Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 155 (11.12.1930)
- Date
- 1930-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Heule: Die SHmme der Jüdischen Pruu €oupon3 für den tmiLWETT V. b. b, Preis 3S Groschen Abonnement» rolsa: - Par Oesterreich: Monatl 8 1.50. riertelj. S 4.30. gansj. 8 10-— / Deutschland: Monatl. Uotdmark 1.—. riertelj Gold mark 8.— i Tschechoslowakei: Monatlich Ke 7.—, riertelj. Ke 19.— i Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.— vierteljährlich Dinar 40.- Jüdische Zeitung Ersfnefliil leden Donnerstag Ji^daAlion und /fdifilhislvetton: Wien, I.; JfdtnlueGlnMGc 28 — üelepfton Sl 27-%->S6 Polen: Monatl. Zloty 2.S0, viertelj. Zloty 6.50 / Ungarn: MonatL Peng» 1.60, riertelj. Peng» 4.20 { Rumänien: Monatl. Lei 45.—, riertelj. Lei 125.*- ) Bulgarien: Monatl, Lewa 30.—. riertelj. Lewa 80.— Belgien: Monatl Belga 5.—. viertelj. Belga I Uebrigos Anslan-1: Monatl. Schweizer Franken LS0 3. Jahrgang Wien, Donnerstag, 11. Dezember 1930 (21. Kislew 5691) Nummer 155 Die Antwort der Jewtsh Agency auf das Jieißbudk , ln dem von der jevvish Agency als Antwort auf das Weißbuch der englischen Regierung vom Oktober 1930 herausgegebenen ,. Memorandum ihres Elirenanwaltes Leonard Stein (siehe «Die Stimme» Nr. 154) wird weiters ausgeführt: Die B o d e n f r a g e. Das Memorandum der Jewfsh Agency stellt zur Widerlegung gewisser Feststellungen und Behauptungen des Weißbuches eine Reihe Tatsachen fest, die sich auf a) Staatsländereien, b) die für die Landbevölkerung verfügbare Bodenfläche, c) die Landbevölkerung, d) die für den Lebensunterhalt notwendige , Bodenfläche, e) die «landlose» Klasse beziehen. Lord Passfietd führt in seinem Briefe in den «Times» aus, daß das Weißbuch keineswegs die unbesiedeiten Staatsländerieten der jüdiscfiert Kolonisation entziehen oder sie den Arabern Vorbehalten wolj*.- -• Es finde sichi so erklärt er, «keinerlei Feststellung, daß .es hiebt möglich sei, : diese Flachen für die jüdische Besiedlung verfügbar zu machen». Die einzige'Schwierigkeit ist nur, daß nach dem Weißbuch «unbesetzter Boden nur in Unbedeutendem Ausmaß in Besitz der Regierung ist». Was die' besiedelten Staatsländerelen betrifft, so erklärt man, daß sogar dann, wenn der Anspruch der Regierung unangefochten wäre — 1 er wird in vielen Fällen angefochten — «es nicht möglich wäre, diese Böden für Ansiedlung von Juden zur Verfügung zu stellen, da sie tatsächlich von arabischen Bauern besetzt sind, und da es ferner notwendig ist, zur Ansiedlung jetzt landloser arab. Bauern weitere Bodenflächen verfügbar zu machen. Hierzu . Ist nur die Feststellung notwendig, daß dies bedeutet, daß nicht nur die vorhandenen arabischen Bauern zumindest ein moralisches Recht darauf haben, nicht* enteignet zu werden, sondern daß, falls auf den genannten Ländereien Platz für weitere Bauernwirtschaften geschaffen , werden kann, diese Wirtschaften für landlose. Araber reserviert werdenmüssen. Aus dieser Theorie, die im Hinblick auf die klaren Ziele des Artikels 6 des Mandates außerordentlich erstaunlich Ist, ergeben sich Folgerungen, die dem; Simpson-Bericht völlig ferne liegen. Simpson sagt kehl Wort darüber,' daß landlose ‘ Araber von auswärts' hergebracht . werden SQUen. Entgegen seinen Ausführungen macht sich das Weißbüch die mit dem Mandat unvereinbare Ansicht zu eigen, daß sogar ln dem Falle, daß Staatsländereielh für; die Atisledlüng weiterer Bauern über die bereits ansässigen hinaus verfügbar gemacht werden können, . der über- , schüsslge Boden ausschließlich für geschlossene Ansiedlung ’ von Arabern verwendet werden soll. Das Memorandum weist darauf hin, daß Simpson es bedauert, daß cjie Regierung den Huleh-Distrikt, eine der fruchtbarsten Gegenden' Palästinas, MOLKEREI JOHANN KLEIN Haridelsgerichtlich beeideter Sachverständiger Wien XVIif Leopold Ernstgasse 5 Gegründet: 1884 Tel.: A-21-4-90 u. B-42-0-67 ♦♦ 1 9 F I L UL, Beatrixgasse 11 VII., Myrthengaase 17 VII. , Zieglergasse 41 VIII. , Plaristengasse 41 IX. , Alserbacnstraße 3 X. , Columbusgasse 67 X., Viktor Adler-Markt, Stand 19$ XVI. , Friedmanngasse 43 XVII. , Leopold Ernstgasse 5 XVII., Lacknergasse 1 und 600 ALEN: XVII.,Dprnbacherstraße 56 XVII., Geblergasse 55 XVII., Marieifgasse 3t XVII., Antonigasse 49 XVII., Veronikagasse 46 XVII., Am Schafberg XVIII., Währingerstr, 132a XV11I., Karl Beckgasse 7 XIX., Döblinger Hauptstraße 86 D e p o t t$ in die Hände von syrischen Konzessionären übergehen ließ, und daß die Beisan-Ländereien von der Regierung in emer Weise an Araber verschenkt worden sind, die zu einer Boden Spekulation in großem Maßstabe geführt hac. Bezüglich der für die Landbevölkerung verfügbaren Bodenflächen bemerkt das Memorandum, es sei unmöglich, sich dem starken Eindruck zu entziehen, den die erstaunliche Diskrepanz zwischen den 6,544.000 Dunam, aur die sich die Berechnungen Simpsons stützen, und den etwa 10 bis 11 Millionen Dunam, die bisher Offiziell angenommen wurden, hervorruft Es wird nachgewiesen, daß die ersten offiziellen Schätzungen des Vermessungskpmmissars unzuverlässig seien. Es wird an die Regierung, die Frage gerichtet, weshalb ►m “ " ‘ Feier schenkt Seide nur von BREIT Wien. I., Herrengaste Nr. 2 (Ecke illttoiMalz) Qualitätswaren zu Fabrikspreisen CHanukkah Okkasion! Prachtvolle Halstücher in KiesenauSvvahl Autobus HI, 4, 6, 9 der Verwaltung Transjordaniens nicht nahegelegt werden sollte, die Einwanderung und Ansiedlung von landrosen Arabern Palästinas auf Grund einet: Vereinbarung zwischen beiden Regierungen zu ermutigen. Die Gesamtbevöikerung Transjördaniens besteht nur aus 300.000 Personen, von denen 120.000 Halbnomaden, 50.000 . Nomaden und nur 130.000 völlig angesiedelt sind- Als Ergebnis der von aer britischen ' Regierung im Jahre 1922 angekündigten Politik ist Transjordanien — zu Recht oder zu Unrecht — aus cem Territorium, auf das die auf die jüdische nationale Heimstätte: bezüglichen Mandatsbestimmungen anwendbar sind, Herausgenommen worden. Praktisch ist Transjordanien jücSschen Siedlern verschlossen. Es ist nicht zu versierten, warum es als. feststehend gelten soll, daß seine Tore auch für die Einwanderung von Arabern von jenseits des Jordan verschlossen sein müssen. Das Weißbuch stellt fest, daß «eine Fläche von mindestens 130 Dunam erforderlich ist, um auf unbewässertem Boden einer Fellachenfamllie einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen». Abgesehen davon, daß die Festsetzung von 130 Dunam an sich recht großzügig ist, ist zu beachten, daß ein sehr großer Teil der von Arabern bebauten Böden bewässert ist, daß die Araber zum Beispiel 48.750 Dunam Orangenbodens besitzen und auch sehr viel Gemüse bauen. Das Weißbuch stellt fest, daß in den Dörfern 29.4 Prozent der arabischen Familien landlos sind. Diese Feststellung beruht auf oberflächlicher Schätzung, <tie sich findet um 3 Uhr nachmittags der cceniatxrdgovc urnlhwym aus einer Verallgemeinerung von Daten ergibt. Es wird in dem Memorandum genau nachgewiesen, auf welcher schwachen Grundlage diese Schatzung beruht. Es ist übrigens ein normaler Zustand, daß in einem Dorfe eine Anzahl Familien landlos ist. Die ganze Diskussion über die Unterbringung der landlosen Dorfbewohner ist so verwirrt, daß es. unmöglich ist, sich eine Vorstellung über das zu bilden, was die britische Regierung tatsächlich im Auge hat. Ueber den Gesamteindruck lopin jedoch kein Zweifel herrschen: Jeder zweifelhafte Punkt wird gewaltsam zum Nachteil der Juden ausgenutzt. . Wie das Weißbuch ausführj, wird die Beschaffung von Boden für die Landlosen mit großen Kosten verbunden sein. Wer wird diese Kosten decken? Die Mandatskommission wurde darüber belehrt, daß die Palästina-Regierung aut eigenen Füßen stehen muß und Zuschüsse von englischer Seite nicht erhalten kann. Die Versorgung der landlosen Araber müßte dann folgerichtig aus Einkünften des palästinensischen Schatzamtes bestehen, das heißt also, daß sich unter den Rechten der Araber, die durch die jüdische Einwanderung nicht beeinträchtigt werden würden, ein Recht au! etwas befindet, was den Arabern zu geben gänzlich unmöglich wäre, wenn die jüdische Einwanderung und der Zufluß jüdischen Kapitals nicht stattgefunden hätten. Das Memorandum weist eine Reihe innerer Widersprüche nach, die sich nur daraus erklären lassen, daß die Autoren des Weißbuches die jüdischen Bemühungen in Palästina in einem möglichst ungünstigen Licht erscheinen lassen wollen, um ihre eigenen Bodenbesiedlungs- und Efnwanderungspotitik in den Rahmen des Mandates zu zwängen. Einwanderung. Das Memorandum erhebt Einspruch dagegen, daß der Hinweis des Weißbuches auf Unregelmäßigkeiten bei der Zulassung von Einwanderern durchwegs auf jüdische Einwanderung gemünzt ist, während doch aus Syrien, Transjordanien und Aegypten eine ununterbrochene illegale arabische Einwanderung vor sich geht. Die allgemeine jüdische Arbeitergewerkschaft wird in ernem verschwommen dunklen Lichte dargestellt, der von dem Weißbuch erweckte Eindruck ist, daß die Gewerkschaft einen schädlichen Einfluß ausübt, indem ihre Politik die «Einführung einer neuen sozialen Ordnung in Palästina mit sich bringt». Aber weder im Weißbuch noch im Simpson- Bericht ist der Versuch gemacht worden, zu zeigen, daß der angeblich von der Gewerkschaft ausgeübte Einfluß dazu geführt hat, nach Palästina einen unerwünschten .Einwanderertypus zu bringen. Die tatsächliche Lage ist, daß die Palästina-Regierung, heute wie immer, die entscheidende Behörde in aHen Angelegenheiten der Einwanderung ist. Das Memorandum untersucht die Behauptung des Weißbuches über das Bestehen eines «bedenklichen Ausmaßes an arabischer Arbeitslosigkeit» und weist nach, daß diese Annahme auf Informationen aus recht trüben Quellen beruht. Das Weißbuch erklärt: «Wenn infolge der Einwanderung von Juden die arabische Bevölkerung gehindert ward, die für ihren Lebensunterhalt notwendige Beschäftigung zu Anden oder wenn jüdische Arbeitslosigkeit die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes ungünstig beeinflußt, so ist es Pflicht der Mandatarmacht, diese Einwanderung , so lange einzuschränken oder im Notfall abzusteflen, bis der unbeschäftigte Teil der „anderen Bevölkerungsgruppen™ wieder Beschäftigung finden kann.» Die praktischen Folgen dieser Erklärung in der administrativen Praxis werden nirgends genau beschrieben. Die Araber sollen nicht davor geschützt werden, durch jüdische Einwanderer aus ihren Arbeitsstellen verdrängt zu werden, sondern es wird ihnen auch das natürliche Recht zugeschrieben, die für ihren Unterhalt nötige Arbeit zu erlangen, und die Regierung habe die Pflicht, darauf zu achten, daß die Araber Beschäftigung haben, eine Pflicht, die ihrer Verpflichtung gemäß Artikel 6 des Mandates, die Einwanderung von Juden zu erleichtern, vorangeht Es müssen also drei Hindernisse überwunden werden, ehe eine jüdische Einwanderung erfolgen kann: a) Die Regierung muß eine günstige Antwort auf die höchst spekulative Frage erteilen, ob eine Einwanderung dazu führt, daß Stellen von Juden besetzt werden, die sonst von arbeitslosen Arabern eingenommen werden könnten; b) es darf den Arabern nicht (Fortsetzung auf Seite 2, Spalte 2.) Hl KAI5ERSTR. 123 K ÄLSEBSTB- 6 ^<*0' 1458