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Die Stimme · 1930-12-11 · Heft 155 (11.12.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 155 (11.12.1930)
Date
1930-12-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 155 — 11. Dezember 1930 Off STTWMf Seite 3 j^eihna -Ui?!:'/, ft 7! iüBi yj'!!!!y^»«j^j^* * ■ *-Mj» j| ililill Iföü! i»sl Nach der Wahl in Whitechapel Die Wahl in Whitechapel hat folgenden Ausgang genommen: 1930 1929 James Hall (Labour) .... . 8.544 13.701 Barnett Jänner (liberal) . . . . 7.445 4.521 T. E. L. Guinnes (konservativ) . . 3.735 3.417 Harry Pollitt (Kommunist) . . . 2.160 — Labourmajorität.. . 9.180 1.099 Trotzdem die Majorität der Labour Party irj dier sem Wahlkreis um mehr als 8000 reduziert und damit zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Wählerschaft u. a. m|t der Palästinapolitik der Regierung unzufrieden ist, ist das Resultat nicht erfreulich. Eine klare Antwort der Juden Großbritanniens hätte nur der Sieg des liberalen Kandidaten bedeutet, und damit wäre das Weißbuch Lord Passfields erledigt gewesen. In den letzten Tagen vor der Wahl jedoch war dieses Resultat schon nicht mehr zu erwarten, da die englir sehe zionistische Föderation sich nicht für d^n liberalen und zionistischen Kandidaten Ginsetzte und Dr. Weizmann am Sonntag in einer Rede erklärte, «der Zionismus stünde über den verschiedenen Parteibestrebungen jedes Landes», womit er offenbar meinte, daß die zionistische Organisation bei der Wahl ln Whitechapel nicht schlankweg und geschlossen sich gegen den Labour-Kandidaten steilen solle. Was die Verhandlungen der zionistischen Organisation mit der Regierung betrifft, so werden diese strikt geheimgehalten; es wird jedoch in informierten Kreisen verlautbart, daß die Antwort der Regierung auf das Memorandum der Exekutive über das Weißbuch nach Amerika geschickt worden sei, um die Meinung der amerikanischen Führer darüber zu hören. Seither haben keine Verhandlungen mehr stattgeiunden. Diese sollen erst anfangs nächster Woche, nacli Einlangen der Antwort aus Amerika, aufgenommen werden. Die Antwort der Regierung soll einige geringfügige Aenderungen der Weißbuch-Politik enthalten, die ein Entgegenkommen der Regierung bedeuten. Jedoch ist festzuhalten, daß dje Regierung cjte Verhandlungen auf der Grundlage des Weißbuches 1930 aufgenommen hat, während die Exekutive vor Eingehen in die Verhandlungen öffentlich erklärte, daß sie ohne Berücksichtigung des Weißbuches 1930 die Verhandlungen miti der Regierung führen könne. Es ist nun zu verwundern, daß die Exekutive nach einer solchen Feststellung die Oeffentiichkeit über den Gang der Verhandlungen im Dunkeln läßt, wenn die Regierung erklärt hat, daß sie die Verhandlungen nur auf der Basis des Weißbuches aufnehme, während die Exekutive das Weißbuch als Verhandlungsbasis ablehnt. Die Exekutive hätte es in der Hand gehabt, durch eine entschlossene Stellungnahme bei der Naejir wähl die Regierung zur Aufgabe des Weißbuches zu streng orih. Selchwarenfabrik Petyän & Co. Wien. II., Praterstraße 38 Ist die Sensation r es tl. Bezirkes Die beste Qualität au uou billigsten Freisen bietet Gewähr füi vollste Zufriedenheit de« t\ T. Publikums Swipgen. Es Ist zu erwarten, daß die Haltung der Regierung als folge des Ausganges der Nachwahlen der Exekutive gegenüber unnachgiebiger werden wird. Im engsten Zusammenhang damit steht es, daß bedeutend6 Personalveränderungen auf beiden Seiten von Informierten kreisen erwartet werden. Im Zusammenhang mit dem Manifest Sir Oswald Mosleys werden in den nächsten Monaten Aenderungen in der Zusammensetzung des Kabinetts erwartet, und Lore! PasSfiejd soll einer von denen sein, die zur rück treten. In Regierungskreisen wird aber auch angenommen, daß der Kongreß im Februar eitle Aenderung in der Führung der zionistischen Organisation rriit sich bringen wird. Man erwartet in diesen Krejsen, daß Pihchas Ruthenberg an die Stelle Dr. Weizmanns treten wird. In kürzer Zeit sollen diesbezüglich Verhandlungen zwischen Ruthenberg und einer führenden Persönlichkeit der amerikanischen Organisation stattfinden» und man glaubt, daß Ruthenberg auf amerikanische Unterstützung wird rechnen können. Insbesondere ist die Zusammensetzung der höchsten zionistischen Beamtenschaft der Londoner Exekutive 0g_ genstand kritischer Betrachtungen, da diese d6h hohen Beamten des Kolonialamtes in keiner W:eise gewachsen ist. Der Ausgang der Wahl in Whitechapel flat also die Steilung der Exekutive als Verhandlungspartner erschwert und die innerpolitlsche Lage ini Zionismus verschärft, namentlich aus dem Grunde, weil, wje die letzten Vorfälle bei ein$r Versammlung in Tel-Aviv gezeigt haben, dyreh die Unterstützung, die die Poaje Zion und die Exekutive dem Kandidaten der Regierung gewährt haben, die innerzipnistischen Gegensätze noch mehr verschärft wurden. L. R. M, Passfieid rückt weiter vom Inhalt des Weißbuches ab Palast inaDe Hatte im englischen Oberhaus London, 4. Dezember. (J. T. A.) Nachdem vor etwa 3 Wochen das Palästina-Problem in einer speziellen Sitzung des Unterhauses eingehend behandelt wurde, wobei die prominenten Führer aller Parteien das Wort ergriffen haben, befaßte sich nun auch das Oberhaus am Donnerstag, den 4. Dezember, in einer eingehenden Aussprache mit der Palästina-Frage. Im Mittelpunkt dieser Debatte stand eine Rede des Kolonienministers Lord Passfiefd, der im Oberhaus ini Namen ger Regierung sprach, deutlicher als bisher rückte Passfield von dem Inhalt des vielbekämpften Weißbuche^ vom September d. j. abf Passfield (erklärte, die (Regierung beabsichtige nicht, den Ankauf von §Qden in Palästina ajs unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes, sowie die ausschließliche Verwendung jüdischer Arbeiter auf solchem Boden zu verbieten. Ueberliaupt brachte Lord Passfield ln dieser Rede den jüdischen Postulaten größeres Verständnis als bisher entgegen, und wies zur Rechtfertigung solcher Postulate darauf hip, daß ja agch andere Gemeinschaften in Palästina berec! . seien, Land zu erwerben, und daß auch iti andere** Ländern bestimmte Arbeiterkategorien gegenüber anderen bevorzugt werden, ohne daß die Regierungen dieser Länder gegen solche Verhältnisse Stellung nehmen. Lord Islington, efer bekannte Araberfreund und Antizionist, hatte vorher an die Regierung idle Anfrage gerichtet, was sie angesichts der <&f£b die Exproprjatjpp der Araber lg Palästina geschaffenen schwierigen Situation zu tun gedenke. Lord Danesifort schloß sich den Ausführungen Lord Islingtons an und fügte hinzu, daß auch dje PICÄ (Palestine Jewish Colonisation Association) eine ähnliche Einschränkung der Verwen? düng arabischer Arbeit wie die Jewish Agency verfügt habe. Den Ausführungen Lord Islingtons trat Lord Reading entgegen, der erklärte, die Juden seien auf der Grundlage der Baflour-Dekiaration nach Palästina gekommen. Die Mittel zu den Bodenkäufen seien durch freiwillige Spenden aufgebracht worden. Eine Enteignung der Araber baba nicht stattgefunden. Die . Ziffern der Ber.iner Berlin- (J. t.*a.) Sine offizielle Mitteilung über das Ergebnis der m Sonntag «tarchgefuhrten Wahlen?wr Repr^sentantinversammlung der Berliner Jüdl* sehin Qeorelnde liegt noch nicht vor* W|e w|? erfahren. sind d|e endgültigen Ziffern folgende: Abgegeben wurden 77.405, davon 76.938 gültige Stimmen. Es entfielen auf Liste l (Liberale) 41.704, Liste 2 (Volkspartei) 25.527, Liste 3 (Mittelpartei) 1776, Liste 4 (Konservative) 1390, Liste 5 (Poale Zion) 1911, Liste 6 (Deutsche Liste) 1344, Liste 7 (Klal Jisroel) 113, Liste 8 (Ueberparteiliche Verein.) 2333, Liste 9 (Positiv-Liberale) 721, Liste 10 (Jüd.- Demokr. Block, vor der Wahl zurückgezogen) 119 Stimmen. Direkte Linie Triest-Jaffa Haifa mit den vorzügL Salonschiffen „Adria“, „Caraaro“ a. „Cello“ <tes Lloyd Triestlno Fahrtd^aer bloß 4ty, Tuge Fahrpreis: I. Kl. £ 93.-.-; II. KL £ 15-| RI. Kl. £ 6.-.- inkl. B«U and Verpfinfjatifr ftrwr Enrilnici neto SliMi lyim Uin nt lim Mbli: Uoyd Triostine, Vita, I.. RMmiti t tSWll Die 41 Repräsentantensitze werden wie folgt verteilt: Liberale 24, Volkspartei 14, Mittelpartei 1, Poale Z|on 1, Ueberparteiliche Verein. 1. Die übrigen Listen bleiben noch Ohne Mandat. Ueber die endgültige Verteilung der Berliner Mandate für die Preußische Landesversammlung jüdischer Gemeinden wird der am Mittwoch abends zusammentretende Wahlausschuß endgültig entscheiden. Austritt der Wiener Stricker- Gruppe aus dem Radikalzionistischen Weitverband Der unter der Führung von Robert Stricker stehende Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs hat den Austritt aus dem We'tverbande der radikalen Zionjsten beschlossen. Beschluß und Vollzug wurden sogleich dem Zentralkomitee des Weltverbandes in Berlin offiziell bekanntge-i geben. Gleichzeitig hat der Verband der radikalen Zionisten in Oesterreich beschlossen, in Verhandlungen mit dem revk< sjpnistischen Exekutivkomitee in London einzutreten, zwecks Bildung einer Wahl- und Kongreßgetneinsehaft zum bevorstehenden XVII. Zipnistenkongreß und ayf demselben. Eirie Erklärung des Zentralbureaus der Vereinigung radikaler Zionisten Berlin (J. T. A.). Vom Zentralbureau der Vereinigung radikaler Zionisten geht der J. T. A. die folgende Erklärung zu: Der Austritt des Verbandes demokratischer Zionisten in Wien aus unserer Vereinigung ist völlig überraschend für uns gekommen. Es war uns wohl bekannt, daß Herr Oberbaurat Stricker und seine Freunde gegen unsere Beteiligung an der auf der letzten A. C.-Sitzung gebildeten politischen Kommission Stellung genommen hatten. In erster Reihe auf den Wunsch der Wiener Gruppe hin haben wir für Sonntag, den 7. Dezember» eine Sitzung unseres Zentralkomitees nach Prag einberufen, dj<? unter anderem die Aufgabe haben soijte, zu dieser Meinungsdivergenz Stellung zu nehmen. Zu unserer Verwunderung hat die Wiener Gruppe es vorgezpgen, vor dieser Sitzung des Zentralkomitees bereits ihren Austritt zu beschließen und bekannt zu geben. Die Beendung, die Herr Oberbaurat Stricker für diesen Beschluß gibt, wonach die politische Führung der radikalen Zionisten von den auf unserer Lemberger Konferenz beschlossenen Richtlinien abweicht, ist völlig unzutreffend. Die Frage unseres Eintritts in die politische Kommission war. lediglich eine taktische Frage upd hat, wie unsere Vertreter auf der letzten A. C.rTagung mR aller Deutlichkeit — zuletzt noch in einer während der Schlußsitzung verlesenen Deklaration rrtr zum Ausdruck gebracht haben, mit unserer grundsätzlichen oppositionellen JJaltyng nichts zu tun. Wir haben in der Deklaration ausdrücklich betont, daß unsere politische Haltung unverändert und d|e Entscheidung der grundsätzlichen politischen Streitfragen dem Kongreß Vorbehalten bleibt. Unsere Beteiligung an der politischen Kommission, die mit Ausnahme der Wiener Gruppe sonst von keiner anderen Landesgruppe unserer Vereinigung kritisiert wurde, hat lediglich cten Zweck gehabt, bei den jetzt vor sich gehenden wichtigen Verkantungen, cjje die Jewißh Agency mit einem Subkomitee des englischen Kabinetts zu führen hat, unserer Gruppe, wie anderen oppositionellen Gruppen die Möglichkeit zu geben, ihren Standpunkt zu vertreten und ihren Einfluß geltend zu m^fihan. Mit dem dieser Verhandlungen wird die politische Kommission, wie es der A- C-Beschlyß ausdrücklich vorsieht, ihre Tätigkeit beendet haben. T5LEERHQN U,22*3-50 elzhaus GEBRÜDER BRAININ WIEN, I. äSauovnmci'IU *a j 621891 1

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