Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1930-10-30 · Heft 149 (30.10.1930) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 149 (30.10.1930)
Date
1930-10-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3053752-3053859-3053902--1992-3057388
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 8 OIE STIMME Nr. 149 — 50. Oktober 1930 'i';i j 1:. ,!%• ij'Sl $ |]l i i Scharfe Erklärung Lloyd George Lloyd George halt folgende Erklärung der . Oeffentlichkeit übergeben: Die ohne vorherige. Befragung der Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreichs, Belgiens, Italiens und unserer eigenen Dominions abgegebene Erklärung der englischen Regierung über ihre künftige Palästina- Politik bedeutet den Widerruf eines großen Teiles jenes feierlichen Versprechens, ein jüdisches Nationalheim in Palästina errichten zu helfen, das in einem feierlichen Augenblick gegeben wurde. Dieser Widerruf wird zur Folge haben, daß auf der ganzen Welt von einem „perfiden Albion" gesprochen werden wird. Ich will ernstlich hoffen, daß die Regierung ihre Stellungnahme einer Revision unterziehen wird, da ich kaum glauben kann, daß bei der Abfassung der letzten Regierungserklärung allen Umständen voll Rechnung getragen worden - ist. Ich setze mich yrestlos für eine gleichartige Behandlung der beiden Palästina bewohnenden Volksstämme ein, bin aber der Meinung, daß die von den Alliierten in Bezug auf Palästina eingeschlagene Politik keine Ungerechtigkeit gegen die Araber bedeutet.» Smuts telegraphiert an Macdonald General Smuts, der frühere südafrikanische Premier, der dem Kriegskabinett Lloyd Georges angehörte, welches 1917 die Balfour-Deklaration betreffend die Errichtung eines jüdischen Nationallieims in Palästina verkündet hat, hat aus Kapstadt an den englischen Ministerpräsidenten Ramsay MacDonald das folgende Telegramm gerichtet: Als einer derjenigen, die für die Balfour-Deklaration verantwortlich sind, bin ich tief beunruhigt über die von der gegenwärtigen englischen Regierung eingeschlagene neue Palästinapolitik, welche einen Rückzug von jener wiederholt durch Regierungserklärungen bekräftigten Palästinapolitik bedeutet, die der jüdischen Welt in dezitierter Form tatkräftige Unterstützung Englands beim Aufbau des Jüdischer}. Nationalheims versprochen hat. Ich fordere von der englischen Regierung nachdrücklichst die Abgabe einer Erklärung, daß sie die durch die Balfour-Deklaration übernommene Verpflichtung treulich erfüllen. und ihre Palästinapolitik dieser Verpflichtung entsprechend umgestalten wird. Mucdonalds Antwort an Smuts London, 26. Oktober (J. T. A.). Auf das Protesttelegramni von General Smuts hat der Premierminister Ramsay MacDonald telegraphisch an General Smuts nach Kapstadt eine Erwiderung gesandt, in der es heißt: «Ihre Auffassung beruht auf unvollständigen Berichten über die Regierungserklärung, die gerechterweise nicht als das Aufgeben der Balfour-Deklaration bezeichnet werden kann. Gewisse Methoden, die zur Errichtung einer jüdischen Heimstätte angewandt wer- «•Sind sie denn andere Menschen als wir?» «Ja, sie sind anders.» Das klang so kurz und streng, daß Benjamin nicht wagte, weiter zu fragen, wiewohl es doch noch so vieles gab, was er brennend gerne gewußt hätte. Vor einem großen Gewölbe inmitten der Stadt blieb der Vater stehen. «Diesmal wartest du draußen, das nächstemal, wenn ich einkaufen gehe, kommst du mit», befahl er. Gehorsam blieb Benjamin vor dem Tore stehen. Ein paar Kinder kamen, stellten sich im Halbkreis um ihn, sprachen in einer Sprache, die er nicht verstand, und lachten. Benjamin wußte, daß sie über ihn lachten. Aber er verstand nicht, warum sie es taten. Und er hätte doch so gerne mit ihnen gesprochen . , . Schüchtern griff er in seine Tasche, zog den Apfel heraus, den ihm die Mutter beim Abschied geschenkt hatte, und ging damit auf ein kleines Mädchen zu, das ihn mit großen, blauen Augen ernsthaft ansah. «Da — willst du?» fragte er in seiner Sprache und reichte ihr linkisch den Apfel hin. Die Kleine machte eine Bewegung, als wollte sie danach greifen — im selben Augenblick aber stürzte ein größerer Knabe hinzu, riß sie zurück und schlug ihm den Apfel aus der Hand, so daß dieser in den Straßenkot rollte. Dann gab er Benjamin, der ganz bestürzt dastand, einen Stoß vor den Magen, spie ihm ins Gesicht und zog die Kleine, erregt auf sie einsprechend, mit sich fort. Die übrigen lachten mehr noch als zuvor, während Benjamins Augen sich mit Tränen füllten. Und als der Vater kam und beide ihren Weg fortsetzten, bewarfen die Kinder sie mit Steinen — solange, bis sie vor das Stadttor kamen. Als Benjamin von seiner ersten Wanderschaft heimkehrte, hatte er eine, müde, geduckte Haltung, einen schleichenden Gang, imd war ernst und schweigsam, wie all die anderen, wenn sic "von draußen» kamen. 1 den, drohen die Lage der nichtjüdischen Bevölkerung zu gefährden und rufen große Beunruhigung hervor. Diese Methoden haben uns von der Notwendigkeit überzeugt, die doppelte Verpflichtung zu erfüllen, die das Mandat uns auferlegt.» Zum Schluß erklärt MacDonald, die neue Politik bilde keine dauernde oder vorübergehende Hemmung der Kolonisation auf den zahlreichen, bereits in jüdischem Besitz befindlichen, noch nicht erschlossenen Ländereien, betonte jedoch wieder den Grundsatz, daß die jüdische Einwanderung die bisherige Aufnahmefähigkeit des Landes nicht überschreiten dürfe. Was sagt das jüdische Palästina dazu? Proklamation des Waad Leumi Der Waad Leumi und die Exekutive der Jewisli Agency in Palästina haben gemeinsam die nachstehende Proklamation erlassen: Die Deklaration der Mandatsregierung ist eine Verletzung des historischen Gelübdes, welches das englische Volk gegenüber den Juden abgelegt hat. Das Statement entbehrt eines konstruktiven Charakters und verleugnet das feierliche Versprechen, das nicht nur dem palästinensischen Jischuw, sondern dem gesamten jüdischen Volk gegeben wurde. Ein Nationalheim ohne Einwanderung und Boden ist ein grausamer Scherz und eine politische Heuchelei. Der Jischuw verwirft die Regierungserklärung und hegt die Hoffnung, daß es nicht der Wille des englischen Volkes ist, den die Regierung in diesem Falle zum Ausdruck gebracht hat Das Recht des jüdischen Volkes zum Aufbau des jüdischen Nationalheimes ist vom Völkerbund und den Vereinigten Staaten von Amerika anerkannt und von allen englischen Regierungen seit der Balfour- Deklaration bekräftigt worden. Die konstruktiven Leistungen der Juden rechtfertigen diesen Anspruch, der stärker ist als irgendeine Macht, die von irgendeiner Regierung mißbraucht wird. Der Jischuw wird an keiner parlamentarischen Institution teilnehmen, die darauf abzielt, die Errichtung des jüdischen Nationalheinis zu hemmen. Wohlfahrt und Entwicklung der arabischen Bevölkerung hängen von der jüdischen Einwanderung und Kolonisation in höherem Maße ab als von allen Maßnahmen der englischen Palästinaverwaltung. Wir erblicken in der Zusammenarbeit mit unseren arabischen Nachbarn die hoffnungsvollste Gewähr für dauernde Wohlfahrt und Frieden im Lande. Wir appellieren an das englische Volk und die ganze zivilisierte Welt, unsere Rechte zu verteidigen, und fordern das jüdische Volk in allen Ländern auf, standhaft zu bleiben. Zionisten! Verlanget in jedem Kaffeehaus „Die Stimme“! Weder Agudah noch Brith Schalom nehmen an der gesetzgebenden Körperschaft teil Jerusalem, 24. Oktober (J. T. A.). Der Führer der Agudas Jisroel Rabbi Blau erklärte, die Agudah werde die jüdische Einheitsfront nicht sprengen und sich an den Wahlen zum Legislative Council nicht beteiligen. Der Brith Schalom hat dem Waad Leumi formell bekanntgegeben, daß seine Mitglieder sich weder an der Wahl zum Legislative Council beteiligen, noch einer Berufung in diese Körperschaft Folge leisten werden. Der Widerhall in Amerika Die Veröffentlichung des Simpson-Berichtes und der englischen Regierungserklärung über ihre künftige Palästina-Politik hat einen Sturm der Entrüstung innerhalb der amerikanischen Judenheit hervorgerufen. Ueberall hört man Aeußerungen wie «England hat das jüdische Volk verraten.» Massenhaft erscheinen Juden in den Hauptbureaus der zionistischen Körperschaften, um ihrer Enttäuschung und Empörung über das Statement der britischen Regierung Ausdruck zu geben. Tausende warten vor den Bureaus der jüdischen Zeitungen auf die Ausgabe der Eintrittskarten zu den angekündigten Protestmeetings. Der amerikanisch - jüdische Kongreß fordert diplomatische Aktion Washington. (J. T. A.). Der amerikanischjüdische Kongreß hat eine Resolution angenommen und dem Staatsamt für Auswärtige Angelegenheiten übermittelt, in welcher die Regierung der Vereinigten Staaten aufgefordert wird, gegen das negative Verhalten der britischen Regierung gegenüber den Juden und dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina Stellung zu nehmen. Die Vereinigten Staaten als eine der Mächte, welche an der Durchführung des Mandates interessiert sind, werden aufgefordert, angesichts der neuen Lage diplomatische Schritte zu unternehmen. Die Arbeit wird fortgeführt! New York. (J. T. AJ. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Inhalts der Regierungserklärung über Palästina versammelten sich am 21. Oktober die zionistischen und ntchtzionistischen Führer de* Jewish Agency zu einer Beratung. Den Vorsitz führten abwechselnd Robert Szold und Cyrus Adler. Gegen Mittag erschien Felix Warburg und gab seinen Entschluß bekannt, von der Leitung des Administrative Committee zurückzutreten. Gleichzeitig erklärte Warburg, sich auch weiterhin an der Arbeit, die fortgeführt werden müsse, beteiligen zu wollen. Ungeachtet seines schwer leidenden Zustandes nahm Rabbi Stephen Wise an der Konferenz teil. Er gab der Vermutung Ausdruck, daß der Simpson- Bericht vom Kolonialamt bearbeitet und ungünstig verändert worden sei. Die britische Regierungserklärung bezeichnete Doktor Wise als zynisch und finster. Ein ehrlicher offener Bruch, sagte er, wäre schlimm genug gewesen, aber dieser Bruch hat nicht einmal den Vorzug der Aufrichtigkeit. Die englische Regierungserklärung sei Blut auf Englands Wappenschild. In heftigen Worten verurteilten auch James Marshall, ein Sohn des verstorbenen Louis Marshall, Robert Szold und andere führende jüdische Persönlichkeiten die britische Regierungserklärung. Die schicken, gut passenden Dorn-Schuhe verleihen Ihrem Aeußeren einen wohlgefälligen Anblick. Dae aus feinstem Material hergestellten, aparten Herbstmodelle erfüllen durch ihren vorzüglichen Sitz die höchsten Ansprüche modischer Eleganz. Die zeitgemäßen, nied* r i g e n Preise bei dieser Firma sind stadtbekannt. Schuh-Dorn, II., Taborstraße 8. Palästinareise der „Stimme“ «Die Stimme», die vielfach von Gg. wegen einer Gesellschaftsreise nach Palästina angegangen wurde, hat sich entschlossen, zwei Gesellschaftsreisen, davon eine nach Palästina, die andere nach Palästina, Transjordanien, Syrien und Aegypten, im Mai nächsten Jahres durchzuführen. Wir haben uns mit der Schifffahrtsgesellschaft Lloyd Triestino in Verbindung gesetzt, mit dem gemeinsam die Reisen durchgeführt werden. Der Lloyd Triestino hat uns ein Programm für beide Reisen vorgeschlagen. Dieses ausführliche Programm werden wir in der nächsten Nummer unseres Blattes veröffentlichen. Die Gesellschaftsreise nach Palästina wird vom 6. Mai bis 26. Mai 1931 dauern. Preis pro Person S 895.—. Die Reise nach Palästina, Transjordanien, Syrien und Aegypten wird vom 6. Mai bis 9. Juni 1931 dauern Preis pro Person S 1550.—. Die Durchführung der Reise in Syrien, Palästina und Aegypten liegt in den Händen des P a 1 e s t i n e and Aegypt Lloyd Limited Jerusalem: in Wien in den Händen unseres bewährten Gg. Doktot Körner (Reisebureau Dr. Körner, Wien, I., Kohlinarkt 8); die Gesamtleitung hat der Lloyd Triestino innc. Die Tatsache, daß diese Firmen die Reise durchführen, bietet vollste Gewähr, daß diese Unternehmungen in jedem Sinne gelungen sein werden. Teilzahlungen ä conto der beiden Reisen können schon jetzt beim Lloyd Triestino geleistet werden. Anmeldungen werden in der Redaktion der «Stimme», beim Lloyd Triestino und in dem Reisebureau Dr. Körner entgegengenommen. Mindestzahl der Teilnehmer für jede Reise fünfzehn Personen. Ein ausführliches Programm beider Reisen folgt in der nächsten Nummer. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.