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Die Stimme · 1930-10-09 · Heft 146 (9.10.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 146 (9.10.1930)
Date
1930-10-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 0!t STIWKfe Nr. 146 Die Bedeutung und die Ergebnisse des Weltkongresses für das arbeitende Palästina Scharfe Absage an die Revisionisten und den Brith Schatom — Schaffung einer Weltliga für das arbeitende Palästina Ans einem Gespräch mit dem Führer der palästinensischen Arbeiterschaft D. Bin Gttriott. (Von unserem Sonderberichterstatter Dr. Jacob Rosenthal). Berlin, 3. Oktober. Ihr Berichterstatter hatte sofort nach Beendigung des Kongresses Gelegenheit, mit dem bekannten Führer der palästinensischen Arbeiterschaft, D. Bin Gurion, ein längeres Gespräch zu führen, in dessen Verlauf er sich über die besondere Bedeutung des Kongresses wie folgt äußerte: Was diesen Kongreß aus der Reihe aller anderen politischen Kongresse besonders hinaushob und seine Eigenheit ausmachte, war vor allem die Tatsache, daß er eine Vereinigung der ältesten heute noch lebenden Sozialisten, deren Repräsentant Eduard Bernstein ist, und die bis vor kurzem für die zionistische Bewegung nicht das geringste Interesse zeigten, und der jüngsten jüdischen sozialistischen Jugend aller Länder darstellte. In diesen» Sinne der Vereinigung ältester und jüngster Kräfte innerhalb der sozialistischen Tradition stellte der Kongreß eine einzigartige Erscheinung unserer Zelt dar; Von größter Wichtigkeit war die weitere Tatsache, daß dieser Kongreß eine so ungeheuer große Zahl jüdischer Arbeiter vereinigen konnte. Es bestand wohl kein Plan eines ausschließlichen Arbeiterkongresses, da die Ueberzeugung vorherrschte, daß das Gelingen des Palästina-Werkes nicht von denen allein abhängt, die jetzt schon als Pioniere in der vordersten Front stehen, sondern von der tätigen Mithilfe aller Schichten des Volkes. Also hai sich dieser Kongreß nicht ausschließlich an die jüdische Arbeiterschaft gewandt, wenn auch der jüdische Arbeiter in Palästina den Kern des Aufbauwerkes bildet. Großes Gewicht hatte man auf die Gewinnung jener weit abseits stehenden Teile des jüdischen Volkes gelegt. Es ist in dieser Hinsicht mancher Erfolg erzielt worden, vor allem in Amerika. Dort haben sich die mächtigen jüdischen Gewerkschaften mit dem jüdischen Arbeiterwerk in Palästina solidarisch erklärt. Weniger Erfolg war nns in Polen beschieden: der «Bund», der noch immer eine große Zahl von Anhängern in der jüdischen Gasse hat, verharrt hach wie vor im Dunkel der Vorurteile gegenüber dem Palästina-Aufbauwerk. Trotzdem war dieser Kongreß die größte und mächtigste jüdische Arbeiterkundgebung seit Bestehen der jüdischen Arbeiterbewegung. Was dem Kongreß den allweltlichen Charakter gab, war nicht bloß die formelle Vertretung aus 24 Ländern, darüber hinaus bewies er vielmehr, daß das Interesse und die Anteilnahme für das zionistische Aufbauwerk in Palästina über alle Grenzen hinweg eigentlich . unbegrenzt sind. Männer aus Afrika lind Amerika, aus Ost und West, aus der alten und der neuen Welt fanden sich hier zur gemeinsamen Arbeit, für ein gemeinsames Ziel. Das politisch vielleicht wichtigste und für die zionistische Bewegung bedeutungsvollste Moment des Kongresses war die große und starke Anteilnahme der nichtjüdischen sozialistischen Welt Es war der erste jüdische Arbeiterkongreß, an dem die Beteiligung von Persönlichkeiten des westeüropälschen Sozialismus außergewöhnlich groß war. Die britische Lahour-Party war durch eines ihrer wichtigsten und angesehensten Mitglieder vertreten und sandte außerdem ein Schreiben im Namen dfei Partei. Die französische sozialistische Partei wa» durch Jean Longuet und durch ein Schreiben Leon Blums vertreten, des Gründers des sozialistischen Komitees für das arbeitende Palästina. Die belgische sozialistische Parte: Entsandte zwei Vertreter, Louis Pierärd und Camille Huysmann, den früheren Sekretär der zweiten Internationale und alten Fürsprecher und Freund des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina. Ebenso war die deutsche Gewerkschafts- und Sozialistenbewegung durch eine Reihe von Persönlichkeiten vertreten, wie Toni Sfcrider, Mathilde Wurm usw. In diesem Zusammenhänge verdient die Tatsache erwähnt zu werden, daß auch Oesterreich durch keinen Geringeren als Prof. Sigmund Freud und von der jüngeren sozialistischen Generation durch Julius Braunthal vertreten war. Größte Bedeutung hat auch der Kongreß uha seine Beschlüsse für die innerzionistische Bewegung. Zum erstenmale wurde vor einem großen Forum die zionistische Idee nicm von Menschen vertreten, die bloß eine abstrakte und theoretische Beziehung zur Bewegung haben, sondern von Pionieren, die seit Jahrzehnten in der Front der tagtäglichen Aufbauarbei. in Erez-Israel stehen, von Menschen, die ihre Erfahrungen haben, die alle Schwierigkeiten kennen und die schon vor 25 Jahren den Weg zur Ueberwindung dieser Schwierigkeiten gewiesen haben. Die Frage der Verwirklichung des Zionismus bildete den Schwerpunkt des Kongresses. Diese hat auch dem Inhalt des Kongresses ihren Stempel aufgedrückt. Es ist klar und deutlich auf diesem Kongreß gesagt worden, daß der Zionismus der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina nichts zu tun habe mit der revisionistischen Phraseologie, die das Hauptgewicht auf politische Verhandlungen mit der Mandatarmacht legt; daß ihn nichts mit dem Brith Schalom verbinde, dem vor lauter Schwierigkeiten des Araberproblems der Horizont verdunkelt wird, der die vitalen Interessen und die Zukunft des jüdischen Volkes in Gefahr bringt. Es kam auf diesem Kongreß deutlich zum Ausdruck jener Zionismus, der aus den historischen Notwendigkeiten des jüdischen Volkes fließt, der sich auf die schöpferischen Kräfte des Volkes stützt, der aus dem zentralen Faktor der Verwirklichung des Zionismus den Willen der jüdischen Massen erblickt, dessen Avantgarde die jüdische Arbeiterschaft ist; jener Zionismus, dej politischen Kampf und politische Aufklärung in Eng Iand und in aller Welt, wie auch progressive Zusammenarbeit mit den arabischen Massen in Palä- Danksagung Der Vorstand der Mensa academica judaica dankt Herrn Rabbiner und Prediger Jo s e f R a t e s für seine uneigennützige Mitwirkung als Vorbeter zu den Hohen Feiertagen und wünscht ihm stina wohl voraussetzt, der aber diese zwei Faktoren für sekundär hält und vielmehr die politische Einflußnahme auf England und die Möglichkeit einer friedlichen Zusammenarbeit im Lande selbst vor allem von der Stärkung der wirtschaftlichen Position im Lande abhängig sieht Außer der demonstrativen und ideologischen Seite des Kongresses hat besondere Bedeutung der Beschluß über die S c h a f f u n g eine r W e 11liga für das a r b e i t e n d e P a I ä s t i n a. Aufgabe dieser Weltliga wird es sein, alle Sympathien und Kräfte, welche in weiten Kreisen arbeitender Massen für den Aufbau eines arbeitenden Palästina vorhanden sind, zu kristallisieren und sie zu einer aktiven, organisierten Körperschaft zu machen, welche selbständige Energien für aas Aufbauwerk in Palästina entfalten soll, so wie die Zusammenfassung politisch-gesellschaftlicher Kräfte, die sich an der Verwirklichung des zionistischen Werkes beteiligen wollen. Die Schaffung der Weltliga bedeutet keinesfalls ein Konkurrenzunternehmen für die zionistische Weltorganisation oder für die Jewish Agency, Die Histadruth, die palästinensische Arbeiterorganisation, die den Zentralpunkt der Ligaarbeit darstellcn wiio, ist formell nie an der zionistischen Organisation beteiligt gewesen und wird es auch weiter nicht sein. Es ist wohl bekannt, daß. ein großer Teil de» jüdischen Arbeiter Palästinas aktiv an der zionistischen Organisation und der Jewish Agency mitarbeitete und dies wird auch weiter der Fall sein. Gleichzeitig aber wollen die jüdischen Arbeiter Palästinas in größerem Maßstabe auch ihre selbständige Tätigkeit fortsetzen, die sie bis nun aut wirtschaftlich-kulturellem Gebiete in Palästina und auf politischem in der Arbeiterbewegung und aut erzieherischem Gebiete innerhalb des jüdischen Volkes, insbesondere innerhalb der Jugend, entfaltet hat. Es ist zu erwarten, daß die Liga durch die demokratisch-gesellschaftlichen Kräfte, die sie aus dem jüdischen und allgemeinen Arbeiterleben zieht, auch zur Demokratisierung der Jewish Agency führen und sie zu einem wirklichen Volksorgan für den I Aufbau Palästinas machen wird. BLAIMOBBXITO "TCD Pflanzen-Margarine TERNO Unerreicht ln Qualität und Preis! Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S. Fürst Sarf In keinem JAdleohen Haushalt fehlen! U eher all erhältlich! KARL BLAIMSCHEINS Vereinigte Margarine- und Butterfabriken, Wien, XIV., Diefenbachgisse 59 Glossen Halsmanns Abschied Philipp Halsmann hat von Oesterreich Abschied genommen. Seit einigen Tagen befindet er sich jenseits der österreichischen Grenzen. Wir glauben nicht, daß ihm dieser Abschied schwer gefallen ist. Es gibt einen Moloch, der heißt Paragraph. Der unglückliche Student aus Riga hat im Laufe der letzten zwei Jahre am eigenen Leib vefspürt, was es heißt, ins Netz der Paragraphen zu geraten; wie fürchterlich es ist, durch die unbarmherzige Maschinerie der Justiz festgehalten zu werden; und wie unglücklich man werden kann, wenn man dem zermalmenden Paragraphen erbarmungslos ausgeliefert wird. Es ist jetzt keine geeignete Zeit, alte Wunden aüfzureißen; an das erste. Innsbrucker Urteil, das unter dem Druck der antisemitischen Hetzpropaganda zustande gekommen ist, und an das zweite, in dem die Geschworhen ihr «Schuldig» gesprochen haben, trotzdem die ganze Ueffentlichkeit von Halsmanns Unschuld überzeugt war, zu erinnern. Gott sei Dank hat die Leidensgeschichte des jungen Haismann endlich ein Ende. Am letzten Tage vor dem Rücktritt hat die Schober-Regierung dem ‘ Bundespräsidenten den Begnadigungsakt unterbreitet. Bundespräsident Miklas hat diesen Akt unterzeichnet, und dafür sind ihm aUe Menschen dankbar, denen der Gedanke, daß in Stein ein unschuldig Verurteilter schmachtete, unerträglich war. Aber nachdem man die menschliche Stimme eines Menschen vernommen hat, begann ein Paragraph zu wüten; ein Paragraph, der besagt, daß in Oesterreich verurteilte Ausländer sofort nach der Entlassung aus dem Kerker an die Grenze abzuschieben sind. Ein derartiger Paragraph besteht Und wie alle anderen Paragraphen ist er eben Gesetz. Aber man muß sich dennoch fragen, ob man nicht trotzdem einmal eine Ausnahme machen konnte. Man muß sich fragen, ob es nötig war, die paar Tage, die Philipp Halsmann schon als Freier in Oesterreich zu verbringen hätte, ihm bitter gemacht werden mußten. Ob man nicht ausnahmsweise auf Internierung, Reise unter Gendarmeriebedeckung nach Wien, Schubhaft und Abschiebung hätte verzichten können. Was für einen Nachteil hätte eigentlich der Staat gehabt, wenn es diesem lungenkranken Menschen erlaubt gewesen wäre, sich zwei, drei Tage der Sonne zu freuen? Auch unter dem österreichischen Himmel ... Nein, es wurde keine Ausnahme gemacht. Philipp Halsmann ist eben ein begnadigter Verbrecher, sagt der Paragraph, nichts anderes. Und er muß genau so wie alle anderen freigelassenen Verbrecher behandelt werden. Das war Halsmanns Abschied von Oesterreich, vom Lande, in dem er die unglücklichste Zeit seines Lebend verbrachte. Der Moloch des Paragraphen hat es zustande gebracht, daß ihm dieser Abschied zwar nicht schwer, dafür aber bitter gemacht wurde. S. I' Die polnische Regierung kauft die Tabakernte Palästinas W a r s c h a u. (J. T.-A.) Die polnische Regierung hat wie im Vorjahre so auch in diesem Jahre die gesamte Tabakernte von Obergaliläa zur Verv/ertung durch die amtliche Tabakregie erworben. Der Kaufpreis beträgt 40 Pence pro Kilogramm gegen 38.8 Im vergangenen Jahre. Tagung des Conseil der J. C. A. Paris. (J. T.-A.) Der Conseil der Jewish Colonisation Association (J. C. A.) trat, in Verbindung mit der Generalversammlung, unter dem Vorsitz von Sir Leonhard Cohen, London, hier zusammen. Auf der Tagesordnung standen eine Reihe von kolonisatorischen und kulturellen Fragen, betreffend Brasilien, Palästina, Kanada, Uruguay, Polen, Bessarabien, Bukowina und Rußland. Einen besonderen Teil der Tagesordnung bildeten Fragen der Emigration und Immigration. Für eine Reihe von' kolonisatorischen Unternehmungen wurden die Budgets festgesetzt und Kredite bewilligt Die nächste Sitzung des Conseils soll Im Dezember in Paris stattfinden. Jeder Zionist übernehme an 2 HOC für das neue Jahr 5691 ein 114110 Selbstkonfingent des Keren Kajemethl

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