Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 150 (6.11.1930)
- Date
- 1930-11-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seife 2 DTE STIMME Nr. 150 — 6. November 1930 Was nun? Von unserem palästinensischen Berichterstatter Jakob Singer Haifa, 2 3. Oktober. Groß ist die Erbitterung des Jischuw über die Erklärung der englischen Regierung und all das, was dieser Erklärung gefolgt ist. Man steht noch zu sehr unter dem Eindruck des furchtbaren Schlages, der unser Werk in Palästina, die ganze zionistische Bewegung, das ganze jüdische Volk getroffen hat, als daß es möglich wäre, ruhig und klar zu sagen, was nun . . . Aber diese Frage «was nun?» drängt si^h immer wieder auf. Sie will beantwortet werden. Nur unsicher sind die Versuche der Zeitungen, zusammenfassend die Lage, die neu geschaffen wurde, zu schildern. Zu sehr jagen die einzelnen Nachrichten einander und füllen die Zeitungsspalten und die Sonderausgaben, die an allen Türen angeschlagen sind und mit gieriger Hast gelesen werden. Nur zwei öffentliche Erklärungen liegen bis jetzt vor, die Erklärung des Waad Leumi und die der Vereinigten Arbeiterpartei Erez Israels. Die Erklärung des Waad Leumi ist kurz, einfach und klar, nicht ein klingendes Wort steht darin; es kennzeichnet sie ein schwerer Ernst und ein unerschütterlicher Wille, weiterzubauen, alle Kräfte anzuspannen, allen Erklärungen zum Trotz das jüdische Nationalheim in Erez Israel zu schaffen: „Die letzte Erklärung zerstört das Mandat, die historische Verpflichtung, die das britische Volk gegenüber dem jüdischen Volk übernommen hat . . Unser Recht steht höher, als daß irgendeine Regierung es uns nehmen könnte . . . Wir werden unser Werk fortsetzen .. . Das Blühen und der Fortschritt der arabischen Einwohner ist an die jüdische Alijah und Kolonisation, mehr als an alle Taten der britischen Administration gebunden ... Den Juden aller Länder rufen wir zu, den Aufbau des Landes durch Konzentrierung aller Kräfte des Volkes zu beschleunigen . . .“ Der Aufruf der Arbeiterpartei „An die jüdische Arbeiterschaft!“ ist flammender; er ist von Zorn und Empörung erfüllt, daß es gerade der englischen A rb e i t e r regierung Vorbehalten geblieben ist, diesen Schlag gegen uns zu führen. Der Aufruf weist darauf hin, wie fadenscheinig die Erklärung der englischen Regierung in bezug auf die Frage der arabischen Arbeitslosen ist, die als Vorwand genommen wird, um die Alijah von jüdischen Arbeitern zu verhindern und zu unterbinden. Dieselbe Regierung führt aber nichts an, was danach angetan wäre, die arabische Arbeitslosigkeit, wenn sie vorhanden wäre, zu beheben, nichts, als die Behinderung des zionistischen Aufbauwerkes, wodurch sie nur den Beifall der arabischen Effendis und Ausbeuter findet . . . Und dann der schmähliche Angriff auf den Keren Kajemeth, die Institution, die die reinsten Prinzipien des Fortschritts und des Sozialismus verwirklicht — er. kann nur als ein Attentat auf die Seele' unserer Bewegung gedeutet werden. — Groß ist der .Zorn und die Verbitterung, aber unerschütterlich der Wille, weiterzubauen und weiterzuschaffen. In dem heutigen Leitartikel des „Dawar“ wird die Frage aufgeworfen, ob unter diesen Umständen, in dieser neuen so schweren Lage, Weizmann das Recht hatte, zu demissionieren, und die Antwort lautet: Ja, er mußte demissionieren, denn die letzte Handlung der englischen Regierung stellt nicht zuletzt einen Angriff auf die Ehre unserer Bewegung dar. Mit Befriedigung lesen wir die Erklärungen Weizmanns und Warburgs, sie bringen zum Ausdruck, was wir alle in dieser Stunde empfinden, und verstärken uns in unserem Glauben, daß das jüdische Volk ln dieser schweren Lage standhalten und seine Aufgabe darin erblicken werde, erst recht alle Kräfte anzuspannen, alle Kräfte zu sammeln und zu konzentrieren — denn das allein ist es, was wir dieser neuen Erklärung entgegenzustellen haben. Groß ist der Zorn und die Erbitterung über diesen grausamen Verrat. Jetzt erst erkennen wir, was wir bisher nicht wissen wollten: solange es England genützt hat, hat es uns seine Sympathien zum Ausdruck gebracht. Jetzt, da der Jischuw seine eigene Wirtschaft zu festigen begonnen hat, seine Selbständigkeit zu begründen beginnt, ein Faktor geworden ist, andere, eigene Interessen hat, den englischen Markt bedroht, da melden sie sich, die Interessierten . . . Was sonst hat denn England veranlaßt, alle Anfänge einer eigenen jüdischen Industrie durch eine unverständliche, schädliche Zollpolitik zu erstickert? Aus welchem Grunde sonst hat England Unruhe und Unfrieden zwischen Juden und Arabern gezüchtet, dadurch, daß es jeden Versuch zu einer Annäherung verbot und verfolgte? Wir werden die Lehre daraus ziehen, die zu ziehen ist. Ueber England und die englische Arbeiterregierung, die fürwahr keine Regierung von Arbeitern ist, wird die Geschichte das Urteil sprechen. Wird die Galuth die Antwort, die notwendig Ist, , geben? «ILSE BRIKETTS Sparsam im Verbrauch £ Kohle und Holz zu haben XX., Nordwestbahnhoff Freie Zustellung Ine Haue Telephon A 41-1*63 Der Aufruf der txekuiive Zionisten! Das schöpferische Werk des jüdischen Volkes in Palästina, unser Stolz und unsere Hoffnung, hat durch das neue Weißbuch der Regierung einen schweren Schlag erlitten. Eine tiefe Kluft scheidet dieses Dokument von der historischen Balfour-Deklaration, der magna Charta des jüdischen Nationalheimes, der heiligen, durch den Völkerbund bekräftigten Verpflichtung Englands. Das jüdische Volk und die Rechtdenkenden anderer Nationen erblicken in dem neuen Dokument einen Versuch der Regierung, die Balfour-Deklaration ihres Inhalts zu entkleiden. Eine Erregung und Erbitterung erfüllt die Herzen von Millionen unseres Volkes, so tief und leidenschaftlich, daß wieder taghell sichtbar wird, was das Jüdische Nationalheim für das jüdische Volk bedeutet. In diese Unruhe und Entrüstung rufen wir: Steht fest and tut Eure Pflicht, die Arbeit geht weiterl Wir werden es nicht geschehen lassen, daß die historische Größe der internationalen Verpflichtung Englands durch einseitige Kommissions-Berichte und engherzige Deutungen entwürdigt und entwertet wird. Wir werden mit einer durch nichts zu erschütternden Energie und Entschlossenheit den uns aufgezwungenen Kampf für unser Recht weiterführen. IndiesemKampfegibteskelnenUnterschied zwischen sogenannten Extremen und Gemäßigten. Der Rücktritt des Präsir denten Dr. Wetzmann war der erste würdige Ausdruck unseres Protestes. Wir sind überzeugt, daß die vom gegenwärtigen Kolonialamt erlassene Interpretation des Mandates nicht der Willensausdruck des englischen Volkes ist. Nicht gegen dieses tst daher unser Kampf gerichtet. Wir haben den Glauben an den Gerechtigkeitssinn des britischen Volkes und der anderen Signatarmächte des Mandates nicht verloren. Schon jetzt haben führende Männer der englischen Politik erklärt, daß die Interpretation des Weißbuches in direktem Widerspruch stehe zu den Aufträgen des Völkerbundes und dem Geist der Balfour-Deklaration. Aber nicht auf andere, wie wertvoll auch Immer ihre Hilfe ist, auf uns selbst in erster Linie kommt es an in unserer Arbeit. Die Entschlossenheit des Volkes, die starke Organisation, deren Grund vor Jahrzehnten auf dem 1. Zionisten-Kongreß gelegt worden ist, hat die Welt auf die Stimme des jüdischen Volkes hören lassen. Diese Organisation stark und schlagkräftig zu erhalten, Ist jetzt nach den neuesten Angriffen auf uns notwendiger denn je. Macht sie stärker, mächtiger! Jeder werbe neue Genossen! Der Kongreß, den wir zu sä m me nruj en, muß machtvoll den ungebrochenen Willen des verstreuten aber in seiner Treue zu Zion geeinten Volkes zeigen. H u n d e r tt aus e n d e von neuen Zionisten müssen ihre D eie gierten zu dieser Tagung entsenden. Tut Eure Pflicht gegenüber Eurer OrganisationI Unbeirrt durch politische Konfunkturen geht unser Werk in Erez Israel vorwärts. Die Tore seiner nationalen Heimstätte können dem jüdischen Volke nicht verschlossen werden. Keine Unterbrechung ln der Vorb ereitung der Menschen, die das Wachstum des jüdischen Gemeinwesens brauchen wird. Gedenket der Pflichten, die Ihr gegenüber unseren Vorposten im Lande habt, dem Jischuw, der uns ein Vorbild der Unerschütterlichkett und Treue ist. Fremde, die die Größe unserer Idee nicht kennen, mögen Euch vorwerfen, daß Ihr zuviel getan habt. Ihr selbst aber müßt fühlen, daß es zu wenig war. Fremde mögen sagen, daß kein Kulturboden mehr im Lande vorhanden ist; wir wissen, daß jüdische Hände imstande sind, bisher unfruchtbares Gelände in Kulturboden umzuschaffen. Wir weisen die Verunglimpfung unseres Siedlungs w er kes in dem Weißbuch zurück, die nur geeignet ist, die Beziehungen zwischen uns und den Arabern zu trüben. Unser Werk der Vermählung von Volk und Land ist niemandem zum Schaden, dem jüdischen Volke zum Helle. Sedenfteff fures JVeren Äajeme/ft, der «fei* ^mnd srfkczfjft, ou/ dem unsere Üedlev drüben sieben. 9edenbeff des Äeren Kajfensod, der diesen tfloden urbar maebff und besiedelff, fiidisclke S>ör/er und ^ffddffe baut, unser febuf- und Gesund tkeitswerb erbdfi und den be/ruebffenden fffrom der Einwanderung feitet. Glück und Unglück mögen wechseln, Recht aber ist unzerstörbar. Wir kämpfen für das Recht! Juden, wo Ihr seid, in allen Teilen der Welt, in welcher Arbeit.Ihr Eure Tage verbringt, welche Sorgen Euch drücken, gedenket: Eure erste Sorge gelte Eurem Volke, Eurem Lande, dem großen Werk des Aufbaues Erez Israels! EXEKUTIVE DER ZIONISTISCHEN ORGANISATION. BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., aborst r aße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen eine reiche Auswahl von Bochern aller Art, insbesondere von Neuerscheinungen im Original, bzw geschmackvollen Bibiiothekseinband. Außer den deutschen Büchern aueh englische, hebräische, jiddische u. Deutsch-Judaica in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Deo ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monatagebühr nur S 3*-— Keine Bendgeböhr Simpson-Bericht — nicht das letzte Wort London, 27. Oktober. (J, T. A.) In einer im Piccadilly-Hotel zu London abgehaltenen Versammlung, in der Professor Weizmann, der Vorsitzende des Board of Deputies d’Avigdor Gold&mid und Harry Sacher sprachen, wurde ein Betrag von 5000 Pfund für den Keren Hajessod aufgebracht, der im Verlauf der nächsten Woche auf 15.000 Pfund erhöht werden soll. D’Avigdor Goldsmid hielt bei dieser Gelegenheit eine aufsehenerregende Ansprache, in der er u. a. ausführte: Die Protestbewegung der Juden richtet sich nicht gegen England, sondern nur gegen die englische Regierung. Das jüdische Volk Hat keine Ursache, alle Hoffnung aufzugeben. Ala der Simon- Bericht veröffentlicht wurde, glaubte man, die künftige Politik in Indien werde auf ihm basieren, und doch wurde dieser Bericht, obwohl er das Ergebnis zweijähriger Studien maßgebender und angesehener Fachleute war, ad acta gelegt. Wir dürfen daher erwarten, daß mit dem jüngsten, am Grund der Untersuchungen eines einzigen Menschen erstatteten oberflächlichen Bericht übe« Palästina nicht das letzte Wort gesprochen wurde und daß diese nach einiger Zeit eine gründliche Aenderung erfahren wird. Ein politischer Kampffonds Jerusalem, 30. Oktober. (J. T. A.) Die Histadruth und die Weltliga für das arbeitende Palästina rufen zur «Schaffung eines politischen Kampffonds zur Bekämpfung der Erklärung der englischen Regierung, zur Sammlung aller Freunde des arbeitenden Palästina in der jüdisohen, britischen und internationalen Arbeiterbewegung, zur Verteidigung ihrer Rechte und zur Tätigkeit unter den arabischen Arbeitenden» auf. Die Aktion zur Schaffung des Kampffonds soll einen Monat dauern. Alle Gruppen der Liga, alle Arbeiterparteien, die Hechaluz-Organisationen, die Jugendbünde und alle Freunde der Bewegung sollen zu diesem Zwecke in Aktion treten. Die gesammelten Beträge sind der ArbeiterbanK in Tel Aviv zu überweisen. Palästinensische Judenheit an Lord Pnimor Der Waad Leumi hat an den Vorgängern Sir John Chancellors jm Amte eines High Commlseion*r$ von Palästina, Feldmarschall Lord Pionier, nachstehende« Telegramm gerichtet: ein Erinnerung an Ihre gerechte und faire Ver* waliung unseres Landes appelliert die jüdische Bevälkerung Palästinas ehrfurchtsvoll ln diesem Augenblick der Prüfung an Ihre Hilfe bei der Verteidigung des Rechtes der Juden, die historische Mission des Wiederaufbaues Palästinas fortzusetzen, unerschüttert durch die Verleugnung des feierlichen Versprechens, das uns das große englische Volk gegeben hat, seitens der Reglerung.> TrUI der Zioolstno im Cafe „Sites Rathaus" (Cafctier Leo Lowy) Großer« und klein« Klublokale Bl. Be*., WippUngerstraße 24 Tel. U 27-4-84, U 26*2*74 | <XXXXX?Q00ÜQ0000QCXXX)OOOCXXXX3O000000Q00