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Die Stimme · 1930-10-30 · Heft 149 (30.10.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 149 (30.10.1930)
Date
1930-10-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 DTE STIMME Nr. 149 — 30. 0fcjdbef 1030 Einige Lehren ans dem Weifibnche Von Dr. Oskar Grünbaum Jetart kommen sie alle, die Totengräber in allen Möglichen Kostümierungen, die gewußt haben, daß die zionistische Idee nicht realisierbar ist, die mit schlecht verhehlter Schadenfreude unerbetene Ratschläge erteilen. Und es kommen andere, Zionisten, die es schon immer gewußt haben, daß es so und nicht anders kommen werde, daß es so kommen mußte, weil man ihre Ratschläge nicht befolgt hat. «Die Mehrheit war Dummheit, Verstand war stets bei wenigen nur gewesen». Und sie reden und reden weiter, als ob nichts geschehen wäre. Ja, wir haben so viele große Lichter in den verschiedenen zionistischen Lagern, daß man sich wundern muß, daß es im Zionismus so finster ist. Nach jeder verlorenen Schlacht sucht man die Schuldigen. Wir müssen nicht lange suchen, wir selbst sind die Schuldigen: Wir, die wir jede Assimilation verdammen, haben selbst Assimilation getrieben, indem wir das Parteigetriebe der politischen Parteien in unseren Wohnländern nachahmten, welche die Partei über den Staat stellen. So richtig es ist, daß die zionistische Bewegung, die ohne Beispiel in der Geschichte dasteht, keine Uniformierung der Geister aufweisen kann, so richtig ipt es auch, daß die Unifizierung des zionistischen Willens möglich und unumgänglich notwendig war und heute mehr denn je notwendig ist. Hier haben wir gesündigt. Der Zionismus ist keine Partei, er ist das jüdische Volk oder der Teil des jüdischen Volkes, das auf dem Baseler Pro* gramm steht und für dieses Programm arbeitet. Er ist, wie Herzl sagt, das Judentum unterwegs, er ist der wandernde Staat Wir waren nicht unterwegs, wir waren nicht in Bewegung, wir blieben unterwegs stehen, spalteten uns in größere und kleinere Gruppen, bekämpften und begeiferten uns gegenseitig und verloren den Blick für die Wirklichkeit Wir debattierten über Theorien und die anderen arbeiteten;praktisch gegen uns. Die Araber und unsere Feinde in der ganzen Welt waren einig gegen uns. Wir 'waren uneinig untereinander. Hier muß radikal Wan-! del geschaffen werden. In der zionistischen Bewegung darf es keine Parteien im landläufigen Sinne des Wortes geben, solange wir nicht Herren im eigenen Hause sind. Wir können keinen Juden in unseren Reihen entbehren, der zionistisch fühlt und handelt, mag er zu den zionistischen Endzielen wie immer eingestellt sein, sei er nun bürgerlicher oder sozialistischer Weltanschauung. Wer gegen diese Anschauung spricht und handelt, versündigt sich am Zionismus, denn er schwächt unsere Reihen. Der Luxus landespolitischer Streitigkeiten, der. wir gerade jetzt im österreichischen Zionismus erleben, muß vom Zionismus ferngehalten werden. Damit wäre aber nicht alles getan. Wir können uns auch den Luxus des Fraktionismus, der die Partei in feindliche Lager spaltet, nicht erlauben. Das muß die zweite Folgerung aus dem Weißbuche sein. Zu einer Zeit, wo unsere Feinde an den Grundfesten 'des Zionismus rütteln, wirken Debatten über. Juden-; Staat, Brith Schalom und binationalen Staat anachronistisch. Das sind Worte, Worte, nichts als!Worte, mögen sie noch so sehr der Ausdruck innerster Ueberzeugung sein. Die schönsten und geistreichsten Reden und Kongresse über diese Themen schaffen uns in Erez Israel keinen Fußoreit Boden und keinen neuen Einwanderer, sie rufen höchstens einen Sturm im Wasserglas, Uebertritte von einer zionistischen Fraktion zu einer anderen hervor. Aber sie schaden uns auch bei jenen Zionisten, deren Zionismus nicht sattelfest ist und die unsere Reihen verfassen, und schrecken alle Nichtzionisten ab, die wir sonst für uns gewinnen könnten. So hat uns der Streit um die Jewish Agency viele Jahre beschäftigt. Wie wären wir heute dagestanden, wenn wir die Jewish Agency zu einer Zeit gehabt hätten, da da» amerikanische Judentum noch wirtschaftlich auf der Höhe war? Wenn Millionen Dollar nach Palästina gegangen wären, wäre der Jischuw unvergleichlich stärker und das Weißbuch, wenn es überhaupt erschienen wäre, keine Gefahr. Und wenn der Dollarregen ausgeblieben wäre, was ich nicht glaube, wären wir heute schlechter daran? Lernen wir aus unseren Fehlern! Lassen wir die Eigenbrötelei! So wie die Dinge heute liegen, ist Einigkeit nicht nur, wie man zu sagen pflegt, das Gebot der Stunde, sondern das Gebot vieler Jahre bis zur Erfüllung unserer Ideale. Wir müssen geeint in die jüdische Gasse gehen, neue Anhänger werben, wir müssen Groschen auf Groschen sammeln, aber nur für Erez Israel. Dazu sollen alle aufgerufen werden, die guten Willens sind, die da meinen, daß das Wort nichts und die Tat alles ist. Schlagen wir Breschen in die Parteienmauern, schließen wir unsere Reihen, seien wir wieder das geeinte Judentum unterwegs! Nur so werden wir, wenn auch nach harter Arbeit, dieses schändliche Weißbuch paralysieren, nur so wird es eine Episode sein in der Geschichte des unbezwinglichen Zionismus, der da war, bevor eine Balfour-Deklaration existierte und existieren wird joach diesem Weißbuche. Wenn w i r wollen, wird es ‘kein Märchen sein. Prof. Weizmann an das jüdische Volk Id ernster Standei Die Erklärung der britischen Regierung übet die zukünftige PalästinapoHtfk hat mich veranlaßt, der Mandatsregierung mitzuteilen, daß ich von meinem Amt aß Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency zurücktrete. Wenn ich diesen Schritt getan habe, nachdem es mir über ein Jahrzehnt vergönnt war, die politischen Geschicke der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency zu leiten, so ist darin bereits meine Beurteilung der Regierungserklärung zum Ausdruck gebracht: mein entschiedener Protest gegen eine einseitige und ungerechte Kritik unseres Werkes und meine Zurückweisung einer Politik, die mit dem feierlichen Versprechen der englischen Nation und dem Inhalt des Mandats im Widerspruch steht Es wird keine Zelt versäumt werden, um den berufenen Organen der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Gelegenheit zu bieten« im Namen des jüdßchen Volkes Antwort auf dieses Doku* ment zu geben, die sie, Ich bin Überzeugt, in Emst und würde zu geben wissen werden. ln dieser Stunde, da ich von der Leitung der Bewegung zurücktrete, fühle Ich mich gedrängt, ein Wort an das jüdische Volk zu richten, an die Ungezählten, die in unwandelbarer Treue zu Zion stehen: Gewiß, eine Zeit ernster Prüfung steht uns bevor, eine Zeit des Kampfes mit neuen Widerständen und Schwierigkeiten. Aber sie treffen ein Volk, das widrige Geschicke kennt, das bereit und fähig ist, sie zu besiegen, und das gelernt hat, sich auf sich selbst zu verlassen. Der Aufbau des jüdischen National? heims — ist er denn etwas anderes als eine neue Phase jenes unvergleichlichen, jahrtausendealten Kampfes, den das jüdische Volk mit Opfern ohne Zahl, für seine Zukunft» seine Unvergänglichkelt geführt hat? Und wenn wir auf unser Werfe in Palästina blicken, ist es nicht unser Stolz, daß wir es waren, die aus eigener Kraft eine Landwirtschaft, ans eigenem Fleiß eine Industrie schufen und aus e 1 g e n e m Geist eine Universität? An diese schöpferische Kraft des Volkes, an sein Vertrauen zu sich selbst und seiner großen geschichtlichen Bestimmung appelliere ich in diesem Augenblick als einer, der aus tiefster Seele an sie glaubt Ich wende mich zuerst an den Jischuw: Steht fest in erprobter Willensstärke und führet den Bau fort! Unbeirrt und zukunftssicher geht unser Werk weiter! Den Freunden Zions in allen Ländern aber rufe Ich zu: Schließt euch zusammen! Legt Zeugnis ab für eure Treue zum jüdisch-nationalen Heim — in Wort und Tat durch verstärkte Anstrengung» durch vervielfachte Leistung! Laßfr uns der Welt zeigen, was uns Erez Israel bedeutet und daß wir unerschütterlich zu ihm stehen in Liebe und Hingebung. London, 21. Oktober 1930. Chaim Weizmann. Die Antwort des Waad Leumi auf die Angriffe der englischen Regierung gegen den Keren Kajemeth Die Zionistische Organisation Oesterreichs erhielt ein hebräisches Telegramm, das in deutsche» Uebersetzung lautet: w * «An die Zionistische Organisation, Kömtnerstraße, Wien. Wir haben beschlossen, im Lande und in dei Galuth am 2. November eine Massengeldsammlung zugunsten des Keren Kajemeth zu organisieren. Es soll eine Antwort des jüdischen Volkes auf den Angriff der Regierung auf diesen grundlegenden nationalen Fonds sein. Wir ersuchen Sie, sich in großem Maßstabe an diesem praktischen Protest zu beteiligen. Wir bitten, dieses unser Ersuchen an die anderen Organisationen weiterzugeben. Waad Leumi.» *ILSE BRIKETTS* Sparsam im Verbrauch 0 Kohle und Holz jra haben XX.. Nordwestbahnhof Freie Zustellung Ins Haus Telephon A 41-1-63 Das Zionistische Landeskomitee und die Landeskommission des Keren Kajemeth Oesterreich senden uns zu dem Aufruf des Waad Leumi folgende Kommentare: Der feindselige Angriff der heutigen englischen Machthaber gegen den Keren Kajemeth beweist der zionistischen Welt am deutlichsten, daß der Kere« Kajemeth bisher den richtigen Weg gegangen ist Wir wollen uns mit noch mehr Liebe und Hingabe hinter den Keren Kajemeth stellen als bisher, denn indem unsere Feinde den Keren Kajemeth angreifen, wollen sie das Herz unserer Bewegung treffen. Das Zionistische Landeskomitee und die Landeskommission des Keren Kajemeth fördern hiermit alle Zionisten und Freunde des Keren Kajemeth aut dem Appell unserer nationalen Behörde in Erez Israel Folge zu leisten. Der heutigen Nummer der «Stimme» liegen Erlagscheine des Keren Kajemeth bei. Unsere Leser werden ersucht, sich dieser Erlagscheine zu bedienen und durch große Spenden zugunsten des Keren Kajemeth dem Aufruf des Waad Leumi Folge zu leisten. mmmaemmmmmmmmm n l »ii ... Ein Wiener jüdischer Kaufmann will keine Geschäfte mit englischen Firmen machen Eine englische Firma wandte sich an einen Wiener Kaufmann mit dem Ersuchen, er solle ihre Vertretung für Oesterreich übernehmen. Der Kaufmann, ein aufrechter Jude — stellt uns nachstehenden Brief, den er an die englische Firma in Beantwortung ihres Schreibens richtete, zur Verfügung. «■Ich. beziehe mich auf Ihr gesch. Schreiben vom 10. ds. und möchte sehr gerne das Geschäft mit Ihnen machen. Infolge der letzten Entschlüsse Ihrer Regierung muß ich jedoch leider hiervon abseheti, denn meine nationaleEhrealsJudeverbietetesmir, mit einem Lande Geschäfte zu machen, dessen Regierung meinem Volke gegenüber i h r Wortundihre Verpflichtungen in unerhörter Welse gebrochen hat und die durch unaufrichtige Beteuerungen noch bis ln die letzte Zeit ihre wahren Absichten zu verbergen wußte. Ich bin daher gezwungen, diesmal das Qeschäft mit einer deutschen Firma zu machen. Betonen möchte Ich, daß obige Mitteilungen nicht gegen Ihre w. Firma persönlich gerichtet sind und ich gerne bereit bin, wieder mit Ihnen in Verbindung zu treten, sobald das Unrecht seitens Ihrer Regierung wieder gutgemacht werden wird.* Weizmann schreibt Seine Memoiren London, 27. Oktober (J. T. A.). Der bekannte Londoner Verlag Victor Gollancz Ltd. teilt mit, daß Professor Dr. Chaim Weizmann gegenwärtig mit der Abfassung seiner Memoiren beschäftigt ist Die Memoiren Weizmanns werden nach ihrer Vollendung Im Verlag Gollancz erscheinen. Arbeitsfähigkeit im Alter sichern Sie sich durch Vorbeugung der Arterienverkalkung. Ein ärztlch eiprobtes und empfohlenes Mittel dazu ist Radjpsklerin, welches die Biutzjrkur latipn in den Schlag- und Pulsadern fördert, das Blut verdünnt, die Adern elastisch macht und dadurch den Kalk' ablagerungen und allen damit zusammenhängenden Alterserscheinungen vorbeugt, beziehungsweise die geistige und körperliche Arbeitsfähigkeit auffrischt und erhält. Die freiverkfiufUchcn, radiumhältigen Radioskierintabletten sind auch als Linderungsmittel bewährt und erprobt. Der Radiumgehalt wird amtlich geprüft Kxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxaoooooooo ITreH der Zieeiilee I „Ritus Rathaus" I (Caf6tier Leo Löwy) I Größere und kleine Klublokale I l* Bez.| Wippling ©rstraße 24 I Tel. U 27-4*84, U 2Ö-2-74 | ^aooooooaoooaoaoaooaoQoaoooaooaoooaooo

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