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Die Stimme · 1930-11-13 · Heft 151 (13.11.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 151 (13.11.1930)
Date
1930-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 151 - 13. November 1930 m STIMME Sette 3 Unterhaus, doch sei es im gegenwärtigen Augenblick schwer vorauszusehen, zu welcher Entscheidung das Parlament gelangen werde. Bezüglich der Haltung der Regierung bestehen für die Zukunft zwei Möglich« keiten: entweder werde sie einen Rückzug antreten und ein erläuterndes oder kommentierendes Dokument herausgeben, oder an ihrer Politik, wie sie im Weißbuch niedergelegt ist, festhalten. Das Aktionskomitee möge sich darüber schlüssig werden, welche Schritte in jedem dieser beiden Fälle eingeleitet werden sollen. Die Jewish Agency wendet sich an die eben in Genf tagende Permanente Mandatskommission des Völkerbundes mit der Bitte, eine etwa in Aussicht genommene Diskussion der Palästinafrage auf den 17. und 18. November zu vertagen, da ein detailliertes Memorandum der Jewish Agency als Antwort auf den Simpson-Bericht und das Weißbuch in Vorbereitung sei, das auf dem üblichen Wege an die Mandatskommission geleitet werden soll. Es bleibt abzuwarten, ob die Mandatskommission dieser Bitte willfahren und einen bestimmten Zeitpunkt für die Erörterung des Palästinaproblems festsetzen werde oder ob die Diskussion darüber spontan von seiten der Mitglieder der Kommission selbst werde eröffnet werden. Es bestehe weiters die Möglichkeit, daß eine konsultative Meinungsäußerung des Haager Internationalen ,Gerichtshofes, entsprechend dem Vorschlag von Lord Hailsham und Sir John Simon, über die Frage, ob das Weißbuch nicht dem Mandat widerspricht, eingeholt werden wird, und zwar entweder in der Form, daß sich die englische Regierung oder daß sich der Völkerbundrat an den Haager Gerichtshof wendet. Die Reaktion der britischen Judenheit auf das Weißbuch ist gekennzeichnet durch verstärkte Anstrengungen für Palästina. Nach einer Würdigung der großen Verdienste von Mrs. Dugdale, der Nichte Lord Balfours, um die Verteidigung des Erbes ihres Onkels, sowie des Beistandes, den Baron Edmond de Rothschild dem Zionismus in dieser schwierigen Situation geliehen, erklärte Dr. Weizmann, er wünsche, dem Aktionskomitee formell seine Demission als Präsident der Zionistischen Organisation zu überreichen. Nach dieser Erklärung verließ Dr. Weizmann den Saal. Harry Sacher erklärte, es entspreche den parlamentarischen Gepflogenheiten, daß ein Präsident, der seine Demission eingereicht habe, bei der Debatte über diese Demission nicht anwesend sei. Es wurde jedoch, nachdem Dr. Weizmann den Saal verlassen hatte, auf Antrag Dr. Barths beschlossen, an Dr. Weizmann das Ersuchen zu richten, der Debatte beizuwohnen, da bezüglich gewisser politischer Fragen die Notwendigkeit ergänzender Mitteilungen und Erläuterungen .von seiner Seite sich ergeben könnte. S. Kaplansky erstattete in Ergänzung der Ausführungen Weizmanns ein politisches Referat. Er befaßte sich hauptsächlich mit der politischen Arbeit der Poale Zion und der Stellungnahme der Labour Party und gab eine gründliche Analyse der in den Kreisen der Arbeiterpartei vorherrschenden Meinung über das Palästinaproblem, wie sie in der von der Konferenz in Llandud'no angenommenen Resolution zum Ausdruck kommt. Die freundliche Einstellung einer großen Zahl von Arbeiterabgeordneten und Mitgliedern des Kabinetts zum jüdischen Palästinawerk stehe außer Zweifel. Die Debatte In der Sitzung vom 5. November brachten der Bürgermeister vonTel-Aviv, Meyer Dizengoff, der Führer des polnischen Misrachi, Deputierter H. Farbstein, und das polnische Aktionskomiteemitglied Dr. M. Hindes einen Antrag auf sofortigen Rücktritt aller zionistischen Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency und Einsetzung eines provisorischen Komitees zur Fortführung der politischen Arbeit ein. Meer Großman erklärte, die Herausgabe des Statements der Revisionisten, von der Dr. Weizmann tags vorher gesprochen hatte, sei eine im richtigen Augenblick getroffene richtige Maßnahme gewesen. Es sei die Absicht der f'-ivisionisten gewesen, der Presse eine jüdische Interpretation des Statements zu übermitteln und die Aufmerksamkeit der Zionisten auf gewisse gefährliche Stellen des Weißbuches zu lenken. Die Frage der neuen Exekutive sei keine rein akademische. Das bisherige System sei nicht nur auf politischem Gebiet, sondern auch auf dem der kolonisatorischen, finanziellen und organisatorischen Arbeit völlig zusammengebrochen. Die Radikalen gegen einen Bruch mit England Als letzter Diskussionsredner erklärte Dr. Nahum Goldmann (radikal), daß kolonisatorische Arbeit und politische Arbeit ln hohem Maße voneinander abhängig Wissen #ie es sc Aon f Schuh-Dom bietet noch nie Dagewesenes ln Qualität und Preisen. Moderne Krokodil- und Eidechsschuhe . . . , S 39.50—S 45.— Aus ganz Krokodil u. 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Die zionistische Exekutive kann nicht zurücktreten Namens der Exekutvie erklärte Harry Sacher, so sehr er ursprünglich entschlossen gewesen sei, sein Amt niederzulegen, so sehr sei er jetzt entschlossen, dies nicht zu tun. Die Exekutive könne nicht zurücktfeten, solange sie nicht wisse, wer ihr im Amte folgen werde. Es kann nicht die Aufgabe der Exekutive sein, den Emotionen der Massen entgegenzukommen, die in einem augenblicklichen Zustand der Erregung die Demission der Exekutive wünschen. Die Monate bis zum Zionistenkongreß sind eine schicksalsschwere Zeit für den Zionismus. In diesen Monaten wird die Entscheidung darüber fallen, ob das englische Weißbuch in seiner gegenwärtigen Form aufrecht erhalten wird oder nicht. Als Männer, die sich nicht nur den Mitgliedern der Zionistischen Organisation gegenüber, sondern auch für die Zukunft des Zionismus verantwortlich fühlen, müssen wir uns fragen, wem wir die Fortführung unserer Arbeit anvertrauen können. Die Opposition entbehre einer politischen Einfühlung und eines klaren Programms. Das gegenwärtige Problem ist mehr außenpolitischer als inner politischer Natur und der Eindruck, den ein Wechsel in der Leitung erwecken würde, könnte für unsere zukünftige Politik verhängnisvoll werden. Weizmanns Demission war nicht eine Demonstration nach innen, sondern eine solche nach außen; sie hat eine nachhaltige politische Wirkung hervorgerufen. Glauben Sie, fragte Harry Sacher, gegen die Opposition gewendet, daß sich die gleichen politischen Wirkungen nach außen einstellen würden, wenn Sie die Demission Weizmanns fordern? Es wäre ein Fehler, Dr. Weizmann aufzufordem, seine Demission zurückzuziehen, aber eine noch größere Gefahr wäre es, seine Demission von einem imferzionistischen Standpunkt gutzuheißen. Vollständige Zurückziehung des Weißbuches unwahrscheinlich Prof. Brodetsky erklärte, eine vollständige Zurückziehung des Weißbuches sei unwahrscheinlich. Dies würde Jeder Regierung schwerfallen. Man hat uns vorgeworfen, fuhr Dr. Brodetsky fort, daß wir nicht genügend energisch waren. Ich bestreite dies. Doktor Weizmanns Demission erfolgte im richtigen Augenblick und hatte die gewünschte Wirkung. Der Jischuw In der Nachmittagssitzung des 5. November gab Colonel Kisch eine ausführliche Darstellung der Situation in Palästina. Vor Veröffentlichung des Weißbuches sei die allgemeine Lage ln Palästina zufriedenstellend gewesen, der Jischuw war auf dem besten Wege, sich von den Folgen der Augustunruhen von 1929 zu erholen. Man habe zwar in Palästina erwartet, daß der Inhalt des Weißbuches für die Juden nicht zufriedenstellend sein werde, doch habe der feindselige Geist dieses Dokuments und die darin ausgesprochene fundamentale Aenderung der Palästlnapolitik überrascht Der Jischuw hat die Veröffentlichung des Weißbuches mit Selbstbeherrschung und Würde aufgenommen. Der Jischuw ist entschlossen, auf seinem Posten auszuharren und seine Arbeit mit erhöhter Kraft und verstärktem Opfermut fortzusetzen. Doch sei er auf die materielle und moralische Stützung durch die Diaspora angewiesen. Mack: Weizmann muß bleiben erklärte Richter Mack, er wolle nicht behaupten, daß Dr. Weizmann für die augenblickliche Lage verantwortlich zu machen sei. Vielleicht, sagte Mack, trifft die Schuld uns alle, weil wir den Palästinaaufbau nicht genug energisch durchgeführt haben. Wie Sie wissen, war ich seit 1919/20 Gegner Dr. Weizmanns. Es erscheint mir aber in diesem Augenblick gleichgültig, ob Weizmann Fehler begangen hat und in welchem Grade. Wir haben uns bloß zu fragen: Wie können wir unsere Arbeit fortführen? Auf diese Frage haben meine amerikanischen Freunde, Zionisten und Nichtzionisten, wiewohl sie untereinander durchaus nicht einig sind, und ich selbst nur eine Antwort. Präsident Lincoln hat einmal gesagt: «Mitten Im Sturm wechselt man nicht die Pferde» und so sage ich, daß mitten In der augenblicklichen tragischen Lage keine Rede von einem Wechsel des Präsidiums sein kann. Wir würden uns selbst schlagen, wenn wir Weizmanns Demission annehmen. Mehrheit für Weizmanns Verbleiben im Amt — Die Frage des Kongreßortes Obwohl die Mehrheit des Aktionskomitees Weizmatm zum Verbleiben im Amt aufgefordert hat, ist dieser vorläufig noch nicht entschlossen, seine Demission Direkte Linie Triest-Jaffa-Haifa mit den vorzügl. Salonschiffen .Adria“, „Carnaro“ b. .Cello“ des Triestine Fahrtdauer bloß 4V, Tage Fahrpreis! I. Kl. £22.-.-; (I. Kl. £ 15—.-; HI. KI. £ 8.- iakl. Itett and Verpflegung Fm MUin mti Stimm ItoA ln tut lap loskiiftt: Lloyd TrlestMO, Wie». I., KäuljeisirjlsB 1 Mt« All zurückzuziehen. Ein Ausweg aus der Führungskrise konnte bisher nicht gefunden werden. Auch bezüglich der Wahl des Kongreßortes herrscht noch nicht Klarheit. Während von einem Teil der Aktionskomiteemitglieder Karlsbad in Vorschlag gebracht wird, macht sich eine starke Strömung zur Einberufung des Kongresses nach Amerika geltend. Wahl einer politischen Kommission Die Tagung des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation wurde am Sonntag, den 9. Nov., abends beendet. Es wurde beschlossen, den XVII. Zionistenkongreß für Anfang Februar einzuberufen, ein Kongreßort wurde jedoch noch nicht bestimmt. Es wird auch erwogen, den Kongreß nach Amerika einzuberufen. Für die Zeit bis zum Kongreß wurde eine aus fünf Mitgliedern bestehende politische Kommission gewählt, die die Bestimmung hat, Weizmann und die Exekutive bei politischen Aktionen zu beraten und zu unterstützen. Zu Mitgliedern dieser Kommission wurden Dr. M. Eder, Leo Motzkin und Nahum Gold mann gewählt; je ein Sitz wurde für Vertreter des Waad Leumi und der amerikanischen Zionisten reserviert. Die Einsetzung einer politischen Kommission zur Unterstützung der Exekutive ist das Ergebnis läng^ wieriger Verhandlungen. Die Krise der Leitung hafte am Freitag, den 7. November, nachmittags, den Höhepunkt erreicht, da sich die Opposition nachdrücklich weigerte, einer Fortführung der Geschäfte durch Weizmann bis zum Kongreß ohne Mitwirkung einer politischen Kommission zuzustimmen. Dr. Werner Senator und Dr. Arthur Ruppin haben dem Aktionskomitee telegraphisch einen Plan zur Ansiedlung von 5000 Mittelstandsfamilien auf NationaD fondsboden mit Hilfe des Keren Hajessod unterbreitet. Dieser Plan wurde nebst einem zweiten, der die Ansiedlung von 1000 Mittelstandsfamilien im Jahre vorsieht, einer Spezialkommission zugewiesen, die zur Beratung dieser Vorschläge in London bleibt. Die Finanzberichte In seinem am Donnerstag, den 6. November, abends, erstatteten Finanzbericht konnte Colonel Kisch bereits die Mitteilung machen, daß das Kolonialamt 1500 von den durch die Exekutive der Jewish Agency angeforderten 2100 Zertifikaten für Arbeitereinwanderung bewilligen werde. Nun sei die-Finanzlage der Jewish Agency eine sehr schwierige und es wäre eine bittere Ironie, wenn nicht genügend Mittel zur Finanzierung der Einwanderung dieser Chaluzim vorhanden wären. Die Exekutive der Jewish Agency in Palästina war genötigt, mit einem Minimalbudget von 400.000 Pfund zu arbeiten, welches, da es keine neuen konstruktiven Aufgaben vorsah, von vornherein ungenügend war. Es war daher unumgänglich notwendig, nicht nur für die Deckung dieses Minimalbudgets, sondern auch für ein ergänzendes Kolonisationsbudget Sorge zu tragen. Die Exekutive erwarte von dem Drive ln den Vereinigten Staaten gute Ergebnisse, doch könne dieser aus verschiedenen Gründen erst mit dem neuen Jahre beginnen und inzwischen müsse ein erheblicher Betrag zur Fortführung der Arbeiten bis zum Jahresende aufgebracht werden. Kisch erklärte, er rechne zwar mit der in den Vereinigten Staaten ebenso wie anderwärts bestehenden Wirtschaftskrise. Aber ebenso wie er sich über die Verhältnisse in Wall Street im Klaren sei, müßten die amerikanischen Juden den Verhältnissen in Downing Street voll Rechnung tragen. Der Jischuw gegen die Annahme der Zertifikate Dem „H&jut“ wird aus Jerusalem gemeldet: Der jüdische Jischuw in Palästina spricht sich in seinem größten Teile dagegen aus, daß die zionistische Organisation die 1500 von der britischen Regierung bewilligten Zertifikate für die Chaluzim-Inunigration annehme.

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