Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 152 (20.11.1930)
- Date
- 1930-11-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 oft stimme i.i.h niiii^ii. mm in II Mir 1 Die politischen Resolutionen des Actions-Comitees In der Schlußsitzung des Attions- Comitees am 9. November wurden nachstehende politische Resolutionen angenommen: 1. Nach Prüfung des von der Regierung Sr. Majestät im 21- Oktober 1920 veröffentlichten politischen Statements geben das Actions-Comitee der Zionistischen Organisation und das Politische Komitee der Jewlsh Agency ffir Palästina Ihrer reiftich erwogenen Meinung Ausdruck, daß die ln dem Weißbuch niedergelegte Politik sowohl den wiederholten Erklärungen aller früheren englischen Regierungen als auch den bisherigen Erklärungen der jetzigen Regierung zuwiderlaufe, daß diese Politik In ehizetnen Punkten mR wesentlichen Bestimmungen des Mandates unvereinbar Ist, daß sie die Grundlage für eine Zusammenarbeit der Jewlsh Agency mit der Regierung Sr. Majestät zerstört, daß sie einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern ln Palästina entgegenarbeitet und daß sie die Grundlagen des Jüdischen Nationalhelms ln Palästina bedroht Der Gedanke des Jüdischen Nationathehna basiert auf der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina und hat zum Ziele, hi dem historischen Heimatiamle dieses Volkes dem jüdischen nationalen Leben erneut einen Brennpunkt zu schaffen, indem dort breite Grundlagen für eine normale nationale Existenz der Juden gelegt werden und ihnen die MögBchkelt freier politischer und kultureller Entwicklung gegeben wird, unbehindert durch die Notwendigkeit sich den Regeln und Normen anderer herrschender Nationen zu unterwerfen oder anzupassen. Ohne Land und Menschen [kann es kein jüdisches Nationalhelm geben; seine Grundlagen [werden zerstört wenn die jüdische Einwanderung künstlich {beschränkt und den Juden der Zugang zu dem Boden Palästinas versperrt wird, wie es der Fall wäre, wenn die im [jüngst veröffentlichten Weißbuch entwickelte Politik durch die Mandatarmacht ausgeführt werden sollte. Das Actions- Copiltee der Zionistischen Organisation and das Politische Komitee der Jewlsh Agency lehnen deshalb die Annahme dieser Pofitik ab und erklären sich vollständig solidarisch mit den Protesten, die der Präsident der Jewlsh Agency, Doktor Wefetnann, der Vorsitzende des Administrative Committee, Felix Warburg, und der Vorsitzende des Council und des Pofitiachen Komitees, Lord Melcbett ln Ihren Demissions- (Schreiben erhoben haben. 2. Das Weißbuch, welches eine vollkommene Aenderang [der Pofitik zur Errichtung eines Jüdischen Nationalheimes ausspricht, wurde ohne vorhergehende Beratung mit der Jewlsh Agency veröffentficht Dieser Vorgang bedeutet eine ernste Verletzung des In Artikel 4 des Mandats niedergeiegten Status der Jewlsh Agency. Das Actions-Comitee der Zionistischen Organisation und das PoStische Komitee der Jewish Agency legen gegen diese Verletzung Protest ein. . Das Actions-Comitee der Zionistischen Organisation und das Pofitische Komitee der Jewish Agency wünschen weiters nachstehende Bemerkungen zu den wichtigsten Punkten ded pofitischen Statements zu machen : a) Das Weißbuch zeigt cfie Tendenz, die im Mandat der engischen Regierung gegenüber dem jüdischen Volke auferlegte Pflicht auf eine Pflicht gegenüber dem Jüdischen Einwohnern Palästinas zu reduzieren. Diese Aenderang steht mit dem Wortlaut und dem Geist des Mandaten in Widerspruch, b) Das Weißbuch gibt der arabischen Bevölkerung zn verstehen, daß das jüdische Sierflungswerk eine Bedrohung ihrer Interessen bedeute. Die Jewish Agency erklärt demgegenüber, daß durch die jüdische Kolonisation die Interessen der gesamten Bevölkerung des Landes in hohem Maße gefördert werden, c) Das Weißbuch basfert. auf einer neuen Schätzung des Brachlandes und des kufiurfähigen, aber gegenwärtig unbebauten Bodens ln Palästina, in der entgegen allen bisherigen offiziellen Schätzungendtein Betracht kommende Fläche um über fünf Millionen Dunam geringer angegeben wird. Abgesehen von der bedeutenden Landreserve in Transjordanien verschweigt das Weißbuch die ktdturfähigen Gebiete im Süden von Palästina, d) . Das Weißbuch verweigert augenscheinfich den Juden ki Verletzung des Artikels 6 des Mandats jeden wesentlichen Anteil an den noch zur Verfügung stehenden Staatsiändereien. C) Das Weißbuch läßt die Tatsache außer acht, daß die durch die Fonds der Jewish Agency finanzierte Kolonisation eine Siedlung zum Ziele hat, durch die der Aufbau des Jüdfsehen Nationalheims gefördert werden soll, und daß diese7 Kolonisation in hohem Maße der Ansiedlung mittelloser Ar*. beiter gewidmet ist. Die Kritik des Weißbuches an dieser Kolonisation berücksichtigt nicht deren nationale und soziale Beknge. Die Bodenpolitik der Jewish Agency will schädliche Bodenspekulation dadurch verhindern, daß sie das für die jüdische Kolonisation erworbene Land zum unveräußerlichen Eigentum des jüdischen Volkes macht Darüber hinaus sollen die Kolonisten im Hinblicke auf die Ermöglichung geschlossener Siedlung in liebereinstimmung mit Artikel 6 des Mandats Kleinbauern sein, die ihr Grundstück selbst bearbeiten, so daß nicht Großgrundbesitzer die biiüge Arbeitskraft ausbeuten, f) Das Weißbuch stellt eine weitgehende Einschrän- Wissen fie es schon l rlr Schuh-Dorn bietet noch nie Dagewesenes in Qualität und Preisen. Moderne Krokodil- und Eidechsschuhe . . , . S 39.50—S 45.— Aus ganz Krokodil u. Eidechs „ 49.50—„ 55.— ■ Herren-Schuhe in neuen For- , men, rahmengenäht. . .„ 28.50—„ 34.50 |cliiiA*äÜn«ii, il- Sf«5oisliaße S m. ftfing, wenn nicht gar dm wirkliche Verhinderung des Bodenkaufes für Zwecke jüdischer Siedlung In Aussicht Das Actions-Comitee der Zionistischen Organisation and das Politische Komitee der Jewish Agency erklären, daß eine derartige Maßnahme wfrtschaftBch nicht zu rechtfertigen ist, and halten die Mehttatg aufrecht daß der Schulz der Interessen der arabischen Pächter und Eigentümer eine derartige Einschränkung durchaus nicht erforderlich macht g) Das Weißbuch unterwirft die EhiWanderung jüdischer Arbeiter weiteren Einschränkungen durch eine unzulässige Interpretation des Begriffes «Wirtschaftfiche Aufnahmefähigkeit des Landes» sowie dadurch, daß zwischen dem arabischen Arbeitsmarkt und der jüdischen Einwanderung eht ungerechtfertigter Zusammenhang konstruiert wftfd. Sollten diese Einschränkungen ln Kraft treten, so würde die Investierung privaten jüdischen Kapitals in wirtschaftlichen Unternehmungen aufhören, was eine nicht wieder gut zu machende Schädigung der gesamten wirtschafttiehett Entwicklung des Landes zur Folge hätte. Entgegen dem Prinzip, daß die jüdische Einwanderung nur durch ökonomische Erwägungen bestimmt werden soll, erklärt das Weißbuch« daß in Zukunft pofitische Erwägungen, wie etwa die Beseitigung von «Verdacht» auf selten der Araber, einen entscheidenden Faktor bilden sollen. Dies würde künftighin eine völlig willkürliche Handhabung der Einwanderangspotttik ermöglichen, h) Das Weißbuch schlägt die Einführung einer neuen LandentwIckhmgspoHtik ln Palästina vor. Das Actions-Comitee der Zionistischen Organisation und das Politische Komitee der Jewlsh Agency erklären, daß die Bestimmungen des Weißbuches über diesen Gegenstand keinerlei Gewähr dafür bieten, daß die Ansprüche in bezug auf das Jüdische Natioftalftelm gemäß den Bestimmungen des Mandats ln dieser Politik entsprechende Berücksichtigung Enden werden. Sie sind der Ansicht, daß sich eine Groiis franko Kataloge jüdischer und hebräischer Neuaufnahmen 1931 Größtes Lager in Sprechmaschinen und Radioapparaten mit direktem Netzanschluß Alle Tonßimschlager lagernd Musikhaus EXCELSIOR I n h ab e cs Richard Herzog 1., Adlurgaas« 9 Ul. R.23.4-90 11., K . Pfarrg. 28 r«i. A-41-6-24 solche Landentwicklungspolitik auf das gesamte Mandatsgebiet einschließlich der großen Landreserve in Transjordanien erstrecken müßte. \ Aus all diesen Gründen erklären das Actions-Comitee der Zionistischen Organisation und das Politische Komitee der Jewish Agency, daß sie das Weißbuch nicht als Baris der künftigen Regierungspolitik in Palästina anerkennen können. Sie sind der Ueberzeugung, daß das britische Volk willens ist, an seinem gegebenen Wort festzuhalten und die im Mandat niedergelegte Politik in vollem Ausmaß durchzuführen. Die Jewish Agency wird alle Anstrengungen machen, um die Durchführung ihrer Forderungen zu sichern und so< wieder zu einer Zusammenarbeit mit der Mandatamtacht im Geiste der Balfour-Deklaration und des Mandats zu gelangen. 3. Das Actions-Comitee der Zionistischen Organisation und das Politische Komitee der Jewish Agency erklären rieh solidarisch mit der einstimmig angenommenen-Resolution des Waad Leuml, In der eine Beteiligung der Juden Palästinas an den Wahlen zum Legislative Council abgelehnt wird. 4. Das Actions-Comitee der Zionistischen Organisation und das Politische Komitee der Jewish Agency protestieren gegen die seitens der Palästina-Administration ohne jede gesetzliche Grundlage erfolgte Verweigerung eines Einreisevisums nach Palästina für Herrn Wladimjr Jabotinsky. Sie betrachten diesen Vorgehen der Palästina-Administration als einen Willkürakt, der mit dem Sinn der Mandatsbestimmungen, betreffend die Errichtung eines Jüdischen Netipnafiieims ln Palästina, unvereinbar ist, Beschlüsse des A. 6. Resignation des Präsidenten Dr. Weizmann Das A. C. stimmt völlig überein mit dem von Herrn Dr. Weizmann durch Einlegung seines Protestes gegen die Handlungsweise der Mandatarmacht getanen Schritt und mit seinem zu diesem Zweck erfolgten Rücktritt vom Amte £ines Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency. Das A. C. nimmt die Demission Dr. Weizmanns zur Kenntnis und bittet Herrn Dr. Weizmann, die Funktionen seines Amtes bis zum nächsten Kongreß fortzuführen. Führung der politischen Geschälte Zwecks Heranziehung weiter Kreise der zionistischen Bewegung zur Mitarbeit an bestimmten politischen Aufgaben setzt das A. C. mit Zustimmung der Exekutive eine spezielle pofitische Kommission ein, die bei der Behandlung dieser politischen Fragen'mit der Exekutive zusammen tagt und in I Kr. 152 — 20. November 1930 diesen gemeinsamen Sitzungen wie auch in bezug auf Erlangung sämtlicher Informationen im Bereich ihrer Kompetenz dieselben Rechte wie die Mitglieder der Exekutive genießt. Die Kommission besteht aus fünf Mitgliedern, von denen drei sofort durch das A. G gewählt, werden, während je ein Platz dem Waad Leumi und der Zionistischen Organisation von Amerika offen gelassen wird. Für die außerha b Londons wohnenden Mitglieder der Kommission ernennt das A. C. je einen ständigen Stellvertreter, der, Wenn er an Stelle des etwa verhinderten ordentlichen Mitgliedes tritt, dieselben Rechte genießt wie ein ordent'iches Mitglied. — Das A. C. wählt in diese Kommission folgende Personen: 1. Dr. M. D. Eder; 2 Herrn Leo Mot2kin (Stellvertreter Herr I. Naiditsch); 3. Dr. Nachum Goldmann (Stellvertreter Dr. Max Solo* weitschik). Finanzen und Kolonisation Das A. C. bringt den festen Entschluß der zionistischer. Bewegung zum Ausdruck, ihre Kraft und Energie zuir Durchführung eines großzügigen systematischen Kolonisationsplanes zu verwenden, der in erster Linie folgende Hauptaufgaben umfassen soM: 1. Konsolidierung und Ausdehnung der landwirtschaftlichen Siedlungen des Keren Hajessod auf den Böden des Keren Kajemeth. 2. Voile Durchführung des in Angriff genommenen Planes der Ansiedlung der Tausend auf der Basis gemeinschaftlicher Initiative öffentlicher und privater Mittel. 3. Einleitung einer energischen städtischen und ländlichen Kolonisation des Mittelstandes, auf Ländereien des Keren Kajemeth auf der Grundlage von Privatinitiative. Das A. C. appelliert in dieser ernsten Stunde an das jüdische Volk, eine außerordentliche Anstrengung zu machen, um die Durchführung dieses Planes zu gewährleisten. Das A. C. bestimmt eine spezielle Kommission, deren Aufgabe es sein wird, in Zusammenarbeit mit den berufenen wirtschaftlichen Instanzen die genauen' Wege und Pläne zur Durchführung dieses Kolonisationsprogrammes auszuarbeiten und ihre Vorschläge dem nächsten Kongreß zu unterbreiten. Zur Ausarbeitung eines Finanzplanes wählt das A. C. eine Kommission, bestehend aus denHerren 1. M. Sieff, Simon Marks, Israel Naiditsch, Dr. Berthold Feiwel und Dr. Chaim Aflosoroff, die zusammen mit den Herren M. Dizengoff, A. Harzfei-d und Rabbiner H. Teitelbaum sofort an ihre Arbeit herantreten soll. Die Kömmission hat das Recht, andere Personen zu ihren Arbeiten heranzuziehen. Kongreß Das A. G bestätigt den Beschluß der Exekutive, den XVII. Kongreß zum frühesten Zeitpunkt, spätestens aber Mitte Februar 1931 einzuberufen. Das genaue Datum soll von der Exekutive nach Durchführung, der erforderlichen Erhebungen festgesetzt und an gekündigt werden, Auf Grund des von der Exekutive erstatteten Berichtes und nach der im A. C. durchgeführten Diskussion ermächtigt das A. G die Exekutive, die endgültige Wahl des Kongreßortes. gleichzeitig mit der Bestimmung;der.Zeit des Kongresses zu treffen. •; . , . , „ ... . Schekelkampagne Gemäß der Anordnung der Exekutive werden die Mot nate November und Dezember 1930 als Schekel-Monate zur Durchführung der Schekel-Aktion für das Jahr 5691 proklamiert. Das A. C. ruft die Zionisten aller Länder und Verbände auf, während der kommenden Wochen vermittels einer mit der Schekel-Kampagne eng verbundenen Aktion eine Massen- Werbeaktion im jüdischen Volke durchzuführen und auf diese Weise den in weitesten Schichten der judenheit vorhandenen Pafästina-Willen organisatorisch zu erfassen und gleichzeitig durch Gewinnung zahlreicher neuer Schekel* Zahler dem kommenden Kongreß einen repräsentativen Charakter zu sichern. Labour Party und Judenfrage London, 14. November. (J. T. A.) Der Aroeitsminister George Lansbury hat am 12. November in einer Versammlung des Ordens »«Achei Brith» und der Hilfsgemeinschaft „Schild Abrahams** in White* chapel eine Ansprache gehalten, ln der anschließenden Diskussion wurden gegen die Arbeiterregierung wegen der Herausgabe des Weißbuches und der Einstellung der Arbeitereinwanderung nach Palästina Vorwürfe erhoben. Minister-Lansbury, der seit jeher im Londoner East End seinen Wohnsitz hat und als warmer Freund der Juden und Kämpfer für jüdische Interessen bekannt ist, ergriff nochmals das Wort, um auf diese.Vorwürfe zu antworten; er führte ungefähr aus: Ich spreche vor einem jüdischen Auditorium und möchte es an jene Zeiten erinnern, in denen meine heutigen Kritiker noch nicht geboren waren und dip Stellung der Juden in East End noch eine ganz andere war als heute. Ich habe mich der Gehässigkeit von mancher Seite ausgesetzt, als ich mich der unterdrücke ten und verfolgten Juden im Verlauf der Arnold-White- Agitation (die zur Einführung des Aliens*Act im Jahre 1903 führte) annahm. Immer wieder bin ich damals aufgestanden und habe die Juden verteidigt. All dies erwähne ich nicht wegen der augenblicklichen Miß* Verständnisse, nicht wegen des Weißbuches, dessen stellenweise unglückliche Fassung einzelne zu der falschen Annahme verleitet hat, wir, die wir für die Freiheit der Juden gedämpft haben, seien ihre Feinde. Es ist möglich, daß wir einen Mißgriff getan haben. Wir verlangen aber auch in diesem Falle, als Freunde behandelt zu werden. s .