Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1930-10-30 · Heft 149 (30.10.1930) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 149 (30.10.1930)
Date
1930-10-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3053859-3053902--1990-3057386
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 DU STIMME Nr. 148 - SO. Oktober tm <äm Hajessod, dem Hauptinstrument der Jewish Agency, finanzierte Kolonisation ins Leben trat. Einzelne der Versuche, die gemacht wurden, um den Beweis zu erbringen, daß die zionistische Kolonisation nicht die Wirkung gehabt hat, die früheren Landpächter in die Klasse der Landlosen zu überführen, haben sich bei näherer Nachprüfung als nicht überzeugend, um nicht zu sagen, irreführend, herausgestellt. Gegen das Prinzip jüdischer Arbeit Ueberdies ist die Wirkung jüdischer Kolonisation auf ife bestehende Bevölkerung in äußerstem Maße abhängiig von den Bedingungen, unter denen die verschiedenen jüdischen Körperschaften ihr Land in Besitz halten, ausnutzen und verpachten. Die Konstitution der erweiterten Jewish Agency, gezeichnet in Zürich am 14. August 1929 (Art. 3 d und e) sieht vor, daß der von der Agency erworbene Boden «unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes» sein soll und daß «bei allen Arbeiten und Unternehmungen, die von der Jewish Agency aufgeführt oder gefördert werden, es als ein Grundsatz gelten soll, daß jüdische Arbeiter beschäftigt werden sollen». Ueberdies verpflichtet sich der Pächter gemäß Art 23 des Entwurfes eines Pachtvertrages, der auf alle Pachtländereien des Jüdischen Nationalfonds Anwendung finden soll, alle Arbeiten für die Kultivierung der Pachtländereien nur mit jüdischer Arbeit auszuführen. Strenge Verpflichtungen sollen die Beobachtung dieser Zusage sicherstellen. In dem Vertrag über die Rückzahlung von Krediten des Keren Hajessod Ist eine strenge Verpflichtung für Siedler ln den Kolonien der Küstenebene aufgenommen, nur jüdische Arbeiter zu beschäftigen, wann immer sie genötigt sind, Lohnarbeit in Anspruch zu nehmen. Eine ähnliche Bestimmung findet sich ln den Verträgen für die Emek-Kolonlen. Diese strengen Verpflichtungen können schwer in Einklang gebracht werden mit der Erklärung des Zionistenkongresses vom Jahre 1921 über «den Wunsch des jüdischen Volkes, mit dem arabischen Volke ln einem Verhältnis der Eintracht und der gegenseitigen Achtung zu leben und im Bunde mit ihm die gemeinsame Wohnstätte zu einem blühenden Gemeinwesen zu machen, dessen Ausbau jedem seiner Völker eine ungestörte nationale Entwicklung sichert». Die jüdischen Führer haben sich bei der Rechtfertigung dieser Politik in voller Freimütigkeit geäußert. Die Exekutive der jüdischen Arbeiterorganisation, die auf die Leitung zionistischer Politik einen sehr erheblichen Einfluß ausübt, hat behauptet, solche Beschränkungen seien notwendig, um das Maximum an jüdischer Einwanderung zu ermöglichen und die Lebenshaltung der jüdischen Arbeiter vor der Gefahr zu bewahren, zu dem niedrigeren arabischen Standard herabzusinken. So logisch diese Argumente auch vom Gesichtspunkt einer rein nationalen Bewegung erscheinen mögen, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß sie die Bestimmungen von Art. 6 des Mandates außer acht lassen, daß bei Förderung jüdischer Einwanderung und dichter Ansiedlung von Juden auf dem Lande die Palästina-Regierung dafür zu sorgen hat, daß «die Rechte und die Lage anderer Bevölkerungsgruppen nicht beeinträchtigt werden». Kontrolle über alle Bodentransaktionen Gemäß § 6 des Mandates hat die Palästina-Regierung die Stellung der «anderen Bevölkerungsgruppen» gegen Beeinträchtigung durch jüdische Immigration zu schützen. Ebenso ist sie gemäß dem Mandat verpflichtet, die dichte Ansiedlung der Juden auf dem Lande, immer mit der vorerwähnten Einschränkung, zu fördern. Auf Grund neuerlicher Untersuchungen ist die britische Regierung zu der Ueberzeugung gelangt, daß zur Erreichung dieser Ziele eine mehr methodische Entwicklung de* Landwirtschaft zwecks besserer Bodenausnutzung erforderlich ißt Lediglich bei Anwendung einer solchen Politik wird eine weitere landwirtschaftliche jüdische Siedlungstätigkeit, die mit den ira Art 6 des Mandates niedergelegten Bedingungen im Einklang steht, möglich sein. Das erstrebte Ziel wird nur in einer Arbeit von Jahren erreicht werden können. Es ist daher ein Glück, daß sich die jüdischen Organisationen in dem Besitz umfangreicher Bodenreserven befinden, die noch nicht besiedelt oder entwickelt sind. Ihre Bewirtschaftung kann ohne Unterbrechung fort* schreiten, wahrend gleichzeitig mehr allgemeine Ent. wicklungsmaßnahmen, die Juden und Arabern zugleich zugute kommen können, zur Wirksamkeit gebracht werden. Während dieser Periode aber muß die für die Entwfckiungsmaßnahmen verantwortliche Behörde notwendigerweise die Kontrolle über alle Bodentransaktlonen in Ihrer Hand behalten. Bodenübertragungen werden nur insoweit zulässig sein, als sie ln die Pläne dieser Behörde nicht eingreifen. Auswahl der Einwanderer durch die liegierung Bei der Nachprüfung des Immigrationssystems anläßlich der Suspendierung der Arbeiter-Immigrationszertifikate im Mai dieses Jahres sind verschiedene Mängel zutage getreten. lg vielen Fällen haben Personen Zutritt erhalten, die keine Visen hätten erhalten dürfen, wenn alle tatsächlichen Momente bekannt gewesen wären. Die Regierung übt keine wirkungsvolle Kontrolle über die Auswahl von Immigranten { aus, so daß gegen Unregelmäßigkeiten bei der Ausgabe von | Zertifikaten und gegen die Einwanderung von unerwünschten Elementen keine angemessenen Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden können. Störend ist auch die große Anzahl von Reisenden, die ohne Erlaubnis in Palästina verbleiben. Eine weitere ernste Erscheinung bildet die Zahl von Personen, die sich der Grenzkontrolle entziehen. Also spricht eine Arbeiterregierung! Der Einfluß der Allgemeinen Arbeiterorganisation ist weitreichend und ihre Aktionen Skid von vielfältiger Art Die Arbeiterorganisation hat ihre eigenen Gerichte erster und zweiter Instanz und ihr Arbeiter-Obergericht, an welches Appelle gegen Urteile niedriger Instanzen gelangen. Die Allgemeine Arbeiterorganisation hat eine Politik zur Anwendung gebracht die unter anderem in Palästina eine «neue soziale Ordnung» einführen will, aufgebaut auf Gemeinschaftssiedlungen und auf dem Grundsatz der Selbstarbeit (d. h. jeder Mann soll für sich selbst arbeiten und (He Beschäftigung von Lohnarbeitern vermeiden). Wo Seibstarbelt unmöglich ist, besteht die Arbeiterorganisation auf der ausschließlichen Beschäftigung jüdischer Arbeiter durch alle jüdischen Arbeitgeber. Im Hinblick auf Ihre Mandatsverpflichtungen muß die Palästina-Regierung als Vertreter der Mandatarmacht die ausschlaggebende Instanz für alle Fragen der Immigration bilden, wobei insbesondere auf ihre enge Ver* knüpfung mit dem Problem der Arbeitslosigkeit und der Politik zu achten ist Eine Verbesserung der bestehenden Maschinerie ist nur möglich, wenn zwischen der Regierung auf der ehren Seite und der Jewish Agency auf der anderen Seite ein modus vivendi gefunden wird, in der Regelung ihrer beiderseitigen Funktionen, und es muß hierbei der Einfluß der Allgemeinen Arbeiterorganisation auf die Agency voll in Betracht gezogen werden. Einwanderung nnr nach Behebnng der arabischen Arbeitslosigkeit Zurzeit besteht eine ernste arabische Arbeitslosigkeit ebenso wie jüdische Arbeitslosigkeit, die als sehr unbefriedigend bezeichnet werden muß. Es kann als klar erwiesen gelten, daß die Aufstellung der Arbelter-Einwanderungsliste abhängig sein maß von der Feststellung der Zahl aller Arbeitslosen in Palästina. Diese Zahl muß daher genau festgestellt werden. Die ökonomische Aufnahmefähigkeit des Landes für neue Einwanderer muß unter Berücksichtigung der Lage Palästinas als einer Einheit im Hinblick auf Arbeitslosigkeit beurteilt werden. Bel Bestimmung dieser ökonomischen Aufnahmefähigkeit muß auch Sorgfalt ausgeübt werden, um einen Bedarf an Arbeitern, die infolge vermehrter Geldzirkulation bei Ausgaben für Aufbauzwecke oder aus anderen Gründen als von lediglich temporärem Charakter anzusehen ist, entsprechend zu würdigen- Jede übereilte Entscheidung in bezug auf eine weniger eingeschränkte jüdische Einwanderung ist entschieden nicht empfehlenswert, nicht nur vom Standpunkte der Interessen der Palästina-Bevölkerung als eines Ganzen, sondern auch von dem speziellen Gesichtspunkt der jüdischen Gemeinschaft aus. Solange ln weiten Kreisen der arabischen Bevölkerung ein Verdacht besteht, und er besteht tatsächlich, daß die ökonomische Depression, unter der sie gegenwärtig zweifellos leidet, zu einem erheblichen Teil eine Folge übermäßiger jüdischer Einwanderung ist, und solange einige Gründe existieren, auf Grund derer die Berechtigung dieses Verdachtes in plausibler Weise dargestellt werden kann, besteht wenig Hoffnung für eine Verbesserung der Beziehungen der beiden Rassen zueinander. Der Inhalt des Simpson Berichtes Der Bericht enthält zunächst einige beschreibende Kapitel über Land und Klima, den für Bodenkultur geeigneten Teil Palästinas, über Bevölkerung und soziale Verhältnisse in der Landwirtschaft. Hierauf folgt ein ausführliches Kapitel über die jüdischen Siedlungen. Nachdem kurz auf Privatinstitute, wie dae der Bne Benjamin, eingegangen wird, stellt der Bericht fest, daß das Gesamtareal, das im Besitze jüdischer Organisationen ist, etwa 1,250.000 türkische Dunam umfaßt. Die Hauptpunkte der P. I. C. A.-Sied!ungen,Petach- Tikwah, Rechowoth, Rischon le Zion und Sichron Jakob, werden flüchtig beschrieben, die Kabbara-Konzession und das Pardassana-Projekt Benjamina u. a. geschildert und auf die ausgezeichneten Beziehungen zu den arabischen Nachbarn und Arbeitern hingewiesen, die dort früher geherrscht haben. «Hätte die P. I. C. A. die Politik der Freundschaft mit den Arabern fortsetzen dürfen, so v/äre es unzweifelhaft in der Nähe der Kolonien nicht zu der beklagenswerten Verbitterung gekommen, die nun vorhanden ist.» Als Einleitung zu dem Unterabschnitt über die zionistischen Siedlungen wird zunächst eine Darstellung des Nationalfonds gegeben, dessen Landbesitz auf 270.000 Dunam angegeben wird. Der Häuptunterschied gegenüber der P. I C. A. «st das Prinzip der Selbstarbeit. «Es fehlt nicht an Begeisterung, und es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Siedlungen die Siedler ernähren werden* namentlich in der Pflanzungszone.» Bei der Beschreibung des im Besitz des Nationalfonds befindlichen Bodens macht Hope Simpson die für die späteren Schlußfolgerungen wichtige Feststellung, daß eine Landreserve vorhanden i&t, die dem Nationaifonds die Weiterarbat für mehrere Jahre öhne Bodenkäufe möglich macht WERBE-AUFG&Bi Wie heiBt das Volkslied zu diesem Bild! Um unsere Fabrikate einzuführen. Veranstalten wir Werbe-Ausschreiben und setzen für die riohtlgen Lösungen aus: Weltpreise im Gesamtwerte von über RM 7000 1. 2. 3. 4— 5. 6.- 45. 4«.- 74. 73.-124. 12S. -134. 135.-200. Preis 1 Motorrad, Zündspp. 740'— * 1 HctUnfzimmsreUurlciitna# ..000’— „ 1 Küchsusinrlobtuag.,, . . 900'— „ 2 komploUo Pbotoauparate, Jo .t& , , 000‘— „ 40 Pedmngrobrgurimam. jo . . . . . 00’— „ 21 KofFur.preeh'ipparutQ. je . . . « . . 05’— „ 50 WOsoiiotiobeo, jo .. , 00‘— „ 40 Korb*es«el, je.. , |0’— „ 30 Wüscbekftrbo, jo ......... , I0‘— Di# Botolllffung ist thi jedes kostenlos und onvorbindlieb, Di# Verteil unir der Wortpreis# erfolgt durch #ln#n hiesigen Meter. Versand kosten dei Preise trtat der fimpftagor. Di* Biosendnggea haben in verschlossenen Briefen, alt einer Preiquurke rersebea. innerhalb acht Tugen an erfolgen. A. W. Conrad, Wolfenbüttel 695 Während Hope Simpson sich gegen den Tjrp der Kwuzoth ausspricht, schildert er mit mehr Schätzung die Moschawe Owdim. Ausführlich geht Simpson nun auf die im Nationaifonds und Keren Hajessöd vorgeschriebenen Verpflichtungen ein, die Böden an Juden zu geben. Sehr dezidiert sucht der Bericht festzustellep, daß diese Praxis mit der Araber-Resolution des XU. Zionistenkongresses unvereinbar «st. Durch die Landkäufe des Nationalfonds werde der Boden exterritorial. Der Araber sieht diese Terrains für ewige Zeiten aus seinem Bereich entschwinden. Nicht nur, daß er sie nicht zurückkaufen kann, er kann auch nie dort Arbeit finden. Der Boden wird «tote Hand». Simpson spricht nun von den zionistischen Forderungen auf Uebftrlassung von Staatsländereien und konstatiert nach einer Darstellung des Materials (das von zionistischer Seite angefochten wird), daß Ländereien in beträchtlichem: Umfang, die in Händen der Regierung sind und für jüdische Ansiedlung zur Verfügung gestellt werden könnten, nicht vorhanden sind. Allerdings macht Simpson darauf aufmerksam, daß nur durch die Erneuerung der Huleh-Konzession und durch die sehr großzügige Uebergabe der Beisan- Ländereien an Araber die Juden leer ausgegangen sind. •Die folgenden Kapitel über die Lage der Fellachen enthalten ausführliche Untersuchungen über das Minimum von Land verschiedener Bodenarten, das den Lebensunterhalt für eine Familie bieten kann, und beschäftigen sich mit dem Problem der Fellachen und der Beduinen, das man nicht übersehen dürfe. Das Kapitel über die Entwicklung des Landbaues stellt zunächst fest, daß eine der wichtigsten und fortschrittlichsten Tätigkeiten der Juden in Palästina die wissenschaftliche Entwicklung des Landbaues ist. Mit besonderer Betonung wird auf die Bedeutung der Aufforstung hingewiesen, die fast ausschließlich in jüdischen Händen liegt. Zum Schulwesen übergehend, wird mit Bewunderung festgestellt, daß nahezu Sämtliche jüdische Kinder (jüdische) Schulen besuchen und daß dieses Schulwerk von jüdischen InStantän mit nur sehr geringer Unterstützung seitens det Verwaltung unterhalten wird. Es sei eine ständige Klage in jüdischen Kreisen darüber, daß die staatlichen Zuwendungen so gering sind (20.000 Pfund), während die Zionistische Exekutive für ihre insgesamt 227 Schulen im Jahre 1928/29 162.500 Pfund aufgewendet hat Ein vollkommen anderes Bild geben die arabischen Schulen (insgesamt 308, davon 259 in den Dörfern). Von den schätzungsweise 95.000 Kindern in den arabischen Dörfern haben nur etwa 13.2 Prozent Schulunterricht Das Gesamtbudget der Schulen für Araber beträgt 144.119 Pfund. Der Abschnitt über die Kooperation stellt wiederum einleitend die Piortierrolle fest, die die Juden spielen..Nicht weniger als 249 Kooperationen sind registriert, von denen jedenfalls 173 arbeiten. Sie sind ausnahmslos jüdische. Die 134 jüdischen Kooperativgesellschaften, die Gegenstand einer Untersuchung waren, hatten 33.000 Mitglieder, ein Kapital (einschließlich Reserven) von 334.827 Pfund und außerdem Depositen und Spareinlagen von 711.445 Pfund. Dagegen; war ihre Schuld an Banken und andere Kreditoren 294.411 Pfund, so daß ihre Lage als außerordentlich zufriedenstellend bezeichnet werden muß. — Es folgen Kapitel über landwirtschaftliche Produkte und über Industrie. Das Kapitel über Immigration fuhrt zu schwerwiegenden Schlüssen, im Anschluß an den Report der Shaw-Kommission Uber die Verteilung der Zertifikate nach politischen Gründen stellt sich Simpson auf den Standpunkt, den Harry Snell in seinen Reservationen eingenommen hat. Dennoch aber kritisiert er den zu starken Einfluß, den dde Hlstadruth auf die Auswahl der Immigranten ausübt. Als Beweis wird

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.