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Die Stimme · 1930-12-29 · Heft 157 (29.12.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 157 (29.12.1930)
Date
1930-12-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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-'tritt.' •» Ult SUMME Nr. 15T — jy. Dezember lyßU Skandale in Permanenz an der Hochschule ihr Welthandel Der Skandal an dieser Hochschule begann bekanntlich mit widerlichen Prügelszenen, wobei die jüdischen Studenten aus den Lehrsälen hinausgeworfen wurden. Dann kam die Verhöhnung und Beleidigung der jüdischen Studentenschaft in der Kundmachung des Rektors. Die Intervention des Obmannes der zionistischen Mandatare, unseres Gesinnungsgenossen Dr. Desider Friedmann, beim zuständigen Minister, schaffte nur für kurze Zeit Ruhe. Der neueste Skandal ist das nach vorherigem Einvernehmen des Rektors mit der antisemitischen deutschen Studentenschaft in aller Stille vorbereitete und während der 'VVeihnachtsferien verlautbarte „Studentenrecht“. Die gleichzeitig erfolgte Verlautbarung, daß auf Grund des „Studentenrechtes“ die Statuten der deutschen Studentennation genehmigt wurden und daß somit diese „Nation“ die alleinige Vertreterin der deutschen Studentenschaft ist, spricht Bände. Hat man die jüdische Studentenschaft gefragt, hat man ihr einen Entwurf des Studentenrechtes vorgelegt'? Nein! Seine Magnifizenz wollte es offenbar festgestellt wissen, daß es sich um eine Angelegenheit der Deutschnationalen handelt, für die Juden heißt es also „Friß Vogel oder stirb“! So sehen die „gleichen Rechte“ aus, die auf dem Papier auch den anderen Nationen zugebilligt werden. Wir erlebten das gleiche Schauspiel an der Universität. Auch dort wurden die Juden vor ein fait accompli gestellt. Dort aber hat unsere Studentenschaft einen hohen Grad politischer Reife bewiesen. Sie traut den Wölfen im Schafspelz nicht. Sie steht auf dem Standpunkt der Gleichberechtigung. Wozu ein eigenes Studentenrecht bei der verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung vor den staatlichen Gesetzen? In dieser Wie Beduinen das Weißbuch auffassen Jerusalem. (J. T. A.) In der Kolonie Kfar Jehoschua bei Nahallal wurden jüdische Kolonisten beim Pflügen von Beduinen überfallen. Ein Kolonist Wurde verletzt. Fünf Beduinen wurden verhaftet. Nach seiner Verhaftung erklärte einer der Beduinen, er habe geglaubt, durch das Weißbuch sei der Boden Palästinas landlosen Arabern zugesprochen worden, und daß die Juden kein Recht auf Landbesitz in Palästina haben. Bevorstehende Au ^Weisung f an Jordanischer Araber Jerusalem. (J. T. A.) Die Palästina-Regierung hat eine Perlustrierung der Araber, die in letzter Zeit auf illegalem Wege aus Transjordanien eing wandert sind, angeordnet. Gegen 300 Araber, die nicht im Besitze einer gültigen Aufenthaltserlaubnis waren, wurJ ' eine Untersuchung eingeleitet, nach deren Durch! hrung diese Araber in ihre Heimat abgeschoben werden durften. Per Bericht der Klagamauarkommis Ion London. (J. T. A.) Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist der Bericht der Klagemauerkonimission bereits in eien Händen des Kotonialamtes. Da das Kolonialamt bisher keine Gelegenheit hatte, den Bericht zu überprüfen, konnte auch bezüglich einer eventuellen Publikation noch keine Entscheidung getroffen werden. Wie Dr. Liebermann in Bresf-Llfowsk gemartert wurde Wie aus Warschau berichtet wird, haben die Linksfraktionen im polnischen Sejm grauenvolle Einzelheiten über die Behandlung der Oppositionsführer im Militärgefängnis von Brest-Litowsk enthüllt. Der sozialistische Abgeordnete Dr. Liebermann, ein Jude, Jurist von internationalem Ansehen und Oberstleutnant der Reserve der polnischen Armee, wurde schon auf dem Wege nach Brest-Litowsk von den Militärgendarmen in Verschiebung des Kongresses? ln den letzten Wochen haben die Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der Regierung keinen praktischen Erfolg gehabt. Es scheint,' daß Dr. Weizmann es auf sich genommen hat, die Stellung der Exekutive mit neuen Vorschlägen des Regierungskomitees in Einklang zu bringen. Offizielle Sitzungen zwischen dem Komitee der Regierung und der Jewish Agency finden jetzt nicht mehr so häufig statt wie früher. Dafür aber gibt es private Unterhaltungen zwischen den einzelnen Mitgliedern, die jedoch wenig befriedigend verlaufen. In diesen Verhandlungen und Unterhaltungen spielt der Sekretär des Regierungskomitees, Mister Malcolm Mac Donald, ein Sohn des Premierministers, und ein Freund und Bewunderer Dr. Weiznianns, eine aktive Rolle. Malcolm Mac Donald tut alles, um die Wünsche der Zionisten in bezug auf Palästina durchzusetzen und den Premierminister wie auch die übrigen Mitglieder des Kabinetts in diesem Sinne zu beeinflussen. Ob ihm dies gelingen wird, ist natürlich zweifelhaft. Eine öffentliche Regierungserklärung, die eine Aenderung der Politik des Passfield-Weißbuches beinhaltet, ist für die nächste Zeit kaum zu erwarten. Dies hängt mit der Vertagung des Parlaments auf den 20. Jänner und mit der Krankheit Colonel Wedgevvoods, des Vorsitzenden des parlamentarischen Palästinakomitees, zusammen, der sich seines Leidens wegen nicht im zionistischen Sinne betätigen konnte. Es wird sogar gefürchtet, daß das Kolonialamt während der Parlamentsferien neue, den Zionisten abträgliche Aeußerungen und Verordnungen durchdrücken könnte. Die Bemühungen der zionistenfreundlichen Parlamentsmitglieder, wie Mr. Michael Marcus, des jüdischen Abgeordneten für Dunefee, u. a. gehen dahin, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt eine günstige Erklärung zu erhalten und eventuelle Pläne des Kolonialamtes zu durchkreuzen. Es ist jedoch nicht wahrscheinlich, daß eine Erklärung, die die Zionisten halbwegs befriedigen könnte und eine Aenderung des Passfield-Weißbuches enthielte, in kurzer Zeit veröffentlicht werden wird. In zionistischen Kreisen in London wird daher eine Verschiebung des Kongresses als wahrscheinlich angenommen, da Doktor Weizmann wohl kaum in der Lage sein dürfte, dem Kongreß mit leeren Händen gegenüber zu treten und zu erklären, daß die Verhandlungen mit der Regierung noch in Schwebe seien. Iber Endtermin der SdieBcelanrecfonumg ist der $1. itezember 1930. — Kein Gesinnungsgenosse wesilume es, sich rechtzeitig mit dem Schekel zu versorgen? richtigen Erkenntnis und aus Mißtrauen gegen verschiedene Bestimmungen des Studentenrechtes der Universität, ist es bisher zur Bildung einer „Jüdischen Studentennation“ an der Universität nicht gekommen. Wir sind überzeugt, daß unsere jüdischen Studenten an der Hochschule für Welthandel dieselbe Haltung einnehmen werden. Bekanntlich wird bald der Verfassungsgerichtshof Gelegenheit haben darüber zu entscheiden, ob das Studentenrecht der Universität nicht gegen die Verfassung verstößt; aber unabhängig von dem Votum des Verfassungsgerichtshofes herrscht allgemein, vielfach auch in nichtjüdischen Kreisen, das Gefühl des Mißtrauens gegen das Studentenrecht. Das Kuratorium der Hochschule für Welthandel bat sein Veto eingelegt, das Studentenrecht an dieser Hochschule tritt’ daher einstweilen nicht in Kraft. Wir glauben, die Hochschule für Welthandel hat genügend Skandal mitgemacht und genügend Einbuße an Ansehen, insbesondere im Auslande erlitten, sie sollte endlich aufhören, eine politische Arena zu sein und zu einem ruhigen Lehr- und Lernbetriebe zurückkehren. Das wird sie mehr fördern als etwa folgende Ausführungen, die wir einer amerikanischen Zeitschrift entnehmen: Die Majorität findet es jedoch ungefährlich, über eine unbewaitnete jüdische Minorität herzufallen und sie zu verprügeln. Die akademischen Behörden sind offenbar der Ansicht, daß akademische Freiheit gleichbedeutend ist mit «Freiheit für Hulligans», denn sie haben keine Vorkehrungen für die Sicherheit der Juden getroffen. Nur die Angst, daß Oesterreichs Reputation im Auslande unter den fortwährenden Unruhen und Gewalttätigkeiten leiden könnte, hat die Hakenkreuzler veranlaßt, dem Rektor zu versprechen, daß sie nur. Ruhe geben würden. Vielleicht gibt es einmal einen Psychiater, dem die richtige Bezeichnung für den Antisemitismus und seine Manifestationen an Handelshochschulen einfällt.» einen Wald geschleppt und dort unbarmherzig mit Kolben bis zur Bewußtlosigkeit, geschlagen, so daß er 20 schwere blutende Wunden davontrug. Chanukfch In Palästina Jerusalem. (J. T. A.) Der erste Chanukkah-Abend wurde in Tel-Aviv durch eine große Kinderprozession gefeiert. Von der Spitze des Wasserturmes leuchtete eine riesige Men uralt. Die Chanukkah-Nummer von «Haarez» bringt Aufruf zur Förderung der einheimischen Produktion, in dem es u. a. heißt: In unserer Macht liegt es, das Chanukkah-Wunder, den erfolgreichen Widerstand eines kleinen schwachen Volkes gegen den Druck eines zahlreichen und mächtigen Volkes, zu erneuern. Militärische Chanukkah-reler In London London. (J. T. A.) Unter Teilnahme von Vertretern des Kriegsministeriums, zahlreichen aktiven jüdischen I Soldaten und Matrosen sowie jüdischen Militär-Krankenpflegerinnen fand in der Hampstead-Synagoge der jährliche militärische Chanukkah-Festgottesdienst statt. Die Festpredigt hielt der oberste jüdische Militärkaplan Rabbi Dayan M. Golopp. Krise In den australischen Juden» gemeinden Von der allgemeinen Weltkrise bleibt auch Australien nicht verschont. In den australischen Judengemeinden mehren sich in letzter Zeit die Folgen der Krise. So hat, wie «The Jewish Guardian» berichtet, der Rabbiner der Gemeinde von Melbourne resigniert und ist nach England zurückgekehrt. Als Abfertigung erhielt er 1100 Pf. St., die durch eine Hypothek auf die Synagoge aufgebracht wurden. Schlechter erging es dem Rabbiner von Adelaide, David Hirsch, der nach England zurückkehren mußte, weil ihm seine Gemeinde überhaupt keinen Gehalt zahlen konnte, ln Brisbane kürzte die Gemeinde eigenmächtig den Gehalt des Rabbiners, der nun das Gericht anrief. Die zionistische Organisation Australiens befürchtete mit Rücksicht auf die finanzielle Krisis ein Debakel der Schekelaktion und erwirkte bei der Exekutive die Herabsetzung des Preises eines Schekels auf 1 englischen Shilling. So traurig diese Nachrichten sind, so tragisch es für uns ist, daß die schwierige Lage des Zionismus ungünstig beeinflußt wird durch die allgemeine wirtschaftliche Krise, so symptomatisch ist es, daß unsere Gesinnungsgenossen in Australien unbeirrt weiter für den Zionismus kämpfen und ihren zionistischen Verpflichtungen gerecht werden wollen. & orn-fdiufie sind bekannt durch Schick, moderne Eleganz, Paßform und Qualität Die zeitgemäßen Preise bei dieser Firma sind allgemein bekannt fdkulk~2)omt //., ‘Gaborstraße 8a Dafür spricht noch, daß sich die «Jüdische Rundschau» in ihrer letzten Nummer gegen die Taktik des Waad Leumi undder amerikanischen Zionisten gewendet hat, weil difcse die neuen Vorschläge der Regierung, die der Oeffentlichkeit gegenüber geheimgehalten werden, abgelehnt haben. Die «Jüdische Rundschau» stellt weiters fest, daß die Verantwortung für diese Haltung und ihre Folgen auf die amerikanischen und palästinensischen Zionisten falle, die ja mit Verhandlungen mit der Regierung einverstanden gewesen seien; und nicht auf Dr. Weizmann. Auch das Verhalten Dr. Ruthenbergs, der bisher trotz Aufforderung der Arbeiterparteien nicht nach London abgereist ist, wird kritisiert. In allen diesen Vorfällen wird eine Erschwerung der Verhandlungen Dr. Weizmanns erblickt. Die ablehnende Haltung der amerikanischen Zionisten findet eine Erklärung in der Wandlung, die in der zionistischen Oeffentlichkeit Amerikas durch das Passfield-Weißbuch eingetreten ist. Alle diese Gruppen haben auf der letzten Sitzung des nationalen Exekutivkomitees erklärt, daß dasZiel des j ü d i s c h e n N a t i o n a 1 h e i m s nur eine Majorität im Lande bedeuten kann. Dieser Erklärung hat sich sogar die Marshall-Gruppe der Nichtzionisten angeschlossen. Der Wille der amerikanischen Zionisten ist einheitlich auf die Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina gerichtet. Das Exekutivkomitee hat auch in dieser Sitzung den Beschluß gefaßt, die amerikanische Oeffentlichkeit über die Ziele der Zionisten in Palästina einheitlich zu informieren. Unter diesen Umständen erscheint die Verzögerung der Verhandlungen der Exekutive mit dem Reg.ierungskomitee durch die Ablehnung der Regierungsvorschläge in Amerika und Erez Israel wohl begründet. Eine Verschiebung des Kongresses ist daher durchaus in den Bereich der Möglichkeiten gerückt, denn die dringenden Aufgaben der englischen Regierung, wie Indienkonferenz, Kohlenfrage, Gewerkschaftsgesetz, Anwesenheit Mac Donalds oder Hendersons bei der Sitzung des Völkerbundrates und die späte Einberufung des Parlaments machen eine rechtzeitige Erklärung .der Regierung zweifelhaft. 1. r. m. Alle orientalischen fpexialilBten am 02os4 u. Jvic/I (JVornolxen, JHuscfiß usiv.) Reslaurannjirabejj V. fUes., JVaßsftuv^ergassetf Jifilcfkenclkef 9iün6er4 (fzttftev Kotei Jiaftonal)

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