Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 155 (11.12.1930)
- Date
- 1930-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Soft» 2 MB STIMM« Nr. 156 — 11. Dftgemter 1980 Schekel und Kongreß Von Lazarus Barth (London). Mitglied der Exekutive. Die Exekutive hat einen Aufruf für Schekel und Kongreß erlassen, kann aber keineswegs sicher sein, daß er die notwendige Wirkung haben wird. In dieser Zeit hoher politischer Spannung beherrschen die Diskussionen Uber Weißbuch, englische und arabische Politik so sehr die Diskussion in den Landesorganisationen, daß die wichtigste Aufgabe, die Aufrechterhaltung der Organisation selbst, weitaus zu kurz kommt, und das darf nicht sein. Die zionistischen Verbände müssen sich Ober zwei Dir.ge im klaren sein. Einmal hängt das Gewicht unseres Auftretens, das Ansehen, das wir bei Juden und Nichtjuden genießen, in hohem Maße von der Stärke und Geschlossenheit unserer Organisation ab. Diese aber hängt ab von den Schekalim, mit denen allein die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation dokumentiert werden kann. Wer ein Jahr nicht Schekel zahlt, auch in einem kongreßlosen Jahr, ist nicht Mitglied der Zionistischen Organisation, deren Statut bestimmt, daß Zionist ist, wer sich zum Baseler Programm bekennt und Schekel zahlt. Das zweite, was von denjenigen, die nicht Schekel zahlen, vergessen wird, ist, daß die Exekutive eine Fülle von Aufgaben zu verrichten hat und daß sie für die Finanzierung dieser Dinge auf den Eingang der Schekalim angewiesen ist. Auf jedem Kongreß, auf jeder Aktionskomiteesitzung, in einer großen Anzahl von Briefen von Gesinnungsgenossen an die Exekutive wird von dieser gefordert, daß sie Aufgaben neu übernehme, daß sie ihr bestehendes Tätigkeitsgebiet erweitere, daß sie Subventionen zahle, daß sie Tagungen von Kommissionen und Komitees einberufe usw. Von dem Willen, diese Tätigkeiten der Exekutive auch materiell zu unterstützen, ist weit weniger zu merken. Zionistische Bezirkssektion Leopoidstadt, Circusgasse Nr. 33 Heute, Donnerstag, 11. Dez. 1930. 8 Uhr abends Sondervorstellung der Wilnaer Truppe (Praterstr. 60, Cafe Astor) „Tag und Nacht" Karten: Circusgasse 33, Bücherstube Rath, Taborstraße 20a, Josef Singer, Taborstraßs 25 Der Betrag des Schekels ist außerordentlich klein und nach der Leistungsfähigkeit der einzelnen Länder abgestuft. Die Zahlung dieses Betrages ist nirgends ein Opfer. Für zionistische Fonds, für den Keren Hajessod, für den Keren Kajenieth werden Beträge verlangt, die ins Gewicht fallen, und sie werden gezahlt. Das jüdische Volk bringt Opfer. Wenn es sich um Ausgaben für die Organisation handelt, meint man, sie bagatellisieren zu können. Selbst wenn es sich aber um rein organisatorische Ausgaben handeln würde, wäre dieser Standpunkt falsch und gefährlich und dazu unverständlich, weil gerade der Zionismus als erster im Judentum verstanden hat, wie bedeutungsvoll das Bestehen einer Organisation ist. Wir befinden uns jetzt in einem «Kongreßjahr», in dem ein besonderer Anreiz für die Schekelwerbung gegeben ist. Der Schekelzahler erwirbt das Wahlrecht zum Kongreß. Wie bedauerlich es auch Ist, daß hierauf besonders hingewiesen werden muß, daß nicht Jahr für Jahr jeder Zionist daran denkt, den geringen Betrag für den Schekel zu bezahlen: ln diesem Jahre sei auch dies erwähnt. Wer den Schekel nicht pünktlich bezahlt, verliert das Wahlrecht zum Kongreß. DasSchekeljahr endet am 31. Dezember. Wer bis dahin den Schekel nicht bezahlt hat, wird des Wahlrechtes verlustig. Der Kongreß hat diesmal seine besondere Bedeutung. Es gibt niemand innerhalb und wohl auch außerhalb der Reihen unserer Organisation, der nicht mit Spannung den Verhandlungen und Beschlüssen des 17. Kongresses entgegensieht, der nicht den Wunsch hat, daß seine Stimme ebenfalls bei den Wahlen ins Gewicht geworfen werde. Wer Zionist Ist, eile deshalb jetzt, den Schekel zu zahlen, um diesmal den Kongreß zum Willensausdruck der vielen Hunderttausenden von Zionisten zu machen. Nicht nur erwerben sollt Ihr den Schekel, sondern auch für Ihn werben! »OCXXXXXXMOOOCXXXXXWOOOOOOOOOOOOOOQOOOe Trinkt der MM im Caft „Ritas Rathaus" (CaMtier Leo Löwy) Gröl«r« u«d klein« Klublokd« 1« Bfii) WIppllngeritraBi 24 Tel U 27-4-84, U 26-2-74 POOOOOPOOPPOOOOOOOOOOOOPOOOOOOCXXXXXX» et* eOTTLlEB WIEN r FRANZ JOSEF5 KAI iov'mz auptbkoc Zahluiigscrleichiertiitgen (Fortsetzung von Seite 1.) «plausibel» erscheinen, daß dies der Fall ist; e) die für jüdische Einwanderer zur Verfügung stehende BeSChftfilgitflg muß eine dauernde sein. Hinsichtlich des letzten Punktes Ist es klar, daß unbeschränkter Raum für Obstruktion vorhanden Ist Es gibt kaum irgendwelche konstruktiven oder sonstigen großen Arbeiten, von denen man nicht sagen könnte, daß die durch sie geschaffene Beschäftigung eme nur zeitweilige sei. Sollen die Juden bei der Legung uer Fundamente zum jüdischen Natjonalhakn arabische Arbeiter beschäftigen, wenn jüdische Arbeiter nicht znr sofortigen Verfügung vorhanden sind? Die Sprache des Weißbuches läßt einen gefährlich weiten Spielraum für die Auslegung zu, jüdische Einwanderer unter dem Vorwand auszuschließen* es sei nicht ganz sicher, daß sie niemals ohne Arbeit bleiben würden. Wird dem arbeitslosen Araber eine Priori’ tät ruerkannt, so mögen einzelne Araber zeitweise davon profitieren, aber die arabische Bevölkerung als Ganzes wird darunter leiden. Jüdisches Kapital wird aufhören, herein?*!' strömen, die Araber werden die Indirekte Beschäftigung®' möglichkeit verlieren, die ihnen der Umlauf des jüdischen Geldes schafft; die Regierung wird nicht länger auf die Vergrößerung Ihrer Einkünfte rechnen können, an deren Vorteilen die Araber weit über das Verhältnis ihres eigenen Beitrages hinaus teilhaben; und als mögliches Resultat wird sich heraussteüen, daß das Weißbuch, soweit die Förderung der arabischen Interessen beabsichtigt Ist, seine eigenen Zwecke untergräbt Simpson stellt fest, daß die schnelle Entwicklung der Industrie in Palästina «fast gänzlich der Einfuhr jüdischen Kapitals zu verdanken ist». Soweit also jüdische Arbeiter in der Industrie beschäftigt werden, folgt daraus — nach Simpsons Grundsatz, daß Jüdische Arbeiter bei Arbeiten beschäftigt werden, die mit emgerührtem jüdischen Kapital ausgeführt werden —, daß von einer Konkurrenz mit arabischen Arbeitern keine Rede sehr kann. Nach dem gleichen Grundsatz ist es klar, daß sich diese Frage nicht für die Verwendung jüdischer Arbeiter in der Landwirtschaft erheben kann, da sämtliche landwirtschaftlieben Unternehmungen, bei denen Juden beschäftigt sind, mit ju." ''hem Kapital errichtet wurden. Die Beschuldigungen gegen die Juden. Das Memorandum zitiert mehrere Stellen aus dem Weißbuch, die manchmal direkt und manchmal durch Unterstellung dahin zielen, die Jewish Agency zu diskreditieren, die jüdischen Leistungen in Palästina herabzusetzen und die Beziehung der Juden sowohl zu der Regierung wie zu den Arabern zu stören. Scharf zurückgewiesen wird die Bemerkung des Weißbuches, daß Aufreizung zu Unruhe und Unordnung schwer bestraft werden sollen, «In welchem Teil der Bevölkerung sie auch Ihren Ursprung haben mögen». Die Jewish Agency protestiert gegen die darin eingeschlossene Unterstellung, daß man die Agency oder dire Führer auf die gleiche Stufe mit jenen Personen stellt, die für die kürzlich stattgefundenen unglücklichen Ereignisse verantwortlich sind. Schlußfolgerung. In der Schlußfolgerung des Memorandums der Jewish Agency wird das Weißbuch seinem Inhalt wie seinem Tone nach als bedauerlich bezeichnet; es zeigt die Tendenz, die zwischen Juden uno Arabern bestehenden Differenzen zu verschärfen. Die Einschränkungen, die der jüdischen Einwanderung und Siediungstötigkeit auferlegt werden sollen, werden mit der dem Mandatar durch das Mandat ayferlegten Verpflichtung begründet, eine Auffassung, die völlig irrig Ist Die Jewish Agency kann die Auslegung des Mandates zu ihrem Nachteil nicht stillschweigend hinnehmen und gibt ihren Protest zu Protokoll. Es muß Klarheit «iarüber bestehen, daß zwar die Jewish Agency nicht behauptet, die Förderung der arabischen Interessen sei an sich Hauptgrund für die Errichtung des Jüdischen Nutionalheims, daß es aber nicht nur der ausdrückliche Wunsch des jüdischen Volkes ist, seine Tätigkeit In Palästina möge zum Wöhle der gesamten Bevölkerung beitragen, sondern daß dies seiner festen Ueberzeugung nach auch der Fall sein werde. Wir stellen energisch ln Abrede, daß auf Seiten der Juden Irgendwann der Geist der Karlsbader Resolution von 1021 verlassen worden ist Wahr bleibt, was Immer wahr gewesen ist, nämlich, daß das jüdische Volk wünscht, «mit dem arabischen Volke in Beziehungen der Eintracht und der gegenseitigen Achtung zu leben und mit ihm zusammen die gemeinsame Heimat zu einem blühenden Gemeinwesen zu gestalten, dessen Aufbau seinen beiden Völkern eine ungestörte nationale Entwicklung gewährleisten soll». Aber auch die Juden haben ihre Rechte, und das Weißbuch stellt das Aeußerste dar, was die Jewish Agency als eine fortlaufende Schmälerung des ursprünglichen Umfanges der Balfour-Deklaratiön betrachten kann. Die Politik des Weißbuches von 1022 wurde bi loyaler Weise angenommen und aufrichtig eingehalten. Diese Politik bedeutete eine Begrenzung des Gebietes, in welchem die Entwicklung des NaHonalhehns vor sich gehen sollte, Indem Transjordanien allgetrennt wurde, wodurch die ökonomischen Interessen Westpalästfnas infolge Beraubung seines natürlichen Hinterlandes ernstlich geschädigt wurden. Zwei ausgedehnte und fruchtbare Strecken von Staatsländerelen, die durch jüdischen Unternehmungsgeist hätten produktiv gemacht werden können, wurden der jüdischen Siedlungstätigkeit entzogen. Huleh ist immer noch ein Sumpf, und In Beisan sind die Araber völlig außerstande, ihren übermäßig großen Besitz zu verwerten, In vielen Fällen werfen sie Ihren Boden auf den Markt So wurde Hindernis auf Hindernis dem Aufbau des Jüdischen Nationalheims in den Weg gestellt Schritt für Schritt wurde das für die jüdische Ansiedluffg verfügbare Gebiet eingeengt Die Jewish Agency hat Immer die großen Vorteile, die Palästina als Ganzes dem britischen Mandat verdankt anerkannt Wenn die Juden der ganzen Welt von Anfang an einstimmig verlangten, daß die Verwaltung Palästinas Großbritannien anvertraut werden sollte, so geschah es aus tiefer Bewunderung für die britischen Verwaltungsmethoden und im gläubigen Vertrauen auf den guten Willen Englands. Trotz vieler Enttäuschungen haben sie diesen Glauben nicht verloren, trotz Erschütterung durch dfe Ereignisse von 1029 und dem Versagen der Regierung, jüdisches Leben und Eigentum gebührend zu schützen, hielten sie an der Ueberzeugung fest, daß Großbritannien sie nicht Im Stiche lassen würde. Als ein Jahr später eine neue Erklärung der britischen Politik angekündigt wurde, erwarteten sie, daß <£e$e Politik klar zum Ausdruck bringen würde, daß ein neues und hoffnungsvolleres Kapitel beginnen sollte, und daß die Regierung die wiederholt ausgesprochene Anerkennung Ihrer Verantwortlichkeit ln Sachen des Jüdischen Nationalheims h* praktische Maßnahmen Umsätzen würoe. sie kamen nicht auf den Gedanken, daß die einzigen, das Natio* nalfieim betreffenden Maßnahmen darauf abzielen sollten, der jüdischen Einwanderung«- und Siedlungstätigkeit weitere Beschränkungen aufzuerlegen, wenn nicht überhaupt sie zu einem Stillstand zu bringen- Die Agency ist sich ihrer BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, IL, Taborstraße 20 a, Tel. FM3-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek hfeUt Ihnen eine reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bxw. geschmackvollen BibliotheWsoinbsnd. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräische, jiddischen. Deutscb-Judaica in reicher Auswahl. 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A.), Prof. Albert Einstein, der sich augenblicklich auf der Ueberfahrt nach Amerika befindet, richtet nachstehende Botschaft an die Zionistische Organisation Amerikas: <Sch kann es nicht verhehlen, daß auch ich durch die Haltung der britischen Regierung und der englischen Bürokratie in der Frage des Aufbaues des Jüdischen Nationalheims enttäuscht worden bin. Diese Enti täuschung aber wird bei weitem wettgemacht durch I den Eindruck der Zuversicht und Solidarität der Juden» die zeigen, daß sie durch unzerstörbare Bande den Treue mit der Idee des Aufbaues Palästinas verknüpft sind. Palästina ist ein unentwickeltes Land. Jüdische Tatkraft, jüdische Arbeit und jüdisches Kapital werden \ es zu einem Vorposten der Zivilisation im nahen Osten ' ausgestalten. Palästina bietet dank dem mit den modernsten Methoden durchgeführten Aufbauwerk Raum für Araber und Juden, die in ihrem eigenen Land friedlich Zusammenleben können. Ich glaube, daß die Rückschläge des verflossenen Jahres die Erkenntnis stärken, werden, daß'wir uns ernsthaft mit der Verbesserung der Lage des geduldig arbeitenden arabischen Volkes befassen und es von den Vorteilen dieser Symbiose überzeugen müssen. Ich sehe keinen Qrund zum Pessimismus. Der Erfolg des Palästina-Werkes hängt in erster Linie von der Entschlossenheit und den Anstrengungen der Juden selbst ab. Das Jüdische Nationatheim ist für die Juden kein Luxus, sondern eine bittere Notwendigkeit, und darum müssen sie versuchen, der gegenwärtigen Schwierigkeiten durch Vervielfachung ihrer. Anstrengungen Herr, zu werden.js