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Die Stimme · 1930-11-27 · Heft 153 (27.11.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 153 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 153 — 27. November 1030 DIE STIMME Seite 5 pegnct. Ich habe viele von ihnen in Palästina gesehen. Wie jeder, der mit ihnen in Berührung kommt, war auch ich stark beeindruckt von ihrem Eifer und ihrer Energie, von der Klarheit ihrer Ziele und von ihren bemerkenswerte# Leistungen sn Palästina. Die Tatsache, daß sie für eine neue soziale Ordnung eintreten, erweckt natürlich die Sympathie und den Respekt meiner Kollegen und meiner selbst (Zwischenruf Lloyd Georges: Im Weißbuch heißt es nicht sof) Ich glaube, es Hegt eine Gefahr in dem Grundsatz, die Beschäftigung hi jüdischen Unternehmungen auf jüdische Arbeiter zu beschränken. Es gibt noch einen anderen Punkt der Kritik: die Frage einer Round-Table-Konferenz. Der Premierminister erinnert mich, daß, als die arabische Delegation frier war, ein Versuch gemacht vjjirde, aber er erwies sich als unmöglich. (Zwischenrufe: Warum?) Weil wir die Parteien nicht zu einer Zusammenkunft bewegen konnten. (Zwischenrufe: Welche Parteien?) Einmal war es die eine und ein andermal die andere. Ormsby Gore: Haben die Juden es jemals abgelehnt? Lloyd George: Da der Redner aus dieser Sache so einen wichtigen Punkt macht, ist es wirklich wichtig, daß wir wissen, wer dafür verantwortlich ist, daß der Einladung nicht Folge geleistet wurde. Waren es die Araber oder die Juden? r«r. Shiefe: Ich weiß nicht, ob es einen Fall gab, wo die Juden ablehnten. Ich sagte klar, daß die Araber nicht gewillt waren. Bamsäy Mac Donalds Rede Premierminister Ramsay MacDonald führte aus: Ich habe immer wieder gesagt und sage es jetzt wieder, daß; das Mandat durchgeführt werden soll. Aber wenn wir zu den Verhältnissen in Palästina kommen, müssen wir zu- , geben, daß das Mandat in einer Weise durchgeführt werden muß, daß aus seiner Durchführung keine Störung der bürgerlichen Ordnung resultiert. Der Unterstaatssekretär, der für die Regierung erwidert bat, hat eine volle, aufrichtige und wichtige Erklärung abgegeben, und ich übernehme für jedes seiner Worte die Verantwortung. Wir sind erst 12 Jahre nach 1917 ins Amt gekommen, aber sobald wir zur Regierung kamen, standen wir den Unruhen von August 1929 gegenüber und jede Untersuchung, die angestellt wurde, zeigt, daß diese Unruhen wenigstens zum Teil darauf zurückzuführen sind, daß die vorhergehende Regierung keine genügenden Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung getroffen hat. Wenn man dies alles bedenkt, dann kann ich unseren Vorgängern nicht zu ihrer Voraussicht gratulieren. Ich war vor acht Jahren in Palästina und bereiste das Land der Länge und Breite nach. Wer gesehen hat, was ich sah; kann gar nicht zu übertrieben sein in seiner Anerkennung der jüdischen Siedler in Palästina. Aber auch damals entstanden ökonomische Schwierigkeiten. Ich verbrachte eine Nacht in Haifa »m Hause unsefes KbtnMtesars. Man sagte mir, daß die Wahrscheinlichkeit-bestünoe, daß ich in der ■•geweckt '■/' r!■?, da Konflikte zwischen Juden und Arabern bestünden, ein Konflikt, der eine ökonomische Grundlage hatte. Die verantwortlichen Personen der jüdischen Arbeiterorganisation, diese wunderbaren Männer, die ich persönchlich kennen zu lernen den Vorzug hatte, saßen Abend für Abend mit mir, als wir nach Damaskus fuhren, und besprachen dieses Problem. Sie gaben zu, daß, wenn sie nicht zu ökonomischer Verständigung mit den Arabern kämen, Schwierigkeiten entstehen würden. Es liegt in der Eigenart Palästinas, daß eiii religiöser Streit, wie es zweifellos der Klagemauerstreit ursprünglich war, ökonomische Unruhen erzeugt. Allem orientalischen Leben liegt die religiöse Ueberzeugung zugrunde. Daher muß die Regierung bei der Durchführung des Mandates Sorge tragen für Erhaltung der bürgerlichen Ordnung und ökonomischer Harmonie. Das ist unbedingt notwendig. Das jüdische Volk, die Zionisten, mögen enttäuscht sein. Sie waren auch 1922 enttäuscht, aber wenn sie enttäuscht sind, weil die Verhältnisse eine gewisse Verzögerung des Tempos der Entwicklung notwendig machen, — wenn diese bewundernswerten Männer wie Dr. Weizmann, die ihr ganzes Leben und ihr ganzes Herz dieser Arbeit gewidmet haben, enttäuscht sind, so Ist doch unter den gegebenen Umständen die Verzögerung notwendig. Aber sie mögen unser Wort dafür nehmen, daß die Verzögerung in keinem Sinne ein Aufgeben des Mandates oder eine Aenderung der zur DttrchfÜhrnng des Mandates Ungeschlagenen Politik bedeutet. Die Regierung wird ihre Pflicht tim. kn gegenwärtigen Moment ist de hi Beratung mit den Vertretern der zionistischen Bewegung, und sie wird sich nur zu sehr freuen, eine ähnliche Berührung mit den Arabern herzustellen. Das Zeichen des Erfolges, sein einziges Zeugnis, wird es sein, wie weit das Mandat in seinen zwei Aspekten durcligeführt wird. Ich brauche nicht des langen und breiten zu betonen, daß die beiden Aspekte von gleichem Gewicht sind, aber die Regierung wird das Mandat in beiden Aspekten durchführen und alle Energien dafür einsetzen, damit die Entwicklung Palästinas unter Bedingungen, welche eine Harmonie zwischen Juden und Arabern enger und enger macht, fortgesetzt wird, so daß die Araber auch weiterhin die Vorteile genießen, die sie schon jetzt von jüdischer Immigration und jüdischem Kapital haben, und der Jude, der ergebene Zionist, Palästina mehr und mehr als volle Verwirklichung seines- Ideals des jüdischen Nationalheims werden sieht. (Die Fortsetzung der Debatte bringen wir in unserer nächsten Nummer. — Die Redaktion.) Alle orientalischen fpexialitöfeia am (fiost u. tfpieß Clfacnotoevi, Rlusclkll usw.) Restaurant slirabell T. föex.'Jta&s&urä erfasse 0 JfcUefkencfkef &rUnS»er& {früher Kofel IToMonai) Die „Goldene Kette des Keren Kajemeth“ in Erez Israel Wie wir bereits berichtet haben, entstand im Jiscjiuw spontan eine Volksbewegung zum Schutze, des Keren Kajemeth. Die Tagespresse ist voll von Mitteilungen über Opferleistungen Einzelner und Gruppen für den Keren Kajemeth. Aus Platzmangel können wir nur sehr wenige Fälle registrieren: Die Arbeiter in den Institutionen der «Histadruth» spendeten 1000 Pfund. Jeder jugendliche Arbeiter opfert einen Tageftlohn; die Beamten und die Arbeiter der Weinkellereien in Rechowoth tun dasselbe. Ein gewisser Abraham Feingold spendete auf Namen seines Neugeborenen, «des natürlichen Oleh», ein Fünftel Pfund statt der Kopfsteuer, die für jeden Oleh (Einwanderer) an die Regierung gezahlt wird. In Jerusalem wurde festgelegV: Ein Tagesarbeiterspendet einen Tageslohn, ein Angestellter 1 Prozent seines Monats lohn es, Kaufleute den öewjnn einer Woche. PCMSioFn^^fDEALED ” ABoIa JlfßHQK’O» fT&iEN* IW (ÄHWfc) Vnh fÄ ** AUfENTHAtr «25SS Die Wahlen znm polnischen Senat Die J. T. A. berichtet: ein jüdischer Senator gewühlt Warschau, 24. November. (J. T. A.) Die am gestrigen Sonntag in Polen durchgeführten Wahlen zum Senat haben den Juden eine Enttäuschung gebracht. Statt der fünf Juden, die dem letzten Senat angehört haben, wird in den neuen Senat nur ein einziger Jude, der in Lemberg gewählte Dr. Schreiber (Zionist), einziehen. Die jüdischen Kandidaten in Warschau (Ing. M. Kerner und Farbstein), Lodz, Bialystok, Wilna, Kielce und Krakau blieben in der Minderheit. Kein jüdisches Mandat Im Widerspruch mit dieser Meldung wird der «Stimme» aus Warschau gemeldet, daß bei den Senatswahlen leein einziger Zionist gewählt wird. Aus der Regierungsiiste wird ein Agudist in den Senat einziehen. Der Wahlterror war sehr groß. Aus Palästina Die Ansiedlung von 1000 jüdischen Familien. Schon stt allernächster Zeit wird an Gie Verwirklichung des Planes der Jewish Agency, 1000 jüdische Familien in Palästina auf Nationalfondsboden außer dem normalen KoJonisierungsprogramm anzusiedeln, geschritten. Die notwendigen Geldmittel zur Ansiediung von 400 Familien in der allernächsten Zeit sind schon bereitgestellt. Palestine Economic Corporation sagte Kredite zum Ban von 600 Häusern für die Kolonisten zu. Wahlen zur Assefath Haniwcharini. Der Waad Letmri ha! in einer unter dem Vorsitz von Pinchas Ruthenberg abgehaitenen Sitzung beschlossen, die Wahl zur Nationalversammlung der palästinensischen judenheit (Assefath Haniwchannt) auf den 15. Dezember festzusetzen. Keine Verhandlungen auf der Grundlage des Weißbuches. Dienstag, den 18. November, hat der Waad Leomi, nach Eintangen des Berichtes über die Palästina-Debatte im englischen Unterhaus, unter dem Vorsitz von Pinchas Ruthenberg eine Sitzung abgehalten. Der Waad Leumi beschloß, die Jewish Agency aufzufordern, keine Verhandlungen mit der Regierung auf der Basis des Weißbuches z» führen. „Doar Hayom“ suspendiert Jerusalem, 20. November (J. T. A.). Das Organ der Revisionisten «Doar Hayom» wurde wegen dreier I# der Zeit zwischen dem 7. und 10. November erschienenen Artikel nunmehr zum drittenmal seit den August-Unruhen des vorigen Jahres suspendiert. Die hebräische Presse Palästinas protestiert einmütig gegen die Einstellung von «Doar Hayon». Emek und Weißbuch Van Dr. E. M. Zweig (Jerusalem). Die Passfield-Deklaration war eben in Jerusalem erschienen, mit Androhung britischer Gewalt wider, jeden, der sich aufzulehnen wage. Als Kommentar,; wen das angelte, rasselten auch schon ihre Panzerautos durch die jüdischen Quartiere. Vergeb’ne Liebesmüh*. Man begnügte sich, im Stillen die Faust zu ballen. Immerhin eine schwere, atembeklemmende Luft. Vor dem Tor des neuen Amtshauses in Rechavia, das sich der Keren Kajemeth mit Hilfe des Phönix errichtet hat, harrte das Auto, um Herrn Weitz, unseren Forstinspektor, nach dem Emek zu bringen, wo er jetzt, am Beginn (des Landwirtschaftsjahres 5601, die Budgets für Erhaltung und Vergrößerung der Nationalfonds-Wälder zu regeln hat. Wie denken, was treiben jetzt unsere Siedler dort draußen? Stehen diese Säulen des Jischuw fest? Rasch entschlossen schwinge ich mich neben Weitz ins Auto; der Propagandist Bonfeld, der demnächst wieder nach Polen zurückfahren soll, ergänzt unser Trio. Während wir stundenlang durchs Hochland von Judäa, längst der sanft geschwellten Kuppen Samarias nordwärts sausen, allüberall geschlossen arabisches Gebiet, wogt die Debatte, ob und wie man nach diesem von der Schutzmacht unserem Aufbauwerk versetzten Schlag das Galuthjudentum noch bei der Stange halten kann. Aber schon tut sich — nach dem palmeniimranschten Paß von Djenin — der Emek mit dem Kranz der zionistischen Siedlungen um Ir Jesreel vor uns auf — und der Arbeitsplan tritt in sein Recht. Unser Auto biegt westwärts in den Kwisch gegen Haifa zu ein, verläßt ihn aber bald, gerade dort, wo er nach Nazareth aufsteigt. Eine neue, nach den August- | Unruhen vom Jüdischen Hilfsfonds angelegte Straße umgeht auf ebenem Grund den Südrand des Bergstockes, um unsere jüngsten, gegen den Bach Kischon vorgeschobenen Kolonien ' zu verbinden. Wenn erst diese Straße, die vorläufig nur bis Ginegar reicht, nach Nahalal — zum Kwisch zurück — ausgebaut ist, wird gewiß nicht nur der jüdische Verkehr diesen bequemeren Weg nehmen, und Nazareth wird noch mehr in träumerische Einsamkeit versinken. In Ginegar machten wir zum ersten Male Halt. Der Chaluz Egosi begleitet uns in den Bergwald hinauf, der — vor drei Jahren gepflanzt — schon auf 200.000 Bäume anwuchs. Es sollen ihrer 400.000 werden. Wie, auf diesem kalkweißen, mit mächtigen Steinplatten durchsetzten Boden? Und doch bringt er, vom Zauber üebesstarken Fleißes berührt, triebhaftes Leben hervor. Ueber alle Hebungen und Senkungen der Felswände breitet sich ein weiter, grüner Teppich aus strammen Jerusalemfichten. Fichte, du echtes Landeskind, zufriede# mit karger Kost und am Widerstand erstarkend! Durch den Nadelwald sind als Feuerschutz Reihen von Laubbäumen gezogen: «AUanthus und Melia», doziert Weitz. Auch sie reichen uns schon weit über den Kopf. Schön und nützlich, dies das Programm der Nationalfonds-Forste. Sie werden Bau- und Brennholz liefern und nebstbei soU der Ailanthus eine Papier- und die Maulbeerbäume dort drüben eine Seidenindustrie begründen helfen — das heißt, wenn England es erlaubt. Recke dich hoch und höher, du B a 1 f o u r - W a 1 d, als ein lebendes Denkmal für das getäuschte Vertrauen eines unglücklichen Volkes! Im Speisesaal der Kwuzah sitzt man schon zu Tisch. Ueber dem Teller mit den gezwiebelten Chazilim (Eierfrüchten) verliest einer aus dem letzten cDai war» die Londoner Heilsbotschaft. Doch da die Gäst aus Jerusalem eintreten, umdrängt man uns: «Und was sagt unser Alter?» Natürlich ist damit Ussischkin gemeint. Gern hören sie’s noch einmal, daß der nicht wankt. Dann folgt die Budgetberatung mit Weitz. Während sie über Landkarten und statistischen Tabellen brüten, enthüllt sich mir Egosi als ein gut polnischer Nußbaum, den ich vom Wiener Palästina-Amt aus vor 11 Jahren ins Marchfeld zur Hachscharah geschickt und der mit dem ersten Trupp auf krausen Stegen ins Land drang. Wie schmal wurde seither sein Gesiebt und wie scharf die damals kindlichen Züge! ... Vor dem Scheiden noch ein Blick nach der Ebene hinab mit dem KKL-Besitz, den Kischon entlang. Tiefbraun hebt sich unser maschingepflügter Boden, den an den Bachufern und allen anderen Grenzen jungfrische Eukalyptushaine umsäumen, vom Grau des arabischen Brachlandes ab. Und ebenda ist Freund Simpson gestanden, mit süßem Lob für unsere Pioniere; dabei hat er wohl schon seine Glosse überdacht, in der er feststellt, wir Juden hätten durch Verwahrlosung des Emek jene Feldmausplage zum Schaden der Araber großgezogen. Die nächste Station ist, drüben am Hügel, S a r Ld. Während Weitz Rat hält, gehe ich auf Kundschaft. Zuerst rings um die von grünschillernden Geekos durchhuschten Ruinen von Araberhütten; die standen vordem auf einem durch Aeonen angehäuften Riesenmisthaufen, den die Fellachen als Beleg ihrer landwirtschaftlichen Rückständigkeit hinterhießen und den nun die jüdischen Amateure kunstgerecht abbauen, um die ausgesogenen Felder wieder hochzubringen. Aus dem Stall dringt holde Zwiesprache zwischen dem Hebräisch eines Er und dem Hochdeutsch einer Sie, das Heimatserinnerungen in mir weckt. Richtig, da tritt die dralle Schöne AM M '.r:<

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