Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 149 (30.10.1930)
- Date
- 1930-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 149 — 90. Okt<#er 1930 DIE STIMME Stile 3 Prof. Einstein Ober die Lage des jüdischen Volkes Die Londoner Rede des Gelehrten im Wiener Radio Dienstag, den 28. Oktober, abends wurden durch die Berliner Funkstunde und alle angeschlossenen deutschen und österreichischen Sender zwei Reden übertragen, die aut einem Bankett in London von Bemard Shaw und Albert Einstein gehalten wurden. Das von der Ose-Gesellschaft veranstaltete Dinner fand zu Ehren Albert Einsteins statt, der sich bereit erklärt hatte, über die heutige Lage des jüdischen Volkes in der Welt zu sprechen. Bernard Shaw hielt eine großangelegte Begrüßungsansprache für Einstein, der anschließend sprach* Die Rede Albert Einsteins «Nicht leicht fällt es mir,» begann Einstein» «den Bang zu einem Leben in stiller Betrachtung m überwinden. Doch dem Rufe der Gesellschaft Ort und Ose durfte ich mich nicht entziehen. Die Situation der über die Erde verstreuten jüdischen Gemeinschaft ist zugleich ein Barometer des moralischen Standards in der politischen Weit Denn was könnte für den Stand der politischen Moral und des Gerechtigkeitsgefühls charakteristischer sein, als die Haltung der Nationen gegenüber einer wehrlosen Minderheit, deren Besonderheit in der Wahrung einer alten Kulturtradition besteht. Dieses Barometer steht tief in unserer Zeit. Dies fühlen wir schmerzlich an unserem Schicksal. Aber eben dieser Tiefstand bestärkt mich in der Ueberzeugung, daß die Erhaltung und Konsolidierung dieser Gemeinschaft unsere Pflicht ist In der Tradition des jüdischen Volkes steckt ein Streben zur Gerechtigkeit und zur Vernunft, die der Allgemeinheit der Völker auch in der Gegenwart und Zukunft dienen soll,» Der Redner rühmt dann die Tätigkeit der Gesellschaft Ose und fährt fort: «Die letzten Jahre, ja die letzten Tage haben uns eine Enttäuschung gebracht, die gerade auch euch, englische Volksgenossen, nahegehen muß. Klagt nicht über das Schicksal, sondern sehet in diesen Ereignissen ein Motiv der Sache der jüdischen Gemeinschaft, treu zu sein und zu bleiben, in der festen Ueberzeugung, daß wir so indirekt auch allgemein menschlichen Zielen dienen, die uns stets das höchste bleiben müssen. Bedenket auch, daß die Schwierigkeiten und Hindernisse eine wertvolle Quelle der Kraft und Gesundheit einer jeglichen Gemeinschaft sind. Wir hätten Jahrtausende nicht überlebt, wenn wir auf Rosen gebettet wären.» Sei ßitfitifdien Stfmerjett, um«, «nt Äepffc^merjeit, foroie bet ©cfjlaflofi gleit wirft £ogal gatt^ bot^üglidj. $ogal=*$ablettett tö)en bte fdjä<£$ften SÖeftanbtetle tm ©litt uttb führen eine balbige Stnberung unb bollftanbige ©enejung herbei. — Sro9e^ @iß — 3n allen §Ipotheien. — $tei3 © 2.40. Der Angriff auf den Keren Kaiemeth Von Dr. Chaini Tartakowei* Die englische Regierung hat zu einem vernichtenden Schlag gegen unser Werk ausgehoit. Sie hat sich Bileams bestellt, die im Gegensatz zu dem biblischen, da sie nicht gottbegnadet sind, ihre vernichtenden Worte gegen unsere Bewegung gesprochen haben. Der Angriff ist gut gezielt: Gegen unsere Pioniere und gegen unseren Bodenfonds. Die Keren Kajemeth-Methoden sind nach Ansicht Simpsons, des treuen Dieners seiner Herren, und nach Ansicht der britischen Re« gierung anfechtbar und zu verwerfen. Anfechtbar ist das Prinzip, daß der Boden kein Spekuiationsobjekt sein darf. Derselbe Simpson, der das behauptet,, hält es jedoch für richtig, in einer anderen Stelle seines Berichtes zu empfehlen, Vorkehrungen gegen Bodenpreistreiberei zu treffen. Anfechtbar ist das Prinzip des öffentlichen Grundeigentums, das seit Moses die Edelsten aller Völker und aller Zeiten, als Heilmittel gegen das soziale Grundübel, den Boden als Ware zu behandeln, ansahen. Anfechtbar ist das Prinzip, daß wir Juden uns durch eigene physische Arbeit unser Recht auf unser altes Vaterland erarbeiten wollen. Anfechtbar ist es, wenn wir fordern, daß in den jüdischen Siedlungen jüdische Arbeit vorherrsche. Anfechtbar ist es, daß der Keren Kajemeth — ohne gesetzlich hiezu genötigt zu sein — den vom Effendj ausgesogenen Pächter entschädigt. Wo in der Welt tut dies ein Eigentumswerber? Anfechtbar ist es, daß der Keren Kajemeth die. Sümpfe trocknet, die Wüste kultiviert und auf diese Weise auch das benachbarte arabische Land gesund macht und dessen Wert steigert. Warum ist das alles mit einemmal anfechtbar geworden, nachdem es bisher von den eng» lischen Regierungen und von der ganzen Kulturwelt angestaunt wurde? Weil es in den politischen Kram der gegenwärtigen. Machthaber paßt, das schlecht zu nennen, was gestern noch gut war. Wir aber glauben aus tiefster Seele: dieser Anschlag wird nicht gelingen. Das jüdische Volk strebt zur Freiheit und wird die Freiheit erringen. Ob wir, die gegenwärtige Generation, es wollen oder nicht, das Werk wird gelingen, weil es gelingen in u ß. Wenn „Politiker“ glauben, durch Verrat an der Gutgläubigkeit eines großen, aber phy» sisch schwachen Volkes unsor historische« Werk zunichte zu machen, so wird die Geschichte über sie hinweggehen, wie über alle, die sieh geschichtlichen Notwendigkeiten entgegengestellt haben. Eines hat diese Regierung bereits verloren: den tiefen Glauben an sein mutwillig verletztes Recht. In diesem Zeichen werden wir siegen und mit uns die reine Schöpfung unsere« Geistes, der Keren Kajemeth. Ein Appell Weizmanns an die des Keren Kafemeth In einem Aufruf an die Mitarbeiter des Jüdischen Nationalfonds führt Dr. Chaim Weizmann u. a. aus: Ich bin überzeugt, daß die Logik der Tatsachen für uns sprechen wird, wenn wir vorbereitet sein werden, alle sich bietenden Gelegenheiten, Boden in Palästina zu erwerben, auszunützen. Ich fordere euch auf, der Welt zu zeigen, daß das jüdische Volk bei dem Aufbau seines Nationalhelms von dem gleichen I Wissen fte es schon f Schuh-Dorn bietet noch nie Dagewesenes in Qualität und Preisen. Moderne Krokodil- und Eidechsschuhe . . . , S 3Ö.50—S 45.— Aus ganz Krokodil u. Eidechs „ 49.50—„ 55.— Herren-Schuhe in neuen Formen, rahmengenäht . . . „ 29.50—„ 34.50 fchuA-lDorn. II.. giBÜOglliqgc & CS Mute beseelt ist, wie andere Völker, wo es gilt, Hindernisse auf ihrem Weg zu überwinden. Damit, daß ihr den Jüdischen Nationalfonds stärkt, werdet ihr eure Ueberzeugung von der Gerechtigkeit unserer Sache dartun, denn unsere Sache ist gerecht und wird darum siegen. Die Regierungserklärung ist ein unglückliches Dokument Weniger wegen ihres Wortlautes im einzelnen als wegen ihres Gesamteindrucks. Ihr Geist im Ganzen widerspricht den Traditionen Englands, und daher glaube ich, daß sie früher oder später im Sinne dieser Tradition revidiert werden wird. Die beiden wesentlichen Voraussetzungen iür das Jüdische Nationalheim sind Boden und Einwanderung. Der Landkauf wird auch durch die Regierungserklärung nicht vollkommen unmöglich gemacht Bodentransaktionen werden auch weiterhin zugelassen werden, wenn sie die Billigung der von Simpson empfohlenen Landentwicklungskommission finden. Sir John Hope Simpson gibt die Bodenreserve des Jüdischen Nationalfonds mit 155.500 Dunani an* Ein großer Teil dieses Bodens ist noch nicht voll bezahlt, auf einzelne Ländereien besitzen wir erst eine Option. Die Bezahlung dieser Ländereien und deren Amelioration erfordern große Geldsummen. Die Regierungserklärung gibt weder offen noch verhüllt eine Absicht zu erkennen, diese Transaktionen zu verhindern, welche, was immer geschehen mag, der nächste Schritt in unserer künftigen Arbeit sein werden. Prot, Weizmann an die jüdischen Frauen Ich habe den jüdischen Frauen in Palästina und in der Diaspora folgende Worte zu sagen: Arbeitet mit verdoppelten Kräften weiter! Pflanzt unser nationales Ideal in das Herz aller jüdischen Frauen der ganzen Welt! Setzt eure erzieherische und praktische Arbeit in Erez Israel fort! Steht mit dem ganzen Mitgefühl, Verständnis und anfeuernd bei Euren Männern! Die Geduld und der unerschütterliche Glaube der jüdischen Frauen möge uns über den bitteren Augenblick hinweghelfen! Gebt Eurer Zuversicht neue Nahrung! Bedenkt, daß die augenblicklich herrschende britische Regierung nicht gleichbedeutend ist mit der Stimme des gesamten britischen Volkes und daß Regierungen nicht nur kommen, sondern auch gehen! Es hat sich bereits klar gezeigt, daß zuverlässige Freunde und Mitarbeiter aus den Kreisen der Männer, die bei der Schaffung der Balfour-Deklaration mitgeholfen haben, uns in unserem Bestreben, die Balfour- Deklaration zur Tat und Wahrheit werden zu lassen, helfend und ermutigend zur Seite stehen, ein Bestreben, das nicht erlahmen wird, solange noch ein Tropfen Blut in unseren Adern fließt. London, den 24. Oktober 1930. Chaim Weizmann. Baldwin, Chamberlain und. Amerg protestieren In den «Times» wird ein Brief, gezeichnet von den konservativen Führern, dem früheren Minister-, Präsidenten Baldwin, dem früheren Minister des Aeußern Chamberlain und dem früheren Kolonienminister L. S. Amery, veröffentlicht. Der Brief beginnt mit dem Ausdruck des Bedauerns^ daß Dr. Weizmann im Hinblick auf die Regierungserklärung von der Leitung der zionistischen Bewegung zurückgetreten ist. «Wir sind uns aufs tiefste der zweifachen Verpflichtung sowohl den Juden wie den Arabern gegenüber bewußt, die im Mandat verkörpert ist, und die die Grundlagen der Politik gebildet hat, welche seither von der englischen Regierung verfolgt wurde. Was wir bedauern, ist, daß die Regierung diese Politik aufgegeben zu haben scheint. Indem die Regierung, Dr. Weizmanns Vorschlag, eine jüdisch-arabische Verständigungskonferenz einzuberufen, unbeachtet ließ, entmutigte sie die Bemühungen der jüdischen Führer, die darauf ausgingen, die einvernehmliche Stimmung zu fördern, welche die Regierung selbst als die notwendige Bedingung zur Lösung der Palästinaprobleme betrachtet. Ohne weder den Arabern noch den Juden zur Darlegung ihrer Meinungen Gelegenheit gegeben und ohne dem Parlament gestattet zu haben, seine Stimme zu erheben, hat die Regierung eine Politik festgelegt, die von so endgültig negativem Charakter ist, daß sie uns im Widerspruch zu stehen scheint nicht nur zu der Forderung des Völkerbundsrates, dahingehend, daß es den Intentionen des Mandates widersprechen würde, wenn das Jüdische Nationalheim im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung durch eine Festlegung auf das jetzige Ausmaß endgültig abgeschlossen werden würde, sondern auch zum ganzen Geist der Balf our-Deklaration und der Erklärungen, die in den letzten 12 Jahren von den aufeinanderfolgenden Regierungen abgegeben wurden. Es ist nur zu deutlich, daß das Weißbuch auf die öffentliche Meinung der Judenheit in Amerika und in anderen Ländern die Wirkung haben wird, das Gefühl von Mißtrauen in den guten Glauben Englands zu erzeugen, der das wertvollste Besitztum unserer auswärtigen Reichspolitik bildet.» per ,,Viaad £eutni“, Jerusalem, hat den Batfotir-Taif, d. i. der 2. jWetnber, zum Tag der jtfassciuaramlntig für den Jtcrets Kajemeth testtmt Jaden, beteüiot Snch in Massen an dieser Antwort auf den Angriff unserer feinde auf den Keren Kajemeth! 968547