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Die Stimme · 1930-12-18 · Heft 156 (18.12.1930) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 156 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 156 — 18. Dezember 1930 DIE STIMME Sette ** Kauft eure Geschenke im Haus der Geschenke Wien, VI., Mariahilferstraße 63 U Einheitspreisabteiiurlg: 50g, S 1.— Verhandlungen mit der Regierung und die Palästina- Anleihe Wie vorausgesagt, hat sich die Situation in London seit der Nachwahl verschlechtert. Die Antwort der Regierung auf das Memorandum der Exekutive über das Passfieid-Weißbuch wurde von den zionistischen Körperschaften in Erez Israel und Amerika rundwegs abgelehnt. Die Verhandlungen sind also auf einem toten Punkt angelangt, da die Position der Regierung du*ch die Wahl gestärkt wurde und sich das Ministerium in bezug auf Palästina in keiner Zwangslage sieht. Die unentschlossene Stellungnahme Dr. Weizmanns im Wahlkampf hat im Unterhaus die Freunde der zionistischen Bewegung verstimmt, insbesondere die Angehörigen konservativer und liberaler Kreise. Dazu kommt noch die merkwürdige Verhandlungstaktik seitens der Exekutive, die die Oeffentlichkeit über den Gang der Verhandlungen absolut im Dunklen läßt. Dies hat auch eine schlechte Wirkung auf die Zionistenfreunde in der Labour-Party gehabt, da diese in den letzten Wochen von der Exekutive für Interventionen zugunsten der Zionisten stark in Anspruch genommen wurden, jetzt aber weder über den Gang der Verhandlungen mit dem Regierungskomitee informiert, noch auch sonstwie über die einzuschlagende Taktik befragt werden; es wird ihnen auch auf diese keinerlei Ingerenz eingeräumt. Diese Abgeordneten beklagen sich offen über das Verhalten Dr. Weizmanns, der sie veranlaßt hat, sich für die zionistische Sache zu exponieren und sie jetzt völlig beiseite schiebt. Diese erfahrenen politischen Taktiker sehen auch in der Stellungnahme der Exekutive zur Nachwahl und ihrer Haltung in bezug auf die Verhandlungen über das Passfield-Weißbuch der Oeffentllchkeit gegenüber einen schweren politischen Fehler. In. diesen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Exekutive ihre große Gelegenheit versäumt hat. Die Verhandlungen mit dem Regierungskomitee werden wenig Erfolg haben. Ueber das Zustandekommen des Weißbuches wird berichtet, daß ursprünglich gemäß den Empfehlungen Sir J. H. Simpsons eine Bodenanleihe vorgesehen war. Der Schatzkanzler Snowden hat jedoch diesen Passus aus dem Weißbuch gestrichen. Lord Passfieid hat das Weißbuch somit herausgehen lassen, ohne daß eine einzige Bestimmung zugunsten der Juden darin enthalten war. Anfang nächsten Jahres dürfte im Unterhaus eine Debatte über die Atifbauanleihe, die ursprünglich im Weißbuch vorgesehen war, stattfinden; es ist jedoch wahrscheinlich, daß sich der Schatzkanzler noch einmal gegen die Anleihe aussprechen wird und daß diese durch die Regierung abgelehnt werden dürfte, da die anderen Mitglieder der Regierung dazu noch nicht definitiv Stellung genommen haben. Das parlamentarische Palästinakomitee wird die Anleihe jedenfalls so lange bekämpfen, bis ihre Bestimmungen zugunsten der Juden abgeändert sein werden. 1. r. m. Oer jüdische Parlamenfsklub in Polen Warschau. (J. T.-A.) Die jüdischnationalen Mitglieder des polnischen Sejm gründeten aufs neue den jüdischen Pariamentskiub, dem vier Abgeordnete aus Galizien und zwei aus Kongreßpolen angebören. J. Grünbaum nahm mit aller Schärfe dagegen Stellung, daß die auf den Regierungsüsten gewählten jüdischen Abgeordneten und der auf der Warschauer Agudah- Liste gewählte Rabbi Lewin aufgefordert werden, dem Klub beizutreten. Grünbaums Standpunkt wurde vom Klub akzeptiert. Das älteste Klubmitglied, Dr. Rosenblatt, hielt die Eröffnungsansprache, zum Präsidenten wurde der infolge Grippeerkrankung abwesende Krakauer Oberrabbiner Dr. Thon, zum stellvertretenden Vorsitzenden Abg. Dr. Rosmarin gewählt. Die drei auf der Regierungsliste gewählten jüdischen Deputierten gründeten eine jüdische Sektion innerhalb des Pilsudski-Klubs, der Agudist Rabbiner Lewin schloß sich keiner Fraktion ah. In der ersten Sitzung des Sejm machte die ztisammengeschmolzene Gruppe der jüdischen Abgeordneten einen niederdrückenden Eindruck auf die jüdischen ( Journalisten und Galeriebesucher. Während im zweiten polnischen Sejm ein jüdischer Parlamentsklub mit mehr als 40 Abgeordneten bestand, sind heute die auf 10 zusammengeschmolzenen jüdischen Deputierten in drei Gruppen getrennt. Im vorigen Sejm saßen die einen einheitlichen Klub bildenden jüdischen Deputierten auf einem bevorzugten Platze, heute sitzen die sechs zionistischen Deputierten ganz weit hinten, die drei regierungstreuen jüdischen Deputierten sitzen versprengt zwischen den Abgeordneten des regierungstreuen Klubs. Ein noch traurigeres Bild bietet die jüdische Repräsentanz im Senat, die aus dem einzigen auf der Regierungsliste gewählten Agudisten Mendelssohn besteht. Tagung des Zentralkomitees der Vereinigung radikaler Zionisten in Prag Am 7. Dezember 'tagte in Prag das Zentr„a!-Komitee der Vereinigung radikaler Zionisten. Ueber den Verlauf der Tagung wird der jüdischen Telegraphen-Agentur berichtet: Die Tagung diente einer eingehenden Aussprache über die außerpolitische und innere Situation des Zionismus und über die Aufgaben der Radikalen Gruppe angesichts des bevorstehenden Kongresses. Die Vertreter der Radikalen ooggogoggogqwgogggooqooqg<xxxxxxxx>g<x> s % g Der jüdische Hochschulausschuß gratuliert $ X herzlichst seinem Mitglied und Mitarbeiter &! Ernst Mandler I o anläßlich seiner Promotion zum Doktor der g g Philosophie, die Samslag, den 20. d. M. § £ um 12 Uhr vormittags stattfindet Eooooooo<>oooo<x>oooooooock>ooooo<>ooooooo bei der letzten Sitzung des Aktiorife-Comitees berichteten u. ä. über die Konstituierung der politischen Kommission und die Motive für die Beteiligung an dieser. Aus diesen Mitteilungen ging hervor, daß die Bildung dieser Konimission von den oppositionellen Gruppen im A. C. gefordert wurde, aus dem Wunsch dieser Gruppen, angesichts des Ernstes der Situation entscheidenden Einfluß und Kontrolle auf diese Verhandlungen zu nehmen, und aus der zwingend empfundenen Unmöglichkeit, die Führung dieser Verhandlungen mit der englischen Regierung der Exekutive zu überlassen. Die Auffassung des Verbandes der demokratischen Zionisten in Wien, daß die Beteiligung an der Kommission den auf der radikalen Weltkonferenz in Lemberg gefaßten politischen Richtlinien widerspreche, wurde von sämtlichen Mitgliedern des Zentralkomitees abgelehnt. Der bevorstehende Kongreß wird in erster Reihe die..Auf gäbe haben, eine Entscheidung großer politischer Fragen tierbejzuführen und die Aufgabe der Radikalen Gruppe tri dem bevorstehenden Wahlkampf, in den sie mit verdoppelter Energie hineingehen wird, wie auch vor allem auf dem Kongreß wird darin bestehen, eine Entscheidung zugunsten des Systems politischer Arbeit, wie es die Gruppe seit langem propagiert, auf dem Kongreß herbeizuführen und für die Wahl einer neuen Exekutive Sorge ru tragen, die dieses neue politische System tatkräftig verwirklicht. Sir Allred Isaac — Generalgouverueur vou Australien London (J. T. A.). Der König hat den obersten Richter Australiens, Sir Alfred Isaac Isaacs, zum Generalgouverneur von Australien ernannt. Die Ernennung geschah auf Empfehlung des australischen Premierministers Scullin. Eg ist dies das erstemal, daß ein Australier, und nicht eth Engländer, Generalgouvemeur ist. Sir Alfred Isaac Isaacs wurde 1855 in Melbourne geboren. Die Laufbahn des neuen Generalgouverneurs erinnert an die des früheren Vizekönigs von Indien, jetzigen Marquis of Reading, dessen Familienname auch Isaacs (als Vizekönig trug er den Namen Sir Rufus Isaacs) war. Beide sind jüdischer Abkunft, treue Anhänger des jüdischen Glaubens und haben sich aus kleinsten Verhältnissen zu höchsten Positionen hinaufgearbeitet. Sir Alfred Isaac Isaacs Ist Sohn eines Schneiders, war, bevor er sich dem Rechtsstudium widmete, zuerst Laufbursche, dann Lehrer und Journalist. Er ist die größte verfassungsrechtliche Autorität Australiens und Mitautor der australischen Verfassung. In aller Kürze Prüf. .sif.11: Lii'Stcin ist in New V'ork eingetroffen. * ln Belgien wurde zum neuen Oberrabbiner Dr. Schwarz aus Straßburg gewählt. * Der neue russische Botschafter für Belgien, Leo Chiutschuk, wurde im Jahre 1868 als Kind jüdischer Eltern in Poltawa geboren. * Der spanische König hat vier jiigoslavische Juden, Repräsentanten der jugoslavischen Holzindustrie, den Orden Merite eivile verliehen. sje Im Zusammenhang mit der Auswanderung nach Biro- Bidschan lassen sich immer mehr Juden in der Hafenstadt Wladiwostok nieder. In dieser Stadt im Fernen Osten leben heute schon 500 jüdische Arbeiter. * Infolge der Lohndifferenzen zwischen den Unternehmern und Angestellten sind alle jüdischen Theater New Yorks geschlossen worden. * ln Hattingen (Ruhrgebiet) ist die *J7. Friedhofsehändung vollbracht worden. * In Nablus (Palästina) wurde eine arabische Brith- Schalom-Gruppe gegründet. * Anläßlich des Eintreffens von M. M. Uss^ehkht in New York wurden vom Keren Kajemeth Massenkundgebungen veranstaltet. * Das Kreisgericht in Suczawa hat 19 angeklagte Pugromisten zu Gefängnisstrafen von drei und Vier Monaten verurteilt. * In den Synagogen von Jerusalem umi;TeirANrir werden Tag und Nicht Bittgottesdienste um Annullierung des Weißbuches abgehalten. * Zuin belgischen Gesandten in Washington wurde Pad May, ein Jude, dessen Gattin eine gebörebe Rothschild ist, in Aussicht genommen. * Dreißig sefthardische Familien beabsichtigen, demnächst nach HeBron zurückzukehren. Carl Laemmle ist Jude. Reichsdeutsche demokratische Zeitungen teilten mit, daß Herr Carl Laemmle, der Präsident der Universal Pictures Corporätidfi, die den Film dm Westen nichts Neues» herstellte, Abkömmling einer protestantischen vkürttembergischen Bauernfamilie sei. Wie wir erfahren, ist Carl Laemmle Jude und stammt aus Laupheim in Württemberg. Während der Verhandlung vor der. Filmoberprüfstelle über den Eitisprubh Sachsens, Thüringens und Württembergs gegen die Aufführung des Remarque-Films verlas der Berliner Vertretet der Universal Pictufes Corporation, R.-A. Dr. Frankfurter, ein Telegramm Karl Laertirnies, (der ein großer Wohltäter seiner württembergischen Heimat ist und u. a. auch in Laupheim mehrere Stiftungen errichtet hat), in welchem Laemmle erklärt, das Buch Remarques habe so sehr für seine alte deutsche Heimat in den Vereinigten Staaten gewirkt, daß er gerade deswegen und aus diesem Geiste der Verständigung der Völker heraus für diesen Film die Herstellung übernommen hat. Das jüdische Buch für Chanukkäh MvriCMjajMsirl von M. Stengel Hebräische Schuifibel nach neuester und bester Methode, mit 40 farbigen Bildern, schön gebunden S 3.60 SMwLwSiLMäLjs!! von Siegfried Abeies Jüdisches Jugendbuch für 8-14 Jahre gdb. S 5.— Leinen S 7.— Buchhandlvng Josef Belf» Wien I, Rebensteig 3

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