der Plugah bereits ein kleines Stück Boden (zwei Dunam) übergeben, eine große, moderne Wohnbaracke errichtet, und es ist zu erwarten, daß in allernächster Zeit die Plugah weitere 15 bis 20 Dunam Boden und eine zweite Baracke erhalten werde. Aber das alles genügt nicht. Es werden einige 100 Pfund ftir die Investition notwendig sein, da ist die Mithilfe der österreichischen Zionisten dringend erforderlich. Vergessen wir nicht: alles, was wir in Palästina Großfleischhauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteiIungen ,^ jj,n ■■■■■ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der israelitischen Kultusgemeinde Wien A.ut03Rustellung kostenlos IX, Bert>gasse 1 XVIII, Wöhrlngerstraße 97 die GcsP' iL i großer Schöpfer ewig, da ihr Genius für die fe.T.e Zukunft die Intuition der Bühne erschauen kön;\e, deshalb ist bei ihnen die «liccntia scenica» beschränkt; aber trotzdem rufen auch ihre Gestalten nach Um::i-Leitung, auch diese bedürfen eines Reinhardt. Einen anderen Hamlet verlangte das XVIII. Jahrhundert als das XX. Sogar die kleine Spanne Zeit von Mi .erwuizer bis Kainz zeigt eine bedeutende Evolution auf. Der Mephisto des Mitterwurzer oder Lcwinski hatte Schwefel im Munde, einen Ziegenfuß, wie anders sali der Kainzsche aus! Hinter der Rampe endigt die Ingerenz des Dichters, hier beginnt das Amt des Schauspieler-Regisseurs; auf der Bühne besitzt er die alleinige Legitimation. Die Rolle ist ein Blatt Papier, ein Phantom, ein Skelett — das Leben, das Fleisch und das Blut gibt erst der Schauspieler. Der Zimmermann hat wohl das Boot gebaut, aber gelenkt wird es vom Steuermann. Shylocks Boot hatte viele Steuerleute. Anfangs schüttelte es das wütend aufgebrauste Element, allmählich lenkte man es auf sanftere Wogen ... Es ist Zeit, daß es in den Hafen einfährt. Shylock ist seiner Voraussetzung nach kein negativer Typus. Die Situation hat das Negative erst geschaffen, daher soll man diese Gestalt mit entsprechenden psychologischen Zügen ausstatten; das Tragische herausschälen, das Komödienhafte streichen. Vielleicht wird eine solche Schöpfung nicht ganz dem Dichter entsprechen . . ., jedoch «seine Menschen sind nicht immer die Menschen des Dichters, sind aber immer Menschen», schreibt Lothar über Kainz. Die Bühneninterpretation des Shakespeareschen Juden hat uns der große Sonnenthal in seinem geistigen Testament vermacht. Man müßte Shylock wirklich einmal rehabilitieren. Eine wahre Individualität versteht diesen Oedanken; sie wird dieses Vermächtnis in Ehren halten. waren so wirksam, daß heute nur noch sehr selten von solchen Ueberfallen gehört wird. Leider pflegten in all diesen Fällen die Sicherungsmaßnahmen der englischen Administration nicht in entferntestem Maße zureichend zu sein. Als einmal eine jüdische Deputation sich bei einem hohen Funktionär über diese unausreichenden Schutzmaßnahmen beklagte, erhjelt sie von diesem — es war ein Zionistenfreund — folgende Antwort: «Die Juden sorgen ja selbst in wirksamer Weise für ihre Sicherheit!» Daß bei organisierten Massenüberfällen die Juden sich zu schützen verstehen, haben ja die August-Ereignisse gezeigt. Und jetzt, da das Weißbuch es jedem bewiesen hat, daß wir bei der englischen Regierung keinen Schutz unserer Interessen finden, beginnt der Jischuw, Vorsichtsmaßregeln zum Schutze seiner Interessen zu ergreifen. Die Jüdische Wirtschaft, versucht, ihre eigenen Kräfte dadurch zu stärken, daß sie mit großem Ernste beginnt, die Parole der «Tozereth-Haarez», d. i. des Ankaufs nur inländischer Produkte, zu verwirklichen. Wie intensiv diese Bemühungen sind, kann man daraus ersehen, daß es «geschickte» Kaufleute gibt, die als Vertreter ausländischer Fabrikate der Forderung der Zeit dadurch entsprechen wollen, daß sie die ausländischen Pro^ dukte mit inländischen Emballagen und Etiketten versehen . Es ist uns noch immer nicht klar genug, daß wir dem Jischuw in zweifacher Weise helfen müssen: erstens durch Import nationalen und privaten jüdischen Kapitals, zweitens durch Verwendung jüdisch-palästinensischer Produkte. Das Judentum der Diaspora muß der natürliche Markt für die jüdisch-palästinensischen Produkte werden, und zwar in allergrößtem Ausmaße. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird Palästina in absehbarer Zeit der natürliche Erzeugungsort des hebräischen Buches sein. Aber nicht allein des Buches — es wird auch der natürliche Standort des jüdischen Druckes werden. Die heutige, durch Zollmauern streng in einzelne Teile geteilte Welt hindert noch stark die Entwicklung dieser Sendung. Aber die Zukunft wird es bringen. Palästina muß in dieser Hinsicht mehr leisten, als einst Rußland und Polen. Die Orange beginnt sich sogar den allgemeinen Markt zu erobern. Es sind Bemühungen im Gange, das palästinensisch-jüdische Oel der «Schemen»-Fabriken zu verbreiten. Der K. K. L. versucht, im Zusammenhang mit den jüdischen Festen und Feiertagen den palästinensischen Honig abzusetzen. Leider ist der Sinn für die palästinensischen Lebensnotwendigkeiten auch in zionistischen Kreisen noch minimal verbreitet. ln dem Maße, als Erez Israel nicht mehr ein politisches Lippenbekenntnis bilden, sondern für die Juden und Zionisten eine wirkliche Herzenssache sein wird, wird auch der Gedanke von Tozereth Haarez eine Angelegenheit werden, die vor allem uns Zionisten keine Ruhe geben wird, bis wir ihn zu einem Teile unseres jüdisch-wirtschaftlichen Eigenlebens gemacht haben werden. ||3iaioiaioioioaoioiQioacp 2 Wenn Jtknen unser ■ 2 matt&efüttt. 2 empfehlen Sie es, bitte, bei Jeder 0 Gelegenheit allen Ihren Freunden ■ und Bekannten / Geben Sie uns Q Adressen an, an die wir Frobe^ ■ nummern unserer Bettung ab- Q senden können. ■ pioaoaoBOioaoioioBoioio Procope zum Berichterstatter über Palästina bestimmt worden. $ In Lukowe verstarb der berühmte talmudische Gelehrte Rabbiner Schmuei Schioma Braun. * Die litauische Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, wonach es Ausländern und Staatenlosen verboten sein soll, in Litauen irgendein Handwerk auszuüben. Das Gesetz ist direkt gegen Juden gerichtet. * Die Amsterdamer sepharclisch-jüdische Gemeinde gibt seit einiger Zeit eine Zeitschrift «Der Phönix» heraus. * Am 6. Jänner beginnt in Mährisch-Ostrau eine Konferenz zur Gründung einer einheitlich-jüdischen Reichspartei für die gesamte Tschechoslowakei. * In Warschau wurde der Pole Kowalczyk wegen Ermordung des Juden Israel Sprühregen zu acht Jahren schweren Kerkers verurteilt. Kowalczyk verletzte ihn tödlich durch einen Messerstich, weil Sprühregen sich vor seinem Hause mit einem Freunde in jiddischer Sprache unterhalten hatte. Er erklärte vor Gericht, daß dies ihn in Wut gebracht hätte. * Bialik ist in London eingetroffen. Am 26. Dezember begann die Landeskonferenz der Zionisten-Revisionisten Frankreichs. * Auf einer Konferenz der führenden New Yorker jüdischen Bruderschaften wurde unter Vorsitz von Dr. Samuel Margosches, dem Herausgeber von «The Jewish Day», von den anwesenden 400 Delegierten beschlossen, 50.000 Dollar für den Keren Kajemeth aufzubringen. Ein Drive für den Keren Kajemeth in Südafrika war so erfolgreich, daß 15.000 Dunam Land gekauft werden können. * In Frankreich hat sich unter Vorsitz der Großrabbiner ein Komitee gebildet, das die Jahrhundertfeier des katholischen Geistlichen Henri Gregoire vorbereiten soll. Gregoire hatte hervorragenden Anteil an den Bestrebungen für die Emanzipation der französischen Juden. ln Liverpool fand unter Vorsitz von C. ü. Montefiore, dem Präsidenten der Weltunion für fortschrittliches Judentum, eine Konferenz statt, die für eine Unifizierung des Judentums arbeiten will. Die Debatten galten hauptsächlich der Frage des liberalen (fortschrittlichen) Judentums. Der Vorsitzende meinte u. a., ein gläubiger Christ sei ein wertvolleres Mitglied der menschlichen Gesellschaft als ein ungläubiger Jude. * «Ein Rabbi mit weißer Kappe», das bekannte Rembrandt- Bild, das im Jahre 1910 von Ambrose Monell um 51.500 Dollar angekauft worden ist, gelangte in New York zum Verkauf und erzielte 75.000 Dollar. * John D. Rockeieiter jun., der amerikanische Milliardär, spendete neuerlich 110.000 Dollar für jüdische Wohltätig» keitszwecke.