Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 147 (16.10.1930)
- Date
- 1930-10-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ovrro O DIE STIMME Nr. W * f Ich hielt plötzlich iftne — er blickte auf die Uhr. Ein kalter Wind griff durch die Baumkronen. Ich frttetelte ein wenig. Ich wollte aufsteilen; er bat mich, noch sitzen zu bleiben. Vielleicht war der Blick auf die Uhr nur eine Gewohnheit, dachte ich. Aber ich verlor den Faden. Eine Weile war alles still. Dann forschte er wieder: „Fühlen denn alle so wie Sie?** „Menschen sind Welten, sagte ich vorher, wie kann ich wissen, was der andere mit sich herumtrügt Nicht alle haben den giftigen Rausch der Großstadt, diese oberflächlichen Zerstreuungen kennen gelernt, manche empfinden vielleicht an den Sabbattagen eine Leere, greifen mit ungelenken Fingern in ein Fremdes und Beschwerendes und wissen es nicht beim Namen zu nennen. Aber glauben Sie ja nicht, daß dies der Hauptton meines Leben* ist. Manchmal ist unser Sein beschwingt, gerade durch dieses intensive Leben in die Tiere und der Wag, der in das Morgen führt, ist erhellt und klar . . Ich hörte sein Auto nach ihm rufen. Ein wenig verlegen, sagte ich noch: „Die meisten Touristen, die das Land durchfliegen, streifen von den Bergen das helle Sonnenlicht und brechen vom Meer den Schaum der Wellen. Sie haben einen Blick in seine Fluten getan.“ Er lächelte unendlich fein und reichte mir die Hand. Dann stieg er in den Wagen. Aufruf der Exekutive der Wizo an die Gruppen Die Sommermonate, die wie jedes Jahr eine stille Zeit für unsere Arbeit bedeuten, sind nun vorüber und wir müssen daher unsere Tätigkeit intensiver denn je wieder aufnehmen, da Palästina unserer Kräfte heute ganz besonders bedarf. An der Schwelle des neuen Jahres. Ein Dezenium fruchtbarer Wizoarbeit ist vorüber; das beginnende elfte Jahr, das ganz besondere Anforderungen an uns stellt, wird für die Entwicklung unserer Organisation von außerordentlicher Wichtigkeit sein. Es haben sich, wie Sie bereits aus der Presse und unseren Berichten erfahren haben, neue Perspektiven für unsere Arbeit ergeben und da wir überdies innerhalb der Jewish Agency bald eine offiziell anerkannte Steilung einzunehmen hoffen, erwachsen uns neue Verantwortungen und neue Pflichten, die von jedem unserer Mitglieder größte Bereitschaft und Hingabe erfordern. Ueberblick. Die Wizo in Palästina. Die von der Wizo in Palästina gegründeten und die noch in Gründung begriffenen Institutionen — die landwirtschaftlichen Schulen und Mädchenfarmen der Wizo: Nahalal, Neß Ziona, Afule, die Hauswirtschaftsschule, das Hostel in Tel-Aviv, die Gartenbauarbeit, die Entsendung von Wanderlehrerinnen und damit die Ausdehnung des Wirkungskreises der Wizo über das ganze Land; die Säuglingsfürsorge in Jerusalem und Tel-Aviv — haben universelle Anerkennung gefunden, da sie wesentlich dazu beitragen, den Lebensstandard des Jischuw zu heben. Unsere Parole, die wir heute hinaustragen wollen, lautet: Erhaltung und Stärkung der bestehenden Institutionen — Entwicklung und Ausdehnung des gesamten Arbeitsprogramms! Die Wizo in der Diaspora. Es erübrigt sich, über die bisher von der Wizo geleistete Propagandaarbeit in der Diaspora viele Worte zu verlieren. Die Tatsache allein, daß bereits ln 40 Ländern Föderationen und Gruppen der Wizo bestehen, die insgesamt etwa 30.000 Mitglieder umfassen, spricht für sich. Diese Zahl bedeutet aber noch lange nicht das Maximum des Erreichbaren und von der Wizo Angestrebten. In einigen Ländern ist es der Wizo mit Hilfe unserer Föderationen und Gruppen gelungen, einen Kontakt mit noch außenstehenden jüdischen Frauenvereinigungen herzustellen; und wir hoffen, durch intensive Bearbeitung dieser Gebiete mit der Zeit auch jene jüdischen Gemeinwesen zu erfassen, die uns heute noch unerreichbar erscheinen mögen. Ausblick. Hadassah. Vor kurzem fand ln London eine Tagung der Wlzo- Exekutlvc statt, die man mit Recht als historisch beflroBfleisclUiausrel SIEGM. KORNMEHL Zentrale »X, Berggasse 19, Tel. A17-8-99 n. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbtoUunoon^^ unter Aufsicht das Ehrwürdigen Rabbinatt der Israt- UHgchen Kuitusgemeinde Wien aulotutlellung Uoaf«nlO» IX, Berggasse 1> XVUI, Währlngerstraße 97 Wlihalm Sommerfeld, Mtgitlretsrat, Stryj, Polen, Iht gratuliert seinen Praunaen DR. UPPA und AMALIE KANTOR xu Ihren Hoohielteteg am 18. Oktober deutsam bezeichnen kann. Miß Henrietta Szold, ein Mitglied der Zionistischen Palästinaexekutive, die Gründerin und Ehrenpräsidentin der Hadassah, der Zionistischen Frauenorganisation Amerikas, kam nach London, um mit der Wizo-Exekutive und den Vertreterinnen der Hadassah ein von ihr verfaßtes Memorandum über die Zukunft einer Zusammenarbeit der zionistischen Frauenorganisationen der ganzen Welt für Palästina zu diskutieren und auf Grund eines gemeinr samen Programms Richtlinien festzulegen. Hier kam zum erstenmal ln der Geschichte unserer Bewegung das allgemeine Verlangen nach einer Zusammenarbeit aller zionistischen Frauenorganisationen eindeutig zum Ausdruck. Moazath Hapoaloth. Ein weiterer Erfolg unseres letzten Arbeitejahres war der Anschluß der Moazath Hapoaloth in Palästina, die 11.000 Arbeiterinnen erfaßt, an die Wizo. Es ist klar, daß die Wizo durch diese Affllierung, die sich organisch durch die zehnjährige Tätigkeit der Wizo auf dem Gebiet der Erziehung eingewanderter Arbeiterinnen zu produktiver Arbeit im Lande ergab, einen gesteigerten Einfluß auf das gesamte soziale Leben Palästinas gewinnen wird. Kontinentalbund zionistischer Mädchenvereinigungen. Von der Konstitution des Kontinentalbuqdcs zionistischer Mädehenvereinigungen als jugenddezernat der Wizo — die Autonomie des Kantinentalbundes bleibt völlig aufrecht erhalten — haben wir Ihnen bereits Kenntnis gegeben. Kann es einen besseren Beweis für die Lebendigkeit unserer Idee und die Ueberzeugungskraft unserer Arbeit geben, als daß sich die Jugend uns angeschlossen hat und bereit ist, für die Verwirklichung unserer Zukunftspläne einzustehen?! Es ist daher Aufgabe aller Föderationen und Gruppen, dem Kontinentalbund zionistischer Mädchenvereinigun- Danksagung Der Vorstand der Mensa academica, IX., Zimmermannplatz 8, bringt Herrn Josef Rates, Rabbiner und Prediger, XX., Universumstraße 40, die Begeisterung und den Dank zum Ausdruck für seiH an den hohen Feiertagen hier in uneigennütziger Weise abgehaltenes vorzügliches Missuw- Vörbeten und Predigen und wünscht ihm ein Omar Tow. gen bei der Gründung neuer Mädchengruppen weitmöglichst behilflich zu sein. Unsere nächste Aufgabe. Faßt man die Möglichkeiten der Ausdehnung und Entwicklung der zukünftigen Frauenarbeit in Palästina ins Auge, so ergibt sich eine besonders wichtige Aufgabe für unsere Föderationen und Gruppen: ihre Organisationen zu stärken und sie auf eine festumrissene Basis zu steilen, damit sie den Teil der Palästinaarbeit, der den Frauen anvertraut ist, mit der größten Intensität zu leisten vermögen. Die Generalversammlung der Wizo findet am 22. Oktober im CafÄ „Altes Rathaus“ statt Beginn 7.30 Uhr. . Die arbeitende Frau ln Palästina. Mitte Oktober erscheint das von der Weltorganisation zionistischer Frauen berausgegebene Buch von Ada Fischmann: «DU arbeitende Frau in Palästina» ln deutscher Sprache. Ada Fischmann, eine der führenden Frauen Palästinas, gibt eine packende Schilderung des Lebens und Ringens der ersten Pionierinnen innerhalb des Aufbaus Palästinas und führt den Leser in die intime Geschichte der Arbeltcrkolonien ein. Der in Leinen gebundene, reich illustrierte Band ist zum Preise von RM 5.50 durch die Weltorganisation Zionistischer Frauen, 75, Great Russell Street, London W. C. I, zu beziehen. «Zehn Jahre W. L Z. O.» Anläßlich des zehnjährigen Bestandes der Weltorganisation Zionistischer Frauen gibt die WiZO Anfang Oktober eine großangelegte Sammelschrift heraus, die von rrau Dr. Martha riofmann, Wien, redigiert wird. Der über 60 Seiten umfassende Band bringt überaug wertvolles Material aus der Geschichte der Weltorganisation Zionistischer Frauen, von deren ersten Anfängen im Jahre 1920 bis zum heutigen Tage, in Wort und B1W. Die Mitarbeiterinnen sind führende Persönlichkeiten der zionistischen Frauenbewegung in Palästina und in der Qaluth. Die Sammelschriit wird durch die Zentrale der Weltorganisation Zionistischer Frauen in London, 75, Qreat Rüssel Street, W. C. 1 sowie durch die Landesverbände der WIZO für den Betrag von RM 1.— erhältlich »ein. Seidenhaus Breit, Wien, I., Horrengasse Nr. 2 (Ecke Michaelerplatz) bringt in- und ausländische Seidenfabrikate ln hervorragenden Qualitäten zu äußerst mäßigen Preisen. Autobus 111 4, 6, 9. Schuhe bestimmen das Erscheinungsbild der Persönlichkeit. Wollen $ie in Ihrer Umgebung vorteilhaft wirken, so müssen Sie auf Qualität und Paßform Ihr Augenmerk richten. Dornechune erkennt man am ersten Blick, da sie vornehme, schicke und solide Qualitätsware sind. Die Anschaffung dieser Schuhe ist bei den äußerst niedrigen Preisen jedem leicht möglich. Schuh- Dora, II., Taborstraße 8a. Kleine Nachrichten der Woche Dr. Bruno Well spricht ln Paris über che Affäre Dreyfus. Auf Einladung des Club du Faubourg sprach Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil über die Affäre Dreyfus am Dienstag, den 14. Oktober, abends, im größten Saale von Paris, Saal Wagram. Eine Abteäung des JidcBschen wissenschaftlichen Instituts in New York. In einer von 300 Vertretern aus 60 jüdischen Organisationen besuchten Konferenz wurde die Gründung des Jiddischen wissenschaftlichen Instituts beschlossen, dessen besondere Aufgabe es sein soll, die wissenschaftliche Erforschung des jüdischen Lebens in Amerika in Angriff zu nehmen. Die holländischen Mitglieder des Council der Jewjsh Agency. Die permanente Kommission der jüdischen Gemeinde Hollands und der Rat der portugiesischen Gemeinde Hollands haben den Senator S. van den Berg zum Mitglied und den Richter Beneditj zum stellvertretenden Mitgied für Holland in den Council der Jewish Agency gewählt. Antisemitische UeberffiUe auf der U-Bahn. Das sozialdemokratische Hauptorgan «Vorwärts» teüt mit: «Den Nationalsozialisten ist der Sieg, den sie bei den letzten Wahlen errjngen konnten, in den Kopf gestiegen. Tägljcb laufen auf unserer Redaktion Meldungen über Schlägereien ein, an denen Hitler-Anhänger hervorragend beteiligt sind. Neuerdings verlegen die Herrschaften den Schauplatz ihrer Tätigkeit auch in die Untergrundbahn. Wie uns gemeldet wird, griffen die Rowdles am Dienstag etwa gegen 11 Uhr jüdisch aussehende Fahrgäste tätlich an. Die Hitler-Leute entzogen sich wie üblich durch schnelle Flucht der Verantwortung. Per Vorsitzende der Jüdischen Refornigeniefnde zu Berlin, Herr Paul P1 n c u s, vollendet ara 7. Oktober d, j. sein 70. Lebensjahr. Die Berliner jüdische Gemeinde beteiligt sich an der Höfe für Borscha. Die Repräsentantenvcrsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde beschloß in ihrer letzten Sitzung, dem Komitee für die durch den Brand in Borscha Geschädigten eine Beihilfe zu gewähren. In Leningrad verstarb im Alter von 75 Jahren der Professor ara Leningrader Verkehrsinstitut N. B. Bogolavs k i. Bogoslavski, der Jude war, galt schon vor dem Kriege als einer der bedeutendsten BrÜckenbauignenieure Rußlands. Eine Reihe sehr großer Brücken, darunter eine Über die Wolga, wurde von ihm gebaut Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berän erledigte in ihrer Sitzung vom 9. Oktober die Einsprüche betreffend die Wahllisten gemäß der Vorlage des Vorstandes. Dabei wurde festgestellt, daß die Wählerliste zu den am 30. November stattfindenden Repräsentantenwahlen rund 136.000 Namen enthält Geheimrat Hermann Oberneck 76iährig gestorben. Am Dienstag, den 7. Oktober, verstarb im 77. Lebensjahre ln Berlin Geheimer Justizrat Dr. Hermann Qbemeck, der Vorsitzende des Berliner Notarvereines. Geheimrat Dr. Oberneck widmete sich auch intensiv jüdischen Dingen, er war stellvertretender Vorsitzender des Krankenhausvorstandes der Jüdischen Gemeinde. Doppelmord auf einem Jüdischen Friedhof In der Provinz Posen. In Schroda, Wojwodschaft Posen, sind der 77jährige Friedhofswärter der jüdischen Gemeinde, Kisch, und seine 65jährige Frau in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden worden. Die Schränke waren erbrochen und alle Schubkästen durchwühlt. Die Gerichtskommjsslon beschlagnahmte die Leichen und nahm die sofortige Untersuchung auf. Der erste arabische Student an der Jerusalemer Universität Ein Mitglied der Familie Husseini, das an der Beyruter Universität promoviert hat, setzt nun seine arablstfschen Studien an der Hebräischen Universität in Jerusalem fort. Dies ist der erste Fall der Inskription eines Arabers an der Jerusalemer Universität. Eine jüdische Vertretung auf dem Internationalen Frauenschutzkongreß. In einer Konferenz der Jüdischen Delegierten zu dem Internationalen Frauenschutzkongreß, der am 17. Oktober in Warschau eröffnet wird, wurde die Gründung eines Verbandes jüdischer Frauenschutzorganisationen beschlossen. Die Konferenz nahm ferner gegen ein von der Europa-Delegation des Rockefellerschen Hygiene-Institutes der Völkerbundkommission zur Bekämpfung des Mädchenhandels überreichten Memorandum Stellung, in welchem in offensichtlich tendenziöser Weise zahlreiche jüdische Namen als Namen von MädchenhSnalern angeführt sind. Die amerikanisch« Delegation erklärte sich über Intervention von jüdischer Seite bereit, das Namensverzeichnis zu revidieren, wenn fünf prominente jüdische Persönlichkeiten sich dieser Forderung anschließen würden. Während Prof. Albert Einstein und Felix M. Warburg sich dazu bereit erklärt haben, hat Claude Monteflore seine Unterschrift verweigert Die Konferenz hat für den Fall, daß auf dem Frauenschutzkongreß jüdische Interessen berührt werden sollten, den Rechteanwalt Ignacy Baumberg mit der Vertretung des Jüdischen Standpunktes betraut. Wedgwood protestiert die Mandatar macht Colonel Josioh Wedgwood sprach kürzlich in Manchester über Einladung der Jüdischen Literarischen Gesellschaft bei einem Meeting über «Palästina und das Mandat». Er bezweifelte, daß die Juden, welche seinerzeit die Uebernahme des Mandates durch England verlangt hatten, heute noch dasselbe tun werden. Die Juden sind enttäuscht, Er kritisierte die Mandatarmacht, wie er ausführte, nicht nur im Interesse der Juden, sondern hauptsächlich aus Sorge um die Zukunft Englands. Es könne für England nur von Vorteil sein, Freunde In der ganzen WHt zu haben, insbesondere unter den Juden, die, wie England, Gerechtigkeit und Demokratie Hochhalten. Die Betenden des temporären Bethauses der Israelitischen Kultusgemeinde (XX., Dresdnerstraße öl) fühlen sich verpflichtet, dem ihnen von d<*r Kultusgemeinde für die hohen Feiertage zur Verfügung gestellten Prediger, Absolvent der Theologie und Philosophie H, Frostig, für die Ausübung der rabbinlschen Funktionen, Insbesondere für sein« vorzüglichen Predigten, die sämtliche Zuhörer mit Begeisterung erfüllten, aufs herzlichste zu danken. Für die Betenden: Josef Brüll Dawkl Weiß, XX., Mekiemannstraße 19 Sender Schorr, XX., Hellwagstraße 7 Simon Jägermann, XX., Hellwagstraße 7 Pinches Brüll