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Die Stimme · 1930-12-29 · Heft 157 (29.12.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 157 (29.12.1930)
Date
1930-12-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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.. in - 29. Dezember 1930 OIE STlMMt Seite 3 Jeder Schekel — ein Manifest Von Dr. Osias Thon, Präsident des jüdischen Sejmklubs in Polen. Ich will nicht: Protest sagen. Auch nicht: Plebiszit. Ja, nicht einmal: Demonstration. Ich Cage ausdrücklich und deutlich: Manifest. Es ist nämlich nicht mein Wunsch, den diesjährigen »Schekel als Zankapfel oder selbst nur als Gegenstand der Auseinandersetzung mit irgendwcrn hinzustellen. Ich will den diesjährigen Fehekel nicht als Wutausbruch bezeichnen, der die zugefügte Kränkung abwehrt, indem er der Welt zeigt und urbi et orbi verkündet, daß wir den gewissenlosen und ungerechten »Schädiger Anklagen und gleichzeitig durch Anwerbung großer Scharen bekunden, daß wir die Kraft haben, den Feind endgültig aufs Haupt zu schlagen. Wir wollen nicht streiten, nicht demonstrieren, kein Plebiszit veranstalten. Wir *— manifestieren bloß. Jeder für sich. Ehe wir die Ziffer summieren, hat jeder Jude für sich ein geradezu elementares Herzensbedürfnis, der Welt sein eigenes, ganz individuelles Manifest zu erlassen. Dieses stille, in sich gekehrte Manifest soll gleich einem seit Jahrhunderten in der Brust unterdrückten Stoßseufzer, aber zugleich wie ein langgedehnter Posaunenstoß einen starken Widerhall irgendwo im Außerweltlichen her vorrufen, dort, wo der geschichtliche Schmerz und die aus ihm heraus sich endlich freimachende historische Erlösung angesaxnmelt ist. Der Schekel, jeder Schekel ist ein solches Manifest eines der Millionenteilchen der nationalen Kollektivseele. Soll jedes Teilchen aus sich und für sich sprechen. Soll dieses winzige Teilchen grausamer Leiden unserer zweitausendjährigen. schweren Geschicke sprechen, — dieses winzige Teilchen des allgemeinen Schmerzes, auf dem sich jeder einzelne Jude seinen eigenen Betstuhl, seinen eigenen Altar und seine eigene Bundeslade aufgebaut hat. Jeder Schekel ist ein Manifest, das spricht: Hier in der tiefsten Abgeschiedenheit meines eigenen Tempels, wo ich allein bin mit meinem jüdischen Schmerz, mit meiner jüdischen Sehnsucht, meiner jüdischen Hoffnung und mit meinem Glauben an eine jüdische Zukunft — * hier manifestiere ich meinen Willen, mein Verlangen nach Erlösung meines Volkes und Wiederaufbau meiner Heimat. Alles, was in mir jüdisch, lebendig und gesund ist, reißt sich zur Freiheit, zur Souveränität, zu — sich selbst los, Gibt es einen Juden, der diese Sehnsucht, diesen Willen, diese Sicherheit nicht besitzt? Gibt es einen Juden, der nicht aus den elementarsten Schichten seiner Seele ein solches Manifest, in dieser tiefen, stillen und in sich gesammelten Art kundgeben wollte oder müßte? Es gibt kaum einen solchen Juden. Gewiß gibt es Juden, es gibt sogar ganze Gruppen, denen schon die Existenz des Judentums als geschlossene Kollektiveinheit Verdruß und Schmerz bereitet. Denn diese Existenz verhindert ihr Versinken in irgend einem fremden Meere bis zum rest- und spurlosen Verschwinden. Sie wollen nicht leben und hier zwingt man sie dazu. Daher die Feindschaft zur eigenen Haut, der Unwille und der Zorn gegen das eigene Blut. Ja, es gibt solche jüdische Individuen und sogar Gruppen. Diese krümmten teuflisch-abscheulich ihren Mund und kicherten in jenem traurigen Moment, als das ganze Volk auf die Kunde vom Verrat und dem meuchlerischen Ueberfall jener, die uns Hilfe und Treue in unserem Aufbauwerk der nationalen Heimstätte zugeschworen haben, im Schmerz sich wand. Niemand von außen, gewisse Gruppen jedoch und Individuen aus unserer Mitte heulten das alt-römische: Hep! Hep!, das heißen sollte: „Diesmal ist Jerusalem schon unwiderruflich zerstört. Das jüdische Volk wird sich nun nicht mehr auf zu heben vermögen und endlich wird man Buhe haben vor dem Volke, das bloß Leiden, sonst jedoch gar keine Vorteile bietet.“ So sprachen im Augenblicke des nationalen Verdrusses und der nationalen Verzweiflung — die sterblichen Reste der Assimilation, das Häuflein bundistischen Uebermutes, das nichts hat, um TELEPHON drMW U-22-3-59 Jehäous GEBRÜDER BRAININ WIEN, I. AouemmarM Za sein mageres, notdürftiges Judentum zu füllen. So endlich riefen mit kreischenden »Stimmen Gruppen und Grüppchen der hoffnungslos unklugen und schreienden roten Jugend. Das ganze Volk jedoch, Zionisten und Nichtzionisten, Freisinnige und Fromme, riefen einstimmig: „Den Feinden zum Trotz werden wir aufbauen. Wir werden das Land unserer Ahnen aufbauen und einen Winkel auf der Erde erweiben, auf dem wir ganz wir sein werden, wir werden wenigstens ein Pünktchen unter Gottes »Sonne für uns erwerben.“ So rief das Volk und handelte darnach. Es hielt in der Arbeit nicht inne, es gab in der Opferwilligkeit nicht nach. Von diesem ganzen Volke eben verlangen wir, daß es diesmal den Schekel kaufe. Den »Schekel als Manifest. Führer schreiben schwungvolle Manifeste, die in starke und große Worte austönen. Du, J ude, jedoch tue Dein Manifest in der winzigen Tat kund, daß Du einen Schekel kaufst. Du wirst der Welt das enthüllen, was Du auf dem Grunde Deines Herzens besitzest: Die Sehnsucht nach dem Lande der Väter, den unverbrüchlichen Willen, dieses Stückchen Erde wieder aufzubauen, und den unerschütterlichen Glauben, daß Deine Sehnsucht in Erfüllung gehen, wird. Dein Wille wird sich in lebendige Tat verwandeln und Dein uralter Traum wird helle, sonnige Geschichte wrerden. Juden, kaufet den Schekel! Nicht bloß an die Zionisten wende ich mich, sondern an alle Juden, an jene insbesondere, welche gar kein Parteischild haben, jedoch Volljuden sind, ohne nähere Bezeichnung und mit einem gesunden historischen Instinkt ausgestattet. An diese Millionen appelliere ich: Wer nicht gegen ’ ns ist, muß d* -pal mit uns sein! Bekundet ein mächtiges Manifest, das in zwei Sätzen ein Glaubensbekenntnis und den unverbrüchlichen Entschluß beeinhaltet: Ich glaube an Erez Israel! Ich werde Erez Israel wieder auf bauen! »So wahr mir der Gott meiner Ahnen helfe! Das palästinensische Agrar- Problem Der Bericht der Johnson Crosbie Commission. Jerusalem. (J. T. A.) Die sogenannte Johnson Crosbie Commission, die in den letzten Wochen gründliche Studien über die ökonomische Lage der lanch.'rts.\'.ulichen Bevölkerung Palästinas und die Auswirkung der staatlichen Steuermaßnahmen angestellt hat, hat soeben ihren Bericht veröffentlicht. Obwohl die Wirtschaftslage der Fellachen in diesem Bericht in äußerst düsteren Farben geschildert wird, gelangt die Kommission doch zu dem Schlüsse, daß mit wenigen Ausnahmen jedes arabische Dorf die Mittel für den Lebensunterhalt seiner Bewohner produziert. Der jüdische Kolonist ist mit landwirtschaftlich-technischen Hilfsmitteln besser ausgestattet, als der arabische Landwirt, sein Lebensstandard ist ein höherer, seine sozialen und kulturellen Errungenschaften sind dem Araber unbekannt. Dci Bericht nimmt das Gesamtausmaß d»-s kulturfähigen Bodens Palästinas mit 12 Millionen Dunam an. Die ländliche Bevölkerung hat sich seit der Volkszählung im Jahre 192*. um 33 Prozent vermehrt. Der durchschnittliche Bruttoertrag eines Dunams beträgt 10 Schilling. 25 bis 50 Prozent dieses Betrages muß der Pächter dem GrundbctMzcr abfllhren, so daß Reinertrag und Pacht annähernd gleich hoch sind. Die Kosten des Lebensunterhaltes für eine sechsköpfige arabische Familie schwanken zwischen 25 und 38 Pfund und betragen durchschnittlich 27 Pfund im Jahr. 8 Pfund jährlich sind für Verzinsung und Abzahlung von Schulden erforderlich. Der durchschnittliche Bodenbesitz beträgt 56 Dunam, während nach Ansicht der Kommission der selbständige Bauer 75 Dunam, der Pächter 130 Dunam besitzen müßte, um ohne Nebenbeschäftigung nur vom Ertrage seiner Wirtschaft leben zu können. Die Steuerlast beträgt 19 Prozent des Reinertrages, über 10 Prozent des Kapitalseinkommens und ebenso viel vom landwirtschaftlichen Rohertrag. Der Lebensstandard der jüdischen Bevölkerung ist nach Gegend und Siedlungsform sehr verschieden. Während in Jawniel, einer Kolonie der PJCA in Galiläa, eine sechsköpfige Familie mit 33 Pfund im Jahre auskommt, beträgt der Lebensaufwand einer ebenso großen Familie in Nahallal 125 Pfund Im Jahre. Der Aufwand für Gemeindeabgaben, Steuern und Zinsen schwankt zwischen 6 Pfund in der Kwuzah Beth Alpha und 28 Pfund in Nahallal. Nach einer Schätzung von Agronom Smilansky beträgt der Reinertrag einer gemischten Wirtschaft von hundert Dunam 49 Pfund. Die K6.sten der Lebenshaltung einer fünfköpfigen Familie werden von Smilansky auf 46 Pfund geschätzt. Örangenpflanzungen liefern einen Reinertrag von durchschnittlich 19y2 Pfund pro Dunam. Die Gesamtverschuldung der palästinensischen Fellachen beträgt nach den Untersuchungen der John- Direkte Linie Triest Jaffa Haifa mit den vorzügl. Salonschiffen .Adria“, „Camaro“ ■. „Cello“ des Lloyd Triestlno Fahrttlaner bloß 4V* Tage FahrpreUi I. Kl. £ 22.-.-: fl, El. £ 16.r.-; III. Kl. £ Jnkl. Bett and \erpfln5unp ferm fmriiiiee nt» Siai if itie, Uin ine japi lisHifit: Lloyd Triestlno. Via.!., Mwim 6 dTari son Crosbie Commission 2 Millionen Pfund, der Zinssatz zumindest 30 Prozent, im allgemeinen 50 Prozent für drei Monate. Von der gleichen Bodenfläche erzielt der jüdische Landwirt ungefähr den doppelten Bruttoertrag wie der arabische. Dagegen sind die Kosten seines Lebensunterhalts mehr als doppelt so hoch wie die des arabischen Landwirls. Unter dem katastrophalen Sinken der Preise für landwirtschaftliche Produkte hat der jüdische Kolonist in demselben Maße zu leiden wie der Fellache. Der Bericht stellt fest, daß es in Palästina mit Ausnahme der Ebene von Beer, Sclieba des Jordantales und des Huleh-Gebietes, deren Kultivierung große Investitionen für Bewässerung und sonstige Meliorationen erfordern würde, nur mehr sehr wenig freien kulturfähigen Boden gibt. Dem dringenden Bedürfnis nach landwirtschaftlicher Schulung der bäuerlichen Bevölkerung ist die Regierung bisher nur durch vereinzelte Bemühungen entgegengekommen. Größeres auf diesem Gebiete haben jüdische Institutionen geleistet. Lin entscheidender Einfluß dieser Bestrebungen auf die palästinensische Landwirtschaft als Ganzes konnte jedoch nicht festgestellt werden. Die Kommission schlägt die Errichtung von Musterfarmen durch die Regierung vor, auf denen die Anwendung verbesserter landwirtschaftlicher Methoden praktisch 'demonstriert werden soll. Das gegenwärtige Steuersystem ist durch eine progressive Einkommensteuer zu ersetzen, nach deren Einführung die Viehsteuer aufgehoben werden soll. Der Zehent ist auf Prozent zu ermäßigen. Als Notstandsmaßnahme soll die Regierung den Betrag von 100.000 Pfund für kurzfristige Darlehen zur Verfügung stellen. Die Einfuhr ausländischen Weizenmehles ist vorübergehend zu verbieten. Ist Lord Passfield jüdischer Herkunft? New York. (J. T. A.) Die bekannte amerikanische Frauenrechtlerin und Präsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, Miß Jane Addams, behauptet in einem Artikel im «Chicago Courier» mit aller Bestimmtheit, daß Lord Passfield jüdischer Abstammung sei. Er sei in Whitechapel als Kind armer jüdischer Eltern geboren. Auf eine im Zusammenhang mit obiger Nachricht an Lord Passfield gerichtete Anfrage teilt Passfields Sekretär E. B. Boyd der Jüdischen Tclegraphen-Agentur mit, Lord Passfield empfinde die Behauptung, daß er von armen jüdischen Eltern in Whitechapel abstamme, durchaus nicht als diffamierend und hätte sich unter gewöhnlichen Umständen nicht veranlaßt gesehen, die Nachricht zu dementieren. Doch müsse er erklären, daß er in einem Stadtteil Londons geboren sei, der noch weniger vornehm ist als Whitechapel. Seine Eltern, die dem kleinen Mittelstand angehörten und für seine Erziehung und Ausbildung große Opfer gebracht haben, hätten wohl in sehr bescheidenen Verhältnissen gelebt, doch könne er nicht sagen, daß er Not gelitten hätte. Schließlich müsse Lord Passfield im Interesse der historisclen Wahrheit fests'.ellen, daß auf Grund seiner genauen Kenntnis weder seine Eltern noch seine Großeltern noch irgendwelche seiner ihm bekannten Vorahnen jüdischen Stammes oder Glaubens, sondern durchwegs reinbiülige Angelsachsen aus Kent und F.ssex waren. Lr könne nicht annehtnen, daß Miß Johne Addams, für deren Lebensarbeit er höchste Bewunderung hege, wirk.ich die Autorin des Artikels im «Chicago Coü:»e. sei, da ihr seine Jugend und seine Familienverhältnisse nicht bekannt sein können. Ein christlicher Protest gegen das Weißbuch Die protestantische Priestervereinigung in Lynchburg, Virginia, U. S. A., hat einen feierlichen Protest gegen das Weißbuch erlassen. Der Protest ist u. a. von dem Pastor Alan Harvey Bröocks unterzeichnet, der im Kriear englischer Offizier war und in Palästina diente. , i

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