Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 154 (4.12.1930)
- Date
- 1930-12-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ftlW ittUVt fff“ 31 Nf, 154 —> 4. btzmb&r 1930 $**♦* || Juden! Prolesileri (feiten den Angriff auf den Keren KafemefK durch auflerordenilfche 1 Spenden hei der Pllchsenleerung Große Palästina-Debatte im englischen Unterhaus Fortsetaifig des Berichtes von der letzten Nummer XVII. Zionistenkongreß in Karlsbad Wie der J. T. A.-Vertreter von Informierter Seite erfährt, wird der XVÜ. Zionistenkongreß wahrscheinlich in Karlsbad stattfinden. Der Leiter des Kongreßbureans, Dr. Franz Kahn, hat bereits die Vorarbeiten ln Angriff genommen. Die tschechoslowakische Regierung steht, wie die J. T. A. erfährt, der Abhaltung des Zionistenkongresses in der Tschechoslowakei außerordentlich freundlich gegenüber. Anzeichen arabisch-jüdischen Verständigung Jerusalem. (J. T. A.) Zwischen dem Herausgeber der arabischen Zeitung «Felestin» und dem Bodenkaufkomndssär des Keren Kajemeth, Handeln, hat eine Besprechung stattgefunden, die als bedeutsames Anzeichen einer beginnenden Verständigung zwischen Juden und Arabern und Vorstufe einer einzuberufenden jüdisch-arabischen Round-Table-Konferenz angesehen wird. Wie «Felestin» mitteilt, hat Hantkin in dieser Besprechung erklärt, daß das Höchstmaß der jüdischen Ansprüche die Ansiedlung von weiteren 50.000 landwirtschaftlichen FamiHen Ist, für die ungefähr 3- £ Mil- Honen Dunam erforderlich sein werden. Diese Feststellung wird als geeignete Grundlage für Verhandlungen einer Round-Table-Konferenz angesehen. Der Herausgeber der englischen Ausgabe des , «Felestin», der indische Mohammedaner Mrakhtar, bat einen Vortrag im Rahmen des Brith Schalom angekündigt, in dem er an die Juden den Appell richten wird, ihre Aspirationen innerhalb eines arabischen Staatenbundes geltend zu machen. Wahlen zum Legislative Conncil? Jerusalem. (J. T. A.) Aus arabischen Kreisen i wird mitgeteilt, daß die Wahlen zum Legislative Couneil für Palästina Anfang 1931 stattfinden. Das Land wird In vier Wahlkreise, Acco, Nablus, Jerusalem (einschließlich Hebron, Ramallah und Bethlehem) und Jaffa (einschließlich Beer Sheba und Gaza) eingeteüt werden. „Doar ffayom* und „Felestin* erscheinen wieder Jerusalem, 25. November. (J. T. A.) Die Palästina-Regierung hat die vor einigen Tagen verfügte Suspendierung der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung «Doar Hayom» und des Organs der arabischen Exekutive «Felestin» aufgehoben. Die beiden Zeitungen erscheinen ab heute wieder. fachen Konferenzen. Beim Nachtmahl sitzt ein infantiler Vertreter der PICA mit zu Tisch. Er rührt uns das Blut auf, da er sich mit Simpsons Lob für die PICA-Kolonien vor jenen der Zionisten brüstet. Ein deutsch-völkii sches Chussidl, Odeur Frankfurt a. M., auf dem Boden, : den Makkabi trat. — Fort, fort zur Protestversammlung, welche die Arbeiterschaft ins Amphitheater einberief! Schon ist der Riesenraum von 3000 Juden voll bis zum obersten Rand, wo die Kntippelgarde der Polizei lauert Sie kriegt wieder nichts zu tun. Die Versammlung ist ein Muster trotziger Würde. Zwei Rednerpaare wechseln: die Gäste aus Amerika prangern den Verrat am Sozialismus an; den Palästinensern geht es um Volk und Land. Nun, nach Verlesung der geharnischten Beschlüsse, erheben sich die Tausende und singen gedämpft doch grimmig entschlossen die Hatikwah. Was Passfield, was Frankfurt: die Verräter werden nicht triumphieren. Am Morgen des dritten Tages kehren wir auf dem Kwisch wieder zurück bis J a d j u r. Hier hat sich am Fuße des Karmel in fragwürdigen Baracken eine russische Kwuzah festgesetzt. Den Blau-Weißen aus Deutschland war es zu schlecht. Freilich rollten Steine vom Gebirge und das bißchen Flachland am Klschon hieß nichts. Doch heut’ hat die Siedlung einen reichen Stall, eine tadellose Baumschule und einen rentablen Weinberg und untenhin schöne Felder. Alles ist wohlgestimmt und selbst ihre Füllen umtollen unser fahrtbereites Auto. Nun stoßen wir auf die kargen Reste eines Fellachendorfes. Solcher Leichen gibt’s hier noch .mehr. Nicht die Juden sind schuld daran, Mr. Simpson! Vor 50 Jahren sollen die Karmel-Drusen wegen irgendi einer dummen Liebschaft mit obligater Entführung von ‘ihren arabischen Freunden ausgemordet worden sein. Bei Kilometer 13 schwenkt das Auto rechts zur Rockefeller-Straße ein. Die wurde nämlich zu Ehren des jungen Millionärs, der die von seinem Vater be- Die Bode Amerys Nach der Rede des Unterstaatssekretärs Dr. Shiels und vor der Rede des Premierministers MacDonaid führte Herr L. C. Amery, u. a. aus: Wir begrüßen die gegebenen Zusicherungen, daß keine Absicht besteht, in der vollständigen Ausführung des Mandats in der Richtung zurückzuweichen, daß die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in seiner gegenwärtigen Form kristallisiert wird. Gewiß, wir Zloniftiaohe BeglrkssaMlon Leopoldstadt, Clrkusgasse Nr, 33 Donne.stag, 11. Dezember 1930. 8 Uhr abends Sondervorstellung der Wiinaer Truppe (Prateretr. 60, CafA Astor) „Die Sintflut" Karten: Oku$ga$se 33, Bücherstube Rath, Taborstraße 20a, Josef Singer, Taboretraße 26 haben beiden Tellen der Bevölkerung Palästinas eine faire und eine große Chance zu bieten. Dessen war sich die britische Regierung, die zuerst die Baifou^Deklaration bestätigte, voll bewußt. Es herrschte der Glaube, daß die Befriedigung des generationenlangen Traums des jüdischen Volkes nicht nur ihm selbst Nutzen bringe, sondern auch eine neue Berührung, ein neues Licht, eine neue Konzeption des Geistes jener Regionen des Orients bringen würde, aus denen unsere ganze Zivilisation stammt. In dem Weißbuch von 1922 wurde der Welt erklärt, daß wir nicht das Mandat annehmen mit der Perspektive, einen nationalen jüdischen Staat in Palästina auf Rechnung der Araber aufzurichten. Wonach wir in jenem Weißbuch Strebten, war, daß wir Arabern und Juden die Möglichkeit zu geben wünschten, in jenem Lande im wahrsten Sinne des Wortes ihr NationaJheim zu entwickeln und dieses mit einem gemeinsamen Patriotismus für den palästinensischen Staat zu verbinden, ebenso wie die französisch und die englisch sprechenden Einwohner Kanadas ihr Nationalheim in Kanada haben und es mit einem gemeinsamen Kanada-Patriotismus verbinden. Unter diesem Gesichtspunkt waren wir verpflichtet, darauf zu bestehen, daß die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes in Palästina auf einem Recht beruhte und daß dieses Recht nicht der Entscheidung eines widerstreb zahlten Ausgrabungen im Megldoo besuchen kam, förmlich über Nacht erbaut. So respektiert eine gute Regierung Amerika und sein Geld. Die Straße führt bis Djenin und bleibt anfangs In mäßiger Entfernung vom Kischön, der sich durch das Defite zwischen Karmel und den Nazarethbergen herwindet. Sie schließen mit dem kahlen Kegel von Chartijeh ab, der noch für einige Nescher-Fabriken Zementsand enthält. An der Straßenverbesscrung arbeiten Sträflinge in ihrer breitgestreiften Livree und sichtlich gutgelaunt; sie schieben in Wägelchen mit Erde und Steinen auch gleich ihre Wächter, alles recht bequem, vor sich her. Dort das Gefangenenlager selbst Bis vor kurzem stand es unter Leitung jenes berüchtigten Polizeioffiziers Duff, der zu Jomkippur durch seinen Eingriff an der Klagemauer den Auftakt zum stufenweisen Arrangement der letzten Pogrome gegeben hatte. In der Siedlung MlscbmarHaemck, wo wir alsbald landen, erzählt man uns aber, daß Ihnen Duff stets beteuerte, er sei kein Judenfeind und habe nur nach Auftrag gehandelt Und wirklich war er den Siedlern während des Pogroms zu Hilfe geeilt, als die Fellachen angriffen. Voran tobten die Leute Jussuf Begs, des reichen Effendi, der diesen Bodenstreifen dem KKL. verkauft hatte. Als die Juden nicht wegzubeißen waren, wurden wenigstens ihre Pflanzungen zerstört. Später versicherten die Angreifer treuherzig, sie hätten geglaubt, es gebe keine Regierung mehr im Land. Moralische Bedenken? Gibt es nichtl Schadenersatz?? Keinen Grüsch! Und wieder stoße ich auf einen alten Bekannten. Er stammt aus Buczacz und hat in Wien den Hechaluz mitbegründet, Nun geleitet er uns auf steilem Pfad den Karmelabhang hinauf, den ihr Fleiß über und über mit jungen Bäumchen bedeckt hat. «Jetzt werden sie mit dem Ausreißen nicht mehr fertig», lacht er. «Uebrlgens, dieser Pfad wurde im 3. Jahrhundert angelegt.» Austenden arabischen Natlonathelmes anheim gegeben würde. Das Wesen des Appells, den ich heute an alle Teile dieses Hauses richten möchte, besteht darin, daß, welche Schwierigkeiten einer solchen Politik auch gegenüberstehen mögen, diese nur durch Beständigkeit, durch eine gemeinsame Zustimmung aller Teile dieses Hauses befriedigend durchgeführt werden kann und daß jede Unbeständigkeit oder Schwankung nicht nur Mißstimmung ln Palästina, sondern auch zwischen Mohammedanern und Juden in der ganzen Welt hervorruft und die Gefühle beider Völker gegen England aufreizi Nach der Meinung hoher juristischer Autoritäten, wie Lord Hallsham und Sir John Simon, besteht die Frage, ob nicht das Weißbuch Dinge enthält, die in direktem Widerspruch mit ausdrücklichen Bestimmungen des Mandats stehen. Dem sei wie es mag. Zweifellos war der Eindruck, der im Gehirn der gewöhnlichen Leser, Araber oder Juden, oder Engländer daheim, hervorgerufen wurde, daß die ganze Ausführung des Mandats für eine unbestimmte Zeit von Jahren kristallisiert würde in dem Stadium jüdischer Entwicklung, die auf dem von den Juden bereits erworbenen Boden stattfinden könnte und daß die jüdische Einwanderung strenge so lange unterbrochen werden sollte, wie ein einzelner Araber ohne Arbeit sei. Kein Wunder, daß ein Aufschrei durch die ganze Welt ging! Wir können von Passfield kaum erwarten, eine revidierte Ausgabe des Weißbuches unter Aufhebung der früheren Ausgaben herauszubringen; aber auf jeden Fall können wir um vollste und klarste Erklärung unter seiner Autorität wie unter der des Vertreters des Colonial Office bitten, daß kein Abweichen beabsichtigt wird von der so viele Jahre mit solchem Erfolg betriebenen Politik und daß, wenn der fatale Fehler gemacht wurde, nicht alle betroffenen Instanzen vorher zu befragen, Der Jüdische Kindergarten der Zion. Sektion VIII/jX, Wien, VIII., Bennoplaiz 1, Ist ganztägip in Betrieb. Die Kinder werden gut und reichlich verpflegt u. nach Fröbel- Montessory- System unterrichtet. Einschreibungen werden dortselbst täglich, außer Samstag u. Sonntag, von 9 bis 5 Uhr vorgenommen. Telephonische Anmeldungen unter den Nummern B-47-4-45, A-26-2-69 u. A-28 6-56 gerechnet? «Weil er zu Höhlen mit jüdischen Inschriften aus dieser Zeit führt. Seht Ihr dies Glasstück dort am Boden? Ein Gruß mehr von unseren Vätern 1» Flugs bücke ich mich, um das seltsam schimmernde Souvenir zu verwahren. Ob auch die Bauern in England die Geschichte ihres Landes so kennen und lieben, wie diese «lästigen Einwanderer»? Nun haben wir den höchsten Punkt des Nationalfondsbesitzes erreicht und genießen — zurückgewendet — den herrlichen Rundblick. Vor uns Mischmar und das ganze, von jüdischen Dörfern besetzte Kischonta! mit den Bergen von Nazareth dahinter, rechts, jenseits des Jordans, das hochgetürmte Gileadh, links die Karmelkette mit dem Kloster, wo Elias die Baalspfaffen überwand, und dann in sonnbestrahlter Feme das Meer mit der Perle Akko als Abschluß. «Welch prächtigen Kurort gäbe das hier!» «passe ich. «Wird gemacht», sagt bündig mein Mentor, «w i r haben die beste Luft im Gaül». Wie behagt nach solchem Bergstieg das MlttagniahJ im Kreise der Kwuzah I Die Saalwände sind mit künstlerischen Schwarzzeichnungen aus dem Bauernleben geziert. «Das ist unserer Deborah Werk.» Sie serviert gerade, ein kokettes Schürzchen vorgebunden, zwei schwarzen Kerlen aus dem Niltal, die irgendwie des Weges kamen. Denn, «labet den Fremdling, der in Euren Toren wellt!» Dann guckt sie nach der Armbanduhr, ob es schon Zeit ist, die Erdäpfel fürs Nachtmahl zu schälen. Auch die Burschen sind nett und intelligent — gute Schule des Haschomer Hazair. Mein Gegenüber liest, während er sein Quittenkompott löffelt, Panalt Istratis jüngstes Werk gegen den Bolschewismus, und ein zweiter zählt mir ln getreuer Reihenfolge alle Burgen auf, die einst die Quertäler des Karmel von Samaria her gesperrt haben, vom biblischen Joknean bis zum römischen Legio. So lebt denn wohl und macht weiter dem Namen Eurer Siedlung Ehre, Ihr Wächter des Einck!