Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 148 (23.10.1930)
- Date
- 1930-10-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 DTE STfMWt Nr. 148 Shiels in Palästina Die Ritualmord-Affäre in der Tschechoslovakei Besuch im Emek Jerusalem, 15. Oktober. (J. T. A.) Am 15. Oktober oesuchte Dr. Shiels die jüdischen Kolonien im Emek jezreel. In der Siedlung Kfar Jecheskiel hielt der Ortsvorsteher Kuschner eine Ansprache an Dr. Shiels, in der er der tiefen Enttäuschung der jüdischen Bevölkerung über den Mangel an Unterstützung ihrer Arbeit seitens der Regierung und der Bestürzung, die die durch die Arbeiterregierung verfügte Einwanderungssperre für Chaluzim hervorgerufen hat, Ausdruck gab. Dr. Shiels erwiderte, es sei allgemein bekannt, daß der Zionismus eine idealistische Bewegung ist und daß die jüdischen Landarbeiter die idealistischesten Träger dieser Bewegung sind. Für die Vision eines neuen jüdischen Lebens, aus der die zionistischen Siedler A\ut und Kraft für ihren Kampf schöpfen, empfinde er persönlich tiefe Sympathie. Die Regierung habe aber auch versprochen, der alten Bevölkerung des Landes zur Seite zu stehen und müsse auch mit den alten Ideen rechnen. Dr. Shiels beglückwünschte die Siedler zu ihren Erfolgen bei der ohne Hilfe der Regierung durchgeführten Trockenlegung der Malaria-Sümpfe von Nuris und gab ihnen gegenüber die Versicherung ab, daß sowohl die englische wie auch die Palästina- Regierung von dem Wunsche beseelt seien, ihnen zu helfen, und allen vorgebrachten Wünschen vollste Aufmerksamkeit zuwenden würden. Dr. Shiels besuchte dann noch die Ruthenberg- Werke, die Kolonien Daganiah und Tiberias. Shiels fordert eine Politik der Mäßigung in Palästina Haifa, 15. Oktober. (J. T. A.) Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, sprach am 12. Oktober in Haifa vor den Vertretern der palästinensischen Presse über die Stellung der englischen Regierung zum Palästina-Problem und die von ihm in Palästina empfangenen Eindrücke. Dr. Shiels führte aus: «Palästina hat im Verlaufe der letzten 15 Monate der Regierung Sr. Majestät besondere Sorgen bereitet. Die Regierung hat dem Palästina-Problem viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Neben der Verfassungsfrage haben sich im Zusammenhang mit Einwanderung und Kolonisation beträchtliche Schwierigkeiten ergeben..Deshalb wurde Sir John Hope Simpson, eine anerkannte Autorität, nach Palästina entsandt, um das Problemen allen seinen Teilen einer sorgfältigen Prüfung za unterziehen. Die hervorragenden Fähigkeiten und die gründliche Sachkenntnis Sir Simpsons haben aufalle Beteiligten den besten Eindruck gemacht. Der Veröffentlichung seines Berichtes wird daher mit Interesse und hoffnungsvoller Zuversicht entgegengesehen. Gleichzeitig mit diesem Bericht wird die Erklärung der Regierung über ihre künftige Politik in Palästina veröffentlicht werden. Die Äufbau- . arbeit, wird dann unter weniger politischen Diskussionen und größerer Konzentration auf wirtschaftliche und soziale Wohlfahrt vor sich gehen können. Die Regierung Sr. Majestät hat bei zahlreichen Gelegenheiten unzweideutig zu erkennen gegeben, daß sie alle aus dem Mandat sich ergebenden Verpflichtungen uneingeschränkt anerkennt, daß sie es ungeachtet der damit verbundenen Schwierigkeiten für möglich hält, das Mandat ln einer allen Beteiligten gerecht werdenden Weise durchzuführen und daß sie auch weiterhin beabsichtigt, alle gegebenen Versprechungen und übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Inhaber: UriCII L* WSZPf ff* 5 Richard Herzog nlLlft u., k\. PfaYrg. 28 TiL A-4t-fl-24 im «/, PREIS wird noch ein Rest von ca. 1000 Stück jüdischen u. hebräischen Schallplatten aber auch moderne Schlager, die nicht mehr in den neuen Katalogen enthalten sind, abgegeben. Nur solange der Vorrat reicht. Wer früher kommt, kauft besser. Ich habe die arabischen Städte und Dörfer besucht und mich von dem ausdauernden Fleiß der Fellachen und ihren Fortschritten in der Landwirtschaft überzeugt. Ich habe auch die alten und neuen jüdischen Kolonien gesehen und einen tiefen Eindruck von dem Idealismus der Siedler und ihren bemerkenswerten Erfolgen empfangen. Ich war ferner in der modernen üdischen Stadt Tel-Aviv, wo eine neu geschaffene Industrie sich machtvoll entwickelt. Die Zahl derer, die hoffnungsvoll in die Zukunft Palästinas blicken, ist in beiden Teilen der Bevölkerung größer, als man auf Grund der Darstellungen in der Presse annehmen würde. Bedeutende urtd einflußreiche Kräfte sind im Lande für die innere Befriedung am Werke. Ich hege die Hoffnung, daß ihren Bestrebungen die Möglichkeit des Erfolges gegeben werden wird. Palästina leidet darunter, daß es allzu sehr im Lichte einer weitgehenden Publizität steht. Ich möchte der Presse Palästinas empfehlen, sich in den Dienst der überwiegenden Mehrheit der Gemäßigten zu stellen, statt die Forderungen der Extremisten zu vertreten.» Zu r größten Enttäuschung der Pressevertreter wich Dr. Shiels einer Beantwortung der an ihn gestellten Fragen über die Absichten der Regierung ln der nächsten Zeit, speziell über die angeblich beabsichtigte Einsetzung eines Parlaments, aus, Indem er erklärte, eine Beantwortung dieser Fragen im gegenwärtigen Augenblick sei untunlich. Nach den Demonstrationen gegen Shiels Haussuchungen beim Brith Trumpeldor Tel-Aviv, 15. Oktober. (J. T. A.) Im Zusammenhang mit den Demonstrationen, die am 9. Oktober gegen den Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, vor dem Palatin-Hotel stattgefunden haben, hat die: Polizei in den Gebäuden des Brith Trumpeldor und. des jüdischen, Schützenvereines. Wissen 'fie es schon f Schuh-Dom bietet noch nie Dagewesenes in Qualität und Preisen. 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Das Hauptbureau der WeUunion der Zionisten-Revisionisten teilt der Jüdischen Telegraphen-Agentur mit, daß es auf Grund zuverlässiger Information durch die revisionistischen Organisationen Palästinas in der Lage sei, mit aller Bestimmtheit festzustellen, daß weder die revisionistische Organisation noch der Brith Trumpeldor in Palästina die Demonstration gegen Dr. Shiels in Tel- Aviv veranlaßt haben. An den völlig spontanen Kundgebungen haben einige hundert Personen verschiedener Parteizugehörigkeit teilgenommen. Unter des sechs Personen, die im Zusammenhang mit der Demonstration verhaftet wurden, befinden sich die Revisionisten Achimeir, Segal, Tagansky und Bendavid. Die Tatsache, daß die Mehrheit der Verhafteten Revisionisten sind, sei darauf zurückzuführen, daß die Behörden gegen die Revisionisten voreingenommen seien. Charakteristisch für diese Einstellung sei auch der Umstand, daß die Gefangenen gefesselt in das Jaffaer Gefängnis gebracht wurden. Die Demonstranten aus der Haft entlassen Tel-Aviv, 16. Oktober. (J. T. A.) Am 15. Oktober wurden fünf Teilnehmer an den Kundgebungen gegen Shiels gerichtlich einvernommen. Nach der Einvernahme, die von 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags dauerte, wurden die Beschuldigten auf Anordnung des High Commissioners auf freien Fuß gesetzt und von der vor dem Gerichtssaal angesammelten Menge mit lebhaften Ovationen empfangen. Unter den Beschuldigten befindet sich der Mitarbeiter des «Doar Hayom», Achimeir, und Mosche Segal, jener junge Mann, der am Jom Kippur an der Klagemauer das Blasen des Schofars verlangt hat. Unter den von der Staatsanwaltschaft geführten Zeugen befindet 'sich Bürgermeister Dizengoff. Ueber die Anklage wegen versuchten Rituatmordes gegen den Uzhoroder Hausierer Moritz Steinberger konnte der JTA.- Vertreter in Karpathorußland folgendes erfahren: Vor etwa zwei Wochen erhielt Steinberger eine Vorladung, vor dem Bezirksgericht in Velka Berezna am 2. Oktober (Jom Kippur) zu erscheinen. Ais er um Verlegung ansuchte, wurde ihm mitgeteilt, daß er strafrechtlich v'^folgt werde. Die Grundlage dieser Verfolgung bilde eine Anzeige der ungarischen Lehrerin Aranka Szöke aus Nova Simera, die noch vor sechs Monaten die Anzeige erstattet hat, daß ihr unbekannte Juden zwei Kindern aus ihrer Schute Blut abgezapft und in einer Flasche aufgefangen haben und dafür den Kindern 50 Heller gaben. Nach längeren Nachforschungen stellte die Gendarmerie fest, daß in der kritischen Zeit Moritz Steinberger in Nova Simera geweilt hat. Die Staatsanwaltschaft erhob nun die Anklage gegen Steinberger auf Grund des § 301 (leichte Körperbeschädigung). Der JTA.- Vertreter, der sich nach Simera begab, konnte dort feststellen, daß der Leiter der Schule, an der die Lehrerin Szöke beschäftigt ist, Pazuchania, die ganze Angelegenheit für Erfindung hält. Beide Kinder, denen angeblich Blut abgezapft worden sei, nämlich das 8jährige Mädchen Bogdan und der 11jährige Vasil Kosta, gestanden in Gegenwart des JTA.- Vertreters ein, daß sie sich die ganze Sache ausgedacht hatten, nachdem sie gehört hatten, daß die Juden Christenkindern Blut abzapfen. Die Mutter des Vasil Kosta erklärte, ihr Sohn sei ein Wildfang, der ihr oft mit dem Messer gedroht habe. Die Kinder gaben auch zu, daß sie von der Szöke instruiert worden waren, was sie den Gendarmen sagen sollten. Auch von halbamtlicher Seite wird zugegeben, daß der untersuchende Beamte in Perecin von Anfang an von den Voraussetzungen der Ritualmordbehauptung ausging. Die Staatsanwaltschaft ging diesen phantastischen Behauptungen nicht aus dem Wege, die Voruntersuchung verzichtete auf das Attest des zuständigen staatlichen Arztes m Perecin und begnügte sich mit dem Zeugnis des Kreisarztes aus Poroskov. Die halbamtlichen Zeitungen stellen fest, daß nach den Aussagen des Schuldirektors die Verletzungen an den Händen der Kinder zur Zeit, als das Ritualmordgerücht aufkam, schon sehr alt gewesen seien und bei dem Knaben davon herriihrten, daß er sich an einer zerschlagenen Fensterscheibe Schnittwunden beigebracht hatte. Alle diese Umstände zogen die Untersuchungsorgane nicht in Betracht. Der Behandlung des Falles vor dem Bezirksgericht in Velka Berezna, die am 20. Oktober stattindet, sieht die jüdische Oeffentiichkeit Karpathorußlands mit gespannter Erwartung entgegen. Beschlüsse des Landesvorstandes der ZV. f. D. Die Situation nach den Reichstagswahlen —- Die Zukunft der deutschen Judenheit mit der der Weltjudenhelt verknüpft — Forderungen an die Gemeinden und Gemeindeverbände — Einberufung einer Konferenz der zionistischen Gemeindevertreter Berlin, 16. Oktober. (J. T. A.) Der Landesvorstand der Z. V. f. D. trat am Sonntag, den 12. Oktober, in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Folgende Beschlüsse werden veröffentlicht: I. 1. Unsere Antwort auf die gegenwärtige Situation der Juden in Deutschland ist das Bekenntnis und der Aufruf zum Zionismus. Der bisher übliche Abwehrkampf hat sich abermals als nutzlos erwiesen. Die deutsche Judenheit ist über ihre wahre Situation aufzuklären: Sie kann nur durch tätige Selbsthilfe ihr Schicksal gestalten und muß erkennen, daß ihre Zukunft mit der der Weltjudenheit eng verknüpft ist. 2, An die Gemeinden und Gemeindeverbände stellen wir folgende Forderungen: Gemeinde und Gcmeindeverbände haben die Rechte der in Deutschland lebenden Juden zu schützen und die gesamtjüdischen Interessen gegenüber den Organen der Gesetzgebung und Verwaltung wahrzunehmen, sie haben den Wirtschaftsantisemitismus zu bekämpfen und demgemäß die sozialpolitische Arbeit in allen ihren Formen auszubauen und die jüdische Wirtschaftshilfe zu fördern. Als wirksamste Gesanitvertretung aller in Deutschland lebenden Juden ist der Reichsverband der deutschen Juden auf demokratischer Grundlage schleunigst ins Leben zu rufen. II. Der Landesvorstand beauftragt die Gemeindekommission, baldigst eine Konferenz der zionistischen Gemeindevertreter aus dem ganzen Reiche nach Berlin einzuberufen. Jtiie orientalischen Ijpcxialiidien am fftosf u. Weil (fifamatxen, JStuscfkJk ResfauranMhllrabell I. £?«*.. NaBjfturtfevtfaaae 0 Jfäcften efte/ StänAeiä ifeUtkew Motel JZotionaO