Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 146 (9.10.1930)
- Date
- 1930-10-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 146 PIE STUDIE Sette 3 M. M. Ussischkin in Wien Der Präsident des Keren Kajemeth, M. M. Ussischkin, weilte von Dienstag» den 30. Septem* Ser, abends bis Sonntag vormittags in Wien. Er kam aus Prag, wo er an der Landeskonferenz des Kereh Kajemeth teilgenommen und einen großen Erfolg erzielt hatte, hierher. Gelegentlich seines Aufenthaltes ln unserer Stadt-nahm das Zionistische Läntfcakomitee, vertreten durch seinen Präsidenten, Herrn Dr. Grünbaum, und durch Herrn Dr. Steinberg, Gelegenheit, ihn über den Stand der zionistischen Bewegung in Oesterreich zu informieren. In Anwesenheit des Herrn Ing. Ussischkin fand eine Sitzung der Landeskommission des Keren Kajemeth in Oesterreich statt, bei welcher Herr Ussischkin die an ihn gestellten Fragen, den Keren Kajemeth und die Lage in Palästina betreffend, ausführlich beantwortete. Er erkundigte sich auch eingehend nach der KK-Arbeit in Oesterreich» sprach seine Zufriedenheit mit dem Erfolg des letzten Jahres aus, verlangte jedoch intensiveres Arbeiten, um den Keren Kajemeth in die Lage zu verhetzen, seine großen Ziele zu verwirklichen. Ussischkin konnte mitteilen, daß er in der Tschechoslowakei einen großen Erfolg für den Keren Kajemeth erzielt hatte. Er betonte überall, daß die Lösung der zionistischen Frage in erste» Linie von uns Juden allein abhinge; die Politik sei von großer Bedeutung und sie müsse mit aller Intensität verfolgt werden, aber in erster Linie komme es auf die eigenen Leistungen des jüdischen Volke* an. — Ussischkin besuchte gelegentlich seines Aufenthaltes in Wien auch den ersten Direktor des Keren Kajemeth, Herrn Ing. Johann Kremenezky, und besprach mit ihm eine Reihe von KKL-Fragen. — Samstag abends fand eine Aussprache mit Ussischkin, im Handelsmuseum statt, zu der die Männer, die an der Spitze der verschiedenen zionistischen Institutionen und Gruppen stehen, geladen waren. —• Sonntag vormittags verließ Ussischkin mit seiner aus Berlin angekommenen Gattin Wien, um sich nach Bukarest zu begeben. Von dort wird er seine Heimreise nach Palästina antreten. Im Dezember will er seine längst geplante Amerika-Reise durchführen. — Ussischkin hat seinen unerschütterlichen Glauben an den Erfolg unserer Bewegung voll und ganz bewahrt. Er hatte während seines Aufenthaltes Gelegenheit, sich von der Achtung, Sympathie und Liebe, die ihm in allen Wiener zionistischen Kreisen entgegengebracht werden, zu über-, zeugen. Aussprache mit Ussischkin Trauerkundgebung für Max Markus* Samstag, den 4. Oktober, fand im Oesterreich!- schen Handelsmuseum eine Versammlung statt, zu der die Vertrauensmänner der- Organisation wie auch andere führende Zionisten unserer Stadt eingeladen worden sind. Der Präsident des'Zionistischen Landeskömitees, Dr. Oskar Grünbaum, hielt dem verstorbenen Gesinnungsgenossen Kommerzialrat Max Markus eine kurze Trauerrede. In schlichten Worten würdigte der Redner die Person des Verstorbenem, der bis zu seinem letzten Atemzug für die zionistische Sache gearbeitet hat und der immer bereit war, seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, wenn man ihn rief. Das imposante Leichenbegängnis wie auch die Trauerkundgebung im Seitenstettenteinpel beweisen, in welch großem Maße Max Markus sich der Verehrung und Wertschätzung nicht nur der Zionisten, sondern auch aller anderen Wiener Juden erfreute. «Wir wollen heute geloben», schloß Dr. Grünbaum, «daß Max Markus immer ein Vorbild für uns bleiben werde.» Die Trauerrede des Dr. Grünbaum wurde von den Anwesenden stehend angehörtr Dann wurde eine kurze Pause eingeschaltet, um den Versammelten Gelegenheit zu geben, Beiträge für die Eintragung Max Markus’ in das Goldene Buch des Keren Kajemeth zu spenden. 4 Hierauf begrüßte Dr. Grünbaum im Namen des Keren Kajemeth und des Landeskomitees den Gast aus Palästina, M. M. Ussischkin, und ersuchte die Anwesenden, Herrn Ussischkin Fragen zu stellen, die dieser dann beantworten wollte. Aus der Fülle der Fragen und Antworten verdienen einige von Ussischkin in seiner gewohnt lakonischen Art stark beleuchteten Punkte beson« ders hervorgehoben zu werden: «Die arabische Frage», meint Herr Ussischkin, «wird in der ausländischen Presse maßlos übertrieben, ln Palästina selbst aber gibt es keine arabische Frage — es gibt nur eine englische Frage. Fellachen sind utilnformiert und Fellachen machen 90 Prozent der arabischen Bevölkerung aus. Und was die übrigen 10 Prozent betrifft: 5 Prozent werden «ich mit uns nie verständigen, denn sie sind: Jdeall* sten, die gegen den eurojpgischen Geist sind und demzufolge auch gegen Juden 'sein müssen. Die letzten 5 Prozent aber sind Menschen, für die antijüdische Politik ein Objekt für ihre persönliche Karriere ist, — das sind (fit Hetzer, die bei der Regierung Schutt finden.» Auf die Frage, ob es eine Möglichkeit gäbe, die Regierungsböden zu bekommen, äußerte sich Ussischkin nicht besonders optimistisch: «Man spricht darüber schon viele Jahre, ohne daß wir etwas erreicht haben; selbstverständlich müssen wir verlangen, daß man uns diese Böden gebe, aber sich darauf verlassen, hieße einen Selbstmord begehen. Wir können vorderhand nur mit eigenen Kräften rechnen und wir müssen größtmögliche Anstrengungen machen, üm eine Bodenreserve zu schaffen.» Im Zusammenhang damit streifte Ussischkin auch das transjordanische Problem, Zweifellos . gibt es in Transjordanien riesengroße brachliegende Ländereien und die dortigen Effendis wären auch gerne bereit, den Boden zu verkaufen. Nun ist aber dort der Bodenkauf verboten. In Palästina dagegen kann man nach wie . vor sehr viel Boden kaufen. Arabische Großgrundbesitzer, Effendis, die gestern noch bei antijüdischen Protestresolutionen mitgestimmt haben, kommen heute zu uns und bieten uns ihre Böden an. Wie es In der Zukunft sein wird, kann man nicht voraussehen, Eines steht fest: es wird schlimmer sein, als es heute ist Irgendwelche Beschränkungen beini Bodenkauf, die gesetzliche Kraft erlangen werden, sind nicht ausgeschlossen. Deshalb gilt es jetzt, alle Anstrengungen zu machen, um möglichst rasch eine möglichst große Bodenreserve zu schaffen.» \ M. M. Ussischkin stellte, eine Frage beantwortend, fest, daß heute die Sicherheitsverhältnisse im Lande ausgezeichnet seien. Warum? Weil die Regierung es wünscht. . Hätte die Palästina-Regie- Sei Mltattgsdhanttetteit, rljettma* iifdjen gtdjiijdjen unb nertoßfen ©dimergen finb £ogaf« Tabletten unübertroffen. 2ogat febeibet bie §arnfäure aus unb gebt ba$er bireft sur ÜBtmel beS Hebels, fragen «Sie Sljtftt 9Ltjt —• 3n allen Äpot|efen. — © 2.40 rung vor einem Jahre dieselbe Energie aufgewiesen, so wäre es nicht zu den Unruhen gekommen. Das Klagemauerproblem ist noch immer nicht gelöst. Die internationale Kommission befaßt sich mit dieser Frage und soll bald ihre Entscheidung treffen; Wie diese (Entscheidung Ausfallen wird, können wir nicht wissen. Jedenfalls wird sie besser ausfallen, als wenn die Regierung diese Entscheidung treffen würde. Nach seiner Meinung über Simpson befragt, antwortete Ussischkin: «Idh halte ihn für einen klugen, gründlichen und gewissenhaften Beamten. Er bereiste das ganze Land, sprach mit allen möglichen Leuten, stellte die verschiedensten Fragen und schrieb. Wie sein Bericht lauten wird? Meine persönliche Meinung ist folgende: Simpson ist ein sehr guter Beamter. Er wird so berichten, wie es die Regierung wünscht» Nachdem alle Fragen1 vom Gast beantwortet worden waren, dankte ihm Dr. Oskar Grünbaum für seine Ausführungen und schloß die Versamm-* lung. . : Landeskonferenz des Keren kajemeth in der Tscheche» Slowakei In Anwesenheit M. M. Usslschkins fand vom 28. bis 30. September in Prag die Landeskonferenz des Keren. Kajemeth Lejisrael ln der Tschechoslowakei statt. Im Jahre 5690 hat, wie aus dem Bericht des Leiters der KKL-Arbeif, Ing. Aschermann, hervorgeht, der Keren Kajemeth Lejisrael das vom Jerusalemer Hauptbureau vorgeschriebene Kontingent in de* Höh« von 2,000.000 Kc zum ersten Male erreicht und überr schritten, trotzdem bei dieser Berechnung die letzten drei Monate, Juli—September,. nicht miteinbszogen sind. Der Spesensatz wurde von 25 Prozent im Jahre 1927 auf 18 Prozent herabgesetzt, da die Arheit hauptsächlich auf freiwilliger Mitarbeiterschaft beruht , M- M. Ussischkin führte in seinem Referate aus, daß die schwere Erschütterung des Vorjahr^ . notwendig; gewesen sei, um das jüdische Volk Zu wecken. Die Hauptfrage sei die Bodenfrage. Trans-; Jordanien sei die Irredenta des Zionismus, auf die;er nie verzichten werde. Die Wirtschaftsfragen Simpsons und Shaws Sind nicht ökonomischer, sondern politischer Natur, die Oekonomie soll zur Verblendung der Welt dienen. Ich sagte Simpson; «Auf eine politische Frage gebe ich eine politische Antwort: Wenn zu Wenig Platz Ist, dann ist auch für die anderen zu wenig Platz und ihr müßt für sie einen anderen Qrt suchen. Wir allerdings behaupten, daß es Platz genug gibt» Von 94 Prozent nichtjüdischen Bodens gehört der Großteil der Regierung. Er zweifle daran, daß man diesen Boden - bekommen werde, wenn man auch die Hoffnung nicht aufgeben solle. Aber wir können nicht war- JÜDISCHE ELTERN! Kauft Schulbllchar für Eure Kinder nur in der Jüdischen Buchhandlung Hermann TIIC tl IIG1 Wien, II., Qr. Stadtgutg.? (Ecke Taborstraße 59) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! ■nanaaaaaaanHaaaMnaMnMHaHmiaMiiiwiM ten, wir müssen kaufen. Wie das konstruktive Programm der Regierung ausfallen werde, wisse er nicht, aber es werde den Bodenkauf erschweren. Auch wird der Boden teurer werden. Wir werden eben teurer dafür bezahlen, daß wir nicht beizeiten gekauft haben. Ussischkin unterbreitete der Konferenz den Vorschlag, dem Keren Kajemeth innerhalb von vier Jahren 40.0ÖÖ Pfund zur Verfügung zu stellen, damit er einen an Beth Alfa angrenzenden Komplex von 15.000 Dunam Boden, zum Teil auf transjordanischem Gebiet, ankaufen und so die tschechoslowakische Kolonie erweitern könne. Für diese Transaktion müsse das tschechoslowakische Judentum 20.000 Pfund durch eine innere Anleihe flüssig machen. Wird es dies können, dann wird es nach Kanada und Südafrika die dritte Landsmannschaft sein, der das palästinensische Judentum dankbar sein wird. Der Revisionist Dr. Karl Blan verlas eine Protestresolution gegen den vom tschechoslowakischen Keren Kajemeth Lejisrael herausgegebenen Almanach, in welchem sich ein Artikel von Dr. Ernst Simons, Jerusalem, mit Brith-Schalom-Tendenzen befinde. Ussischkin nahm zu dieser Frage durch folgende Erklärung Stellung: Ich kam nach Prag, um mit Ihnen über die wichtigen Bodenprobleme zu sprechen. Ich möchte daher diesen unglücklichen Artikel nicht in den Vordergrund meiner Erklärungen stellen. Ich erkläre, daß ich es für einen Fehler halte, wenn sich der Keren Kajemeth Lejisrael mit Problemen, die in unserer Bewegung strittig sind, befaßt. Die Publikationen des Keren Kajemeth Lejisrael sollen sich nur mit Fragen beschäftigen, über die keine Meinungsverschiedenheiten bestehen. . Für die Frage der.inneren Anleihe wurde eine Kommission eingesetzt. Die Konferenz faßte den Beschluß; in vier Jahren 40.000 Pfund aufzubringen. Die Konferenz wird zur Durchführung dieser Parole eine besondere Aktion einleiten. ... Zum Abschied fand ein Bankett für Ussischkin statt, an welchem der Direktor des Keren Hajessod, Steindler, und der tschechoslowakische Konsul in Palästina» Fric, teilnahmen. Fric erklärte: Nicht nur einzelne, wie Präsident Masaryk, sondern die ganze tschechische Nation verfolge mit Bewunderung das Aufbauwerk. In der Tschechoslowakei gab und gibt es keinen Antisemitismus, ungeachtet der Ereignisse der letzten Tage in den Prager Straßen. Ich weiß, daß die führenden jüdischen Kreise erkannt haben, daß es sich nicht um die tschechische Nation, sondern um unverantwort- | liehe Elemente handelt Die tschechoslowakische | Nation drückt Ihnen, von neuem ihre Sympathien! aus und wird weiter mit Interesse Ihr Werk verfolgen. Ich schließe mit dem Wunsch —- nicht meinem persönlichen, sondern dem des ganzen tschechischen Volkes —, daß Ihre Sehnsucht nach? Wiedereroberung Palästinas unter der Führung von Männern wie Ussischkin Erfolg haben möge. i Zum Inkrafttreten des Bayerischen Schächt-; Verbotes Münch e'm (J. T.-A.) Der Verband Bayrischer Israelitischer Gemeinden erließ folgende Bekannt-; machung über Versorgung mit rituellem Fleisch: «Das bayerische Gesetz über das Schlachten von Tieren vom 17. Mai 1930 tritt am 1. Oktober 1930 in Kraft Das Gesetz schreibt die ausnahmslose Betaue bung aller Schlachttiere vor* Da keine der bekannten Betäubungsmethoden als rituell zulässig anerkannt; ist, kommt die gesetzliche Bestimmung praktisch einem Verbot des Schächtens gleich. Es muß darum ab 1. Oktober das Schächten von Viehstücken in Bayern unterbleiben. Der Bezug von rituellem Fleisch aus den Nachbarländern ist sichergesteilt. . Wir legen auch jetzt Verwahrung ein gegen die durch das Gesetz bewirkte Beeinträchtigung der Gewissensfreiheit unserer religiösen Gemeinschaft. Wir hoffen, daß es gelingen wird, die freie Religionsausübung künftig wieder zur Anerkennung zu bringen, und haben das Vertrauen, daß bis dahin unsere jüdische Bevölkerung einmütig und treu zusammenstehen wird. München, den 22. September 1930. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden Dr. Neumeyer.» 5$iden*Breit, Wien, I., Herrengasse 2 (Ecke Miehaeler-? platz) bringt d«e$e Woche zwei besondere Schlager? lachte . französische Naturseide in prachtvollen Farben, hervorragender Qualität für Wäsche und Blusen zum Reklamepre» von S 5.70, ferner franz. Flamenga faconne in allen Modefarben um S 16.90. Autobus 1H, 4, 6, 9.