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Die Stimme · 1930-11-13 · Heft 151 (13.11.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 151 (13.11.1930)
Date
1930-11-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMM* Sv. 151 13. Nnvrmlvnr 1030 <* Zehn Jahre Meten Hajessod on einem schweren Schlag fühlt sich die Judenheit in Erez-Israel und das gesamte Judentum, das mit dem Werke des Jüdischen Nationalen Heims verbunden ist, getroffen. Aber wie der Jude Palästinas keinen Augenblick wankend wird in seinem Glauben und in seiner Ueberzeugung, weil das Werk des Aufbaus verwurzelt ist in der tiefen Sehnsucht des Juden nach Zion, so wird die Kraft nicht brechen, durch die sich das gesamte Judentum in Cpfer und Seistung für Erez-lsrael vereint hat. Es ist gerade ein Jahrzehnt, daß der Keren Hajessod geschaffen wurde, durch den sich die jüdische Opferwilligkeit und der jüdische Aufbauwille offenbart haben. Auf seine moralische und materielle Kraft mehr denn je vertrauend, richten wir in dieser Stunde an alle unsere Mitarbeiter und Freunde die Aufforderung: Bleibet stark und treut ln unserer eigenen Kraft liegt die Gewähr unseres Erfolges. Wir dienen einem großen Ideal. In diesem Dienst werden wir in Zeiten schwerster Prüfung nicht wankend werden. Diese unsere Entschlossenheit ist der Beweis vor dem Judentum und vor der ganzen Welt, daß unser Hoffen und unser Tun auf unerschütterlicher Grundlage beruht. Jeder Einzelne kann und muß jetzt zeigen, daß es ihm ernst ist um die Sicherung unseres Werkes, um dessen Aufbau und Vergrößerung im Geiste der fet&st&efreiung. Die Freiheit, die wir selbst uns schmieden, wird dauern. Die gewonnenen Positionen müssen gestärkt und befestigt werden: die jüdische Stadt und das Dorf, die jüdische Schule, unsere Industrie. Wenn erst jede Spanne Boden, die sich in jüdischen Händen befindet, besiedelt wird, wenn alle wirtschaftlichen und kulturellen Energien fruchtbar gemacht werden, dann kann der Weg einer weiteren organischen Entwicklung des Jüdischen Nationalen Heims durch keine Macht der Welt versperrt werden. Wir beginnen jetzt das zweite Jdfkwxehnt des Jferen Xaiessod, unserer Arbeit für Volk und Land. Seid stark im Glauben und in der Arbeit un(. helfet uns, durch den Keren Hajessod der Zukunft den Weg zu bereiten.!Das Jferen Halessod-Direfttorium Oscar Wassermann Arthur Hantke Leih Jaffe m Der Grundfonds Von Prof. Arthur Freud Der Keren Hajessod blickt nunmehr auf zehn Jahre seiner Arbeit für den Aufbau des jüdischen Landes zurück. Es war eine denkwürdige Stunde, als auf der Zionistischen Jahreskonferenz von London im Jahre 1920 die Gründung dieses zentralen Volksfonds feierlich proklamiert wurde. Es war nach den Tagen von San Remo und der offiziellen Uebernahme des Mandats durch England. Große Möglichkeiten für den Beginn der praktischen Aufbauarbeit in Palästina boten sich dar und man stand vor der schwerwiegenden Frage, wie die Mittel für dieses gewaltige Unternehmen zu beschaffen wären. Verschiedene Pläne wurden erwogen: Eine Anleihe unter englischer Garantie oder eine «innere» jüdische Volksanleihe, die Gründung einer Kol'onisationsbank u. a. Aber alle diese Pläne erwiesen sich als verfrüht oder undurchführbar. So wurde der P alästina-Grundfonds, Keren Hajessod Limited, geschaffen, der sich als «Lebensnerv aller unserer Unternehmungen» ln Palästina bewährt hat. Wohl ist die große Forderung nicht erfüllt worden, mit welcher sich damals die Gründer des Keren Hajessod in einem Aufruf an das jüdische Volk wandten: in möglichst raschem Tempo durch ein großes Volksopfcr das Grundkapital für das Aufbauwerk, gewissermaßen den Staatsfonds in der Höhe von 25 Millionen Pfund aufzubringen. Die ungezählten Nöte der Nachkriegszeit, die unerhörte Verarmung der jüdischen Volksmassen in Osteuropa, Geldinflationen und Wirren, der totale Zusammenbruch des russischen Judentums — alle diese Umstände stellten sich der Aktivierung dieses großzügigen Gedankens hindernd in den Weg. Und man muß alle diese unsäglichen Schwierigkeiten berücksichtigen, wenn man die Leistungen des Keren Hajessod richtig abschätzen will, der in zehn schweren Nachkriegsjahren über 5 Millionen Pfund aufbringen konnte. Ein großes Stück harter Arbeit war nötig, um diesen Erfolg zu zeitigen. Bis in die fernsten und entlegensten Zonen zogen die Emissäre und Delegierten des Keren Hajessod hinaus, um für das jüdische Aufbauwerk im Lande der Väter zu werben, die Botschaft Palästinas unter die jüdischen Massen zu tragen und den jüdischen Opfergeist für das große Werk zu wecken. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß es in zahllosen Fällen wirklich schwere Arbeit gewesen ist, die da geleistet wurde — in einem Geiste, dem es nicht allein auf die Oeffnung der Tasche, sondern daneben ebenso auf die Eroberungder Herzen ankommen mußte, weil nur auf solche Weise eine Volksbewegung idealistischen Charakters auf feste Grundlagen gestellt werden kann. So hat der Keren Hajessod nicht nur seine materiellen Funktionen als zentrales Budgetinstrument des Aufbauwerkes in Palästina zu erfüllen gehabt, er hat sich darüber hinaus als der große Volkserzieher erwiesen, als der stete Wecker der idealen Kräfte, als Träger der Idee des Volksopfers. Er war es, der ungezählten Tausenden von Juden den Gedanken eingeimpft und ins Bewußtsein gehämmert hat, daß es steter Opfer, daß es einer freiwilligen Selbstbesteuerung bedarf, um den Gedanken der jüdischen Heimstätte Wirklichkeit werden zu lassen. So ist die Verwurzelung einer neuen Generation von Juden in der alten Muttererde, die Kolonisation des Emek, das gesamte Werk der Er- | Ziehung, der G e s u n d h e i t s p f 1 e g e, die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Erez Israel in erster Reihe das Werk des Keren Hajessod. Daneben aber hat er eine nicht minder wichtige Funktion als Schrittmacher für die Entfaltung des privaten Kapitals in Palästina erfüllt. Und so wie es kein wichtiges Unternehmen in Palästina gibt — wir nennen nur das bedeutende Werk des Ausbaues der Wasserkräfte — an welchem der Keren Hajessod unbeteiligt wäre, so wäre wohl das meiste, was in den letzten Jahren in Palästina privatem Unternehmergeist sein Dasein verdankt, ohne die Vorarbeit des Keren Hajessod unmöglich gewesen. Der Keren Hajessod ist es, welcher eine jüdischeEinheitsfrontfürPalästina geschaffen hat, die — nunmehr im Zeichen der erweiterten Jewish Agency, welcher er seit über einem Jahr offiziell zugehört — über den eigentlichen streng zionistischen Kreis hinaus, große Teile der außerzionistischen Judenschaft im Zeichen Palästinas umfaßt. In einer Epoche von besonderem Ernst tritt der Keren Hajessod in sein zweites Lebensjahrzehnt. Die englische Arbeiterregierung ist mit dem Programm einer neuen, gegen die im Mandat festgelegten Verpflichtungen verstoßenden Palästina-Politik aufgetreten, welche, wenn sie Tatsache würde, einen schweren Schlag für unsere Arbeit bedeuten müßte. Diese Politik, deren Absichten Englands gegenwärtiger Kolonialminister in neuen Erklärungen und Interviews in Abrede zu stellen sucht, gilt es mit allen, der jüdischen Bewegung zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen. Die eben bewilligte Ausgabe der gesperrten Arbeiterzertifikate beweist, daß dieser Kampf um das jüdische Recht seine Chancen hat. Daß nun in diesem Kampfe die jüdische Einheitsfront möglichst breit und möglichst geschlossen sei, ist ein dringendes Gebot des Augenblicks. Das jüdische Volk muß e i n m ü t i g sein Recht fordern und beweisen, daß es ihm um den Aufbau ernst ist. Die werktätigste Stützung des palästinensischen Jischuw, die Bereitstellung möglichst bedeutender Mittel für die Erhaltung unserer mühsam geschaffenen Positionen in Palästina, sowie deren raschester Ausbau, wird diese jüdische Geschlossenheit erst recht zur Tat werden lassen. Wir müssen gerüstet sein und unser Werk darf keine Unterbrechung erleiden. Heute genügt kein bloßes Lippenbekenntnis zu Palästina mehr, heute kann nur die L e i s t u n g unseren Ernst bekunden. An der Schwelle zu einer neuen Arbeitsepoche ruft der Keren Hajessod alle, die zur Sache Palästinas stehen, auf, ihre Anstrengungen zu vervielfachen, ihre Gesinnung durch Tat und Opfer zu bekunden. TELEPHON U-22-3-59 Jelzhaus GEBRÜDER BRAININ WIEN, I. dSnuernn>arftf Sfa Ch. Weizmann „Um unseres Volkes und unseres Landes willen“ Es bedarf nicht erst meiner Worte, um Zeugnis abzulegen für die wertvolle Arbeit, die der Keren Hajessod während der ersten zehn Jahre seines Bestehens geleistet hat. Der Kefen Hajessod hat in ausschlaggebender Weise und in einem sehr hohen Grade zu der wichtigen Entwicklung beigetragen, die in Erez Israel vor sich ging. Die Früchte seiner Arbeit sind in allen Teilen des Landes sichtbar. Der Keren Hajessod war es, der die E i n w a n d er u n g von hunderttausend neuen Menschen, die Gründung von Dutzenden neuer Siedlungen, die Erhaltung unserer Schulen und die Förderung unseres Gesundheitswesens ermöglicht hat. Ich, der ich mich selbst an der Aufbringung seiner Mittel in der Alten und Neuen Welt beteiligt habe, kann die mit der Arbeit verbundenen S c h wi e r ig k e i t e n a b s c h ä t z e n,. aber auch den Erfolg würdigen, der allgemein erzielt wurde, ln einer Zeit begonnen, in der der Enthusiasmus alle weit und breit in Bann schlug, in der es unmöglich war, die Hindernisse vorauszusehen, die sich später in den Weg stellten, ist der Keren Hajessod zurrr wichtigsten Kolonisationsfonds geworden, der die Idee der jüdisch-nationalen Heimstätte zur Wirklichkeit macht. Von der Dauer und Beständigkeit seiner Erfolge wird das Maß unseres Fortschrittes in Zukunft abhängen. Diejenigen, die dieses Maß vergrössern wollen — und wer will es nicht? — haben es in ihrer Hand, eine Aenderung zu erzielen. Ich hoffe, daß die große Schar der Mitarbeiter, die während des vergangenen Jahrzehnts auf verschiedene Weise so energisch und hingebend für den Keren Hajessod gewirkt haben, in den kommenden Jahren ihre Anstrengungen verdoppeln werden, «um unseres Volkes und unseres Landes willen.» Felix M. War bürg „Der Lebensnerv aller unserer Unternehmungen“ Zehn Jahre sind seit der Gründung des Keren Hajessod verstrichen. Während dieser Zeit war der Keren Hajessod nicht das Finanzinstrument der Zionistischen Weltorganisation allein; seit der denkwürdigen Sitzung in Zürich im Jahre 1929 ist er auch der Apparat zur Aufbringung der Fonds der erweiterten Jewish Agency geworden. Die Erfolge des Keren Hajessod legen in weitestem Sinne die Fundamente zu einem Erfolg der Jewish Agency. Jedem Mann und jeder Frau, die tiefer mit dem Aufbau Palästinas verbunden sind, ist durch diese verzweigte Organisation die Möglichkeit gegeben, auf mannigfache Art ihre Hingabe und Loyalität für die große jüdische Sache zu bezeugen. Indem wir dem Keren Hajessod und seinen Komitees dienen, dienen wir der Sache Palästinas, verknüpfen wir die Bande, die alle Teile des jüdischen Volkes miteinander verbinden, enger und inniger. Auf manchen von uns lastet die schwierige Aufgabe, den Plan der Ausgaben, die politischen Grundlagen unserer gemeinsamen Arbeit zu bestimmen. Was den Keren Hajessod angeht, so kann es keine Frage, keine Meinungsverschiedenheit geben; hier gibt es nur eine Antwort: Die Bereitschaft zum Dienste und zum Opfer. Wir leben in einer Zeit schwerer Prüfung. Viele Probleme drängen nach einer Lösung, sowohl in Palästina selbst als auch im Hinblick auf unser Verhältnis zur Mandatarmacht. Nie vorher war die Notwendigkeit klarer Gedanken und Entschlüsse so dringend wie jetzt, nie vorher der Wille, unsere

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