Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 151 (13.11.1930)
- Date
- 1930-11-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053859-3053904--2017-3057415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 151 — 13. Nov$mb«r 1980 Oft ITTMMI — '* """"•11 ■''11 Seite 7 | Donnerstag, 20. November 1930. 7 Uhr abend», findet im grotten Festsaal der Bezirksvertretnng, IX., UfahringerstraBe Nr. 43, eine Massen-Versammlung der jüdischen lugend statt, Redner: Prof. Dr. Viktor Kellner, Dr. Josef Löwennerz Jüdische Jugendliche! fürscheint in Massen! Der Haager Schiedsgerichtsiiof soll angerufen werden Wie der Jiscbuw auf das Weiß buch reagiert Ein englisches Rechtsgutachten über das Weißbuch Zwei englische FCroniuristen, der ehemalige Lordkanzler Halsham und Sir John Simon, K. C., vet- Öffentlichen in der «Times» vom 4. November folgendes Rechtsgutachten über das neue Weißbuch; Wir sind mit der übereilten Politik der Regierung nicht einverstanden, denn das Mandat statuiert für die englische Bevölkerung eine gesetzliche und moralische Verpflichtung. Eine Verletzung der Bestimmungen des Mandats durch irgendeine britische Regierung würde England mit der Beschuldigung des Treubruches und der Mißachtung internationaler Verpflichtung belasten. Das Gutachten zitiert nun die Präambel der Balfour-Deklaration und die Artikel 2 und 6 und fährt fort: In offenkundigem Widerspruch zu diesen Verpflichtungen stellt das Weißbuch fest: 1. Im § 15 heißt es, daß es auch bei Vorhandensein leerer Mandatsländereien nicht gestattet ist, dieselben der jüdischen Siedlung zugänglich zu machen, und zwar wegen der notwendigen Ansiedlung von derzeit landlosen Arabern. 2. In den §§ 19 bis 23 heißt es, daß die Praxis der Jewish Agency, nur jüdische Arbeiter zu verwenden, geändert werden muß, angeblich aus dem Grunde, weil dies den Artikel 6 des Mandats ver- : letze. 3. Im § 28 heißt es, daß von nun ab jüdische r Einwanderung ausgeschlossen ist, solange es arabische Arbeitslose gibt. Somit ist die Einstellung oder, wie sich das Weißbuch euphemistisch ausqrückf, die «Suspendierung» de? jüdischen Einwanderung festgelegt, bezüglich der Artikel 6 des Mandats festgeStellt, daß die Regierung sie Erleichtern und ermutigen solle. In allen diesen Punkten scheint uns das Weißbuch einen Bruch der sich aus dem Mandat ergebenden Verpflichtungen zu bedeuten. England darf es nicht zulassen, daß an seiner Ehrlichkeit irgendwelche Zweifel gehegt werden, oder daß man meinen könnte, es wolle seine Internationalen Verpflichtungen nicht erfüllen. Wenn daher die Bestimmungen des Weißbuches der Ausdruck eines wohlüberlegten Entschlusses der Regierung sind, dann meinen wir: es müssen sofort Schritte beim Völkerbund unternommen werden, um vom Haager Schiedsgerichtshof ein Urteil über den ganzen Fragenkomplex zu erhalten. Die oben genannten Paragraphe dürfen erst dann und nur dann in Kraft treten, bis der Haager Gerichtshof sie als zulässig erklärt hat.» Im Zusammenhänge mit diesem Gutachten ist es Interessant, festzustellen, daß auch der Rechtsanwalt W. H. Stoker, der die Araber vor der Shaw- Kommission vertrat, in der «Times» schreibt, der Haager Schiedsgerichtshof solle feststellen, «ob die Balfour-Deklaration nicht eine Verpflichtung sei, die England seiner Verpflichtungen ledig mache». Passfieid antwortet London, 6. November. (J. T. A.) ln einer ebenfalls in den «Times» veröffentlichten Antwort erklärt Passlleld, Lord Halsham und Sir John Simon hätten die Tatsachen unrichtig dargestellt Er stellt es In Abrede, daß den Juden kein Staatsland zugewiesen werden soll, hält jedoch seine Behauptung, daß nur ein ganz geringes Ausmaß solcher Böden zur Verfügung stehe, aufrecht Weiters stellt er ln Abrede, daß er die Aufgabe des Prinzips rein jüdischer Arbeit gefordert habe. Er habe bloß darauf hingewiesen, daß dieses Prinzip unvereinbar sei mit jener Deklaration des Zionistenkongresses vom Jahre 1921, die die Absicht der Zionisten, zu einem guten Einvernehmen mit den Arabern zu gelangen, zum Ausdruck gcoracht habe. Ferner sei es unrichtig, daß er die Einstellung der Einwanderung, solange «irgendein Araber» arbeitslos sei, gefordert habe. Schließlich bemerkt Paßfield, bei der Festsetzung der Arbeiterschedule für ctas kommende Halbjahr werde einerseits auf die be> stehende Arbeitslosigkeit in Palästina, andererseits aber auch auf das Freiwerden von Arbeitsstellen Infolge Erweiterung und Vermehrung der Untemeh-! mungen Rücksicht genommen. Somit seien die Schlußfolgerungen von Sir John Simon und Lord | Halsham unrichtig, da sie auf mißverständlicher Auffassung der Absichten der Regierung, wie sh im Weißbuch zum Ausdruck gebracht sind, beruhen. Wir erhalten aus Jerusalem folgende Nachrichten: Beim Einlangen der ersten telegraphischen Nachrichten aus London, betreffend den Simpson-Bericht, das Weißbuch der englischen Regierung und den Angriff gegen den Keren Kajemeth, noch bevor der Waad-Leumi in der Lage war, zu diesem Angriffe Stellung zu nehmen und diesbezüglich einen Aufruf an die Judenheit zu erlassen, begann von selbst in verschiedenen Kreisen des Jischuw eine Bewegung, dem Keren Kajemeth durch positive Taten die Verehrung auszudrücken. Eine Reihe von Spendern begannen fhre Leistungen an den Keren Kajemeth um bedeutende Beträge zu erhöhen, ohne daß sie hiezu aufgefordert wurden. Es gab Fälle, wo Personen, die bisher wegen verschiedener Ausreden sich weigerten, für den Keren Kajemeth zu spenden, kamen und von selbst ihre Spenden anboten. Von der Straße griff die Bewegung auf die Presse über. Einzelne Spender und Spendergruppen gaben in Briefen an die Redaktion bekannt, daß sie ihre Beiträge für den Keren Kajemeth verdoppeln, berichteten Über Arbeitstage, die dem Keren Kajemeth gewidmet werden, über Widmung von Prozenten ihrer Einkünfte, über besondere Aktionen zugunsten des Keren Kajemeth usw. Die Presse veröffentlichte diese Mitteilungen in einer eigenen Rubrik «Goldene Kette zugunsten des Keren Kajemeth». Bei der Sitzung der Zentrale des Lehrerverbandes wurde der Beschluß gefaßt, unter den Lehrern in Palästina 1000 Pfund für den Keren Kajemeth zu sammeln. Auch unter den Schülern wurde eine besondere Aktion für den Keren Kajemeth in Angriff genommen. Eine Frau erschien im Bureau der Ortskommission des Keren Kajemeth in Te!-Aviv und sagte: Ich bin arbeitslos und habe kein Geld. Bitte nehmen Sie dieses Paar Schuhe als meinen Beitrag für das Werk der Bodenerlösung an. Die Besitzer der Friseurgeschäfte in der Nachlath-Benjamin-Straße in Tel-Aviv haben beschlosseh, 50 Prozent ihrer Einnahmen im Verlaufe der Woche vom 2. bis zum 8. November an den Keren Kajemeth abzuführen. Die Leitung des satirischen Theaters, «Matate», hat den Reinertrag ihrer Vorstellung vom 6. Cheschwan — LP 20.281 — dem Keren Kajemeth gespendet. Der Lastträger, Menachem Uschri sagte, als man ihn für einen Botendienst ira Tel-Aviver KKL-Bureau entlohnen wollte: «Heute nimmt man kein Geld vom Keren Kajemeth, sondern spendet für ihn.» Die Kwuzah Ginegar verdoppelte ihre KKL-Spenden für das laufende Jahr von LP 10 auf LP 20, Dagania A und B und Kwuzah Kinereth haben beschlossen, je LP 10 für den Keren Kajemeth zu spenden. Die Angestellten des Jerusalemer Arbeiterrates haben ihre Verpflichtungen gegenüber dem KKL ^rdreifacht. Die kooperative Volksküche in Jerusalem spendete für den Keren Kajemeth LP 15.— und forderte die anderen Volksküchen auf, sich an der Kettensammlung zu beteiligen. Antike Synagogen in Palästina Ueber dieses Thema sprach kürzlich der Archäologe der Jerusalemer Universität, Dr. E. L. Sukenir, in der Britischen Akademie in London, Nach seinen Ausführungen war der Ursprung der Synagogen immer ein Streitobjekt unter den Gelehrten. Manche setzen ihren Beginn in die Zeit des Exils, manche ln die Zeit nach dem Exil. Es war auch ungewiß, wo früher Synagogen bestanden, in Palästina oder in der Diaspora. Nach dem derzeitigen Stande der Ausgrabungen stammen die ältesten in Palästina ausgegrabenen Synagogen aus dem vierten Jahrhundert v. Chr., während sie in Aegypten und Griechenland aus dem dritten und zweiten Jahrhundert stammen. Eine der ältesten Quellen über den Bestand von Synagogen fand sich in den Werken jüdischer Reisender des Mittelalters, und zwar ln den Beschreibungen der von ihnen gesehenen Ruinen alter Synagogen. Eine ernsthafte Erforschung alter Synagogen begann erst anfangs des vergangenen Jahrhunderts durch die Untersuchungen des Amerikaners Robinson in den Jahren 1838 und 1852. Im Jahre 1864 durchforschte der französische Gelehrte Renan die Ueberreste von Synagogen im alten Galiläa und kopierte die hiebei aufgefundenen Inschriften. Zwei Jahre später gruben die englischen Forscher Wilson und Andersen GroONeischhauerel SIEGM. KORN MEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A l,7»3’99u, A 16-9-84 Lieferant für H«llan$||lteit Abteilungen für teteoh unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnats der Israelitischen Ku tusgemeind«; Wien Atitovusiellung koilenloi »X, Bar 'p-asse 1 * JCV»I1, WHhrln**er«fra8e 97 Rückzug vom Weiß mich? Dem „Hajnt“ wird ans London berichtet: In den Times“ wurde eine halboffizielle Erklärung der Regierung abgedruckt, in der gesagt wird, daß die Juden das Weißbuch nicht verstanden hätten. Der beste Beweis hierfür ist, daß schon in der nächsten Zeit 1500 jüdische Arbeiter nach Palästina werden einwandern können. Weiter wird im Communique verlautbart, daß die Regierung die Suspendierung der Clialuzimeinwanderung überhaupt anßer Kraft setze. Es sei auch nicht wahr, daß die britische Regierung Juden keine Regierungsböden zur Verfügung stellen werde. Im Gegenteil: der größte Teil dieser Böden wird der künftigen jüdischen Kolonisation zur Verfügung gestellt werden. Außerdem denke die Regierung nicht daran, Juden beim Bebauen der brachliegenden Ländereien irgendwelche Schwierigkeiten zu bereiten. (Diese sensationelle Nachricht ist mit äußerster Vorsicht anfzunehmen — Die Redaktion). Der Aufbau gebt weiter! Jerusalem, 7. November. (J. T. A.) Am 5. November fand die feierliche Grundsteinlegung zu einer neuen jüdischen Arbeitervorstadt an der Bucht von Haifa statt Ein Extrazug brachte 800 Festgäste aus allen Teilen des Landes nach Haifa. In einer Ansprache wurde darauf hingewiesen, daß auch die heutige Feier eine Antwort auf das englische Weißbuch sei. Schwarze Fahnen fn Tel-Aviv Tel-Aviv. (J. T. A.) Trotz der Jüngst erlassenen Polizeiverordnung, die das Hissen von Flaggen und Fahnen sowie das öffentliche Zurschaustellen jeder Art von Emblemen verbietet, wehten am 2. November in Tel-Aviv von vielen öffentlichen Gebäuden schwarze Fahnen. Die Fahnen waren von Mitgliedern einer nach faschistischem Muster organisierten Jugendvereinigung zum Zeichen der Trauer über das «Hinscheiden der Balfour-Deklaration» gehisst worden. Revislonistenkonferenz in Amerika Das Zentralkomitee der Zionisten-Revisionisten in Nordamerika hat eine Konferenz einberufen, die am 13., 14. und 15. Dezember in New York stattfinden soll. Es wird dies die erste Konferenz der Revisionisten Nordamerikas sein. einige dieser Ruinen aus und lieferten den ersten Bauplan einer antiken Synagoge. Am erfolgreichsten arbeitete die Deutsche Orientgesellschaft, die 1905 durch Kohl und Watzinger elf Synagogen, davon zwei in Transjordaiiien, freilegte. Seit dem Kriege haben auf diesem Gebiete die jüdische Archäologische Gesellschaft, die hebräische Universität und die vereinigte Expedition der Yale Universität und des Palästina Forschungsfonds gearbeitet. Bisher wurden 42 antike Synagogen freigeiegt. Zwei Ruinen, die von Kapernaum und Chorazin, lassen das Aussehen einer antiken Synagoge erkennen. Beide hatten einen Hof und Terrassen und waren gegen Jerusalem gerichtet Das Innere war in der Form einer Basilika durch zwei Säulenreihen in ein großes Mittelschiff und zwei schmale Seitenschiffe geteilt Ein von Juden abstammender Papst Es ist unbestritten, schreibt R. SUbergleit Im Septemberheft der von Dr. Arthur Czelützer herausgegebenen Zeitschrift «Jüdische Familien-Forschung», daß der Papst, der unter dem Namen Anaklet U. von 1030 bis 1038 die dreifache Tiara getragen hat, jüdischer Abstammung war. Er gehörte der Familie der Plerleoni an, die in Rom, im Stadtbezirk Trastevere, wohnte und von dort aus einen mächtigen Aufschwung nahm. Papst Urban II. (1088—1099) hatte nur mit ihrer Hilfe von Roqi Besitz ergreifen können. Der Großvater des Petrus Leonis, der das Geschlecht begründete, war noch Jude gewesen, hatte mit denr päpstlichen Hofe Wecbseigeschäfte gemacht und war dann Christ geworden, Leo, der Sohn des Petrus Leonis, verschwägerte sich mit römischen Großen, Leo erhielt den Titel «Konsul der Römer». Leos zwei Enkel, die Söhne seines Sohnes Petrus (Petrus Leonis, Pierleoni) wurden Geistliche. Der eine, Petrus, ging nach Paris an die Universität und nahm nach beendigtem Studium die Kutte in Cluny, eine günstige Vorbereitung zum Pontifikat. Auf seines Vaters Wunsch nahm ihn Papst Paschalls nach Rom, machte Um bald zum Kardinaldiakon von S. Cosma und Damian, und Jius alten Welt