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Die Stimme · 1930-11-20 · Heft 152 (20.11.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 152 (20.11.1930)
Date
1930-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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20; November 1930 WB SffljMB m m Neue Zertifikate Von unserem palästinensischen Berichterstatter Jakob Singer. Rischon Lerion, am tO. November. Heute kam die Nachricht von der Bestätigung neuer Zertifikate durch das englische Kolonialamt. Nun, wir wußten es, daß der Sturm, den die letzten Regierungserklärungen in der jüdischen und nicht« jüdischen Welt hervorgerufen hatten, nicht ohne Wirkung bleiben würde. Deshalb kam die Nachricht nicht überraschend. Aber sie kam dennoch unerwartet, weil Wir in diesen Tagen schon so verbittert geworden sind, daß wir geradezu vergessen haben, wie eine für uns günstige Nachricht aussieht. Und doch muß mau die Stellungnahme zur Angelegenheit der heuen Zertifikate mit 2wei sehr ernsten Erwägungen einleiten. Die erste: die Tatsache, daß nach Erscheinen des Weißbuches trotz aller unverhohlenen Feindschaft zu unserem Aufbauwerke, die aus jeder Zeile dieses Dokumentes spricht, jetzt eine gewisse Zahl neuer Zertifikate ausgegeben wird, mindert nicht im geringsten die Schandhaftigkelt des Weißbuches — im Gegenteil, sie läßt sie erst recht deutlich in Erscheinung treten. Lord Paßfteld und die englische Regierung erkennen nicht etwa an, daß sie mit ihrem Weißbuch einen Irrtum begangen haben. Sie wollen nun um den Kern der Sache herumkommen und mit einer Zahl neuer Zertifikate das Unrecht, das an uns begangert worden ist, gutmachen. So geht die englische Politik einen merkwürdigen Zickzackweg, versucht heute das teilweise abzuleugnen, was sie noch gestern gesagt hal und will morgen in einer neuen Erklärung das heute'verläutbarte aus der Welt schaffen. Und die zweite Erwägung: Alijah bedeutet, daß neues Kapital ins Land komme, neue Investitionen gemacht werden. Eine Alijah von Arbeitern schafft neue Arbeit. Werden die berufenen Kreise die Tatsachen so einschätzeft, wie es nicht wünschenswert wäre, indem sie in dieser Ausgabe neuer Zertifikate keinerlei Aenderung der politischen Richtung erblicken und aus diesem Grunde mit der Investition neuen Kapitales zögern werden? Wer kann es sagen. In dieser Situation haben aber unsere beiden nationalen Fonde in Aktion zu treten: der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth. Der K., fC L. ist eines unserer wichtigsten Aktiven, ein Fonds,- der jetzt erst recht weitgehendste Förderung verdient. (Was-der jischuw in diesen Tagen für ihat geleistet hat, kann für die Galuth wirklich beispielgebend sein) . Das nationale Kapital steht jetzt vor großen Aufgabenp von deren Erfüllung die Zukunft unseres Werkes abhängt. Weiß das die Galuth? .Absurd wäre es heute, der neuesten revisionistischen Parole Folge zu leisten: die 1500 Zertifikate nicht anzunehmen t Es liegt auch hier ein unheilvoller Irrtum vor, wenn wir uns einreden, mit einer Geste unserem Ziele näher zu kommen. Das ist falsch. Jeder neue Atensch.'der ins Land kommt, ist für uns ungemein wichtig, ohne Rücksieht darauf, unter weichen Bedingungen er kommt Jede Einwanderung, sei sie noch so klein, muß begrüßt werden. Der «Hechaluz» hat seine Mission noch nicht beendet Weiß das die Galuth? In dieser Meinung.wird, man bestärkt, wenn man den Mangel an Menschen beachtet, der Überall herrscht. Eine zeitweilige Arbeitslosigkeit kann nie so viel Schaden bringen,'wie ein Mangel an Arbeitskräften. Was das jüdische. Palästina in diesen Tagen durchmacht, ist schwer wiederzugeben. Wir fühlen, hier ist nicht mehr Recht und Gerechtigkeit, nicht menschliches ‘Empfinden ‘und menschliches Tun am Werke. Es kommt, uns vqr, hätten Wir es mit irgendeiner toten Maschinerie zu tun, vor der es kein Entrinnen gibt. Diese Erkenntnis klingt bitter, aber sie muß ausgesprochen werden.'Dabei ist es nicht ein Gefühl der Schwäche, das uns bedrückt Wir fühlen uns stark genug, uns dieser toten Maschine entgegenzuwerfen, mit harten Fäusten, die schaffen und schützen gelernt haben, in das Räderwerk zu greifen und dem zermalmenden Rad Halt zu gebieten. Aber damit die Maschine uns nicht vernichtet müsset ihr Juden in aller Welt sie dort zum Stehen bringen, von wo aus sie in. Bewegung gesetzt wird. Da gab es in Tel-Aviv eine kleine Demonstration. Einige Hundert Schuhmacher demonstrierten gegen den -Import ausländischer Schuhe. Aber, weil die Passanten ihnen zuriefen: „Kejn zodkimf“ (Ja, sie haben recht!), fand es die Polizei nötig, dreinzuschlagen. Das ist die Maschinerie, mit der wir es zu tun haben . . . Ich möchte heute nicht in diesem Zusammenhänge das Weißbuch kritisieren. Das Weißbuch richtet sich TELEPHON U-22-3-59 elxfiaus GEBRÜDER BRAININ WIEN, I. ftüttyerlirfieSrifdie traft WtrtitBt fetf&W UtGpmm* ftaft, ein utwKBttftefj* Itd&et 8 n; ft i e g her geiftigen gäljigfetiert ift her Stnflufe bet fRabiutnettetgie. $tt beit fretoexfäufltdjen 8tabioflXetin*sittWetten ift teihfted dtabiutnfdlg dm Biotfjemiföe fßäljtfalae cmgelagctt, ünb inirdj bie .flom&ination hrirb bie SBirhmg be§ Dfotbiuma tux$ rneljt hegünftigi Btabiofflerin f5ri>ett We fÖtiitiitfufetiön in ben tmb Sßulsabetn, utr* bfinnt bd$ 50Iut, erhält bie äbem efoftifö tmb Beugt babutdj ben ßalfaBlagerungen unfe allen bemtii aufammen* hättgeiibett VÜet^etfthefnüttgen mt, gei’ftige u. {5t)jetlidW 9tBeitöf&htghit mitb ntifgeftif<ht u. erhalten. fRnbtnmgefalt «mtttift gebt8ft.@etieraIbebot u.Slusfunft SfpotljßFe Sntjer, SSien, t.,98oHaeilel8. ^tdfpefte gratis u. franTo. selbst Man muß es nur gut lesen. Und hoffentlich liest iftan es überall gut. In diesem Zusammenhänge erhebt sich die palästinensische Arbeiterorganisation zu tragischer Größe. Jetzt erst wurde es bewiesen, daß sie ein Hort nationaler Interessen ist! Ich will durchaus nicht die einzelnen Angriffe und Beschuldigungen gegen die jüdische Arbeiterschaft analysieren. Aber zu der tragischen Tatsache, daß sie von englischen „Sozialisten“ bekämpft wird, gesellt sich noch die beschämende, daß es noch heute einzelne Zionisten gibt, die es wagen, die Histadruth anzugreifen und damit das rechtfertigen, was der leichtfertige Unverstand eines imperaUstischen Kolonialbeamten ausgebrütet hat. Das ist beschämend. Aber weder die Angriffe eines Simpson, noch die Beschuldigungen eines Passfield, noch der unverkennbare Haß, der da und dort zum Ausdruck kommt, werden die Histadruth von ihrem Wege abbringen. Dies wird einem klar, wenn man in das Leben unserer Siedlungen in Palästina Einblick tut. Mit harter Arbeit am Tage, mit Singen und Tanzen an den Abenden, wird ein großes Stück Zionismus verwirklicht. Und den Gesang unserer Menschen in unserem Lande wird kein Weißbuch zum Schweigen bringen können. Denn das Leben ist stärker als die Maschine, und die schöpferische Tat kräftiger als der böse Wille! Eine unerhörte Provokation der jüdischen Studentenschaft; Zweierlei Maß an der Hochschule für Welthandel - - Der Rektor der* Hochschule für Welthandel, Dr. Beutel, keß Dienstag, den 18. d. M., am .schwarzen Brett folgende zwei Proklamationen .affichierem . Ah die deutsche Studentenschaft! - Die Schale ist eine Stätte des Lehrens, des Lernens and der Forschung? Die Disziplinärand Hausordnung .ist von.allen Studenten in gleicher Weise zu befolgen. ■ Wahren Sie. die Würde des akademischen Bodens and ■lassen Sie sich zu Unbesonnenheiten oder gar Gewalt- ‘ tcüen nicht hinreißen. ’JSie ieisten.den Geghern derakademi- . jsehen Freih ei t Vor.schub, wenn Sie Ausschreitungen begehen, die ich bedauern, Verurteilen and bestraf en \ \ \;; :; ’. :; muß,; Die Führer der deutschen Studentenschaft haben mir ■ das Wort gegeben, für Ruhe and Frieden zu sorgen. Sörgetr Sfe alle dafür; daß'ich auf dieses Wort bauen An die jüdische Studentenschaft 1. Provokationen, von welcher Seite immer, sind auf akademischem Boden unstatthaft. 2. Den Anordnungen der Amtsorgane ist Folge zu leisten. Wären die beiden in der Disziplinär- und Hausordnung verankerten Sätze befolgt worden, so’wäre es zu k ei ne n b e da uerl icke n Ausschreitungen gekom-m e n., Werden die beiden Sätze befolgt, so ist vollständige Ruhe zu erwarten. Alle Schuldigen werden bestraft werden. So schaut die «Gleichberechtigung» der jüdischen Studentenschaft in der Praxis auf. Zweierlei Maß Reinliche Rassenscheidung auch auf dem schwarzen Brett . . . Die Wiener Hochschule für Welthandel Ist auf dem besten Wege, in der ganzen* Kuiturwelt traurig berühmt zu werdenv *; - <; Kleine Nachrichten der Woche - Antisemitische Studenten demonstrieren im Czernowitzer Natföireltheater.. 'Während der Aufführung von «Alt- * Heidelberg» in rumänischer Sprache im Nationaltheater zu Czerrtowitz drangen antisemitische Studenten in großer Zahl in das Theater ein und erzwangen die Unterbrechung der Vorstellung, weil eine jüdische Schauspielerin, Anna Capustin, die weibliche Hauptrolle gab. Die Not der Juden von Borscha. Der rumänische Ministerrat beschloß in seiner-letzten Sitzung, den Juden von Borscha, die schwere; Not leiden, eine Unterstützung von 250.000 Lei zur Anschaffung Von Saatgut zu gewähren, damit sie ihf,e Felder für die kommende Saison bestellen können. ' Empfangsvorbereitang für Ussischkin 2a Amerika. Eine Konferenz von Vertretern aller jüdischen Gruppen, die an dem Palästina-Aufbau interessiert sind, hat die Einleitung eines großzügigen Drive für . den Keren Kajemeth beschlossen, um weitere große Bodenkäufe in Palästina zu ermöglichen. Die Kampagne sqfl .mit dem Eintreffen Ussischkins in den Vereinigtim .Staaten, ihren Höhepunkt erreichen. Agudah ln Paris. Auf Initiative von Rabbiner S. Langer und Mathieu Müller wurde in Paris eine Gruppe der Agudah ins Leben gerufen. Amerikareise Einsteins. Professor Albert Einstein tritt demnächst eine Reise nach den Vereinigten Staaten an. Er gedenkt sich an der Technischen Hochschule zu Pasadena ui Kalifornien etwa drei Monate lang Forschungsarbeiten zu ‘ widmen. Der genannten Hochschule ist die größte Sternwarte der Welt »angegliedert Jüdische Teilnahme an der Fel«' für die Unabhängig* keit Polens. Der Verband jüdischer Frontkämpfer und der einstigen Kämpfer für die Unabhängigkeit Polens und der Verband früherer Soldaten der polnischen Armee beteiligten sichkorporativ an der aus Anlaß der Feier der Unabhängigkeit Polens veranstalteten Parade auf dem Mokotower Platz .und an dem Zug zur Residenz des MarschaUs Pilsudskt im Belvedere. Sühne für Beschimpfung der jüdischen Religion. Der nationalsozialistische Schriftleiter der Zeitschrift «Per Sturm», Woifgang Bergemann in Kassel, wurde vom Schöffengericht Kassel in den Akten 3 J 471/29 wegen Vergehens gegen § 166 StrGB. an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Monaten zu einer, umgewandeiten Geldstrafe von 180 Mark rechtskräftig verurteilt. Bergemann, hatte in einer Versammlung das Bestehen eines jüdischen Gesetzes des Inhalts behauptet, daß die jüdischen Fleischer nichtkoscheres Fleisch vor dem Verkauf an Christen in einer hier nicht wiederzugebenden Weise verunreinigen dürfen. Dr, Samuel Wahrhaftig gestorben. In Krakau verstarb im Alter von 54 Jahren Dr. Samuel Wahrhaftig, einer der angesehensten Führer der Zionisten Weetgaliziens, Mitglied des Zionistischen A. C. und des Council der Jewish Agency. Die rtmtänisclie Tbronrede^ In der Thronrede, die der rumänisch« König antißlich der Eröffnung des Parlaments aito ßonnabend, den 15. Novembfer, verlas, wird versichert; daß die Minoritäten sich in Zukunft derselben liebevollen Fürsorge erfreuen werden wie. in der Vergangenheit; 'müi daß Rumänien sich bei der Behandlung des Minoritäten? Problems im Rahmen konstitutioneller Einrichtungen vcnf dem Gerechtigkeitssinn leiten lassen Werde, den e& nTctie* ser Frage stete bewiesen hat. Die Thronrede kündigt weiters eine Aenderung des Verfahrens für die Erwerbung der rumänischen Staatsbürgerschaft an. Dieser Passus Wurde auf Verlangen des jüdischen Parlamenteklubs in die Thronrede aufgenommen. Die angekühdigte Aenderung der Einbürgerungsvoirschriften wird Tausenden von Juden den Erwerb der Staatsbürgerschaft ermöglichen. Palästina-Pavillon auf der Pariser intemationafeti Kolonialausstellung. Das Komitee «France-Palestine» und die französisch-palästinensische Handelskammer organisieren gemeinsam eine Palästina-Abteilung auf der im Jahre 1931 in Paris stattfindenden internationalen Kolonialfeusstellung. Der Palästina-Paviltön wird die jüdische; Produktion in Palästina auf dem Gebiete der Industrie und der Landwirtschaft darstellen. Die arabische Exekutive gegen eine Modifizierung des Weißbuches Jerusalem, 11. November. (J. T. A.) Die palästinensisch-arabische Exekutive hat dem High Commissioner Sir John Chancellor ein Memorandum zur Weiterleitung an die Regierung in London übergeben. ln dem Memorandum wird die englische Regierung aufgefordert, das neue Weißbuch keiner Abänderung zu unterziehen, da es sich, abgesehen, von der in ihm mit aller Bestimmtheit ausgesprochenen Absicht der englischen Regierung, die Interessen der Araber zu schützen und geschehenes Unrecht Wieder gutzumachen, inhaltlich von dem im Jahre 1922 veröffentlichten Weißbuch nicht unterscheide. Sollte der Druck von jüdischer Seite den Erfolg haben, daß die Regierung in ihrer Politik einen Rückzug antrete, so würde dadurch den Arabern ein Beispiel gegeben werden, das der englischen Regierung nicht erwünscht sein könnte. Mle orientalisctken &gpmMiaUMten am (Hast ss. Weü Cüfatnatxen, JflnscAft USIP.) Restaurant Mirabell 1. JlfücAen«Ae# 9vün&«rä (Mtot jnotufi muitfioiuaO V

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