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Die Stimme · 1930-11-27 · Heft 153 (27.11.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 153 (27.11.1930)
Date
1930-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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! Seite ä DIE STIMME Nr. 153 27. November 1930 Proleslschehel (w.) Es gibt Momente im Leben eines Volkes, in denen Symbole ihre alte Kraft wiedergewinnen; in denen sie wie ein Blitz plötzlich aufleuchten und wie ein mene tekel phares, von der unsichtbaren Hand des Schicksals geschrieben, eindringliche Mahnworte an diejenigen richten, die im Getriebe des Alltags die wahre Bedeutung des Symbols vergessen hatten. Der Schekel ist ein Symbol, dessen wahre Bedeutung uns im Laufe der Jahre verloren gegangen ist. Und es gibt Momente im Leben einer Idee, ln denen der äußere Rahmen für den gemeinsamen Willen — die Organisation — von größter Bedeutung ist; in denen die Zugehörigkeit zur organisierten Einheit das Um und Auf der Bewegung ausmacht und die numerische Zahl der Mitglieder ausschlaggebend in die Wagschale fällt. Für die zionistische Weltorganisation ist jetzt dieser schicksalsschwere Augenblick gekommen, ln einigen wenigen Monaten soll der Kongreß stattfinden* Kongreß Februar 1931, nach dem Weißbuch, bedeutet aber eine Kraftprobe. Wird unsere Organisation diese Kraftprobe bestehen? Und eine Kraftprobe wird er sowohl nach außeu wie nach innen sein. Nach außen: der treubrüchigen Mandatarmacht und der Welt, deren Augen jetzt erwartungsvoll auf uns gerichtet sind, muß der Beweis erbracht werden, daß unser nationales Weltparlament — denn das ist der zionistische Kongreß — die größte jüdische Massenbewegung repräsentiert; daß er wirklich, und nicht nur in der Theorie, unseren Unterwegsstaat vertritt und daß die Stimmt» seines Protestes gegen das dem jüdischen Volkt von Albions Seite zugefügte Unrecht, die Stimme des gesamten lebenden und lebenwollenden Judentums ist Nach innen: Wir müssen uns selbst ermutigen, den Zaghaften und Ungläubigen die ungebeugt« Macht der Idee vor Augen führen, die Andersdenkenden aus gegnerischen Lagern schlagend von der Schlagkraft der zionistischen Organisation überzeugen. Wie werden die Kongreßdelegierten gewählt? Wie heißt das Kriterium der Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation? Die Kongreßdelegierten werden von den Seitekelzahlern gewählt. Das Kriterium der Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation heißt: der Schekel. Wir haben keinen Staat, keine Behörden, keine Machtmittel. Alles, was wir unser Eigen nennen, ist eine Idee, dieser Idee hingegebene Menschen und dieser Idee dienende Symbole. Eines der wichtigsten ist der Schekel. Wie lejeht ist es, ihn achseizuckend abzutun 1 «Ach Qott, nur ein Stück bedruckten Papieres . . .» Nicht wahr! Dieses «Stück bedruckten Papieres» ist der einzige Beweis der Mitgliedschaft unserer zionistischen Weltorganisation; ein Symbol, dessen Würdigung im jetzigen Augenblick besonders nottüt; darüber hinaus gewinnt er heute in Anbetracht der Wendung in der englischen Politik an besonderer Bedeutung: der Schekel 1930 ist ein Protestschekel. Wer ihn kauft, der protestiert — nicht durch Worte, die bald vergessen werden, sondern durch eine Tat. Wer ihn kauft, hilft die nationale Front des Weltjudentums in diesem entscheidenden Moment zu stärken. Wer ihn kauft, erfüllt die erste, die primitivste Pflicht eines Juden, der in der zionistischen Idee den einzigen zur Freiheit führenden Weg sieht. Nach den Wahlen erinnert man sich wieder an schöne Stunden, die uns nur durch Musik und Gesang, insbesondere jüdischer, geschenkt wurden. Die Zeit ist nicht stillgestandan und es ist sehr erfreulich, zu vernehmen, daß in allerletzter Zeit viele Aufnahmen der bedeutendsten und bekanntesten jüdischen Singer unserer Zeit, nach dem neuesten elektrischen Verfahren geschaffen wurden. Pas Musikhaus Excelslor, Wien, I, Adlergasse 5, Telephon R 23-4-Ö0, versendet an unsere geehrten Leser gratis die neuesten Kataloge 1Ö31, welche soeben aus dem Druck erschienen sind. Auch Radiogerite mit direktem Netzanschluß, modernste Sprechmaschinen und Schallplatten zu den günstigsten Zahlungsbedingungen. Alles lagernd* TrMt der Zionisten im Cafö „Altes Rata" (Catetier Leo Lowy) Größere und kleine Klublolcale 1. Bez., Wlpplingerstrafie 24 Tel. U 27-4-84, U 28-2-74 Intervention Dr.Friedmanns beim Bundesminister Dr. Heini Protest gegen die Exzesse an der Hochschule Hir Welthandel Freitag, den 21. November» sprach Herr Dr. Desider Friedmann in seiner Eigenschaft als Obmatui des Klubs der zionistischen Mandatare, von einer jüdischen Studentendeputation begleitet, bei Bundesminister Dr. Heini, dem die Hochschule für Welthandel untersteht, vor. Herr Dr. Friedmann führte Beschwerde über die Rechtlosigkeit der jüdischen Studenten, über den Terror der Nationalsozialisten, Über das passive Verhalten des Rektors bei den Studentenkrawallen und dessen nachträgliche Kundmachungen, durch die er die jüdische Studentenschaft als solche schwer beleidigt habe. Bundesminister Heini erklärte auf Grund dei ihm von Dr. Friedmann vorgebrachten Beschwerde, daß er die Vorgänge auf der Hochschule für Welthandel entschiedenst mißbillige; er werde nach Kräften dahin wirken, daß eine Wiederholung der bedauerlichen Vorfälle nicht mehr vorkomme. Insbesondere auf die Verschiedenheit der Kundmachungen an die deutsche und an die Jüdische Studentenschaft aufmerksam gemacht, erklärte der Herr Bundesminister, daß er auch dieser Sache die nötige Aufmerksamkeit schenken werde. Die Vorsprache der jüdischen Studentenschaft unter Führung des Herrn Dr. Friedmann hat bereits Erfolg gehabt, wie die folgende neue Kundgebung des Rektors beweist: «Aus dem fleißigen Besuch der Vorlesungen und der Bibliothek ersehe ich, daß der Friede Wieder bei ans eingesogen ist Ich begrüße mit Befriedigung den aüetoris sich bekundenden Arbeitswillen und danke den Vorständen der deutschen Studentenschafi und der Vereinigung jüdischer Hörer für die Einhaltung des mir gegebenen Versprechens, im allgemeinen Interesse Meinungsverschiedenheiten zurückzustellen. Der Rektor: Dr. Beute /.* weewnetsiseeisseiisisMMMfieesü Oienmai^ffnetaniiaivd» streng orih. Selchwaren fabrik Petyän & Co. Wien. II., Praterstraße 38 ist die Sensation des II. Bezirkes Die beste Qualität au den billigsten Proiseti bietet Gewähr fiir vollste Zufriedenheit des P. T. Publikums i—ssss 8sciMn>»wt eoeeoeoooeaaoooey Das Urteil über Borscha Alle an geklagten Pogromanstifter und Exzedenten freigesprochen. Bukarest, 23. November. (J. T. A.) Früher als erwartet (man rechnete ursprünglich mit einer zweiwöchigen Prozeßdauer) hat das Gericht in Satu-Mare (SzatmarJ im Prozeß gegen die Rädelsführer und Mitbeteiligten in dem antijüdischen Terror und in den Exzessen von Borscha, die sich vor der Niederbrennung dieser Stadt durch die Antisemiten begeben hatten, gesprochen. Sämtliche der Aufhetzung gegen Juden, der Terrorakte und der Mißhandlungen von Juden Angeklagten, unter ihnen auch die Haupträdolatührer, die Geistlichen Berindei und Dumitrescu, wurden trelgeeprochen. Einzig der Agitator Dealte, mit dessen Ankunft in Borscha die Terrorperiode begann, wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Lei verurteilt Auch die angektegten siebzehn jüdischen Bürger aus Borscha, die gegen die Abhaltung einer antisemitischen Versammlung in der städtischen Volksschule protestierten, und die der Störung einer von panila elnherufenen Versammlung beschuldigt wurden, wurden freigesprochen. Ueberprüfuns der Hnndatsverpltichtungen London (J. T. A.) Dar ehemalige High Commisslöner für Aegypten, Lord Lloyd, hat der Regierung den Vorschlag unterbreitet, eine Reichskommission, bestehend aus Männern von unanzweifelbarer Autorität, einzusetzen, deren Aufgabe es sein soll, die aus den Mandaten sich ergebenden Verpflichtungen einer Ueberprüfung zu unterziehen. „Felestin “ suspendiert Jerusalem, 23. November. (J. T. A.) Die arabische Zeitung «Felestin» ist wegen eines am 11. November veröffentlichten Artikels suspendiert worden. In diesem Artikel wird den Juden erklärt. «Wir haben nicht die Absicht, euch Ins Meer zu werfen, Ihr werdet uns aber nicht einen Fuß breit zum Welchen bringen. Die Regierung kann uns nur dann zwingen, ihre Vorschläge anzunehmen, wenn sie den Arabern, die Ihre Pflicht tun and ihr Leben bei der Verteidigung ihres Landes teuer verkaufen werden, nur mehr sechs Fuß Boden für ein Grab gelassen hat» Passfleld droht mit seiner Demission Wie die Jüdische Telegraphen*Agentur von vertrauenswürdiger Seite erfährt, hat Lord Passfleld dem Kabinett mitgeteilt, er würde sich, wenn das Weißbuch zurückgezogen werden sollte, genötigt sehen, seine Demission einzureichen. Der Ministerrat soll sich bereits mit der Frage der Designierung eines eventuellen Nachfolgers für Lord Passfleld befaßt und hierbei m erster Reihe Lord Baxton In Erwägung gezogen haben. Polen intervenieit in London London (J. T. A.). Der polnische Gesandte in London hat Im britischen Außenministerium Vorstellungen wegen der Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina erhoben. Ueber 2000 Juden hätten in Polen ihre Geschäfte liquidiert, weil sie die Absicht heben, nach Palästina anszuwandern. Der Botschafter sprach das Verlangen der polnischen Regierung ins, daß diesen Juden die Einwanderung bewilligt werde, ln seiner Antwort wies das englische Außenamt darauf hin, daß durch die jetzt bewilligten 1500 Zertifikate mehr als 1000 polnischen Joden die Auswanderung nach Palästina ermöglicht werde. Gleichzeitig sprach das Außenamt sein Erstaunen darüber aus, daß so viele Juden in Polen innerhalb der 2 Tage, die zwischen der Ausgabe und der Suspension der Zertifikate Im Mai lagen, ihre Geschäfte liquidieren konnten. Kritik des Mtnlsterrats an Pussflelds Maßnahmen Wie «Srniday Times» mitteiien, ist dis Einladung der Jowish Agency zu einer Konferenz mit der Regierung über strittige Punkts des Weißbuches auf einen ln der letzten Sitzung des Mln|$terrates gefaßten Beschluß zurückzuführen. In dieser Sitzung seien die Maßnahmen Lord Passfleids einer scharfen Kritik unterzogen worden und der Ministerrat sei tw Erkenntnis gekommen, daß es nicht möglich sei, die Verfügungen Lord Passfleids aufrecht zu erhalten Walilpropaganda in Whitechapel London, 21. November (J. T. A.). In zwei Wochen findet in Whitechapel, dem hauptsächlich von Juden bewohnten Viertel von Ost-London, die Nachwahl zum Unterhaus statt. Im Hinblick auf die Tatsache, daß die Juden fast 50 Prozent der Wählerschaft Whitechapels ausmachen, spielt die PaVistlna-Frage in der Wahipropaganda aller drei großen Parteien und auch der Kommunisten die Hauptrolle. Während die jüdischen Sozialisten entschlossen zu sein scheinen, den L&bour-Kandidaten zu unterstützen, und viele Juden geneigt sind, Ihre Stimmen dem liberalen Kandidaten, der Zionist Ist, zu geben, mobilisieren die Konservativen alle Kräfte für ihren Kandidaten. Lord Melchett hat durch seinen Söhn, Henry Mond, einen Aufruf an die Wählerschaft Whitechapels gerichtet, den Kandidaten der Konservativen zu wählen, ln dem Aufruf weist Lord Melchett darauf hin, daß er in Jeder möglichen Weise für den Aufbau Brez Israels tätig war, und bezeichnet das Weißbuch der Arbeiterregierung als eine wohlüberlegte Beleidigung der Welijudenheit im allgemeinen und der Judenheit Palästinas im besonderen. franko Kataloge jüdischer und hebrälsöher 1901 Größt*« Ugtr ln Sproobrnftföhlnon und RadlOApparaton mit direktem Netzanaobluß All« Ton&lmgöhlager lagernd Musikhaus EXCELSIOR L".h; 5 M UIIFH• Richard Herzog nILII n« ic>.»f«r».aa * Tel. A*«1*S>S4 Der Monol Dezember Isi der Scheftelmonui fiftr Oesterreich. 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