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Die Stimme · 1930-12-18 · Heft 156 (18.12.1930) · page 10

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 156 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DTE STIMME Nr. 156 — 18. Dezember 1930 Aus Palästina Starkes Ansteigen der Nationalfondseingänge In Pa«. stina. In den ersten sechs Wochen nach der -Veröffentlichung des Weißbuches haben die Nationaifondseitigänge in Palästina die dreifache Höhe der Eingänge in demselben Zeit abschnitt des Vorjahres erreicht. Geologische Untersuchungen in der Umgebung der Toten Meeres. Ing. Novomeyski hat eine Lizenz zur Vornahme geologischer Untersuchung in der Umgebung des Toten Meeres erworben. Die Tote-Meer-Konzession erstreckt sich nur auf die Gewinnung der mineralischen Ablagerung im Toten Meer selbst. Es wird angenommen, daß «auch in der Umgebung des Toten Meeres reiche Phosphatlager vorhanden sind. Arabische Arbeiter gegen arabische Einwanderung. Der Regierungsexperte für Genossenschaftswesen, M. Brailsford, der gegenwärtig Palästina bereist, hat in Haifa eine Delegation der arabischen Arbeitervereinigung empfangen, um sich über die Bedürfnisse und Wünsche der arabischen Arbeiterschaft unterrichten zu lassen. Die Delegation beschwerte sich darüber, daß die Palästina-Regierung die kontro'Iose Einwanderung transjordanischer und syrischer Arbeiter zulasse, die mit den einheimischen Arbeitern in scharfen Konkurrenzkampf treten. Ein arabischer Regierunfrsbeamter gegen gemeinsame arabisch-jüdische Aktionen. Eine Anzahl arabischer Bauern hatte gemeinsam mit den jüdischen Siedlern des Emek den Behörden ein Memorandum unterbreitet, in dem auf die schwere Schädigung der Landwirtschaft in der Jezreelebene durch die Feldmäusep'age hingewiesen und die Regierung um Gewährung einer Beihilfe gebeten worden war. Der arabische Distriktskommissar hat nunmehr, wie das Organ der palästinensischen Arbeiter «Dawan« mitteilt, die arabischen Unterzeichner des Memorandums wissen lassen, daß diese gemeinsame Aktion eine Reduktion der finanziellen Beihilfe der Regierung für die arabischen Sredler zur Folge haben wird. Weiters teilt das Blatt mit. daß. die Regierung, ohne Rücksicht auf die arab:sch-Hid:sche Petition die Verteilung von Saatgut und Futtermittel für die einzelnen betroffenen Dörfer getrennt voro-enommen hat.. Demonstration jüdischer Arbeiter ln N«ß*Zlona. In Neß- £iona fanden stürmische Demonstrationen arbeitsloser jüdischer Arbeiter statt. Unter den Rufen: «Wir wollen Arbe't und Brot!», durchzogen die Arbeiter die Straßen der Siedjung. ln mehreren Kolonistenhäusern wurden die Scheiben «eingeschlagen. Erst als die Polizei Schreckschüsse in die iLuft abgab, gelang es, die Demonstranten zn zerstreuen. Es wurden keinerlei Verhaftungen vorgenommen. Arbeitskonflikte in den jüdischen Kolonien. Auch ln diesem Jahre führen d>e in der Histadruth Häowdim organisierten jüdischen Arbeiter Klage darüber, daß bei der SÖrangenemte in den jüdischen Kolonien vorwiegend arabische Arbeiter beschäftigt werden. In der letzten Sitzung des Waad Leunri machte J. Supraskv Mitteilung von einem Beschluß der Pflanzer von Petach Tikwah, eine größere Anzahl jüdischer Arbeiter während der diesjährigen Orangenernte anjzustellen, wenn die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation (einer Verminderung des Tagfohns von 4 auf 3 Schilling zuptimmt. Demgegenüber erklärten die Arbeitervertreter im [Waad Leumi, daß die Pflanzer schon früher eine Lohneduktion von nur einem halben Schilling vorgeschlagen aben und daß der nunmehrige Vorschlag zii einer noch geingereri Beschäftigung jüdischer Arbeiter führen müßte da s jüdischen Arbeitern unmöglich sei, mit 3 Schilling im Tag uszukommen. Jahrestag der Eroberung Palästinas durch die Alliierten. Jlnr Gegensatz zu früheren Jahren fanden am 9. Dezember Sdieses Jahres in Palästina keine offiziellen Feierlichkeiten janläßlich des 13. Jahrestages des Einmarsches der Truppen jFeldmarschall Lord Allenbys in Jerusalem statt. Die Rejgierungsämter waren geöffnet, nur der Oberste Gerichtshof nagte nicht Auch einige Banken blieben gesch’ossen. Baubewegung in Jerusalem. Nach Zahlen,, die jetzt von (der Palästina-Regierung veröffentlicht werden, sind in Bauten fin Jerusalem selbst im Laufe des letzten Jahres annähernd fl ,300.000 Pfund Investiert worden. Protest gegen die Sonntagsraheverordnung des High Commlssioners von Palästina. Der Vorstand der Jüdischen jGemeinde, das Rabbinat, der Arbeiterrat und die jüdische Handelskammer, haben in einer gemeinsamen Sitzung eine Resolution gefaßt, in der gegen die Anordnung obligatorischer Sonntagsruhe in den Steinbrüchen von Atfriit durch den High Commissioner energisch protestiert wird- Die arabische Exekutive zum englischen Weißbuch. (Die arabische Exekutive hat beschlossen, ihre Antwort auf [das englische Weißbuch über die künftige Palästina-Politik jerat am 21. Dezember zu veröffentlichen. Die abermalige (Verzögerung der Veröffentlichung dieses Dokuments fst (darauf zurückzuführen, daß in der Antwort' der arabischen Exekutive auch das von Leonhard Stein verfaßte Memoranidum der Jewish Agency zum Weißbuch berücksichtigt wer-!den solL Der jugoslawische Außenminister Uber die englische Palas tinapolitik Saloniki (J. T. A.). Dem jugoslawischen Außenminister M. Marinkovic wurden in Saloniki, wo er sich auf der Durchreise nach Athen kurze Zeit aufhielt, von einem Redakteur der jüdischen Zeitung «L’Independant» schriftlich einige Fragen vorgelegt, die der Minister, ebenfalls schriftlich, beantwortete. Die eine der Fragen, die an Außenminister Marinkovic igcrichtet wurden, lautete: «Ihre erfolgreiche Intervention zugunsten der (Zionistischen Sache auf der vorletzten Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes hat auch die Juden Griechenlands sehr angenehm berührt. Welches ist Ihre Meinung über die Zukunft des Jüdischen Natonalheims nach der Veröffentlichung des jüngsten englischen Weißbuchs über die künftige Politik in Palästina? Auf diese Frage erteilte Außenminister M. Marinkovic nachstehende Antwort: Ich glaube, daß wir volles Vertrauen in Großbritannien hinsichtlich seiner korrekten Durchführung des Mandats setzen dürfen. Großbritannien ist ein Land, das allen seinen Verpflichtungen, auch weniger feierlichen als denen des Mandats, stets in gewissenhaftester Weise nachgekommen Ist. Wir haben keinen Qrund anzunehmen, daß es diesmal anders sein wird. Uebrigens konnte ich mich bisher noch nicht mit dem Bericht, den ich auf der nächsten Sitzung des Völker- * W m fr» inrirrmmn nmiTTi inrv □ Mitarb eit er Ideenreich unbedingt kaufmännisch wfe literarisch begabt, womögl. Akadem., mit S 5000.—, für Reklameateller (Idee, Ausführung, Graphik) von Fachmann mit kompl. Atelier. Büro und Kapital gesucht. Zuschriften unter ^Wirklich Ideenreich" a. d. Adm. bundes vorzulegen habe, befassen. Jedenfalls dürfen die Juden mit der Sympathie meines Landes und meiner persönlichen Sympathie für die zionistischen Bestrebungen rechnen. Einstellung der Einwanderung nach Amerika Washington, 10. Dezember (J. T. A.). Die Immigrationskommission des Repräsentantenhauses hat mit acht gegen fünf Stimmen den Gesetzentwurf zur Einstellung dor Einwanderung in die Vereinigten Staaten während der nächsten zwei Jahre angenommen. Eine Ausnahme Ist nur zugunsten jener Frauen und minderjährigen Kinder legal zugelassener Ausländer vorgesehen, denen seitens der amerikanischen Konsulate ihrer Herkunftsländer bis spätestens 10. Dezember 1930, 12 Uhr mitternachts ein Visum erteilt wurde. Diese Frauen und Kinder sollen im Rahmen der Quote zur Einwanderung zugelassen werden. Die Immigrationskommission befaßt sich noch mit weiteren Amendements zu dem Gesetzentwurf, den sie nach endgültiger Textierung dem Kongreß vorlegen wird. In den Monaten Juli bis Oktober 1930 sind 2863 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert. Die Arbeiterunruhen in Neß-Ziona Jerusalem, 12. Dezember (J. T. A.). Im Zusammenhang mit den in Neß-Ziona stattgefundenen Demonstrationen gegen jüdische Kolonisten wurden 16 jüdische Arbeiter, darunter zwei Sekretäre der Arbeiterorganisation, verhaftet. 12 von ihnen wurden ins Gefängnis von Ramleh gebracht. Das Sekretariat der Arbeiterorganisation von Neß-Ziona gibt in einer Resolution seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Arbeitslosen ihre Zuflucht zur Gewalt genommen haben, und fordert alle Arbeiter auf, strengste Disziplin zu wahren. ChanuHkah, das Makkabäerfest, bringt in jedem jüdischen Haus das Bedürfnis nach traditioneller Musik und Gesang. Jedem glücklichen Grammophonbesitzer sind die großen Sänger und Meister des jüdischen Volkes bekannt und bringen ihm und seiner Familie frohe und angenehme Zerstreuung. Wer sich und den Seinen eine besondere Freude bereiten will, dem empfehlen wir, dem Musikhaus «Excelsior», Inhaber Richard Herzog, L, Adlergasse 5, einem der allergrößten Häuser dieser Branche am Wiener Platz, einen Besuch abzustatten. Es ist eine Sehenswürdigkeit, dieses vorbildlich eingerichtete Haus zu besichtigen. Ein riesiges Plattenlager, jedes Genre enthaltend, eine Schaustellung aller führenden Sprechmaschinentnarken sowie modernster Rad'ogeräte für direkten Netzanschluß für Fern- und Ortsempfang. Ferner ein gutgeschultes Personal, zwölf Vorführungsräume stehen bereit. Die Sintflut H. Bergers Komödie bei den Wilnaern Der Mensch ist klein. Engherzigkeit und Spießertum machen sein Wesen aus. An Gemeinheit grenzende Herzenskälte ist seine stärkste Waffe im sogenannten Lebenskampf. Nur angesichts des Todes wird er anders. Wenn es kein Entrinnen vom Verderben mehr gibt, wird auch die armseligste Kreatur zum edlen Brudermenschen. Die Gäste einer amerikanischen Bar bilden sich bloß ein, daß die Sintflut über sie hereingebrochen sei. In Wirklichkeit wütet nur eine Nacht lang ein heftiger Orkan, Sonst gar nichts. Aber sie alle sind von Kopf bis Fuß auf Tod eingestellt. Und zwölf Stunden lang herrschen dort deshalb paradiesische Zustände: das Qigerl versöhnt sich mit seiner ehemaligen Geliebten, dem jetzigen Straßenmädchen; zwei Ausgestoßene der Gesellschaft werden wie Gleichberechtigte behandelt; wütende Feinde küssen einander und der Wirt schenkt Champagner aus, ohne Bezahlung zu fordern. Dieser Ausbruch der Menschlichkeit dauert aber nur so lange, als man an den Ausbruch der Elemente glaubt. Mit dem ersten hereinbrechenden Sonnenstrahl schmilzt die tragikomische Illusion des Todes, und das hat zur Folge, daß die Herzen wieder steinhart und elsumpanzert werden. Also: für das Gigerl ist die Dirne wieder nur eine Dirne; die beiden Hergelaufenen werden hinausgeschmissen; alter Haß lebt wieder auf und der Barbesitzer verlangt dk Bezahlung der Zeche. Denn der Mensch ist klein. Bergers «Sintflut* ist ein für Regisseur und Schauspieler dankbares Theaterstück. Es hat Tempo, Effekte und Pointen. Und eine bittere ins Gesicht schlagende Moral. Alles: Tempo, Effekte, und den feindurchschimmerntcn Sinn haben die Wllnaer in ihrer Aufführung glänzend?um Ausdruck gebracht. Die zielsichere, schmissige Regle Alex Steins verstärkte die an und für sich schon große Dynamik des Theaterstückes. Die Schauspieler waren alle am richtigen Platz. Stein gab einen Grandsejg^ neur, einen Rechtsanwalt, dessen Phlegma und Menschenkenntnis einen echten Wirkllchkeitseindruqk beiv vorrufen mußte. Der Börsenspekulant Schigarine war nervös bis zur Verrücktheit, Kamay als nprdamerikanischer Bonvivant tadellos kalt und Domb als Barbesitzer hundertprozentiger Yankee. Eine wertvolle schauspielerische Leistung war Liebgolds Neger. Echte Typen schufen auch Kowalsky und Schneidow. Die einzige im Stück vorkommende Frau, Lissy, fand in der jungen Mirjam Horowitz eine ausgezeichnete Darstellerin: sie spielte die Rolle des unglücklichen, schönen Geschöpfes mit Anmut, Herz und stiller weiblicher Tragik. Soll man sich da wundern, daß der eingebildeten «Sintflut* In einer amerikanischen Bar eine wirkliche Beifallssintflut in der Praterstraße 60 folgte? s. w. Der Jude In der filteren engliechen Literatur Im Rahmen der Veranstaltungen des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur hielt Frau Dr. Henriette Rappaport einen fesselnden Vortrag über die Stellung der Juden in der älteren englischen Literatur. «Wir begegnen in ihr», führte die Vortragende aus, «häufig Judengestalten. Man muß sich aber vor Augen halten, daß Im Jahre 1290 die Juden aus Knd vertrieben woiden sind und erst in der zweiten des 17. Jahrhunderts nach England zm'ckkehren konnten. Die Frage ist nun. ob trotz des formellen Verbotes in der fraglichen Zeit von 350 Jahren in England Juden lebten oder nicht, ob also die einheimische Bevölkerung Juden aus eigener Anschauung kannte oder sich nur mittelbar ein Bild von ih ’.en machen konnte.» Die Vortragende vertrat die Ansicht, daß es in dieser Zelt In England keine Juden gegeben hätte. Das englische Volk hätte seine Kenntnisse über die Juden aus dem Alten und dem Neuen Testament, wie auch aus der geschichtlichen Ueberlieferung und verschiedenen Reiseberichten geschöpft. Wahrend aber die Persön ichkelten des Alten Testamentes für die Beurteilung der zeitgenössischen Juden als blutrünstiger, verräterischer Feind Christi, wie er im Neuen Testament dargestellt wird, tief ln das Gedächtnis und die Seele des Volkes eingegraben. Von tragischer Bedeutung für die Beurteilung des Juden war auch seine Ihm durch die wirtschaftlichen Verhältnisse aufgezwungene Betätigung als Wucherer. Häufig erscheint auch die Gestalt des jüdischen Arztes, der seine Kunst in den Dienst der Giftmischerei stellt. Daß das Märchen vom Ritualmord und der Host'enschändung immer wieder auftaucht, zeigt, wie tief der Re'igionshaß verwurzelt war. Im allgemeinen ist festzustellen, daß die Bezeichnung «Jude» sich nicht immer auf einen Angehörigen des jüdischen Volkes bezog, oft war sie auch die Feststellung der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Beruf oder Stand. Nach vielen Beispielen aus den englischen Balladen und epischen Dichtungen behandelte die Vortragende eingehend die Gestalt des Shylock, die sie als komische Figur, ähnlich der des Clown, anslehb Die tiefe Menschenkenntnis Shakespeares ließ ihn allerdings auch das Leiden des ewig Verfolgten voll erfassen. jh. HebrSischc Lieder!m Preßb«rg*?r RMio. Donnerstag, den fl. Dezember, sandte der Preßburger Rundfunk u. a. eine Reihe . hebräisch-palästinensischer Lieder. Frau Dr. Sarah Tomaschoff brachte in ausgezeichnetem Vortrag folnde Lieder von Awigdor Hameln: «Qialuz beneh» aue Pionier!), «Sehend mjchtavlm» (Zwei Briefe) und «SchakeJt hu hallejl* (Stil! ist die Nacht); ferner sang sie die Kantate von Achron und zwei jemenitische Vo’ksüeder. Die hebräische Diktion der Künstlerin war ausgezeichnet. Also Preßburg sendet hebräische Lieder- In Berlin spricht im Radio Kurt Blumenfeld Uber Palästina und Zion’smus. Bjoß die Wiener Madame Ravag nimmt keine Notiz von Ihren jüdischen Abonnenten . . . «Moderne jüdische Künstler,* Samstag, den 6d. M-, fand Im Rahmen des neugegründeten jüdische»* Kulturbundes ein Vortrag Dr. Otto Schneid über «Moderne jüdische Künstler* statt. Der Vortragende sprach in anregender Weise an Hand eines reichhaltigen Bildormaterials über die Entwicklung der bildenden Kunst der neuesten Zeit. Er ging von den Meistern des Impressionismus, Liebermann und Plssaro, aus und leitete dann?u Künstlern moderner und modernster Richtung über. Pie Zuhörerschaft folgte mit größtem Interesse den Ausführungen des Vortragenden, dem es gelang, auch dem Laien ein anschauliches Bild von dar Entwicklung der Kunst und Persönlichkeit dbr einzelnen Künstler zu geben- Dr. Schneid schöpft aus einem Brunnen reichen Wesens und ist gegenwärtig damit beschäftigt, ein umfassendes Werk über moderne jüdische Künstler herauszugeben, dem man mit Spannung entgagensehen darf. Der Vortrag erfreute sich guten Besuches, der davon zeigt, daß d»n Bemühungen des neugegrllndeten jüdischen Kulturbundes auch in weiteren Kreisen der jüdischen Oeffentlichkeit lebhaftes Interesse entgegengebracht wird. - Eine neue Jüdische Monatsschrift in Berlin. Anfang Jänner 1931 beginnt ln Berlin unter dem Titel «Freie jüdische Monatsschau» eine Revue für Politik. Literatur, Wissenschaft und Kunst zu erscheinen. Das erste Heft bringt Aufsätze von Prof. Pr. E. von Kahler (Juden und Deutsche); Mo» Feuchtwanger (Der Ivstorlscbe Prozeß der Juden); Stefan Zweig (Der Dichter Schalom Asch) und eine ausführliche Rubrik Buchbesprechungen. Jedes Heft wird zirka 70 bis 80 Salten stark sein, auf bestem Papier gedruckt im Abonnement jährlich M. 10.—; halbjähr’ich M. 6.— kosten. Es wird gebeten, schon jetzt Bestellungen auf die Zeitschrift an die Adresse von: Josef Melzer, Berlin W. 50, Schaperstraße 30, aufzugeben. Förderung Jiddischer proletarischer Literatur in der Ukraine, ln Charkow wurde die zweite Konferenz zur Beratung der Arbeit unter den nationalen Minderheiten abgehalten. In dem Hauptreferat wurde darauf hingewiesen, daß unter den Literaturen der nationalen Minderheiten b’oß di? jlld’sche Literatur bemerkenswerte Leistungen aufzuweisen habe und daß sie die einzige sei, die al'e Stadien der Klassendifferenzierung durebgemneht habe. Der Referent beantragte die Bereitstellung von Mitteln zur Popularisierung der jüdischen pro’etarischen Literatur unter den jüdischen und nichtjüdischen Arbeitern der Ukraine,

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