Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 154 (4.12.1930)
- Date
- 1930-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 154 — 4 Dezember 1930 rat; CTtlftf» UlC d I IMMm SeWe's Das wahre arabische Gesicht Von Dr. Oskar G r ü n b a u m. Man erzählt, daß die arabische Exekutive zweimal oei SfÄipson vorsprach, einmal offiziell und einmal inoffiziell. Bei der offiziellen Vorsprache wurde das bekannte Lied von der Unterdrückung der armen Araber durch die Juden gesungen und energisch das sofortige Verbot des Bodenverkaufs verlangt. Bei der inoffiziellen Vorsprachc, die bald nachher stattfand, erschienen angeblich einige Herren von der arabischen Exekutive einzeln bei Simpson; und jeder dieser Volksbeglücker suchte Simpson klarzumachen, daß das Bodenverkaufsverbot zwar unbedingt notwendig sei, aber bei dem Besucher lägen eben besonders persönliche Umstände vor, die doch eine Ausnahme von dem allgemeinen Verkaufsverbot für notwendig erscheinen lassen. — Es möge dahingestellt bleiben, ob diese kolportierte Nachricht auf Wahrheit beruht oder nicht, und wir wollen einstweilen annehmen, es handle sich um eine Legende. Eines ist sicher — viele Effendis haben sich durch Bodenverkäufe an Juden maßlos bereichert., Es steht weiters fest, daß verschiedene Effendis große Landstrecken zu Spekulationszwecken aufgekauft haben und nun darauf warten, sie mit Profit zu verkaufen. Ein Bodenspekulant in Haifa ging kürzlich mit 150.000 Dollar in Konkurs. Es steht auch fest, sogar nach dem Simpsonbericht, daß es noch kultivierbares Land für neue Ansiedler gibt. Das Weißbuch unterschlägt bekanntlich diese Feststellung. Hier setzt die arabische Propaganda ein. In einer kürzlich stattgefundenen Versammlung der «Nationalen Liga» im Londoner Hyde Park Hotel, bei welcher neben Lord Islington auch der Sekretär der palästinensisch-arabischen Exekutive Jemal Husseini und Manulana Mohammed Ali, der mohammedanische Delegierte der indischen Round Table Conference sprachen, jammerte der Letztgenannte über die landlosen Araber und meinte: «Man hat Juden aus Rußland nach Palästina gebracht. Warum schifft man sie nicht ein und schickt sie nach Rußland zurück?» Riecht man nun den Braten? Die Juden haben Millionen für Steinwüsten und Sümpfe ausgegeben und aus diesen Einöden Felder und Wälder hervorgezaubert. Das wäre so ein Geschäft, diese, gesegneten Gefilde nach Vertreibung der Juden wieder in die Hand zu bekommen und zu Wucherzins an die Fellachen zu verpachten! Wir sind dem Redner dankbar, er hat uns das wahre Gesicht der arabischen Effendi, enthüllt. Die Herren haben die Sperre der jüdischen Einwanderung erzwungen. Ein Einwanderungsverbot für Araber gibt es nicht. Obwohl nun nach Ansicht der englischen Regierung die ökonomische Lage des Landes, . sp hieß cs wenigstens bis zur Bewilligung der 1480 Zertifikate, eine Einwanderung nicht zuläßt, gibt es eine arabische Alijah aus Transjordanien. Wie «Dawar» meldet, ist in letzter Zeit in Jerusalem ein Anwachsen der arabischen Einwanderer aus Transjordanien zu verzeichnen, und es gibt bereits 3300 arbeitslose arabische Arbeiter. Wer veranlaßt diese armen Leute, nach Palästina . auszuwandern? Wer täuscht ihnen Erwerbsmöglichkeiten vor und stürzt sie ins Elend? Die Drahtzieher können nur bei der arabischen Exekutive zu suchen sein. Ein Lumpenproletariat wird künstlich herangezüchtet. Caveant consules! Einwandfrei gelingt es jedoch, das wahre arabische Gesicht zu enthüllen, wenn man hört, was in den letztoeröeitfreies Sitter meidUKtt eilte ytebiolftcriitfur, bk eine Utettottn* itittttß beS 23tuteß bettrirft, gegen Sterfalfuttg her 23 fit E gefafte borbeugt unb biefeit bnburdj bhc nothjcttbigc (SIa= SIpolQefte Saijer, Üßien, I., SSoHjeile 13 Itijttdt erhält. MöMdlflerin ift feit fuhren <il3 Viitbcrunqs mtb gtorfcttgitttgMttel ärjtfldj erprobt unb frei berfnuf Ikfj. ffiftbiwttgcfyalt Amtlich überprüft. &cpot unb 9lu$funft JJrofpeft gratis unb frimfo. ten Tagen in Erez Israel vorgeht. Die Palästinaregierung bereitet bekanntlich auf Grund des Weißbuches verschiedene Gesetze vor. Unter anderem soll ein neues Pächterschutzgesetz in Vorbereitung sein, das besondere Schutzmaßnahmen zugunsten jener arabischen Pächter schafft, die schon für längere Zeit ihre Pachtrechte ausüben. Was geschah nun? Das arabische Blatt «Fala6tin» deutet es in seiner englischen, wohlgtemerkt, nicht in der arabischen, Ausgabe an. Die Effendis vertrieben vielfach ihre, Pächter vom Pachtgrund und führten scheinhalber Pfändungen und Verkäufe durch. Die vertriebenen Pächter bekamen nicht einen Piaster Ent-. Schädigung. Wozu das alles? Doch nicht, um den Boden den armen Pächtern zu schenken, sondern um einen Vorwand zum leichteren Bodenverkauf an die «verhaßten» Juden zu haben. Der «Falastin» meint verschämt, die geschilderten Vorgänge seien eine Folge Mie owicntaiiscSken fpetialitöten am @lost xi. fpießi (JVavnoteeTf JVluscAft usip.) RestaurantMirabell 3F£iit: fitenefte/ Shtiinfiev& (/röfier Kote! Jlational) der gesetzlosen Zeit vor Erlassung der neuen Gesetze. Das ist Heuchelei. Was hier geschieht, ist eine Demaskierung, arabischer Effendis, eine Offenbarung mittelalterlicher Grausamkeit, wie sic jüdischem Wesen fremd ist. Die englische sozialistische Regierung möge nun sehen, mit wem sie paktiert hat, mit was für skrupellosen Ausbeutern und Profatjäoern, die unter dem Deckmantel, die heiligsten Güter der Nation vor den Juden zu verteidigen; ihre eigenen verarmten Volksgenossen in das tiefste Elend stürzen, um die eigenen Taschen zu füllen. Niemand verkennt die Notwendigkeit eines Friedens zwischen Arabern und Juden. Es fällt uns auch nicht ein, alle arabischen Führer zu verdammen. Es gibt sicher auch unter' ihnen Leute mit reinen Händen, erfüllt von aufrichtiger nationaler Begeisterung, und wir haben dadurch gefehlt, daß wir zu diesen Arabern nicht rechtzeitig einen Weg gefunden haben. Solange jedoch diese arabischen Elemente und die Fellachen von ihren eigenen Stammesbrüdern an die Wand gedrückt und irregeführt werden, kann es schwerlich zu einem arabisch-jüdischen Frieden kommen. Unsere Hand ist zum Frieden ausgestreckt, die arabische Hand, die aufrichtig einschlagen soll, ist einstweilen noch nicht sichtbar. Wiederaufnahme der Verhandzwischen der englischen fiegierung und der Jewish Agency nächste Woche London, 26. November. (J. T. A.) Wte „DasHy Telegraph“ mitteilt, kann os jeden Augenblick zum Abbruch der Verhandlungen zwischen der Regierung und der Jewish Agency kommen. Das Blatt erklärt, daß die zionistischen Unterhändler, die von den Vertretern der Regierung nur vage und allgemeine Redensarten zu hören bekommen, Ungeduld zu zeigen beginnen. Sie werfen den Vertretern der Regierung vor, daß diese »sich nicht geneigt zeigen, irgendein konkretes und bestimmtes Angebot zu machen. Entgegen seiner früheren Absicht dürfte Professor Frankfurter an den Verhandlungen mit der Regierung nicht teilnohmen. Berlin, 27. November. (J. T. A.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist die Darstellung des „Daily Telegraph“, wonach die Dingo so stehen, daß es Jeden Augenblick zu einem Abbruch der Verhandlungen zwischen der Regierung und der Jewish Agency kommen könne, allzu pessimistisch. Richtig ist, daß seit den gemeinsamen Sitzungen in den ersten Tagen der vergangenen Woche weitere Sitzungen nicht ©tat {gefunden haben. Die Regierung hatte nämlich vor, auf die ersten sachlichen Ausführungen von Dr. Weizmann und den anderen Mitgliedern der Jewish Agency eine schriftliche Antwort zu erteilen. Diese dürfte vielleicht heute, den 27. November, der Jewish Agency übermittelt werden. Die Jewish Agency hat keine Vertagung der Verständigungskonferenz verlangt Im Einvernehmen mit der englischen Regierung hat die Jewish Agency der Jüdischen Telcgraphen-Agentur nachstehende Erklärung zur Veröffentlichung übergeben: Die Jewish Agency stellt fest, daß sie keine Vertagung der Konferenz mit den Vertretern der Regierung verlangt hat und daß das Tempo des Fortgangs dieser Verhandlungen einzig und allein von ihrem jeweiligen Stande abhängig ist. Vorstehende Erklärung stellt ein Dementi der von dem Abgeordneten Marcus in der Whitechapeler Versammlung der Labour-Partyj aufgestellten Behauptung dar, daß Weizmann eine Vertagung der Verständigungskonferenz bis zum Eintreffen der amerikanischen Mitglieder der Jewish Agency vorgeschlagen habe. Etnek und Weißbuch Von Dr. E. M. Z w e i g (Jerusalem). 11. Der erste Blick am nächsten Morgen aus dem Hotelfenster fällt auf die Mole, deren weißer Steinkopf sich schon weit ins blaue Meer vorschiebt; und schon ruhen Schiffe in der ruhigen Bucht des werdenden Hafens der Zukunft. Gewiß, gewiß, Albion «hält fest am Mandat». Doch rasch, denn unser braver Chauffeur mahnt laut mit der Tute. Das Auto nimmt den neuen Weg, der vom jüdischen Quartier Hadar Hakarmel auf respektabler Steinbrücke die Rushmiahschlucht übersetzt und am Fuß des häuserreichen Newe Schaanan- Hügels zum Kwisch zurückführt, auf dem wir gestern kamen. Also auch in Haifa wachsen unsere Quartiere zu geschlossener Einheit zusammen, hier an der Brücke von den beiden Trutzburgen des Hilfsfonds wohlbewacht. Wir fliegen durchs Industriezentrum, das sich durch die Tankanlagen der größten Petroleumtrusts mächtig weitet, vorbei an der Zementfabrik Nescher, deren stäubende Schlote die ganze Umgebung kriegsmäßig vernebeln, und biegen jetzt ins Feld unserer heutigen Forschung ein, in das Riesengelände der H a i f a - B a y. Als es den schwachen Händen der ersten jüdischen Kaufgesellschaft entglitt, sprang der Keren Kajemeth als Sachwalter der nationalen Interessen, gefolgt von der amerikanischen Palestine Economic Corporation, ein; er besorgt nun die Assanierung, ohne die jede Kolonisation hier unmöglich wäre. Ueber den früher so tückischen Kischon, der nun längs seines ganzen Laufes vom KKL, und an der Mündung von der Regierung drainiert ist, befahren wir eine neite Straße, die zur Schwesterstadt Akko hinüberführt. Uns zur Seite rinnt irn tiefen, betonumpanzerten Einschnitt cles Fuarahkanals dem Kischon all das Wasser zii, das durch ein weitmaschiges Netz von Nebenkanäien dem Gelände ab.gezapft wird. Da und dort werken noch unsere Chaluzim; sie ziehen im Modergrund dies Netzwerk weiter oder füllen Sumpfgräben und -mulden mit Schutt und Sand. Der'erste Seitenweg links dem Meer zu bringt uns auf einen regen Arbeitsplatz. Hier errichtet die Regierung ihre Eisenbahnwerkstätten. Der Wahrheit die Ehre: Juden bekamen im Wettbewerb diese Bauarbeit, die sich auf 70.000 Pfd. Sterling stellt, zugesprochen, doch mit der- Auflage, 70 Prozent Araber zu beschäftigen, zum Mindestlohn von 150 mil. täglich. Die lärmenden Werkstätten werden durch einen breiten Grüngürtel von der Schchunath Owdim, der Arbeitervorstadt Haifas, geschieden sein. 2000 Häuschen sind geplant und vorläufig 200 gesichert. Wir waten durch den Dünensand dahin, aus dem die Goldkugeln wilder Meloneo und die weißen Knollen jener Wunderpflanze leuchten, mit der einst Josuah die Stammesgrenzen märken ließ. Nun stehen wir beim Brunnen, der den Bauleuten das Wasser liefern soll. Gut werden es unsere Jungen hier haben, wenn der Seewind ihre Gärten und am Feierabend die arbeitsmüden Stirnen umspielt. Und weiter die Fuarahstraße entlang, liegt auf 100 Dunam eine wohlumzäunte Bojare mit üppiggrünen Palmen, Orangen, Zitronen, Bananen . . . Das ist die Farm Sabina, vom Bukarester Kaufmann Katz auf Namen seiner Frau angelegt und nach zweimaliger Zerstörung durch die Araber zäh wieder hochgebracht. Möge jeder brave jüdische Ehemann desgleichen tun! Nun hält das Auto am Kurdanihügel. Hier tritt aus dem Sumpfland in imposanter Kraft der Naamen zutage, der sich nach 7 Kilometer langem Geschlängel durch einen breiten Schilfstreifen bis Akko ins Meer ergießt. Es ist der Belus der Alten, dessen Strand die Menschheit mit Glas und Purpur beschenkt hat. Eine zerbröckelnde Mühle liegt am Hügelrand. Das braune Töchterlein des arabischen Wächters reicht uns den Krug mit kühlendem Naß. In romantischer Haltung; verschönert sie unsere Gruppe, die, am Damm über den Wassern gelagert, sich knipsen läßt O holder Friede, ( süße Eintracht . . . Doch was soll der verdächtige i Rauch, den der Wind von Osten hertreibt? Unser Auto eilt dahin, vorbei an unseren Chaluzim, die zur Sicherung der Grenzen des Nationalfondsbodens eifrig ackern und Lein säen. Siehe da, knapp nebenan brennen die Knechte des Effendi Hadj Halil, eines der ärgsten Hetzer, den Torfboden und mimen Wirtschaft Da wir den von der «Abajeh» wild umflatterten Gesellen ins Weiße des Auges sehen und weiter, weiter nordwärts — hin- und herkreuzend — die Bodengrenzen abpatrouillieren und kühn überschreiten, kann man sich Cortes und Pizarro dünken. Nein, wir sind bessere Eroberer. Sie kamen mit dem Schwert und wollten Gold; wir kommen mit dem Pflug und wollen die altneue Heimat Ebenda an dieser erstickten Quelle lag einst das Judendorf Kfar Joseph und dort in der Hügelfalte steckt der Markt Shefaramr mit einem uralten Tempel, wo noch vor wenigen Jahrzehnten Juden beteten, die sich rühmten, in ungebrochener Geschlechterfolge seit Titus das Land zu bewohnen. Doch der Ebbe folgt die Flut, und wir im Auto fliegen ihr wie Möwen voran. Die Juden kommen wieder. Hemmt nicht ihren Schwall! Boden gibts genug. Dort das Dorf Demun hat allein 100.000 Dunam, mit denen es nichts anzufangen weiß, gleich all den Araber- und Drusen-Nestern ringsum am Saum der Berge. Nicht nur die Effendis, auch die Großbauern bieten Boden an. Und wahrlich, sie werden an uns Juden bequemere Nachbarn haben als an jenem Djezzar Pascha, der drüben in Akko unter seiner Afoschee liegt und von der Henkerarbeit ausruht, mit der er seinen Landsleuten die nationale Selbstherrschaft zu schmecken gab. Der Nachmittag in Haifa verstreicht in mannig- 2