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Die Stimme · 1930-10-30 · Heft 149 (30.10.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 149 (30.10.1930)
Date
1930-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Srite 4 Oft STfUWtt Nr. 14H — 50. Oktober 1050; i i ■!l ■ I Achtung! „Die Stimme“ ändert ihre Adresse Die Adresse der „Stimme“ (Redaktion und Administration) lautet ab 1. November 1930: Wien, I. Kärntnerstraße 28, Tel. R-27-4-86 i Der Balfour-Tag als Protest gegen die Erklärung Englands! In der Erklärung der britischen Regierung wird versucht, eine längst vorausbestimmte, politische Entscheidung mit nachträglich in ihrem Auftrag gesammelten und nach ihrem Wunsch gedeutetem Material zu rechtfertigen. Auf Grund solcher Willkürlichkeit sollen Bodenkauf und Immigration, die beiden elementarsten Voraussetzungen der Schaffung eiper jüdischen Nationalen Heimstätte auf breiter Grundlage, die zu fördern die englische Regierung vom Völkerbund den Auftrag erhielt, durch die neue Politik in Frage gestellt werden. Konsequenterweise richtet sich daher der Hauptangriff der britischen Erklärung auf unsere wichtigste nationale Institution, den Keren Kajemeth. Die Bestimmung, daß der Boden, der bekanntlich aus jüdischen Volksspenden gekauft wird, jüdisches Volkseigentum bleiben soll, wird als Schädigung der Rechte und der Lage anderer Bevölkerungsteile erklärt, und dasselbe wird von der Bestimmung behauptet, daß K. K. L.-Boden nur von Juden bearbeitet werden soll. Darauf ist zu antworten: 1. Nirgends in der Welt gibt es ein Gesetz, das vorschreiben würde, daß ein Käufer von Boden verpflichtet sei, diesen zu irgendeinem Zeitpunkt wieder zu veräußern. 2. Der Käufer des K. K. L.-Bodens ist das jüdische Volk, also ein Besitzer, der ewig ist, weder stirbt, noch vererbt. 3. Das jüdische Volk hat laut Mandatsvertrag das Recht darauf, daß die englische Verwaltung selbst «geschlossene Siedlungen von Juden auf dem Lande» fördert. (Art. 6.) In Konsequenz dessen ist der K. K. L. in Palästina von der Verwaltung als «Körperschaft gemeinnützigen Charakters» anerkannt worden. 4. In Palästina bestehen auch mohammedanische Fonds, deren Güter nicht verkauft, sondern nur an Moslems, also nicht einmal an christliche Araber verpachtet werden dürfen. (Vakf.) Warum ist das nach Ansicht der Regierung keine Schädigung des anderen Bevölkerungsteiles, hier der Juden? 5. Der Keren Kajemeth vergibt seinen Boden nur an selbstarbeitende Familien. Dies können nur Juden sein, nachdem der Boden aus solchen Spenden gekauft wird, die zum Zwecke der Wiederbesiedlung des Landes durch Juden gegeben werden. Es ist geradezu eine Verkehrung des Mandatsauftrages ins Gegenteil, wenn dem jüdischen Volke zugemutet werden sollte, daß es mit seinem Spendengeld Nichtjuden in Palästina landwirtschaftlich beschäftigen soll. All das sind Sophismen, die eine politische Gewaltentscheidung mit dem Schein einer moralischrechtlichen Begründung drapieren sollen. Das jüdische Volk hat darauf nur eine Antwort: Erhöhte Arbeit! Waad Leumi und Direktorium des K. K. L. haben beschlossen, den 2. November, Balfour-Tag! durch eine Sondersammlung für den Keren Kajemeth Lejisrael zu begehen. Dies ist das einzig richtige Gedenkmittel für den Tag des Erlasses der Balfour-Deklaratlon und gleichzeitig der richtigste und würdigste Protest gegen ihre sinnwidrige Auslegung durch die jetzige englische Regierung. Flammender Protest Justin Godarts Senator Justin Godart, ehemaliger Minister und Präsident des französischen Pro-Palästina- Komitees, übergibt der JTA. eine Erklärung, die im Wesentlichen lautet: England rächt sich für den Tadel, der ihm anläßlich der durch seinen Mangel an Voraussicht entstandenen blutigen Unruhen im August 1929 seitens des Völkerbundes ausgesprochen worden ist. Es verleugnet die Balfour-Deklaration, die eines der glänzendsten Kapitel seiner Geschichte darstellt. Es versucht, sich den Verpflichtungen zu entziehen, die sich aus dem ihm übertragenen Mandat ergeben. Die Signatar möchte von San Remo werden diese flagrante Verletzung des Mandates vor den Haager Gerichtshof bringen. Das Werk der Juden in Palästina hat so viel Zukunft, daß ein rein politischer Anschlag, wie der der englischen Arbeiterregierung, seine Grundlagen nicht erschüttern wird. Ich fasse zusammen: Nicht der Zionismus, sondern das Mandat Englands ist in Frage gestellt. Schalom Asch über die politische Lage Schalom Asch, der seät einiger Zeit in Wien weilt und der, wäe wir erfahren, noch mindestens einige Wochen infolge der Krankheit seiner Getnahiin in Wien verbleiben wird, hatte die Liebenswürdigkeit, dem Redakteur der «Stimme» über seine Stellungnahme zu den letzten Palästina-Denkschriften der britischen Regierung folgendes zur Veröffentlichung zu übergeben: „Ich hin im wahrsten Sinne dieses Wortes bestürzt. An unserem Vqlke ist ein niederträchtiger Betrug begangen worden. Man hat unsere Kapitalisten geschädigt, unsere Idealisten hinters Licht geführt. Meiner Ansicht nach verdient England, daß man es auf Schadenersatz klage. Lächerlich ist aber der Glaube unserer Feinde, daß unser Werk in Palästina nicht vollbracht werden wird. Wir sind älter als England, wir werden auch die jetzigen Schwierig* keiten überwinden. Was man tun soll? Jeder muß auf seinem Posten aushärren. Jeder von uns soll seine Arbeit vervielfachen, seine Hingabe vergrößern. Ich fühle mich als ein einfacher Soldat unserer nationalen Armee, erwarte Weisungen und werde sie erfüllen.“ Wie wir erfahren, wird Schalom Asch demnächst im Rahmen des Gesamtverbandes der jüdischen Hochschüler Oesterreichs vor die breite Öffentlichkeit treten. Melchetts Demissionsschreiben Lord Melchetts Demissionsschreiben an Dr. Weizmann lautet im Wesentlichen: «. . . Während der Zeit unserer Zusammenarbeit beim Aufbau des Nationalheims in Palästina seit 1921 waren wir bestrebt, die aufeinander folgenden Regierungen und Verwaltungen in einem freundschaftlichen Geiste der Kooperation und mit ernstem und aufrichtigem Bemühen, unser Werk auf einer maßvollen Linie durchzuführen, zu beraten . . . Wir sind von Konferenz zu Konferenz vom Ministerpräsidenten eingeladen worden; wir haben zahlreiche praktische Vorschläge gemacht; unser Rat wurde wohl gesucht, aber unsere Empfehlungen würden geflissentlich ignoriert. Als Sir John Hope Simpson, der vorher niemals in Palästina gewesen ist, mit einer geheimen Mission betraut wurde, hat die Regierung, ohne Vorberatung mit uns, wozu wir nach Artikel 4 des Mandats berechtigt sind, die offenkundigen Intentionen eben dieses Dokuments gänzlich in ihr Gegenteil verkehrt. Die groteske Travestie des Zweckes des Mandates, die in der Regierungsveröffentlichung gegeben wird, kann nur charakterisiert werden als eine Beleidigung der Intelligenz der Jiidenheit und als ein wohlüberlegter Affront der Mandatskommission. Das Mandat ist von der Mandatskommission in der Weise klar definiert worden, daß sein Zweck die Errichtung der jüdischen Nationalen Heimstätte und die Errichtung von Selbstverwaltungs-Institutionen ist. Jede Zeile des Regierungsdokumentes atmet einen Geist v on Einschränk un g und Feindseligkeit. Und während aus Mr. Winston Churchills Weißbuch ironisch zitiert wird, daß es „wesentlich ist, daß die jüdische Gemeinschaft wissen solle, daß sie sich in Palästina aus Recht und nicht aus Dtjldung befindet", — ist es unmöglich zu entdecken, welches Recht der Judenheit innerhalb oder außerhalb Palästinas in der Zukunft zugestanden wird oder wie sie das Gefühl erhalten soll, daß sie überhaupt irgendwelche Rechte hat. Man kann nur erstaunt sein, daß ZumhPreis I wird noch ein Rest von ca. 1000 Stück jüdi-! sehen u. hebräischen Schallplatten aber auch moderne Schlager, die nicht mehr in den neuen Katalogen enthalten sind, abgegeben. Nur solange der Vorrat reicht. Wer früher kommt, kauft besser. Musikhaus EXCELSIOR Inhaber: Richard Herzog I., Adleriiu« t T«i. R.99.4.00 Hm Ki.PVarrg.3I T«k die Regierung die Stirn hat, die Zustimmung der Mandatskommission anzuführen, besonders nach der schrecklichen Zensur, die sie über ihre Führung der Geschäfte in Palästina erhalten hat ... Es ist ein — sicherlich nicht von der Nation gebilligter — Akt von Undankbarkeit und Verräterei einer Regierung fast ohnegleichen gegen ein vertrauendes und gequältes Volk, das glaubte, einen Hafen unter der ausgebreiteten britischen Flagge und dem Ehrenwort britischer Staatsmänner gefunden zu hüben. . . . Ich möchte nun noch eine Bemerkung über meine persönliche Stellung machen. Als die fewish Agency gebildet wurde, übernahm ich das Amt des Joint-Chairman des Coüncil und den Vorsitz der Politischen Kommission. Unter den gegenwärtigen Umständen fühle ich, daß ich diese Aemter nicht weiter in nützlicher Weise bekleiden kann. Ich habe daher keine andere Möglichkeit, als sie niederzulegen, was ich hiermit in aller Form tan möchte.» Zwischen dm Zeilen In der Redaktion Stunden bangen Wartens. Dann — die Bestatt? gung der niederschmetternden Nachricht. Der Tetegraphenbote bringt ein Telegramm: Worte, die sich ins Gehirn hineihbohren und das Herz zum Stillstand bringen. Man will unser Werk vernichten. Bange Stunden; lange, nervöse Stunden. Das Telephon läutet in einemfort: «Haben Sie Nachrichten?» — «Ein Dementi?» Nein, wir haben kein Dementi. «Ist es wahr, daß die sozialistische Regierung Uber das Werk der jüdischen Arbeiter wegwerfend spricht?» Ja, es ist wahr. Eine Erinnerung wird wach: Chaluzim klopfen Steine in sengender Sonne. Liegen malariakrank in Baracken. Sterben in Sümpfen. Verwandeln die Wüste in ein Paradies . . . fetzt haben wir es erfahren: diese Chaluzim haben kein Recht auf Arbeit, solange die Araber, die jahrhundertelang nicht gearbeitet haben, weil sie nicht arbeiten wollten, arbeitslos sind. Passfield-Logik. . Erinnerungen und Gedanken. Keine Zeit dafüi. Das Leben läutet schrill durchs Telephon. Juden rufen an; Juden sind bestürzt; Juden sind zornentbrannt: Juden sind — hoffnungsvoll. Ja, hoffnungsvoll. «Hallo, hier ein Leser Ihres Blattes. Bitte, schreiben Sie in die Zeitung, daß man uns nicht niederkriegen wird; daß wir, unbekannte Soldaten der großen zionistischen Armee, weiterkämpfen werden; daß die Liebe unseres Herzens Palästina gilt; daß Ercz Israel allen Feinden zum Trotz jüdisch werden wird. Ich bin ein alter Mann, aber ich weiß es: das jüdische Volk wird es erleben.» Die Stimme dort am anderen Ende des Drahtes zittert. Es zittert die Hand, die hier das Hörrohr hält. Dort am anderen Ende des Drahtes stand jetzt das jüdische Volk. Das Volk, dessen Geschichte vor Jahrtausenden auf dem Berge Sinai begann. (Wo war damals London?) Das ewige Volk, düs in Knechtschaft lebt und das sich nach Freiheit sehnt. Diese Sehnsucht katin nur in Palästina verwirklicht werden. Diese Sehnsucht wird in Palästina verwirklicht werden. Sem. f i

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