Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 152 (20.11.1930)
- Date
- 1930-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 1S$ — Sft. November 1§§Ö mg STfMME Seite 3 Dr, Desider Friedmann (Zu «einenr 50, Geburtstag) Er wird selbst überrascht sein, daß et schon 50 Jahre alt geworden ist, denn er gehört, zu denen, die immer vorwärtesohreiten und keine Zeit haben* zurückzubliokea. Seit drei Jahr* zehnten eteht Friodmann in der adöniatjeohen i Bewegung, wahrend de« letzten Jahrzehnts stets in vorderster Reib«. Ala junger Student trat er in die Reihen; einer aionistiaohen Verbindung, die ee eich zur Hauptaufgabe machte, die jüdische Ehre hoch» zuhalten und sie auch mit dem Schwert in. der Hand gegen diejenigen zu verteidigen, die schon die „-Frucht des jüdischen Mutterleibes“ für ehrlos erklärten. : Gemeinsam mit seinen Kameraden kämpfte er auf dem heißen Boden der Wiener UnJverai* tät so manchen härten Kampf gegen die deutsch* nationalen Student«^. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie nahm die zionistische Organisation den Kampf um die Wiener Kultusgemeinde auf und zog als zweitetärkste Partei in die Gemeindestube ein. Der Klub der zionistischen Mandatare entsandte Dr. Friedmann in das Präsidium der Ge* meinde, und als erster zionistischer Vizepräsident übte er dieses ehrenvolle, aber überaus schwere Amt in vorbildlicher Weise au«; er verstand es, in der schweren Nachkriegszeit die Gemeinde Uber alle Fährlichkeiten der Finanz* kriee mit sicherer Hand zu führen und ©ich die Anerkennung aljer Gruppen des Kultusvorstandes zu erwerben. Sozial empfindend, bemühte er sich, den Angestellten der Gemeinde ein gesichertes Dasein zu, schaffen; mit Entschiedenheit und Energie trat er jedoch gegen die Versuche auf, die Gemeinde zu zertrümmern oder deren künftige Existenz zu gefährden. Als ehrenamtlicher, hoher Funktionär der Gemeinde zeigte er, wie man der jüdischen Gemeinschaft zu dienen habe. Er erfreut sich auch bis zum heutigen Tage des größten Ansehens bei der Angestelltenschaft und bei allen im Vorstände vertretenen Parteien und kämpft als Obmann des Klubs der zionistischen Mandatare mutig und entschlossen für die Verwirk!ichimg des zionistischen Programme« in dei* Kultuflgemeinde. In der zionistischen Bewegung taucht sein Name immer wieder auf, wenn es gilt, das Schiff in den sicheren Hafen zionistlaobm* Arbeft Zu «teucr-n oder die Grundlagen künftiger Arbeit tu schaffen. So stand er bereits dreimal an der Spitze de© zionistischen Ländesköihitees und vertrat die zionistische Organisation auf mehreren 2/ionistenkongressen; ©eit vielen Jahren ist er Mitglied de© Rongreßgarichtes; beim Züricher Kongreß iet er in den erweiterten Rat der Jawieh Agency berufen worden. Sein Zionismus ist mit inn(gem. jfldf«ebero Gefühl und gründlichem jüdischen Wissen verbunden* Einer angesehenen jüdischen Familie in Mähren entstammend, hat er sich schon in seiner Kindheit ein gründliche« jüdische« Wissen angeeignet und nicht nur die Pietät für die Ahnätt seiner Familie, sondern auch für dl« jüdische Tradition bewahrt. Er Weiß ganz genau, daß das neue, aufrecht«, stolze Judentum ohne An* knüpfung an dte ^Tradition unserer Väter und die UebcrHeferuhg unserer Dehre und Ge* schichte nicht bestehen kann. Al© Rechtsanwalt bat er in Wien einen an* gesehenen Namen; seit mehreren Jahren ist er Mitglied de© Dlszlpünarrate© dar Reoht$fn\valt©r kammer in Wien und auch dieses Amt Übt er mit Eifer und objektivster Gerechtigkeit au«. Jeder Körperschaft, der er angehört, gereicht er zur Zierde. Weil wir wiseon,-daß er jeder persönlichen Ehrung abhold ist, gratulieret wir zu seinem 50. Geburtstage nicht Ihm, Sondern der zioniatisohen Organisation. Wir sind stolz auf unseren Führer Desider Friedmaftül Rin politischer Katnpffond© ÖarUni 10. November. (J. Y, A.) Die Liga für das arbeitende Palästina veröffentlicht einen Aufruf, m welchem die Gründung «Ines Poll tuchen Kampffonds proklamiert wird, dar neben dem eigentlichen Ziel, der Beschaffung von Mitteln für den Kampf gegen die Palästina-Erklärung der englischen Regierung, auch noch dem Zwecke der Aufklärung und Organisierung der arbeitenden arabischen Bevölke* rung Palästinas dienen soll. Diese Aktion, die von der Hjstadruth ln Palästina Innerhalb von vierzehn Tagen mit großem Erfolg durchgeführt wird, soll nunmehr auch in den Galuthländem während eines Monats unternommen werden, Verbot einer revteionistteoheii Versammlung in Tel-Aviv T e I - A v 1 v. (J. T. A.) Ein« von den Revisionisten elnberufene Massenversammlung, zu der sich bereits Tausende von Menschen eingefunden hätten, wurde in der letzten Minute von der Polizei verboten. Die Veranstalter hatten eine schriftliche Garantie für den ruhigen Verlauf der Versammlung abgegeben und die persönliche Haftung für eventuelle Unruhen übernommen. Die Polizei gab sich, jedoch mit dieser Erklärung nicht zufrieden und verlangte außerdem die Hinterlegung einer Kaution von 50 Pfund Sterling. Da die Veranstalter den Erlag der Kaution verweigerten, wurde die Abhaltung der Versammlung verboten. Starke britische Polizeikräfte ständen im Verein mit der Polizei von Tel-Aviv bereit, um gegebenenfälls die Auflösung der Versammlung zu erzwingen. Der Vereinigung der Mohammedaner in Haifa wurde die Abhaltung eines Massenmeetings zum Zwecke der „Aufklärung Uber die p^itische und wirtschaftliche Lage“ am Dienstag, den 11. November, gestattet. Es bleibt abzuwarten, ob die Polizei von den Veranstaltern dieser Versammlung ebensolche Garantien verlangen wird. Direkte Linie ... Triest-Jaffa Haifa mit den vorzügl. Salonschiffen Adria“, „Camino“ u. „Celis“ dos Lloyd Trlestioo F&hrtd&ner bloß 4% Togo | Fahrpreis« I. Kl. £ 22.-.-; II. Kl, £ 16.<—• - i 111. Kl« £ 6.—»t*. (AU. Bett und V«rpßa$uu(r mir EnnlRita ittn stiiBsi Mg jiso, mg] iipu iisMitli: Lloyd Trlestino. Wim. I.. Rär«t«tmiig t 1*1 BBBMSBSff« » Stärker und größer sei unsere Tat... u Aufruf des Zionistischen Aktionskomitees Das Aktionskomitee der Zionistischen Waltorganisation, das am Sonntag, den 9. November, seine Tagung in London beendet hat. richtet an diesem Tage den nachstehenden Aufruf an die jüdische Öffentlichkeit: : ln dlmr Stunde richten wir unseren Ruf an alte treuen Freunde, an alle, die unter Land und die jüdische Zukunft bauen, an unter ganzes Volkl Steht fest und sicher bei Eurer Arbeitl Keine Verzagtheit, keine Unterbrechung der Anstrengungenf Stärker und größer sei Unsere Tat, grüß und ernst, wie die Prüfung, die über uns gekommen ist. Wir werden unsere Hoffnung, unser Recht auf Palästina, unsere Arbeit im lande nicht von zeitweilig Sei mröö en SAmme», $opffcfjmet3eit, «Mitifdjett unb tljeumatifcijert ©efjutetaen finb $ogat# Tabletten unübertroffen. SDie EÖirfuttß'.tritt unmittelbar ein, feine fcffäbüdjen ÜRebenroirfungen. '•**> fragen Sie Sljten fÄfyt. $n allen Stpotbelen; — ißteiä .$ 3,40. gen politischen Schwankungen und Beschlüssen ah* hängig mdclten, Keine Kraft der Welt kann das vernichten, was ln Jahrtausenden der Sinn unseres'le* berts und unserer Geschichte wär und was wirsin den letzten fdhritehritefi auf.Tcffierhund den Bergen Erez Israels mit leib und, Seele neu besiegelt haben. JH der Stunde des leides und der Prüfung sieht unser Volk geeinigt, stark, kampfes* und opferbereit. Und so, staik und würdig, wird. Unser Protest vor dem Gewissen Englands und der ganzen Welt sein. Unerschüttert und entschlossen werden wir für unser. Recht, für unser Land und unsere Zukunft kämpfen, Unsere weitere Arbeit für Palästina, mit vungeschwächtem Olauben geführt und von ungcbroche-, nein Mut durchdrungen, wird den Willen des Volkes und seine Entschlossenheit dokumentieren. Das lüi../ ruft nach schöpferischer Arbeit arid vieles kann und muß getan werden. Unsere Positionen in Erez Israel müssen gefestigt und endgültig .konsolidiert werden. Die Entwicklung der jüdischen Stadt, des jüdischen Dorfes, der jüdischen Schule und der jüdischen Industrie muß von uns gesichert und gefördert werden. Jede Spanne Bodens, die sich in jüdischen Händen befindet, muß besetzt, alle wirtschaftlichen Energien müssen fruchtbar gemacht werden; mit. Anspannung aller Kräfte muß die Arbeit für die Erlösung des Bodens und die Vergrößerung des jüdischen nationalen Besitzes fortgesetzt und verstärkt werden. Und wie das land das Volk als Ganzes zur Tat auf ruft, so auch jeden einzelnen: mit seinem Unternehmungsgeist, seinem Kapital und seiner Arbeitskraft zur. Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie das seine zu tan. Der Weg muß geebnet werden, und wir müssen bereitstehen für den. Moment, da die äußeren Hindernisse und Schwierigkeiten weggeräumt werden. An alle unsere Freunde, alle Zionisten in ..der ganzen Welt ergeht der Ruf zu einer großen opferwilligen Arbeit für unsere Fonds, die der Erlösung des Bodens und dem Wiederaufbau des Landes dienent Nack dar A. C. Sitzung Akt einem Gespräch mit Joachim Neiger. Herr Joachim Neiger, Mitglied das zionistischen Aktionskomitees unef Spitzenkandidat der iionist»s4Hen leiste irt W&stgaplep zu den Sftnetswahien, hätte die Liebenswürdigkeit, «ns über die Rftsuüate dar 'atzten Londoner Sitzung de* Zionistischen Aktionskomitees folgende» mitzuteüan; »Per wichtigste Beschluß des Aktionskomitees Ist die Konstituierung der politischen Kommission, die zu dem einzigen Zwecke eingesetzt würde, an den Konferenzen mit der englischen Regierung In Angelegenheit des Weißbuches teiizunehmen. Diese politische Kommission verfolgt nur diesen einen Zweck und hört nach der Beendigung dieser Aussprache zu existieren auf« Die Stimmung, die zu Beginn der Session gedrückt gewesen ist, hob sich zusehends im Laufe der Verhandlungen, da es bekannt geworden ist, daß die englische Regierung einzulenken versucht, und daß die jewlsh Agency von Mac Donald zu einer Round-Table- Conference eingeladen worden Ist. Pas «richtigste» was uns jetzt bevorsteht, ist der Kongreß. Es Ist eine unbedingte Notwendigkeit, die Propaganda für den Kongreß schon jetzt großzügig zii beginnen. Die Zahl der ßchekalim muß vervielfacht werden, denn wir müssen der nlchtjüdischen Welt den Beweis erbringen, daß wir das britische Weißbuch mit einer Stärkung unserer Organisation beantworten. Kn politischer Hinsicht wird der Kongreß dl« wichtige Entscheidung in bezug auf ßtellungnahme zur Wendung in der englischen Politik treffen müssen. Diosbe? zügüehe Vorschläge wird jfin? die politische Kommission unterbreiten. Sollte es notwendig sein, noch vor dem Februar einen Beschluß zu fassen, wird wohl das Aktionskomitee bis dahin nochmals elnberufon werden müssen* Was die Demission Wcizmanni anbeiängU ich habe den Eindruck, daß Weizmanu heut« nicht amtemüde sei. Seine Demission ist nichts anderes als der Ausdruck des schärfsten Protestes gegen Englands Verrat. Ob Weizmann auf dem Kongresse wieder die Präsidentschaft übernehmen werde, läßt sich heute nicht voräussehen. Es ist nicht leicht, seinen Nachfolger zu finden, der fähig und gewillt wäre, diese schwere Arbeit auf sich zu nehmen. Bezüglich der vom uustein- Prewedienst verbreiteten Nachricht über einen Oehelmvertrag Englands mit dem Grußmufti kann ich nichts sagen, weil von keiner offiziellen Seite dio Bestätigung dieser Nachricht eingelangt ist. Einer der palästinensischen Arbeiterführer, der an der Sitzung des Aktionskomitees teilgenommen hatte, hat allerdings die Meinung ausgesprochen, daß ein derartiger Gehelmvertrag aller Wahrscheinlichkeit nach bestehe. Die Frage des Kongreßortes wurde nicht gelöst. Die Mehrheit sprach sich für Amerika aus. Nun ist es kaum wahrscheinlich, daß der Kongreß in.Amerika stattfindet, vor allem aus dem Grunde, weit die amerikanischen Zionisten, in deren Leitung jetzt doch, die Bratidelsisten die Majorität haben, dagegen sind, Außer Amerika kommt Basel, Antwerpen oder Katis? bad in Frage.“ Die ""' HsdlN l IX. T4rl|ön»tr. 9 hält Donnerstag, den 27. November 8 Uhr abends im Fgstsaala des ftoie» Post, I, Fleisch markt 24, eine öffentliche Sitzung ab und ladet alle Gesinnungsgenossen höfl. ein. Gegenstand: Das Reoht der Juden In der Diaspora. Referenten: Ludwig Dato, Robert StrloRer, IVnritTirrmiffrnmirnTrrrtriiii'f < I