Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 145 (2.10.1930)
- Date
- 1930-10-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seäte 10 PIB STIMME Nr. 145 LHeratar and Kunst Professor Simon Dabnow 70 Jahre Am 24. September vollendete Professor Simon Dabnow, «er repräsentativste jüdische Historiker der Gegenwart, sein 70. Lebensjahr. Dubnows Hauptwerk ist die zehnbändige «Weltgeschichte des jüdischen Volkes» (Jüdischer Vertag Berlin), die ein Standardwerk moderner jüdischer Geschichtsforschung und -Schreibung ist und aus dem russischen Original ins Deutsche, Hebräische, Jiddische, Englische und in mehrere andere Sprachen übersetzt worden ist. Er hat aber auch verschiedene Gebiete der jüdsichen Geschichtswissenschaft in Monographien behandelt Methodisch und stofflich hat sich Dubnow über Graetz und seine anderen Vorgänger erhoben, er emanzipierte sich von der schichtichen Einstellung und huldigt einer soziologischen schichtsauffassung. Er lehnt die Auffassung ab, die dem jüdischen Volke in der Diaspora lediglich eine geistige Aktivität zubilligt, während es im sozialen Leben nur aus Objekt gewertet wird. Nach seiner Auffassung ist das jüdische Volk stets Subjekt, Schöpfer seiner Geschichte auf allen Gebieten des Lebens, eine lebendige Nation, gewesen. Aus dieser Auffassung heraus entwickelte Dubnow sein modernes politisches Programm, den «Folkismus». 1906 begründete Dubnow in Rußland die «Jüdische Volkspartei», die heute m Polen, Lettland und in anderen Oststaaten stark vertreten ist. Der Kern des Programms der Volkspartei ist die Auffassung, daß die Juden eine historisch-kulturelle Gruppe sind. Sie bilden keinen Staat im Staate, sondern eine Nation unter Nationen und erstreben keine politische, sondern eine kulturelle Autonomie (Selbstverwaltung der Gemeinde, Sprachenfreiheit, Schulautonomie). Die Judenstaatsidee lehnt Dubnow ab, aber dem jüdischen Aufbailwerk in Palästina als einer gesamtjüdischen Aufgabe steht er, namentlich in den letzten Jahren, positiv gegenüber. STmon (Semjon Marko witsch) Dubnow wurde 1860 in Mstislawl (Gouv. Mohilew) geboren. In den Zeitschriften «Russld Jewrei»», «Wos’choa», «Haschiloach» usw. veröffentlichte er monographische Arbeiten über Sabbataj Zewi, Jakob Frank, sowie eine quellenmäßige Darstellung der Dogmatik und Geschichte des Chassidismus. Später veröffentlichte er mehrere grundlegende Monographien über die Geschichte der Juden in Polen, Litauen und Rußland und gab die Geschichtswerke jüdischer Gelehrter aus Deutschland (Baeck und Bran’n) in russischer Sprache heraus. Er verfaßte auch ein sehr verbreitetes Lehrbuch der jüdischen Geschichte. Alle diese Arbeiten gipfelten in der «Allgemeinen Geschichte des jüdischen Volkes», die in der deutschen Ausgabe den Titel «Weltgeschichte des jüdischen Volkes» trägt Neu ist bei Dubnow die Periodisiening des historischen Stoffes. Er geht von zwei Gesichtspunkten aus: dem der geschichtlichen Umgebung und dem der Hegemonie des einen oder anderen nationalen Zentrums gegenüber unbedeutenderen Zentren in anderen Ländern. Für. die jüdische Geschichte ergeben ach nach Dubnow zwei große Perioden: die orientalische mit den nationalen Hauptzentren in Palästina, Syrien, Mesopotamien nud Nordafrika und die westliche, deren Schauplatz Europa ist und die in. folgenden Stadien verläuft: nationale Hegemonie des arabischen und christlichen Spaniens (11. bis 14. Jahrht), des südlichen und dann des nördlichen Frankreichs (11. bis 13. Jahrht), der deutschen Judenheit (13. bis 14. Jahrht). In der Neuzeit (16. bis 18. Jahrht) rivalisieren die jüdischen Zentren in Deutschland und Polen um die Hegemonie. Der Verlauf der neuesten Geschichte (1789 bis 1914), in der die deutsche Judenhat in der Aufklärungsbewegung voranschreitet, wäh rend die polnisch-russische Judenheit bis tief in das 19. Jahrhundert hinein die Grundfeste der nationalen Kultur verbleibt wird auf die Prozesse Emanzipation und Reaktion einerseits, Assimilation und Nationalismus anderseits zurückgeführt Ara Schlüsse dieser Entwicklung entstehen in den letzten Dezennien vor dem Weltkriege zwei große Judenzentren: Amerika und Palästina, die der künftigen Entwicklung neue Bahnen weisen. Dubnow lebt seit einer Reihe von Jahren in Berlin, wo er sich intensiv seiner Lebensarbeit widmet Nach Vollendung seines großen Geschichtswerkes «Weltgeschichte des jüdischen Volkes» ging er an die Abfassung einer zweibändigen Geschichte des Chassidismus heran. Auch harren des Gelehrten weitere Aufgaben und man hat den Eindruck, daß er noch lange nicht daran denkt, ach zur Ruhe zu setzen. Die jüdische wissenschaftliche Welt und weite jüdische Kreise in Berlin, in Ost- und Westeuropa und in Amerika rüstet zur Feier des 70. Geburtstages des still und zurückgezogen arbeitenden Gelehrten. Bücher und Zeitungen in Erez Israel Die beste Quelle für die im Lande erschienenen Bücher ist der Jahresbericht des Erziehungsdepartements der Regierung, da jeder Herausgeber verpflichtet ist, 2 Exemplare jeder Neuerscheinung an diese abzuliefern. Der Bericht für das Jahr 1929 enthält folgende Einzelheiten: Im Laufe des Jahres (von September 1928 bis September 1929) erhielt die Erziehungsabteilung 409 Bücher und 60 Zeitungen und Zeitschriften. Von 409 Büchern waren 349 hebräisch, etwa täglich ein Buch, der Rest: 19 arabisch, 14 englisch, 15 jiddisch, 5 armenisch, 2 deutsch, 2 französisch und 9 italienisch. Nach Stoffgebieten verteilen sich die Bücher englisch 4 folgt hebräisch arabisch Lehrbücher 25 6 Wissenschaft 37 Religion 40 Kinderbücher 39 Wörterbuch 1 Schöngeistige Literatur 57 1 Landwirtschaft 7 Politik 19 Medizin 4 Jurisprudenz 7 Wirtschaft 4 Kunst 3 Missionsausgaben — n Verschiedenes 68 Zusammen 349 19 14 Von den eingegangenen Zeitungen und Zeitschriften waren 43 in hebräischer, 6 in arabischer, 5 in englischer, 2 in jiddischer, 3 in deutscher, 1 in italienischer Sprache. Nach Stoffgebieten verteilten sich die Zeitschriften in hebräischer Sprache wie folgt: Erziehung 8, Politik 10, Literatur 2, Landwirtschaft 2, Witzblätter 7, Medizin 3, Tischlerei 1, Handel und Industrie 4, Religion 3, Verschiedene 3. Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo jetzt zu Beginn des neuen Schuljahres für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher, auch antiquarisch, zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Für Anfragen Telephon R 41-4-20. Dr. Zw! Diesendnick nach Amerika berufen. Der Dozent für jüdische Philosophie am judaisüschen Institut der Universität Jerusalem, früherer Leiter des hebräischen Pädagogiums in Wien, Doktor Zwi Diesendruck, wird im Laufe des kommenden Winters einer Berufung an das Hebrew Union College in Cincinnati Folge leisten, wo er als Professor für jüdische Philosophie wirken wird. Im Verlauf seiner zweijährigen Tätigkeit an der Jerusalemer hebräischen Universität hat Dr. Diesendruck vollste Anerkennung seitens des Professorenkollegiums und der Hörerschaft gefunden. Seine Hauptwerke sind: «Aufbau und Charakter von Platons Phaedrus», «Maimonides* Lehren über Prophetie», «Das Problem der Seele in der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters», «Die Theologie des Maimonides». Ferner hat er Platons Phaedrus, Criton und Gorgias ins Hebräische übersetzt und mit Einleitungen und kritischen Anmerkungen versehen. Die zweite Berliner Premiere der „Habimah“ Gutzkows „Uriel Acosta“ Am Mittwoch, den 24. September, führte das hebräische Theater «Habimah» im Theater am Nollendorferplatz zum ersten Male «Uriel Acosta», frei nach Gutzkow, bearbeitet von M. Liwschitz (Regie: Alexis Granowski), auf. Auch diese neueste Leistung des weltberühmten Ensembles hat das tiefste Interesse der Kunstkenner und der Theaterfreunde erregt und auch beim Publikum starken Beifall gefunden. Der Kritiker der «V o s s i s c h e n Zeitung», Monty Jacobs, rühmt die königliche Würde der ersten Künstlerin der «Habimah» A. Rowina und stellt dann fest: «Das Ganze, auf der sparsamsten Szene gespielt, in einem steinernen Rondell mit wechselndem Prospekt, strotzt von dramatischem Leben, von bunter Theaterfreude, von Laune und Temperament Es wird mit jenem furor judaicus heruntergefegt, der aus dem Spiel der Habimah so mitreißend ins Publikum dringt» Im «Berliner Tageblatt» schreibt Leo Hirsch: «Man erlebt mehr eine szenische Ballade als ein Drama, eine traurig schöne Ballade, eine Ketzerlegende... Granowski und seine Mitarbeiter haben in der Inszenierung die glücklichste Hand. Da läuft tanzt und schnuppert ein Synagogendiener Baratz herum, ein Traum aus Tausend und eine Nacht Da spielt Ben Chaim den Akiba, den hebräischen Inquisitor, und macht einen Menschen daraus, daß man den Atem anhält Die beiden Rabbiner wie aus den Hagadah-Bildem geschnitten. Und dieser Wirbel von Masken und Menschen, die hebräisch singen und europäisch-höfisch bezaubernd tanzen zu einer sich unterordnenden, manchmal archaisierenden, aber dennoch lebendigen Musik von Karol Rathaus. Zuerst und zuletzt aber die Rowina, die Heroine des Schmerzes, eine menschgewordene traurig schöne Melodie.» Max Hochdorf stellt irc «Vorwärts» fest: «Es kommen prächtige Genreszenen zustande. Der Aufzug der Rabbiner, die den ungebärdigen Religionsrebellen verfluchen und unter dem Gedröhn der Widderhömer dem Fegefeuer ausliefem, ist ein Triumph des Aufbaus von Menschen und Dekorationen.» Hans Hohn, Perakim Letoldoth Haraajon Hazioni, Warschau 5679 80 (Sifriath Jesodoth 8 und 10, hg. von den Zentralen des Chaluz und Brith-hanoar) Es ist betrüblich, daß wir noch keine Darstellung der Entwicklung des Zionismus von dessen Anfängen bis auf die Gegenwart besitzen. Böhms «Zionistische Bewegung», deren Bedeutung absolut nicht unterschätzt werden soll, ist doch zu wenig aus einem Guß und zu uneinheitlich, als daß sie uns heute noch befriedigen könnte. Um so mehr ist es daher zu begrüßen, daß Hans Kohn es unternommen hat, uns in gedrängter Kürze eine Geschichte des zionistischen Gedenkens — gewissermaßen als Baustein zu einer künftigen Geschichte der zionistischen Bewegung überhaupt — zu geben. Im ersten Teile des Buches führt uns der Autor nach einem Ueberblick über die ersten Zionisten des 19. Jahrhunderts in die Gedankenwelt von Heß, der Haskalah, Achad Haam, Berdiczevski, Brenner und Herzl em, im zweiten Teil führt er die Darstellung über Birnbaum und Buber bis A. D. Gordon weiter. Unerklärlich dagegen ist es, was das Kapitel über den jüdischen Liberalismus in einer Geschichte der zionistischen Ideologie zu suchen hat. Fast scheint es, als hätte der Autor bei der Auswahl des Stoffes nicht die nötige Objektivität aufgebracht und nur diejenigen Repräsentanten des Zionismus beachtet, die ihm persönlich nahestehen. Denn wie anders wäre es möglich, daß Kohn einen Denker wie Klatzkin übergangen hat? Last not least muß es aufs schärfste getadelt werden, daß der sozialdemokratische Zionismus weder als solcher noch in seinen bedeutendsten Vertretern wie Borochow und Syrkin besprochen wird. Ferner wäre eine prägnantere Herausarbeitung der ökonomischen Momente notwendig gewesen. Man mag Marxist sein oder nicht, heute besteht wohl kein Zweifel darüber, daß der Zionismus vor allem die Lösung der jüdischen nationalen Wanderungs- und Arbeitsfrage erstrebt Trotz der attgedeuteten Mängel wünschen wir dem Buch weiteste Verbreitung und hoffen, daß diese in der hoffentlich bald notwendigen zweiten Auflage radikal behoben sein werden. Dr. K. Karpellez. Wflnaer Trappe. Das bevorstehende HerbstgastspieL Wie wir erfahren, ist es gelungen, die wilnati Truppe unter Leitung von Alex Stein für ein dreimonatiges Wiener Gastspiel zu gewinnen, das am 10. Oktober im Theater Reklame, II., Praterstraße 34, beginnt. Als erste Novität geht die historische Tragödie in vier Akten «Sabbatal Zwi» von Schalom Asch in Szene. Die Hauptrollen liegen in den Händen von Sonja Alt bäum, i.OB.OONAU>t«03|3l AN A**” Frieda Witala, Manja Pikus, Paula Walter, Franja Scheftel, Adam Domb, M. Kovalsky, J. Schigorni, J. Kamay, F. Sorokin, S. Scheffel. Die Titelrolle spielt Alex Stein, der auch die Regie führt Zur Führung der plastischen Regie und des Gruppentanzes wurde Gertrud Kraus mit ihrer Gruppe verpflichtet. Die Bühnendekorationen entwirft der bekannte Frankfurter Maler Erich Isenburger. — Der Vorverkauf für diese Premiere beginnt Freitag, den 3. Oktober, an der Theaterkasse. Neues Jüdisches Theater, Wien, IT., Praterstraße 60. Saisoneröffnung Donnerstag, 2. Oktober 1930, mit dem neuen Schlager «Suse Chalomijs» von Lilien. Zu diesen Vorstellungen ist es der Direktion gelungen, Frau Paula Dreiblatt und den jugendlichen Schauspieler und Sänger Bernhard Wittler zu verpflichten. 30 Jahre Jüdische Bühne. Die Jüdische Bühne im Hotel Stefanie feiert in dieser Saison ihr 30jähriges Bestandjubiläum. Für diese Saison trifft die Direktion größere Vorbereitungen. Zahlreiche bekannte Schauspieler aus dem Ausland wurden für Gastspiele verpflichtet. Die künstlerische Leitung des populären Schauspielers Leopold Jungwirth bietet Gewähr, daß das Programm auf hohem künstlerischen Niveau gehalten sein wird. Die neue Spielzeit begirt Donnerstag, den 2. Oktober, mit der Komödie «A Gan-Eden», die in New York einen Serienerfolg aufwies. Das Stück wird vorläufig bis zum 9. aufgeführt. Die rege Tätigkeit der Jüdischen Bühne im Interesse der Erhaltung der jüdischen Volksschauspielkunst verdient eine kräftige Förderung durch das jüdische Publikum, um so mehr, als die Eintrittspreise sehr klein sind. Fllmaufführung «Kinderland Palästina» für Kinder. Dei Jugendverein «Erez Israel» veranstaltet am Sonntag, den 12. Oktober d. J., vormittags, eine Filmauffürung «Kinderland Palästina» für Kinder. Genaue Zeitangabe und der Ort der Aufführung wird in der nächsten Nummer der «Stimme» bekanntgegeben. Preis für Kinder S —30, Erwachsene S —30. Ein Stipendium für Klavierstndlerende. Durch die Vermittlung des Professor Juliusz Wolfsolm deponierte ein unbekannt bleiben wollender Kunstmäzen aus Südamerika einen Betrag, von dem für zehn begabte junge Klavierstudierende die Hälfte des Studienhonorars entrichtet werden soll. Dadurch äst Professor Wolfsohn in der Lage, zehn begabten Schülern oder Schülerinnen Halbfreiplätze zu gewähren. Anfragen und Anmeldungen Wien, III., Pfarrhofgasse 16, Telephon U 16-1-32. Karl - Goldmark - Gedüchtnlskonzert, gemeinsam veranstaltet von der Gesellschaft der Musikfreunde und den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Direktor Clemens Krauß und Professor Robert Heger, Samstag, den 4. Oktober abends ^8 Uhr im Großen Musikvereinssaa!. In diesem Konzert wird Nathan Milstein das Violinkonzert spielen und der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde den 113. Psalm zum Vortrag bringen. Außerdem gelangen zur Aufführung: das Vorspiel zum dritten Akt aus «Heimchen am Herd» und die Symphonie «Ländliche Hochzeit». Karten von S 12.— bis S 2.— an der Musikvereinskassa, I., Karlsplatz 6, und bei Gutmann, I., Kärntnerring 3. Im Verlage Eschkol, Berlin, erschien soeben der dritte Band des Standardwerkes von Dr. Jakob Klatzkin (unter Mitwirkung von Dr. M. Zobel), «Tnesaurus philosophicus linguae hebraicae» (hebräisch-deutsch). Ein vierter und letzter Band, enthaltend die letzten drei Buchstaben, zahlreiche Nachträge und einen deutsch-englischen Index der hebräischen philosophischen Terminologie, befindet sich ln Druck. 12 Millionen Bibeln im Jahre 1929 verkauft Laut dem Jahresbericht der Britischen und Ausländischen.Bibelgesellschaft wurden im letzten Jahre 12 neue Bibelausgaben veranstaltet, darunter zwei für Asien, zwei für die ozeanischen Länder und acht für Afrika. Die Gesamtzahl der von der Gesellschaft veranstalteten Ausgaben beläuft sich auf 630. Im Jahre 1929 wurden über eine Million vollständiger Bibelexemplare, über eineinviertel Millionen Exemplare des Neuen Testaments und 9,795.000 Exemplare einzelner Bibelteile abgesetzt Ludendorff wie er früher war Professor Franz Oppenheimer setzt ira Unterhaltungsblatt der «Vossischen Zeitung» (Nr. 224) seine Erinnerungen fort, die diesmal eine «Fahrt nach Ober-Ost» zum Gegenstanc^haben. Als Leiter des «Komitees für den Osten», wurden Oppenheimer und Justizrat Bodenheimer ins Hauptquartier des Ostens berufen. In Radom angelangt, berichtet Oppenheimer, meldeten wir uns bei Exzellenz Ludendorff. Damals hatte ich den allerstärksten Eindruck von der Gedankenkraft und Persönlichkeit des Siegers von Tannenberg. Daß auch wir keinen schlechten Eindruck hinterlassen hatten, bewies uns die Einladung zur Tafel des Oberstkommandierenden, an der wir dem verehrungswürdigen Hindenburg vorgestellt wurden. Zur Rechten Hindenburgs saß ein greiser General, zu seiner Linken ich, mir zur Linken Ludendorff und an dessen Seite mein Kollege Bodenheimer.. Wir sind dann anderthalb Jahre später noch einmal ins Hauptquartier berufen worden; damals war Ludendorff bereits ungekrönter König von Ober-Ost Wir wurden wieder aufs freundlichste empfangen und auch zur Tafel befohlen. Ich fand Ludendorff stark verändert, schon äußerlich. Psychisch fand ich ihn bei aller Konzentration doch fahriger; er war in grenzenloser Weise überarbeitet und offenbar begann ihm damals schon die Macht zu Kopf zu steigen. Ich hatte ihn außerordentlich hoch verehrt und war recht traurig über diese Veränderung; ich habe mich damals vertrauten Freunden gegenüber sofort dahin geäußert, daß ich an ihm die ersten Zeichen des Cäsaren-Wahnsinns zu bemerken glaubte, dem er später zu unserem Schmerze immer mehr verfieL (Daß Ludendorff jüdisches Wirken früher anders einschätzte als heute, beweist die Stelle in seinen Kriegserinnerungen, in der von den jüdischen Hilfskomitees im Krieg die Rede ist. «Die jüdischen Komitees», schreibt Ludendorff, «haben großzügig und nutzbringend gewirkt. Ihre Tätigkeit erwarb sich Anerkennung und bewies den starken Zusammenhang dieses Volkes. Die erste jüdische Volksküche, die in Kowno entstand, trug meinen Namen- Der Feldrabbiner Rosenak batet mich darum gebeten.») Die Kolonisationsfonds der amerikanisch-jüdischen Legionäre Am 7. September fand in Boston ein Meeting zugunsten des Kolonisationsfonds der ehemaligen Palästina-Legionäre statt, der die Ansiedlung der Legionäre jn Palästina bezweckt Es sollen 200 Legionäre und deren Familen angesiedelt werden. Der Jüdische Nationalfond stellt das nötige Land zur Verfügung, jeder Legionär muß 500 Pfund beisteuern. Für die Ansiedlung einer Familie sind 1500 Pfund und für die vorhandenen 200 Legionärfamilien 300.000 Pfund erforderlich. Der Kolonisationsfond hat eine großzügige Kampagne zur Aufbringung der nötigen Mittel eingeleit«?,