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Die Stimme · 1930-12-18 · Heft 156 (18.12.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 156 (18.12.1930)
Date
1930-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Saft», t DTE STIMME Nr. 156 18. 1930 Gefahren der „Goldenen Mitte“ Vön Dr. Abraham I n s 1 e t (Lemberg). Will man die politische Lage des Zionismus im gegenwärtigen Momente ernst betrachten und zu einem gründlichen Urteil gelangen, so darf man nicht bei dem letzten englischen Weißbuch beginnen. Die «Interpretation» der Balfour-Deklaration hat viel früher, und zwar in verschiedenen Regierungserklärungen der Mandatarmacht wie auch in der Praxis der Palästinaverwaltung begonnen. Das Weißbuch bedeutet bloß einen weiteren wichtigen Markstein auf diesem Weg, niemand kann aber mit voller Sicherheit behaupten — insbesondere, wenn man auf die Tendenzen Rücksicht nimmt — daß es den Schlußstein auf diesem Wege bilden wird. Es war daher nur allzu verständlich, daß nach der Veröffentlichung des Weißbuches Dr. Weizmann demissionierte und in der ganzen zionistischen Welt ein lauter Ruf nach dem Kongreß ertönte. Der Wunsch nach vollständiger Klärung der Situation wurde auf diese Weise zum Ausdruck gebracht. Es entsprach aller Wunsch, endlich mit der Schablone allgemeiner Redensarten und zweckloser, bei der gegenwärtigen Sachlage gefährlicher Beschwichtigungsversuche zu brechen. Das Aktionskomitee kam zusammen und ging, ohne die Lage zu klären, wieder auseinander . . . Auf Grund von Zeitungsberichten ist es allerdings schwierig, das Ergebnis;der letzten A.-C.-Sitzung richtig abzuschätzen. So 'viel aber kann festgestellt werden, daß die Desorientierung der breiten zionistischen Oeffentlichkeit 4iafch wie vor besteht Unter solchen Umständen bleibt es der Leitung der Weltorganisation unbenom- ,men, einer neuen Politik der «goldenen» Mitte die Bahn für den künftigen Kongreß zu ebnen. Dies scheint auch den Intentionen des englischen Colomgl-Office zu entsprechen, das einerseits 1500 Zertifikate zur Verfügung stellt, andererseits aber nicht an ein Zurückziehen des Weißbuches denkt. Diese Politik der «goldenen Mitte» birgt gerade im jetzigen Moment ganz besondere Gefahren für unsere politische Position und die Zunkunft unseres Aufbauwerkes. Oft kann man zwischen den Zeilen unserer zionistischen Publizistik, ja, mancher offiziellen Erklärung deutlich herauslesen, daß in bezug auf unsere Ziele in zionistischen Reihen EinmüjtigKeit herrscht und gerade deswegen Offenmütigkeit inicht am Platze wäre. Es wird sozusagen eine 'Taktik des goldenen Mittelweges propagiert Nun bestehen aber Gründe, die die Zweckmäßigkeit einer solchen Taktik in Frage stellen. Es muß nämlich befürchtet werden, daß sich aus der T a k t i k des goldenen Mittelweges eine Politik der «goldenen» Mitte herauskristallisiere, wobei die Mitte zu weit hinausgeschoben würde und das Gold sich als unecht erweisen könnte ... Kurz und klar augedrückt: Wir stehen vor der .Gefahr einer erzwungenen oder freiwilligen Anpassung der zionistischen Endziele an die Realitäten, jwie sie von der Mandatarmacht gegen den Sinn und .Geist ihrer internationalen Verpflichtungen zugejschnitten werden. Wir stehen vor der großen Gefahr, daß im Rahmen dieser «Realitäten» sich ein 'kleiner Spielplatz für praktische Arbeit in Palästina findet, der — trotzdem er im buchstäblichen Sinne des Wortes nur ein Spielplatz wäre — vielen Zionisten den freien Ausblick auf die Situation verstellen könnte. Und auf diesem Wege kämen wir, beirrt durch den Schein praktischer Kleinarbeit, zur Preisgebung des ursprünglichen, eigentlichen Zieles des politischen Zionismus. Wir dürfen es weder vor der Welt, noch vor uns selbst verhehlen oder verschweigen, daß dies das Ende einer großen Hoffnung wäre, der einzigen jüdischen Hoffnung auf die territoriale Lösung der jüdischen Frage im Zusammenhang mit der nach dem Kriege proklamierten Befreiung kleiner Völker. Wir können es nicht tun, weil wir auf die Lösung der Frage nicht verzichten und die Welt von der Verantwortung für das Martyrium eines 17 Millionenvolkes nicht befreien dürfen. Auf dieser Plattform steht, mit dieser Plattform fällt — der Zionismus. Eiqe Politik der goldenen Mitte wäre in ui> serem Falle Selbstbetrug! In der zionistischen öffentlichen Meinung herrscht ein Chaos. Mit Resolutionen — nichtssagend und nyr burschikos ia der Ausdrucksweise «— kann uns nicht geholfen werden. Durch Unterstreichung fraktioneller Kritik — dies betone ich als Mitglied eines oppositionellen zionistischen Weltverbandes — kann man auch die Krise des Zionismus nicht überwinden. Hl der Ml im Cafe „Altes Rathaus“ (Cafefier Leo Lowy) Größere und kleine Klublokale 1. Bezty Wipplin* erstraße 24 Tel. U 274*84, U 26-2-74 War soll die Grenzen unseres Zieles varzeichnen? Dürfen sie durch «Möglichkeiten» bestimmt werden, die, fremden politischen Zielen angepaßt, uns jeder Realität unseres Strebens berauben, oder müssen sie durch Notwendigkeiten bestimmt werden, die dem Zionismus seinen Sinn und Wert, seine Schwungkraft gegeben haben? Diese Frage soll man nicht etwa mit einer jüdischen Zwischenfrage beantworten: «Wie soll man den Notwendigkeiten Rechnung fragen, wenn faktisch die Möglichkeit hierzu fehlt?» Auf diese T;rage müßte offenmütig und klar geantwortet werden: dann dürfen wir uns wenigstens nicht selbst täuschen, denn Selbsttäuschung ist das gefährlichste Mittel im politischen Kampfe, sie schafft keine Möglichkeiten und bringt nur Enttäuschungen. Vor diesen Fragen wird der nächste zionistische Kongreß stehen und seine erste Aufgabe wird es sein, diesen Fragen nicht aus dem Weg zu gehen. Es mag scheinen, daß es reine Theorie sei, allgemeine Grundsätze wieder zur Diskussion zu stellen, da doch praktisch-politische Fragen in bezug auf einzelne Stellen des Weißbuches erwogen werden müssen, und durch Unterhandlungen Abänderungen in diesem oder jenem Punkte erreicht werden sollen. Doch durch Details kommen wir nicht weiter, denn das Wesen der Sache ist bedroht, das Problem als Ganzes steht auf der Tagesordnung und erscheint — unabhängig von möglichen Detail-Konzessionen — in Frage gestellt! Unter diesen Umständen hört die Frage auf, Gegenstand zionistischer Meinungsverschiedenheiten pro föro interno zu sein, sie wird zum zentralen Problem aller Zionisten ohne Unterschied der Schattierung und fördert von allen eine mutige und klare Antwort. Dies ist das wichtigste Memento für den kommenden Kongreß. Der Weg der «goldenen Mitte» mag gangbar sein, sicherlich ist er auch bequem. Aber er birgt große Gefahren in sich. orn-fdiußc sind bekannt durch Schick, moderne Eleganz, Paßform und Qualität Die zeitgemäßen Preise bei dieser Firma sind allgemein bekannt //•> *Gaborstraßß 8q Vor den Wahlen zur Assefath Haniwcharim Jerusalem (J. A. T.). Anläßlich der bevorstehenden Wahlen zur jüdischen Nationalversammlung von Palästina (Assefath Haniwchärim) haben die palästinensische Arbeiterpartei und die revisionistische Organisation, zwischen denen sich der Wahlkampf in erster Reihe abspielen wird, ihre Wahlprogramme veröffentlicht Während sich das Wahlprogramm der Arbeiterpartei in allen zionistischen Grundfragen mit der Jewish Agency identifiziert, richten die Revisionisten einen konzentrischen Angriff auf die gegenwärtige zionistische Führung. ln seiner letzten Sitzung hat der Waad Leuipi im Hinblick auf die noch im Gange befindlichen Verhandlungen zwischen den Sephardjm und der Farmervereinigung be*- schlossen, den Wahltag vom 15. Dezember auf den 15. Jänner 1931 zu verlegen. firftftirung «Die Neue Welt» versieht einen ln Ihrer Nummer vöm 12. Dezember 1930 abgedruckten Artikel mit der Vorbemerkung* daß «die Veröffentlichung dieses Artikels im offiziellen Parteiorgan vom Landeskomitee untersagt wurde, mit der Begründung, daß Im zionistischen Parteiorgan gegen die österreichische Sozialdemokratie der Vorwurf politischer Unmoral nicht erhoben werden darf.» Diese’Behauptung ist jedoch unwahr. Als Herr Ern6t Hoffinann uns seinen Artikel vorlegte, waren wir bereit, diesen, trotz mangelnder Sachlichkeit, loyalerweise dbzudrucken. Wir verlangten nur, daß angebliche Zitate, die fälschlicherweise Herrn Dr. Steinberg in den Mund gelegt wurden, um sie dann leichter bekämpfen zu können, sowie einzelne Stellen, die Beleidigungen enthielten, welche dem Niveau unseres Blattes nicht entsprechen, richtiggestellt oder modifiziert werden. Herr Hoffmann hat daraufhin seinen Artikel zurückgezogen. Daß jedoch unsere Bedenken am Platze waren, erhellt schon daraus, daß in dem in der «Neuen Welt» zum Abdrucke gelangten Artikel verschiedene Aenderungen und Weglassungen vorgenommen wurden, so daß dessen Wortlaut mit dem uns vorgelegten Manuskripte nicht identisch ist. Die Vermutung des Artikelautors, daß die Ausführungen des Herrn Dr. Steinberg in der «Stimme» «offiziös inspiriert» waren, ist aus der Luft gegriffen, da das Landeskomitee in der Frage der Landespolitik bisher keine endgültige Stellung genommen hat; Das neue Bodengesetz für Palästina Die arabische Presse hat sich in letzter 2eit äußerst wohlinformiert gezeigt und die bevorstehenden Maßnahmen und Ereignisse ziemlich genau vorhergesagt. Dies könnte möglicherweise auf engen Beziehungen der arabischen Presse mit der Palästinaverwaltung beruhen. Wie die Zeitung «Me f Aat e 1 Sh a r q» mittelU, hat die arabische Exekutive von der Regierung eine Kopie einiger Bestimmungen erhalten, die Bestandteil des neuen Bodengesetzes «ein werden. Die arabische Exekutive wurde auch aufgefördert, ihre Meinung darüber zu äußern. Nach dieser Mitteilung soll das neue Gesetz u. a. folgende Bestimmungen enthalten: 1. Der High Commissioner ist die oberste Autorität in Angelegenheiten des Kaufes und Verkaufes von Boden. 2. Ein Araber darf ohne vorherige Erlaubnis des High Commissioners an keinen Juden oder sonstigen Nichtaraber sein Land verkaufen. 3. Die Regierung hat das Recht, jedes Grundstück, das zum Verkauf angeboten ist, unter der Bedingung zu kaufen, daß der Verkäufer ein Rückkaufsrecht erhält; er kann die Rückkauf summe in 15 Jahresraten abzahlen. Wenn dieses Bodengesetz, das eine flagrante Nichtachtung der Balfour-Deklaration, des Grundsatzes der Gleichberechtigung sämtlicher Angehörigen von Völkerbundstaaten in den Mandatsländern und des Mandates, ist, Wirklichkeit werden sollte, so bedeutet es das Ende der zionistischen Bodenpolitik und der Tätigkeit des Nationalfonds. Es ist nicht zu verwundern, daß solche Vorfälle die größte Erbitterung und Verwunderung des Jischuw hervorrufen, die sich in den Wahlen zur Assefath Haniweharim und in der Kortgrößkampagne äußern wird. Dazu kommt noch, daß, wie eine andere arabische Zeitung meldet, Vorbereitungen für die Wahlen in die gesetzgebende Versammlung, die Anfang 1931 stattfinden sollen, getroffen werden. Danach soll das Land ln vier Wahlkreise eingeteilt werden, nämlich Akkon, Sichern, Jaffa und Jerusalem* Der Wahlkreis Jerusalem wird Hebron, Bethlehem und Ramallah; Jaffa wird Qa?a und Berscheba mit einbegreifen. In arabischen Kreisenwird erwartet, daß die Kreise Jerusalem und Jaffa zusammen einen christlichen Abgeordneten stellen werden, während der andere in den NörtJdistfikten gewählt werden wird. Dje Verhandlungen der Exekutive mit der Regierung in London haben bisher nur den Erfolg gehabt, daß die Drucklegung des rieüen Landgesetzes ailfgegchoben wurde. Trotz dieser Vorbereitungen ist jedoch die arabische Opposition gegen das neue Bodengesetz itn Wachsen begriffen. Die arabische Opposition geht von dem Standpunkt aus, daß die arabischen Bauern durch das neue Landgesetz nicht in der Lage sein werden, ihre Schulden zu bezahlen, insbesondere die Schulden, die sie bei jüdischen Privatpersonen und Körperschaften aufgenommen haben. Bezeichnend dafür ist die Aeußerung, die der arabische Scheik des Wadi Al Chanim, Abdul Rachmon Al Tadgl, zu Kolonisten in Ness Ziona gemacht haben soll, nämlich, daß die Araber aus wirtschaftlichen Gründen genötigt sein werden, das Passfleld-Weißbuch zu bekämpfen, wenn die jüdische Einwanderung und der jüdische LAndkauf dadurch aufhören sollte. Die jetzige schwierige wirtschaftliche Lage in Palästina wird nicht nur der Weltwirtschaftskrise, sondern auch der gespannten Situation zwischen Mandatsregierung und Exekutive zugeschrieben. Unter diesen Umständen muß die wiederholt beteuerte Unparteilichkeit der Palästinaverwaltung Ironie und Erbitterung hervorrufen, namentlich, wenn ihre eigenen offiziellen Angaben auf der einen Seite über die Tatsache Klage führen, daß sich zahlreiche Juden dauernd im Lände niedergelassen haben, die nur als Touristen eingereist sind, während auf der anderen Saite des offiziellen Berichtes ruhig angegeben wird, daß dreihundert Araber aus dem Hauran (Französisch- Syrien) sich ohne Einreisebewilligung im Land aufhalten und sogar Arbeitsplätze beim Bau des Hafens von Haifa erhalten haben* Frank Bardeni. Modifizierung des Weißbuchs? London. (J. T. A ) Wie «Dolly Telegraph» 9m zuverlässiger Quelle erfährt, hat die englische Regierung in dem Bestreben, die Mißstimmung m seifigen, die das Weißbuch über Palästina unter den Juden hervorgerufen hat, im Verlaufe der Verhandlungen mit der Jewish Agency einer Reihe von Modi* fikationen des Weißbuches zugestimmt. Der zionistischen Organisation ist eine schriftliche Antwort auf das Exposä Dr. Weizmanns in der Verständigungskonferenz zugegangen und die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Regierung und der Jewish Agency wurden wieder aufgenommen. Okkasion bei Schuh-Dorn Zu halben Preisen können Sie jetzt einzelne Paare in Eidechsen-Schlangen*',M(hen un« andere, solange der Vorrat reicht, kaufen. «ä* besten schwedischer» Marken in Gummiüberschuhen und Stiefeln, frisch, huriee Ware, ln Paßform, die man bis jetzt noch gar nicht gebracht hat Die Preise sind heuer enorm billig. Schuh-Dorti, II.« Taborstraße 8a*

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