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Die Stimme · 1930-10-23 · Heft 148 (23.10.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 148 (23.10.1930)
Date
1930-10-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. m UTE STIMME Sett« 3 Das 2lonls(l«fte iandesCtoniUee /fir Ceateneielk rer faut hart; Der zionistische Landesverband für Oesterreich hat gemäß dem Beschluß des Parteirates vom 9. Oktober 1930 von der Aufstellung eigener zionistischer Kandidaten für die Nationalratswahlen vom 9. November d. J. Abstand genommen. Das zionistische Landeskomitee gibt den im Landesverbände organisierten Zionisten die Abstimmung frei und empfiehlt ihnen, von ihrem Wahlrecht so Gebrauch zu machen, wie sie es mit ihrer jüdischen Ueberzeugung vereinbaren können. Ein Gespräch mit Rabbiner Fishman Rabbiner Fishman, Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, der einige Zeit in Wien weilte, um hier als Delegierter der Exekutive des Wclt-Misrachi die Wiener Misrachizentrale zu reorganisieren, gewährte vor seiner Abreise am 20. Oktober der «Stimme» ein Interview, in dem er zu aktuellen zionistischen Problemen Stellung nahm. Als Bevollmächtigter der Exekutive des Welt-Misrachi ernannte Rabbiner Fishman in Wien ein neutrales Komitee, bestehend aus Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Feuchtwang, Rabbiner Friedmann, Dr. Samuel Rappaport und anderen Misrachiftihrern, das Neuwahlen für den Vorstand des Wiener Misrachi vorbereiten und bis dahin die Arbeit des Misrachi provisorisch leiten soll. Rabbiner Fishman begibt sich jetzt nach Polen, Lettland und Litauen, wo er eine Propaganda für die Misrachi-Idee führen wird. Auf die Frage, wie der palästinensische Jischuw den kommenden politischen Ereignissen (Simpsonbericht, Gerüchte über ein Parlament und die bevorstehende Deklaration der britischen Regierung) entgegensieht, antwortete Rabbiner Dr. Fishman: «Wir wiegen uns nicht in großen Hoffnungen, daß Simpsons Bericht für uns günstig sein werde, aber die Juden in der Galuth sollen es wissen: unsere Arbeit in Palästina machen wir nicht von politischen Erfolgen oder Mißerfolgen abhängig. Der jüdische Jischuw — und ich betone es bei dieser Gelegenheit ganz besonders — auch der a 11 e J i s c h u w, ist fest entschlossen, auf seinem Posten auszuharren, und in der Arbeit keine Rücksicht auf England oder die Araber zu nehmen. Als die Türken noch die Herren von Palästina waren, haben wir mit größeren Schwierigkeiten als heute zu kämpfen gehabt, und doch haben wir auch damals gebaut und die Grundlage für die zionistische Tätigkeit geschaffen. An der Verwirklichung unseres festen Entschlusses, Palästina jüdisch zu machen, wird uns keine Macht der Welt hindern können.» «Die palästinensische Judenheit», fuhr Rabbiner Fishman fort, «ist im großen und ganzen nicht revisionistisch gesinnt, aber dennoch kritisiert sie ziemlich stärk die Politik des Prof. Weizmann (wenn die Arbeiterschaft eine andere Einstellung hat, so wurzelt diese nicht so sehr in ihrem Einverständnis mit der Weizmann-Politik, eher in der Bekämpfung des Brith Trumpeldör). Bemerkenswert ist, daß gerade der religiöse Jischuw einen schärferen Kurs verlangt. Dadurch ist auch die Opposition des Misrachi gegen Weizmann bei der letzten Berliner A. C.-Sitzung zu erklären. Ist doch der Misrachi der Vertreter der orthodoxen Zionisten. Die Gegnerschaft gegen den Brith Schalom ist im palästinensischen Jischuw sehr stark.» Wir fragen Rabbiner Fishman, was er von der Tel-Aviver-Demonstration gegen Shiels denke. «Ich bin der Ansicht, daß wir bei jeder Gelegenheit gegen England protestieren sollen, und es ist wirklich schade, daß die mächtige Welle der Protestbewegung gegen England heute abebbt. Allerdings dürfen unsere Protestaktionen nie gewisse kulturelle Rahmen sprengen. Deshalb kann man die letzten Ausschreitungen in Tel-Aviv nicht billigen.» «Wie wird sich die misrachistische Föderation am nächsten, vielleicht schon bald stattfindenden zionistischen Kongreß verhalten?» «Der Misrachi wird unzweideutig den Standpunkt vertreten, daß der Judenstaat, das zionistische Endziel sei. Eine Leitung, die dies nicht anerkennen sollte, wird auf die Unterstützung unserer Fraktion nicht rechnen können. Meiner Meinung nach wird diesen Standpunkt auch die überwiegende Mehrheit des Kongresses einnehmen.» Zum Schluß des Gespräches streifte Rabbiner Fishman die arabische Frage und erklärte: «Die ara- Knabenhort Präfekten sucht für die Nachmittage (wochentg.) tüchtigen jüdischen (PtSfekffn) Zuschriften erbeten unter „F. P.“ an die Administration d. Bl. bische Bevölkerung leidet jetzt sehr stark unter der ökonomischen Krise. Viele Araber wollen Boden verkaufen. Man kann Boden jetzt bedeutend billiger als im Vorjahre erwerben — aber wir haben hierzu keine genügenden Mittel. Daraus soll das Judentum in der Galuth seine Konsequenzen ziehen.» Die neue rumänische Regierung Bukarest, 16. Oktober. (J. T. A.) Senator Doktor Mayer Ebner, Präsident des Generalrates der rumänischen Juden, äußerte sich in einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter über die neue Regierungsbildung in Rumänien wie folgt: Ich sehe in dem neuen Regierungskabinett eine Fortsetzung des früheren und ich glaube, daß Herr Mironescu nur der Platzhalter des später, nach seiner Erholung, wiederkehrenden Herrn Maniu ist Ob nach zwei oder drei Monaten die Situation dieselbe wie heute sein wird, läßt sich nicht Voraussagen. Wahrscheinlich wird sie schlimmer sein, weil die bestehenden Ursachen der Krise sich im Laufe des Winters noch zum Schlechteren auswirken werden, so daß der König sich zu einem Regimewechsel wird ent- TELEPHON U-22-3-59 elzhaus GEBRÜDER BRAININ WIEN, I. . ttauemmeaM 2o schließen müssen, so sehr ihm Neuwahlen unangenehm sein mögen. Vom jüdischen Standpunkt kann ich, ohne die Stellungnahme meiner Kollegen im jüdischen Parlamentsklub präjüdizieren zu wollen, sagen, daß wir im neuen Ministerpräsidenten eine vornehme, den Juden keineswegs unfreundlich gegenüberstehende Persönlichkeit sehen, von der wir wünschen, daß sie die bisherige Methode des laissez faire nicht fortsetze. Erfreulich ist der Wechsel im Innenministerium, das Ausscheiden des Herrn Vaida, der mit seiner Methode der «wohlwollenden Nachsicht» den Antisemiten in die Hände gearbeitet und sich und die Politik der Regierung arg .kompromittiert hat Der neue Minister des Innern, Herr Mihalache, ist eine sehr seriöse, makellose Persönlichkeit. Er wird Vaidas Methode sicherlich nicht fortsetzen. Ob er die Kraft aufbringen wird, gegen antisemitische Exzedenten mit der gebotenen Strenge vorzugehen, wird sich später zeigen. Und die neue antisemitische Hetze Bukarest, 13. Oktober. (J. T. A.) In den Tagen des Regierungswechsels in Rumänien verstärkten die Antisemiten ihre Propaganda. In mehreren Straßen und Kaffeehäusern Bukarests wurden antisemitische Broschüren und Zeitungen zum Kauf angeboten. Es kam als Folge der provokatorischen Haltung und der Reden der in Bauerntracht gekleideten antisemitischen Agitatoren zu lauten Skandalen. Auch aus Bessarabien kommen Meldungen über andauernde cuzistische Agitation. In der Gegend von Hötin verteilten antisemitische Studenten, die im Auto aus Czernowitz gekommen waren, Manifeste unter die Bauern, in welchen die Juden als die Urheber der gegenwärtigen ökonomischen Krise hingestellt werden, Programmatische: Erklärung Mironescus zur Judenfrage Bukarest, 17. Oktober. (J. T. A.) Ministerpräsident Mironescu gab einen Presse-Tee, an dem alle in- und ausländischen Pressevertreter teilnahmen, und hielt bei dieser Gelegenheit die erste Rede als Regierungschef. Mironescu entwickelte das Programm der neuen Regierung und führte mit bezug auf die Juden aus: Die jüdische Minderheit ist die älteste Minderheit in Rumänien, wir haben daher ein besonderes Interesse daran, daß sich die Juden in unserem Lande wohl fühlen. Die Wahlen in Polen Das Uebereinkommeh zwischen Bund und Poale Zion Warschau, 16. Oktober. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, haben die Vertreter der Rechten Poale Zion knapp vor Zustandekommen ihres Waiilpaktes mit den Bundisten an diese die Frage gestellt, ob sie prinzipiell gegen die palästinensische Arbeiterschaft eingestellt seien. Die Bundisten stellten dies entschieden in Abrede und erklärten die Zumutung, daß sie die palästinensische Arbeiterschaft bekämpften, als böswillige Verleumdung. Der «Bund» fühle sich mit den Arbeitern der ganzen Welt einschließlich Palästinas solidarisch. Die Vertreter der Poale Zion gaben sodann der Hoffnung Ausdruck, daß der «Bund» auf Grund der bestehenden Solidarität der jüdischen Arbeiter auf der ganzen Welt die Ideologie der Poale Zion anerkennen werde. Auf diese Bemerkung reagierten die Bundisten weder durch Bestätigung noch durch Protest. Es verlautet, daß die Bundisten in der Zukunft ihren Kampf gegen den Zionismus vor dem Forum der Zweiten Internationale und von der Tribüne des polnischen Sejm aus einstellen und nur noch unter den Massen fortsetzen werden. Fünf jüdische Wahllisten eingebracht Warschau, 17. Oktober. (J. T. A.) Die staatliche Wahlkommission hat 13 eingebrachte Wahllisten bestätigt. Unter diesen sind 5 jüdische Listen, 6 polnische, eine Liste der ukrainischen und weißrussischen Minoritäten und eine deutsche Liste, ln Ostgalizien standen sich zwei zionistische Listen gegenüber, die offizielle der Landesexekutive mit Dr. Osias Thon, Dr. Rosmarin und Dr. Schreiber an der Spitze und eine zweite, die von den Anhängern der Warschauer Griinbaum-Richtung eingebracht worden war. Die Liste der Landesexekutive ist auf Grund von Verhandlungen zwischen allgemeinen Zionisten, Hitachduth und Misrachi zustandegekommen und sieht Kandidaturen von Vertretern aller dieser Fraktionen in einzelnen Wahlkreisen vor. Nach neuesten Meldungen hat sich Grtinbaum entschlossen, die Liste seines Blocks in Ostgalizien zurückzuziehen. Wahlabkommen zwischen zionistischem . Block nnd Deutschen im Lodzer Rayon Warschau, 17. Oktober. (J. T. A.) In Lodz ist zwischen dem zionistischen Block und den Vertretern der Deutschen ein Wahlabkommen geschlossen worden, wonach Juden und Deutsche in einer Reihe von Wahlkreisen gemeinsam kandidieren werden.- Neuerliche antisemitische Ausschreitungen in Paris Paris, 16. Oktober. (J. T. A.) Zum zweiten Maler im Verlauf von wenigen Wochen wurde von Gruppen französischer Royalisten, sogenannten «Camelots' du Roi» der Versuch gemacht, antisemitische Unruhen im jüdischen Viertel von Paris hervorzurufen. Als am 11. Oktober eine Gruppe jüdischer Kriegsteilnehmer vor der am Rathaus angebrachten Gedenktafel für Kriegsgefallene einen Kranz niederlegen wollte, wurde sie von einer Rotte Camelots mit Stöcken überfallen. Die Royalisten versuchten auch, die Fahne der Vereinigung ehemaliger jüdischer Frontsoldaten zu zerreißen. Die jüdischen Soldaten setzten sich zur Wehr, wobei zahlreiche Passanten für die Juden und gegen die Royalisten Stellung nahmen. Die Rowdies erhielten eine ausgiebige Tracht Prügel und wurden schließlich von der Polizei verhaftet. Auf die Bitte der Vereinigung ehemaliger jüdischer Soldaten wurden sie aber bald darauf wiederfreigelassen. Erkältungskrankheiten. Altbewährt sind Togal-Tableften bei Erkältungskrankheiten und als Vorbeugungsmittel gegen Grippe. Zur Verhütung von Erkältungskrankheiten wird Togal mit glänzendem Erfolge angewendet. Die große Beliebtheit des Togal beruht auf vielen ausgezeichneten Erfolgen, die zahlreiche Aerzte und Kliniken damit erzielten. Wir machen unsere Leser ganz besonders auf das Restaurant Mirabell, I., Habsburgergasse 6, aufmerksam (siehe Inserat S. 4), das unter der Leitung des bekannten Küchenchefs Herrn Grünberg (früher Hotel National) steht. In diesem Restaurant werden alle Spezialitäten am Rost und Spieß (Karnatzen, Muschk usw.) besonders schmackhaft zubereitet. Für israelitische Wohlfahrts-(Kultur-)Zwecke stehen vormittags (Klassen, Turnsaal) zur Verfügung. Gefällige Anfragen unter „F. P.“ an die Administration des Blattes rn 1 Verbindet euren Namen u. den eurer Met: en mit Ureas Israel durdi KereB-Kajenetk-Stiflungen!

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