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Die Stimme · 1930-10-23 · Heft 148 (23.10.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 148 (23.10.1930)
Date
1930-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite? DIE STIMME Nr. 148 Auch das werden wir überdauern Gegen die Balfour-Deklaration holt die Labour- Regterung zu einem neuen vernichtenden Schlage aus. Wir brauchen die Lage nicht zu beschönigen: das Versprechen, in Palästina den Aufbau einer jüdischen Heimstätte zu fördern, wurde von England gebrochen. Das ist der letzte Akt der dramatischen Ereignisse, die mit den Augustunruhen vorigen Jahres ihren Anfang genommen haben. Die am 20. Oktober von der britischen Regierung veröffentlichte Deklaration über die Palästinapolitlfif der Mandatsmacht hat die schlimmsten Erwartungen übertroffen. Man wußte, daß die britische Regierung nichts Gutes im Schilde führte. Man ahnte, daß der Simpsonbericht nichts anderes bezwecke, als dem Zionismus schwer zu bewältigende Schwierigkeiten zu bereiten. Aber dennoch hat man es nicht erwartet, daß England so einfach den wesentlichen Inhalt der Balfour-Deklaration mißachten werde. ,, Was hilft die nichtssagende Versicherung, daß England an dem Grundsätze festhalte, die Bildung der jüdischen Heimstätte zu fördern, wenn es anderseits sich verpflichtet fühlt, darüber zu wachen, daß keine Maßnahme unternommen werde, die die Interessen der nichtjüdjschen Bevölkerung schädigen könnte, und wenn man annehmen muß, daß jeder Schritt, der zum Aufbau der jüdischen Heimstätte führt, von England als Schädigung der arabischen Bevölkerung ausgelegt werden wird. Die jüdische Einwanderung wird gehemmt. Der Erklärung vom 20. Oktober zufolge darf die Immigration nicht schneller vor sich gehen, als es mit der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes zu vereinbaren ist. Was das bedeutet, verstehen wir, denn wir wissen, daß es nicht die sachlichen Momente sind, die die Frage entscheiden, ob das Land aufnahmefähig ist oder nicht. Es wird in der Erklärung der Wunsch ausgesprochen, daß die Jewish Agency mit der Palästinaregierung harmonisch mitarbeite, wobei aber festgestellt wird, daß diese Kooperation nicht zu einer Mitwirkung an der Verwaltung des Landes berechtige. Dagegen soll eine Arab Agency geschaffen werden!! Das alte Schreckgespenst einer gesetzgebenden Körperschaft in Palästina wird zur Wirklichkeit. Diese Körperschaft wird aus 22 Mitgliedern bestehen, aus 10 britischen Beamten und 12 indirekt gewählten Vertretern der Bevölkerung. Die Zahl dei jüdischen Mandatare ist in der Erklärung der englischen Regierung nicht angegeben, aber wir glauben, nicht pessimistisch zu sein, wenn wir sie mit höchstens 3 beziffern. Da die britischen Beamten nach der bisherigen Methode in allen wichtigen Fragen eine pro-arabische Stellung einnehmen werden, sind die jüdischen Vertreter von vornherein der Gefahr einer ständigen Majorisierung ausgesetzt. Die Möglichkeiten für weitere jüdische Siedlung werden durch eine Erklärung bezüglich der Landreserve einer politischen Willkür ausgesetzt. Angeblich gäbe es keine neuen Ländereien zur Kolonisierung. Gegen wen ist dieser Passus gerichtet? Gegen den Keren Kajemeth, die einzige jüdische Institution, die bei den verkaufswilligen Arabern um Riesenbeträge brachliegende Ländereien kauft, um sie dem jüdischen Volke als unveräußerlichen Besitz für ewige Zeiten zu übergeben. Unter den Arabern herrscht Arbeitslosigkeit, behauptet die britische Erklärung, und schiebt die Schuld auf die Juden ab*, jüdische Arbeiter wandern ein und jüdische Unternehmer beschäftigen keine Araber. Das heißt: England wird gerne einigen hundert jüdischen Kapitalisten gestatten, ins Land einzuwandern, unter der Bedingung, daß diese Kapitalisten in erster Reihe Araber beschäftigen werden. Und John Hope Simpson erklärt: Von einer Ansiedlung kann vorläufig keine Rede sein. Will man diese in Angriff nehmen, muß vorerst das Land Intensiver bewirtschaftet werden. Bekanntlich aber bewirtschaften die Juden ihren Boden intensiv. So müssen die Araber das Land intensiver bearbeiten, wenn neue Ansiedlerfamilien ansässig gemacht werden sollen. In diesem Falle wäre es nach Simpson möglich, weitere 20.000 jüdische Familien an?usiedeln. Was heißt das? Wir müssen zuerst die Araber zur höheren landwirtschaftlichen Kultur erziehen, um dann, wahrscheinlich Im Laufe von Jahrzehnten, 20.000 Familien anzusiedeln. Zur Stunde, da wir diese Zeilen schreiben, verfügen wir bloß über kurze telegraphische Nachrichten. Wir sind nicht in der Lage, festzustellen, ob in diesen telegraphischen Nachrichten alle we- % sentlichen Punkte des Simpson-Berichtes und der Palästinadenkschrift der britischen Regierung hervorgehoben wurden* Aber schon nach dem ernten Durchfliegen der Hiobsbotschaft muß es jedem Zionisten klar werden: England hat den Versuch unternommen, die jüdische Heimstätte in Palästina, die Verwirklichung der Balfour-Deklaration unmöglich zu machen; England — wohlgenierkt: die Mandatsmacht England, die verpflichtet ist, bei der Verwirklichung des Zionismus zu helfen, tut das Gegenteil. England vertritt den Standpunkt, daß es heute in Palästina nicht dazu da sei, um die jüdische Einwanderung und Ansiedlung zu fördern, sondern um die arabische Bevölkerung vor den Juden zu schützen. Eine jüdische Heimstätte in Palästina ist nach Englands Ansicht bereits vorhanden. England ist entschlossen, den Arabern nicht zu erlauben, diese bereits bestehende Heimstätte zu zerstören; England ist entschlossen, jede Revolte im Keime zu ersticken. Das ist aber auch alles, was England für uns zu tun geruht. Sonst wird es in jeder Hinsicht den arabischen antizionistischen Standpunkt vertreten. Diese niederschmetternde Erklärung hat eine Konsequenz bereits nach sich gezogen: Prof. Chaim Weizmann ist zurückgetreten. Der langjährige und verdienstvolle Präsident der zionistischen Weltorganisation, der stets an England glaubte, und den die Labour-Regierung so arg enttäuschte, konnte keinen anderen weg genen. Er Ist zurückgetreten, um aur diese Weise schärfstens gegen den Wortbruch der britischen Regierung zu protestieren; er Ist zurückgetreten, weil er keine weitere Möglichkeit sieht, mit der gegenwärtigen britischen Regierung zu kooperieren. Ein Kongreß wird bald einberufen werden IQQOOOPQOPQOQOOPOOOOOOOOOOIOOOPOQOOCXXXSO Mßüt der Zionisten im Cafe Jltas Rathaus" (Cafetier Leo Löwy) Großer« »ad klein« Klablokale 1« Bez., Wippllxsgerstraße 24 Tel U 97-4-84, U 26-2-74 QOOQOOOCXXXXXXXXXXXMIOQOOOOOOOOOOOOOOOC und dort in diesem Jüdischen Parlament wird ein Protest, erschallen, wie England noch keinen gehöri hat. Der Zionismus, dje Avantgarde des jüdischen Volkes, wird vor aller Welt erklären, wie England uns irregeführt und betrogen hat. Die Weltjudenheit wird aber nicht bis zum Kongreß warten. wo nur ein jüdisches Herz schlägt, werden Stimmen der berecntigten Empörung und des heiligsten Zornes laut werden. Das jüdische Volk wird Tn seiner Verzweiflung aufschreien, so daß es alle Mächtigen dieser Welt hören werden müssen. Protest, Zorn, Aufschrei und Verzweiflung . . . Aber nicht Hoffnungslosigkeit Eine lebendige Idee kann auch durch eine Erklärung der größten Weltmacht nicht vernichtet werden, Und ein Simpson-Bericht kann ein heiliges Ideal nicht au& den Herzen ausrotten. Eine mit den Mohammedanern liebäugelnde Sozialistenregierung kann die ewige Sehnsucht des ewigen Volkes nicht töten. Etn schwerer Schlag wurde gegen uns geführt. Aber es ist kein vernichtender Schlag. In diesem Punkte haben sich unsere Feinde Immer geirrt. Darin werden sie sich auch jetzt irren. Man kann dem Zionismus schwer zu überwindende Hindernisse in den Weg stellen — aber man kann ihn nicht besiegen. Denn bewußt oder unbewußt lebt er in siebzehn Millionen Herzen eines Volkes, das nicht untergehen will und das nicht untergehen wird und für aas der Zionismus die einzige LebensmögUchkeit bedeutet Die Zionisten der ganzen Welt sollen aus der Lage die einzig richtige Konsequenz ziehen; Verdreifachung, Versiebemachung ihrer bisherigen Arbeit, ihrer bisherigen Anstrengungen. Das gilt ganz besonders für die österreichischen Zionisten. Penn die österreichischen Zionisten haben in den letzteu Jahren vergessen, was das heißt, wirkliche Arbeit für den Zionismus zu leisten. Sie haben vergessen, daß es wichtigere Dinge gibt, als unfruchtbare innere Kämpfe und Streitigkeiten; daß es ein Verbrechen ist, in Momenten der Gefahr uneinig dazustehen und die Energien an kleinliche Differenzen zu vergeuden. Wir in Oesterreich stehen jetzt inmitten einer Wahlkampagne. Die Erklärung vom 20. Oktober zeigt uns mit voller Deutlichke t, wie unsinnig es ist, jüdisches Kapital und jüdische Energie für aussichtslose Unternehmungen, wie es eine zionistische Kandidatur unter den heutigen Verhältnissen in Oesterreich ist, zu verschwenden. Das Gebot der Stunde lautet: Alle Kräfte müssen zusammengenommen werden, um dem wichtigsten Ziel des Zionismus, der täglichen Arbeit für Palästina, zu dienen. Wann wird endlich die Zelt kommen, in der wir die Geschehnisse nicht vom Krähwipkeistandpunkt aus, sondern aus der Vogelperspektive betrachten werden? Müssen wir uns nicht endlich aus unserer Lethargie aufraffen? Eine Armee, die kämpft, erleidet auch Niederlagen. Am 20. Oktober 1030 hat unsere Politik eine schwere Niederlage erlitten. Aber es kann keine entscheidende Niederlage sein. Wir werden weiterkämpfen und wir werden siegen. Im Laufe unserer Geschichte haben wir viel Schlimmes überdauert. Wir werden auch den Simpson-Bericht überdauern. Die englischen Zionisten protestieren London, 22. Oktober, ln einer gestern abends abgehaltenen Versammlung des Vollzugsrates des englischen Ztonistenverbandes wurden Entschließungen angenommen, worin die Haltung der Regierung in der Palfistlnafmge beklagt und das Verhalten Df. We!zmanna durchaus gebilligt wird. Zugleich richtet der Vollzugsrat an alle Zionisten der Welt den Appell, das zionistische Ideal aufrecht zu erhalten, um das Werk der Wiederaulrichtung Israels in dessen altem Vaterland ungestört weiterzuführen. Schärfste Verurteilung durch Warburg New York, 22. Oktober. Die Erklärung der englischen Regierung hat Felix Warburg veranlaßt, sein Amt als Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Jewish Agency niederzulegen. In einer scharfen Begründung seines Schrittes klagt Warburg die britische Regierung eines grausamen und unfairen Gebrauches des Treuhänderamtes an, das Ihr vom Völkerbund übertragen se). Der Kolonialminister Lord Passfield habe ihn irregeführt und weitere Beziehungen zu ihm, wie sie das bisherige Amt Warburgs mit sich bringe, seien unmöglich geworden. Er (Warburg) werde die Gründung eines Interimistischen Notausschuases zur Weiterführung der Geschäfte der Jewish Agency beantragen. Lord Melchett krank London, 17. Oktober. (J, T. A.) Lord Melchett, der Vorsitzende des Council der Jewish Agency, ist nach seiner Rückkehr aus Kanada erkrankt. Er hat sich darum genötigt gesehen, zunächst für drei Wochen jeder öffentlichen Tätigkeit zu entsagen. Er leidet an einer Venenentzündung. Antisemitische Industrie Berlin, 13. Oktober. (J. T. A.) Der «Sportversand» Paul Arend in Sulzbach (Bayern) bietet neben Stinkbomben, Hakenkreuztaschentüchern usw. noch folgende völkische Industrieerzeugnisse zum Verkauf an: Juden- Ulkkarten, Marke Knoblauch: —.10 M.; Freifallrtkarte nach Jerusalem hin und nicht wieder zurück: 0.10 M>; kleines Naziliederbuch mit Judenspottliedern; 0.20 M. Ein Jabotinsky-Jugendheim in TeLAvjv Berlin, 17, Oktober. (J. T, A.) Herr und Frau Direktor Ch. Belllowsky in Berlin haben, wie wir erfahren, aus Anlaß des 50. Geburtstages des Führers der Zlonisten-Revlslonisten, Wladimir Jabotinsky, ein Helm in Palästina für dje revisionistische Jugend w»d für Mitglieder des Brith Trumpeldor unter dem Namen «Jabotinsky-Jugendheim» gestiftet. Das Helm wird nebän den Unterkunftsräumen auch einen $peise*a«i. einen Versammlungssaal und einen Turnsaal enthalten- Die schicken, gut passenden Dorn-Schuhe verleihen Ihrem Aeußeren «inen wohlgefälligen Anblicke Die aus feinstem Material hergestellten, aparten Herbstmo^riSe erfüllen durch ihren vorzüglichen Sitz die höchsten Ansprüche modischer Eleganz. Die zeitgemäßen, niedrigen Preise bei dieser Firma sind stadtbekannt. Sehuh-Dorn, II., Taborstraße 8. Jeder Zionist prüfe, ob er schon den Scbehel für dos Jahr 5690 erworben baff DerScbehefl ist die Voraussefzuntf der Zufehttrtdbelf zur zionistischen OrtfomlsafIon

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