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Die Stimme · 1930-10-09 · Heft 146 (9.10.1930) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 146 (9.10.1930)
Date
1930-10-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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£ PH STfüMB Nf. 146 mit einer Einführung von B. Diebold, Verlag Htinrlch Keller [Dr. V. Fleischer], Berlin-Wilmersdorf,» 1028, S. 11 ff.) Dem himmlischen Messias, dem Oeiste und de« Guten steht also bei Diebold der Golem als Erde, Nacht, Naturgewalt, rohe Simsonkraft, «Kriegsmaschine» (Diebold) und goldenes Kalb gegenüber. Immerhin könnte man argumentieren, der Golem sei ein «Symbol der Hilfe Gottes» (Bloch, Prager Golem, S. 15), weil der Rabbi zu dessen Erschaffung durch «Worte vom Himmel» (Ebenda, S. 51, 14, 48) bestimmt wird. Mit diesem Rat soll aber nur der Rabbi auf die Probe gestellt werden. Aehnlich willigt Gott ein, daß Hiob und Faust in Versuchung geführt werden. Der glaubensschwache Rabbi erliegt der Versuchung, strauchelt auf dem teuflischen Golem-Weg, vertreibt den Messias und verhindert so den Anbruch des ewigen Friedens. «Wer bringt die Erlösung?» (Moskauer Theater Habima, S. 52), klagt der wahnsinnige Tanchum zum Schluß der Tragödie. Die eigene Schuld bekennend, bekehrt sich aber der Rabbi geläuterten Herzens zur Idee des Friedens. Was diese originelle und kunstvollendete Tragödie im großen lehrt, daß nämlich die Methode der Gewalt letzten Endes vertagt und höchstens einen vorübergehenden Erfolg einbringt, das zeigt sie auch eindrucksvoll im kleinen« Einmal wird der Golem von Männern in einen Brunnen geworfen. «Der Golem bat um Erlaubnis, an den Attentätern Rache zu neunter Doch Rabbi Löw erlaubte es nicht ur.d sagte: «Die Bösewichte werden vom Himmel ihre Strafe erhalten.» Und so kam es.» (Bloch, Prager Golem, S. 150.) Oenau so hätte Rabbi Löw die Belebung des Lehmklumpens unterlassen, auf die Bundesgenossenschaft des Golems im Streite mit Thaddäus verzichten, vielmehr den Weg der Verhandlung und Verständigung, den Weg des geistigen Einflusses auf den Gegner wählen sollen, der gewiß zu einem krönenden Erfolg geführt hätte. Mit Mojech — und nicht mit Kojech, mit dem Schwerte der Schrift — nicht aber mit Simsonkraft an Hand eines «Kriegsplanes» (Moskauer Theater Habima, S. 51) das Judentum zu verteidigen, war seine Pflicht gewesen. Mensch, seiest du Jude oder Christ, wend? dich ab vom Wahne der Gewalt und des Krieges, der dich selbst in den Abgrund stürzt, und beglücke die Erde mit dem Segen himmlischen Friedens, das hämmert uns mit packender Wucht der einzigartige «Golem» ein. Oie Beratungen des Weltkongresses für das arbeitende Palästina Am Vormittag des 28. September*) wurden die Beratungen des Kongresses Im großen Saale des Berliner Logenhaoses bei stärkster Teilnahme von Delegierten und Gästen fortgesetzt Es fiel auf, daß die Fraktion der Linken, Poale Zion, fehlte. Die Delegierten dieser Fraktion waren durch eine Verfügung des durch die Leitung der Hlstadruth repräsentierten provisorischen Kongreßpräsidltmis bis auf weiteres von der Teilnahme am Kongreß ausgeschlossen. Das Koagreßpräsldiutn hatte als Bedingung für deren weitere Teilnahme von der Fraktion eine schriftliche Erklärung verlangt, daß sie fernerhin auf jede Obstruktion verzichten werde. Die Abgabe dieser Erklärung war aber verweigert worden. Bin Gurion eröffnete die Sitzung. Auf Vorschlag Elieser Kaplans wurden in das Kongreßpräsidium gewählt: Bin Gurion, Sprinzak und Kaplansky für die Hitachduth, Shipliakoff und Shlosberg für die amerikanischen Arbeiter, ferner Fritz Naphtali (Deutschland) und Ingenieur Reis (Polen). Den abwesenden Linken Poale Zion wurde ein Sitz im Präsidium reserviert. Es folgte eine Begrüßungsansprache des Dichters Emst Toller, welcher den Kongreß aufforderte, sich durch das Schreiben der Labour-Party nicht täuschen zu lassen. Die wahre Gesinnung der englischen Regierung zeige sich in der Einstellung der jüdischen Immigration. Eingekeilt zwischen arabischem Nationalismus und englischem Imperialismus könne die jüdische Arbeiterschaft ihr Hei! nur von einer wirklichen Bindung mit der arabischen Arbeiterschaft erwarten. Die jüdischen Arbeiter mögen sich nicht durch nationalistische Tendenzen zu einer chauvinistischen Haltung verleiten lassen. Bin Gurion erwiderte, es gäbe nicht nur einen englischen, sondern auch einen russischen, französischen und leider auch arabischen Imperialismus. Palästina sei eines der wenigen Länder, in denen die von Toller geforderte Einheitsfront bestehe. Arthur R u p p i n erstattete sein Referat über «D i e soziale Struktur des jüdischen Volkes». Der Konflikt mit 6er Linken — Ansprachen Hnysmans und Pierards Der Führer der linken Poale Zipn, A b ram owitsch, brachte den seiner Meinung nach unerhörten Vorgang zur Sprache, daß eine Fraktion von 30 Mann ohne Wissen tind Billigung des Kongresses durch das Präsidium ausgeschlossen worden sei. Dies sei nicht einmal in einem bürgerlichen Parlament möglich. Die Disziplinierung der Unken *) Den Bericht über die Eröffnungssitzung brachten wir in der letzten Nummer der «Stimme»- lli Inhaber: Richard Hanif l«t JUMergase« 9 t«i. n-as-4-eo M«, Ki. Pfarra. St Tal. A-41-«-sr Spredimaidilnen, Scliallplcätten u, RundfunkQerftta eile jüdischen und hebräischen Sehsllplttten sowie alle modernsten Tanzu. Qes»ng»»chl*|«r i* reiekeiet AmmMI $at Ltg** Auch Teilzahlungen! Pr ovl«versandt Soeben neue orlginat-uwerlkenieche lie/eruitgen eingeiangi Okkasiona-Verkauf neuer Schallplatten k S 3’8Q *1 Polae Zion möge de« Plenum zur UebCrprtffung vorgelegt werden. Bin G u r i o n erklärte, daß vor erfolgter Konstituierung des Kongresses die Histacjfuth als die Einbcruferin die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung allein tragen und daher diese Verfügung provisorisch treffen mußte. Nach Schluß der Sitzung werde der Kongreß Gelegenheit haben, über den Fall zu entscheiden. Huysmans hielt, lebhaft akklamiert, eine Besgrüßungsansprache und führte aus: Als Sekretär der Zweiten Internationale bin ich seinerzeit gegen den Willen der Vertreter der großen Nationen für die Aufnahme der Poale Zion in die Zweite Internationale eingetreten, weil wir, Vertreter kleiner und unterdrückter Nationen, den Aufbau Palästinas niemals für eine Utopie und die Unterstützung dieses Werkes niemals für unmarxistisch gehalten haben. Auch in Belgien gibt es zwei Nationen. In diesem Sinne ist mein anwesender wallonischer Genosse Pierard der «unterdrückende Araber» und ich selbst bin der unterdrückte Danksagung Der Vorstand der Mensa academica judaica dankt Herrn W i lli G e 1 b a r d für seine uneigennützige Mitwirkung als Vorbeter zu den Hohen Feiertagen und wünscht ihm . ne iö: «arme Jud». Wie es aber Vlämen und Wallonen gelungen ist, ach im Zeichen des Sozialismus zu verbinden, so wird es hoffentlich auch bei Arabern und Juden der Fall sein- Ich hoffe auf die verständnisvolle Unterstützung des Palästina- Aufbaues durch alle sozialdemokratischen Parteien zum Heil des jüdischen Volkes und der Sozialdemokratie. Louis Pierard, Mitglied des vor zwei Jahren in Brüssel begründeten sozialistischen Komitees für Palästina, erstattete ein Referat über «Völkerbund und Palästina-Mandat». Seine Sympathien für den Zionismus datieren seit einer Orientfeise, die ihn zufällig auch nach Palästina führte. Für die traurigen Ereignisse in Palästina sei die Arbeiterregicrung Macdonald nicht verantwortlich zu machen; diese Ereignisse seien die Folge «ines Doppelspiels Englands während des Krieges. Die beiden Teile des Mandats seien miteinander gut vereinbar. Es müsse auf England ein Druck ausgeübt werden, daß es die Bestimmungen des Mandate besser anwende ate bisher. Bdilogang den Konfliktei mit der Linken — Be* gräfrwg seltene der preußischen Stairtsregierung Während der Mittagspause wurden Verhandlungen mit d^r ausgeschlossenen Opposition geführt, welche zur Beilegung dar Differenzen führten. Bei Eröffnung der Naehmrttagssitzung verlas der Vorsitzende Bin Garion nachstehende Erklärung: Die Genossen Oskar Cohn und Ernst Toner sind im Auftrags der Fraktion Linke Poale Zion bei mir erschienen und haben hi Ihrem Namen erklärt, daß diese Fraktion bereit sei, sachlich an den Beratungen des Kongresses auf der Bade Ihres Programme« teHzunehmen. Das Präsidium hat diese Erklärung mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Damit ist diese Angelegenheit erledigt ln das Präsidium wurde Serubowel als Vertreter der Linken Poale Zion kooptiert. Fritz Naphtali verlas ein Schreiben des preußischen Staatsministers für Handel und Gewerbe, der für die Einladung zum Kongreß dankt und ausführt: «Den Arbeiten des Kongresses wünsche Ich bestes Gelingen und hofe, daß seine Beratungen zur Förderung der hohen aoalaleu und kuttureüen Aufgaben heltragen werden, die steh die jftdteehe Arbeiterbewegung ln Palästina nm Biele gecetst hat» Es wurde auch «iu Begrüßungsschreiben des preuAL sehen Kultusministeriums verlesen. Als letzter Redner sprach M. Erem über das jüdische Wanderung» problem. ( I Satman Rnbaschow über die jüdische Arbeiterbewegung, Berl Katzenelson über das jüdisch« Arbeiterwerk In der Sitzung vom Montag, den 29. September, vormittags, erschienen, vom Vorsitzenden und den Kongreßmitgliedern herzlich begrüßt, das Mitglied des britischen Unterhauses Colonel Cecil Malone und Frau Malone im Saal. Salman Rnbaschow erstattete sein Referat über «Die jüdische Arbeiterbewegung in allen Ländern». Die jüdische Arbeiterbewegung ist kaum mehr als 30 Jahre alt. In ihren Anfängen war sie im wesentlichen auf Rußland beschränkt und stand Palästina vollkommen ablehnend gegenüber, ln 30 Jahren hat die jüdische Arbeiterbewegung eine Umgestaltung ihrer Grundlagen und eine Ausbreitung über die ganze Welt erfahren. Das Gefühl der Verbundenheit mit Erez Israel wurde in dieser Zeit ebenfalls gestärkt, und es Hegt diesem Kongreß die Aufgabe ob, den Kampf zwischen Palästina bejahenden und Palästina gegnerischen Arbeitern zu beenden. Die Errichtung politischer Machtpositionen war der jüdischen Arbeiterschaft nur in besehrinktem Umfang möglich. Sie konnte sich wohl dort, wo sie in größeren Mengen konzentriert war, also in den Städten, maßgebenden Einfluß in den Vefwaltungskörpem sichern, der Zugang zur Macht im Staate war ihr aber naturgemäß verschlossen. Notgedrungen nahm sich daher das Machtstreben der jüdischen Arbeiterschaft die Hegemonie in der jüdischen Nation, zum Ziele. Damit wurde einerseits die Lösung vom jüdischen Volkskörper, die seinerzeit den Gegenstand der berühmten Diskussion zwischen Smölenski und Liebermann gebildet hatte, vermieden und anderseits die spezifisch-jüdische Form der dritten sozialistischen Hauptkraft, der Kraft des erlösenden Ideals, durch Verknüpfung mit der Palästina-Idee gefunden. Die kommunistische Spaltung, von der die gesamte Arbeiterbewegung betroffen wurde, hat auch die jüdische Arbeiterbewegung nicht verschont. Ein Teil der aktivsten und revolutionärsten Elemente der Bewegung steht heute unter der Führung der Jewsekzija im Lager des Kommunismus. Es ist bedauerlich, daß dieser Teil der jüdischen Arbeiterbewegung, der sich vom lebendigen Volksorganismus losgelöst hat, trotz seiner Aktivität und zahlenmäßigen Größe notwendig ohne Bedeutung für das Volksganze bleiben muß. Bert Katzenelson gibt in seinem Referat über das jüdische Arbeiterwerk in Palästina eine Darstellung der revolutionären Motive der Arbeiterkolonisation, welche eine Revolte war gegen die Galuth, gegen das Leben von Händlern und Luftmenschen, aber auch eine Revolte gegen einen Zionismus, der keine Gelegenheit zu persönlicher Tat geben konnte, sowje eine Revolte sogar gegen die sozialistisch-zionistischen Parteien, insofern ihre Tätigkeit eine bloß politische und theoretische war. Ohne jüdische Arbeiterschaft wäre das Araberproblem heute noch viel schärfer, denn dann würde der Gegensatz zwischen Juden upd Arabern sich decken mit dem Gegensatz zwischen arbeitender und ausbeutender Klasse und eine Versöhnung der beiden Bevölkerungselemente wäre unmöglich geworden. Besondere Bedeutung für die Ermöglichung einer sozialistischen Kolonisation haben die Finanzinstitute des Zionismus. In der blauen Büchse des Nationalfonds liegt ein Stück Befreiung der Arbeiterschaft Der Keren Hajessod Ist nach einem Ausdruck Syrkins dazu bestimmt, das sozialistische Budget für Palästina zu werden. Sprinzkk über zionistische Bewegung und jüdische Arbeiterschaft — Malone überbringt die Grüße der englischen Arbeiterschaft — Kaplansky über die Aufnahmefähigkeit Palästinas Ia der Nachmittagssitzung vom Montag hielt Joseph Sprinzak sein Referat über die zionistische Bewegung und die jüdische Arbeiterschaft. Stürmisch begrüßt ergriff sodann Colonel Cecil Malone, Mitglied des englischen Unterhauses, das Wort: Ich begrüße, sagte er, den Kongreß Im Namen der englischen Arbeiterschaft Die Jugend, welche im Saal so zahlreich vertreten ist, bietet die Gewähr für das Gelingen eures Werkes. Pie Bourgeoisie weist mitunter auf das Interesse hin, das England an Palästina wegen dessen strategischer Bedeutung als Luftflottenstützpunkt und Schutewall des Sueekanels haben müsse- Wir englischen SotfnJIsten ftttertesferen uns für Palästina nicht aus diesem Grunde, sondern well wir ln der Errichtung eines jüdischen Nationalheil»* die Verwirklichung eines Menscbbeltaldeals sehen« Ich teile vollkommen die Ansichten, welche Harry Sneti in seinen Bemerkungen zum Shaw-Bericht ausgesprochen hat. ebenso bin ich mit der Kritik der Mandatskommission des Völkerbundes an der palästinensischen Verwaltung einverstanden. Die bisherige Arbeit der Histadruth erfüllt uns mit Befriedigung und wir hoffen, daß England, welches eine der besten Sozialgesetzgebungen der Welt hat, als Mandatarmacht dafür sorgen wird, daß auch in Palästina eine solche Gesetzgebung getroffen wird. Möget ihr, wenn ihr von hier ln eure Heimat zurflekkehrt, euch der Sympathien nicht nur eurer jüdischen Klassengenossen, sondern aller Sozialisten für den Palästina-Aufbau versichert haben. Ing. S. Kaplansky führte in seinem Referat über die Aufnahmefähigkeit Palästinas aus: Das Mandatsgebiet besteht aus dem von der Mandatsregierung direkt verwalteten Westpalästina und dem Ostjordanland, dessen Verwaltung durch einen besonderen Vertrag dem Emir Abdullah übertragen wurde. Doch sichert das Mandat dsn Juden auch in diesem Gebiet die Freiheit wirtschaftlicher und kolonisatorischer Betätigung. Von den in Westpalästina gegenwärtig vorhandenen 12% Millionen Dunam anbaufähigen Bodens sind 2% Millionen nicht bebaut, 9 MB-

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