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Die Stimme · 1930-12-18 · Heft 156 (18.12.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 156 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 156 — 18. Dezember 1980 DIE STIMME SeWe 3 fliannMtal ■ Aus dem Buche der Makkabäer Da trat Juda, genannt der Makkabäer, sein Sohn, an seine Stelle. Und es halfen ihm seine Brüder und alte, die seinem Vater angehangen hatten, und kämpften mutig den Krieg Israels. Er verschaffte weithin Ruhm seinem Volke, er legte den Panzer an wie ein Held, umgürtete sich mit kriegerischem Gerät, lieferte Schlachten und schützte das Heer mit dem Schwerte. Er glich dem Löwen ln seinen Taten und war wie ein junger Leu, der dem Raube entgegenbrütlt. Er verfolgte die Abtrünnigen, spürte sie auf, und die das Volk schreckten, verbannte er. Da verzagten die Abtrünnigen aus Furcht vor ihm, und alle Uebeltäter erbebten; Gelingen und Sieg war in seiner Hand. Er machte vielen Königen Sorge, aber Jakob machte er Freude durch seine Werke, und für ewig ist sein Andenken gesegnet. Er zog durch die Städte Judas, vertagte die Gottlosen daraus und wendete den Zorn ab von Israel. Und er ward genannt bis ans Ende der Erde und er sammelte die Zerstreuten. Da sammelte Apollonlos die Heiden und von Sa* maria aus ein großes Heer, um gegen Israel zu kämpfen. Da Juda das erfuhr, zog er aus, ihm entgegen, schlug ihn und tötete ihn; und die übrigen flohen. Und er nahm ihre Beute, und das Schwert des Apollonios nahm Juda, und kämpfte damit alle Zeit. Da hörte Seron, der Kriegsoberste von Syrien, daß Juda Leute um sich versammelte und eine Schar von Gläubigen, die mit ihm in den Krieg zogen. Da sprach er: Ich will mir einen Nomen machen und im Reiche geehrt werden, und will kriegen gegen Juda und seine Leute, welche den Befehl des Königs für nichts achten. So rüstete er sich, aufzubrechen, und es zog mit ihm ein starkes Heer von Gottlosen, um ihm zu helfen und Rache zu nehmen an den Kindern Israels. Und sie näherten sich bis an den Aufgang nach Baithoron. Da kam Juda heraus ihnen entgegen, viel geringer an Zahl als jene. . 'Als sie das Heer ihnen ent gegenkommen sahen, da sprachen sie zu Juda: Wie können wir, die wir ,$o wenig sind, gegen eine so gewaltige Menge streiten? Auch sind wir schwach, da wir haute noch nicht ge* gessen haben. Da sprach Juda: Es ist leicht, daß viele in die Hände weniger geliefert werden, und es ist kein Unterschied vor dem Gott des Himmels, zu helfen mit vielen oder mit wenigen. Denn nicht in der Menge der Streitmacht ist der Sieg im Kriege, sondern vom'Himmel her kommt die Kraft. Jene kommen wider uns in Menge voll Uebe/mut and Gottlosigkeit, um uns za vertilgen und unsere Weiber und Kinder, und uns zu plündern. Wir aber streiten für unser Leben und unser Gesetz. Er wird sie vor eurem Angesichte hinstmken; fürchtet euch denn nicht vor ihnen. Da er auf gehört hatte zu reden, fiel er plötzlich über sie her, und Seron und sein Heer wurden vom ihm geschlagen. Und sie verfolgten sie am Abhang von Baithoron bis in die Ebene und es fielen von ihnen gegen acht« hundert Mann, die übrigen aber flohen in das Land der Philister. Da begann der Schrecken vor Juda und seinen Brüdern und die Furcht vor ihnen auf die Heiden ringsum zu fallen. Und es kam sein Ruf bis zum Könige, und von den Schlachten Judas erzählte jegliches Volk. Buch 1. 3 (I — 26). Aus dem Buche „Starke Hand“ von Maimonides (Bestimmungen über das Verlesen der Megillah und Chanukkah. Kap. UI.) Zur Zeit de? zweiten Tempels, als die griechischen Könige die Juden durch Verordnungen bedrängten, ihre religiösen Vorschrift«, aufhoben und ihnen nicht erlaubten, sich mit Thora und den Mizwoth zu befassen, als sie an ihr Geld und ihre Töchter rührten, in den Tempel eindrangen, dort Verwüstungen anrichteten und alles Reine schändeten, da war Israel in großer Not vor ihnen und sie bedrückten es arg -*■* bis sich der Gott unserer Väter ihrer erbarmte, sie aus ihren Händen riß und sie rettete. Da wurden groß und mächtig die Hasmonäer, weiche Hohepriester waren, die töteten die Feinde, retteten Israel aus ihrer Hand, setzten einen priesterlichen König ein, ur.d die Königsmacht fiel für mehr als 200 Jahre wieder an Israel, bi? dos fest der nakkaftfler zur Zerstörung des zweiten Tempels. Als so Israel über seine Feinde mächtig war und sie ins Verderben schickte — am 29. des Monats Klslew war es —, da traten sie In den Tempel und fanden nur einen einzigen Krug reinen Oeis im ganzen Heiligtum, gerade nur genügend für einen Tag. Sie zündeten jedoch davon die Lichter der Opferordnung acht Tage lang an, bis sie Oliven zerstießen und reines Oel herstellten. Deshalb haben die Weisen jener Zeit festgesetzt, daß diese acht Tage vom 25. Kislew ab der Freude und der Lobpreisung Gottes dienen sollen, daß man Lichter an jedem Abend anzündet und sie Nacht für Nacht in die Türen der Häuser stellt, um das Wunder recht weithin sichtbar zu machen. «Chanukkah» heißen diese Tage, weil Trauern und Fasten an ihnen verboten ist wie zu Purim, Das Anzünden der Chanukkahiichter ist eine rabblnische Vorschrift, wie das Lesen der Megilath Esther. Die Pflicht, das Chanukkahlicht zu entzünden, ist ganz besonders beliebt. Man muß sie sehr genau nehmen, um das Wunder recht zu verkünden und um Gott genügend Preis und Lob abzustatten für die Wunder, die er an uns getan hat. Selbst derjenige, der sich nur mit Hilfe der öffentlichen Wohltätigkeit ernährt, soll sein Kleid verleihen oder verkaufen und soll Oel und Lichter kaufen und anzünden. Wenn er nur noch eine einzige kleine Münze hat, die entweder für den Kiddusch des Sabbaths oder für das Anzünden des Cbanukkahüchtes ausreichen würde, dann soll er lieber Oel zum Anzünden kaufen als Wein für Kiddusch, weil ja beide Mizwoth rabbinische Vorschriften sind, die Heiligung des Chanukkahlichtes aber noch die Erinnerung an das Wunder wieder v» ' •uft. Unsere liebe Bundesscbwester SHta ist von uns gegangen. Sie war uns eine liebe und treue Kameradin. Wir werden ihr unser Andenken stets bewahren. PFADFINDERBUND ZIRENU Der jüdische Löwe Von Dr. Sem Woi». Was wissen die im Ghetto verwurzelten Krämerseelen von ihm? Wie können Feiglinge ihn begreifen, die heimatlos sind, sogar in ihren Gedanken? Doch diejenigen unter uns, die stolz sind auf ihr Judentum, die, wenn sie auch nicht aufrecht leben, so doch wenigstens aufrecht leben wollen, wissen, spüren mit jeder Faser, jedem Nerv und aller Glut der Sehnsucht, was dieser Mann damals für sein geknechtetes Vplk bedeutet hat und was er über seinen Tod hinaus für die finstere, zweitausendjährige Golusgescbichte bedeutet. «Our Arjeh Jcbuda» — ein junger Löwe ist Juda. Jener Juda, Juda Makkabi, war wirklich würdig, ein jüdischer Löwe genannt zu werden. Wir sind e|n Volk, das das Wesentliche vefgißt. Wir sind «ine Gemeinschaft, die Sjnh für Nebensächlichkeiten und kein Verständnis für die Hauptsache hät. Wenn dem nicht so wäre, hieße das Fest, da? wir heute feiern, nicht «Chanukkah», sondern Makkabäerfest; wenn dem nicht so wäre, würde das Heldenepos «der Makkabäerbücher in die Bibe} Aufnahme gefunden haben und müßte nicht bei den Apokryphen Zuflucht SUChep. Denn was ist ein größere? Wunder: ein sich selbe* acht 'Tage lang erneuerndes Oel oder der siegreiche Aufstand eines kleinen Volkes gegen feindliche (Jeher* macht? Pas Tempelwunder mag mystisch, unerklärlich sein "-das nationale war, ist und bleibt fpr ewige Zeiten fruchtbar und befruchtend: es erinnert und hilft Immer wieder, stolz zu werden, stark zu werden, jung zu werden. Chanukkah ist ein liebliches Fest der siebenarmi* gen Menorah, Doch wieviel mehr könnten und sollten uns die Makkabäertage sein! Hier in der Fremde, unter bleiernem, schneeschwangerem Himmel sollte doch wenigstens eine Woche lang ein anderes: aufrechtes Leben in uns pulsieren. Aber wjr verbannen die große Gestalt des Juda in Vereinsfeiern und Organisationsabende. Sie ist für uns eine willkommene Dekoration* sonst nichts. Jenseits des Mltteimeercs, in der alt-neuen Heimat, feiert man anders die Makkabäertage. Jenseits des Mittelmeeres sind sie ein Volksfest, ein Freiheitsfest, ein Fest des großen Taumels und nicht der kleinen Freude. Diejenigen, die selbst schon freigeworden sind, können eine Freiheitstat richtiger einschätzen als jene, die noch nie in ihrem Leben gespürt haben» was volle | Freiheit bedeutet l Direkte Linie TriestJaffaHaifa mit den vorzttgl. Salonschiffen ,ldrlau, „CaiB»ro" a. «Cell#“ des Lloyd Trtestino Fahrtdatier bloß 41/» Tag« Fahrpreis« I. Kl. £ 22.-.-; n. Kl. £ 15.-.- } III. Kl. £ toll. Bett nad Verp£«?aag - fmir EtiitJlliln iki Slum m ild, Ui» ui Jim luMMt: lioyd TrlMliao, «in l, ftitamhis LSI Er, ist keine legendenumwobene Gestalt, dieser Juda Makkabi. Es ist ein einfacher Kriegshefd, wie ihn andere Völker haben, ein Mann, der sich gegen die Peiniger au'bäumte und sie besiegte; ein Mann, der den gebeugten Rücken seines versklavten Volkes wie-, der aufgerichtet und der ein heiliges Feuer der Empörung, der Revolution in den Herzen und im Blute' seiner Volksgenossen angezündet hat. Das jüdische Volk hat vielleicht größere Männer als Juda Makkabi hervorgebracht. Das jüdische Volk hat der ganzen Menschheit viele seiner geistigen Genies geschenkt. Aber dieser einfache Kriegsheld, der nichts anderes wollte als Freiheit für sich und die Seinen, soll uns desto teurer sein. Ein Volk, das eine Lammsgeduld hat, täte gut, sich wenigstens von Zeit zu Zeit daran zu erinnern, daß es auch einen Löwen hervorgebracht hat, vor dem die Mächtigen der damaligen Welt zitterten. Ein Volk,, dessen Geschichte so viel Dulder und Märtyrer aufweist, sollte die Erinnerung an seine Helden besonders stark leben lassen. Insbesondere jetzt, in dieser Stunde, in der jüdisches Schicksal jüdischen Heroismus in Palästina fordert. Rabbi Pinchas halevi isch Horowitz (1730—1805) (Zu seinem 200. Geburtstag.), Von Josua Horowitz. Unter den berühmten Rabbinern Frankfurts a. Mai* ist wohl der bedeutendste R. Pinchas halevi isch Horowitz, einer der hervorragendsten Persönlichkeiten der talmudischen Wissenschaft R. Pinehas wurde als der jüngste Sohn des R. Jewi (bekannt unter dem Namen: Reb Herscheie Czortkower) in Czortkow in Polen um das Jahr 1730 geboren. Er genoß die traditionelle jüdische Erziehung und es wurde ihm unter der sorgfältigen Leitung seines Vater? ein tiefer Einblick in di? Wahrheiten der Lehre gewährt Als er später der Schwiegersohn des reichen Joel Heijpern wurde, hatte er auch weiterhin die Möglichkeit, sich sorgenlos mit seinen Studien beschäftigen zu können. Zusammen mit seinen beiden älteren Brüdern, R. Tanehum und R. Schmelke, vertiefte er sich in die talmudische Literatur und in die übrigen jüdischen Wissenschaften. Zuerst wurde er Rabbiner in Witköw jn Polen; von dort wurde er nach Lechwitz berufen, wo er eine Schule gründete, die von vielen strebsamen jungen Leuten besucht wurde. Ajs späterhin in Polen Krieg und Aufruhr herrschte und seine ganze Existenz bedroht schien, ergipg an ihn 1771 eine Berufung zum Rabbiner der Frankfurter Gemeinde. Hier kam er durch die Responseniiteratur auch zum ersten Male mit anderen jüdischen Gelehrten seiner Zeit in nähere Berührung, ln einem überaus komplizierten Scheidungsfalle, der die Rabbiner in zwei Lager geteilt hatte, gab er seine Meinung ab und lenkte so dje öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Bald lebte er in bester Eintracht mit den Frankfurter Gelehrten, und alle widmeten ihr Leben dem einen Ziele, die richtige Erkenntnis der jüdischen Lehre zu fördern. R. Pinchas richtete sich anfangs gegen R. Nathan Adler, GEBRÜDER BRAININ WIEN, I.

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