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Die Stimme · 1930-10-02 · Heft 145 (2.10.1930) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 145 (2.10.1930)
Date
1930-10-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 145 OIE STIMME Seite 3 Max Markus gestorben Einer der ältesten Gg. in Oesterreich ist nicht mehr. Aber nicht nur in Oesterreich. Mit Markus ist einer der noch wenigen dahingegangenen, die an der Wiege der modernen zionistischen Bewegung gestanden haben. Als Schreiber dieses als Junger Student nach Wien kam, war von Herzl die Parole ausgegeben worden: Eroberung der Kultusgeineinde. Markus nahm an diesem Kampf frisch und fröhlich teil. Voller Jugendlichkeit, voller Glauben an unsere große und gerechte Sache stürzte er sich in diesen Kampf. Als ein wahrer Volksmann trat er auf die Tribüne, als ein Mann, der aus dem Volke kam, aus dem Osten stammte, dort echtes Judentum gelebt hatte und das jüdische Leben in Wien ausgezeichnet kannte, trat er als Kämpfer für die junge Idee auf. Er verfügte über großen Witz und glänzende Beredsamkeit. Er war ein wahrhaft kluger Mann. Er theoretisierte nicht, nein, er schöpfte aus der Fülle der jüdischen Alltäglichkeit und hatte die Versammlungsteilnehmer auf seiner Seiten Er war in gleichem Maße ein Mann der Tat. Keren Kajemeth, Verfechtung der jüdischen Interessen in der Gemeinde, Organisierung der Juden für den Zionismus, auf alle Gebiete erstreckte sich seine Tätigkeit. Er repräsentierte den Typus des gesunden jüdischen Menschenverstandes, der uns so oft bei Männern unseres Stammes frappiert. Wir denken uns immer den Golusjuden als einer Menschen, der nicht gerade denken kann und den ungeraden Weg für den richtigen hält. In Wirklichkeit aber ist der Typus des unverdorbenen, geradlinigen jüdischen Menschen ein ziemlich stark verbreiteter. Markus gehörte zu ihnen und darin lag der Zauber seiner Persönlichkeit. Diese Geradlinigkeit charakterisierte auch sein zionistisches Leben. Er beteiligte sich nicht viel an Debatten, sondern ging direkt auf die Sache, d. h. auf die positive Arbeit los. Diese machte er immer ganz, tadellos. Er besaß auch glänzenden jüdischen Witz. Er verstand es immer ausgezeichnet, jüdische — echte, nicht sogenannte — „jüdische Witze“ zu erzählen. Seine Reden waren wegen der eingestreuten jüdischen Anekdoten sehr reizvoll. Trotz seiner Zugehörigkeit zu unserer Bewegung litt er nicht an dem Mangel, der Parteimenschen leider eigen ist, vor lauter Waid die einzelnen Bäume nicht zu sehen. Er vergaß den Einzelmenschen nicht, die Leiden der jüdischen Individuen. Diesbezüglich war er ein alter Jude in des Wortes edelster Bedeutung. Er widmete sich stark der jüdischen Wohltätigkeit. Aber auf diese wendete er die modernen, kaufmännischen Methoden an und tat es mit bestem Erfolg. Es ist daher kein Wunder, daß er großen Einfluß besaß im engeren Berufskreise und in den weiteren jüdischen Kreisen. In unserer Wiener Bewegung besaß er so viel Vertrauen und Ansehen, daß, als vor einigen Jahren ein Dreierdirektorium zur Leitung der allgemeinen zionistischen Bewegung gewählt wurde — der Verewigte neben Dr, Friedmann und Dr. Goldhammer in dieses Direktorium gewählt wurde. Und interessant — auch sein Aeußeres entsprach ganz seinem inneren Wesen: Groß, aufrecht, stark und gesund, bis er in höherem Alter das Opfer eines schweren Leidens wurde. N Wenn es Ziel eines jeden Zionisten sein muß, sein 'Leben oder zumindest seinen Namen mit unserem Aufbauwerke in Palästina zu ver- | binden, so muß dies gewiß mit dem Namen des Verewigten geschehen: Sein Name gehört in die Liste der ersten Förderer unserer Bewegung. Dr. Chaim Tartakower. Am Grabe des Kommerzialrates Max Markus Rede des Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der isr. Kultusgemeinde, gehalten am Freitag, den 27. September 1930 Vor wenigen Monaten gab er uns den letzten freudigen Anlaß, ihm unsere Freundschaft und Sympathie zu bekunden. Er feierte seinen 70. Geburtstag. Eigentlich feierte er ihn nicht; er ging an diesem Kalenderdatum vorbei, wie ein Mann, der selbst nicht glauben wollte, daß er die Schwelle des Greisenalters bereits überschritten. Er ward 70 Jahre alt geworden und Ist dennoch nicht unter die S’kenim getreten. Wir nannten ihn den «ewigen Jüngling» und bewunderten stets, wie aufrecht und jugendfrisch er einherging und mit welchem Jugendeifer er seine beruflichen und Ehrenpflichten erfüllte. Die vielen Ehrenstellen, die er bekleidete, sind ihm zur harten Pflicht geworden und er erfüllte sie wie wenige von uns. Als er vor einem Jahre am Jom Kippur neben mir seine Gebete verrichtete, fromm und gläubig, wie er war, vermutete weder er noch einer von uns, daß damals schon sein Los besiegelt war. Nunmehr ist es erfüllt. ln seiner Jugend war es ihm vergönnt, unmittelbar von Theodor Herzl beeinflußt und zu dessen Jüngern gezählt zu werden. Seit damals diente er der zionistischen Idee treu und ergeben, erfüllte seine Pflichten auf allen Posten, auf die man ihn stellte, und war stets ein stolzer Jude und ein ergebener Diener der zionistischen Idee und des jüdischen Volkes. Ich habe die traurige Pflicht, von ihm Abschied zu nehmen im Namen seiner zionistischen Freunde, des zionistischen Landeskomitees, des Keren Hajessod, dem er treu bis an sein Lebensende gedient, im Namen der zionistischen Bezirksorganisationen und Vereine, in welchen er stets unermüdlich tätig war. Wir sehen an seiner Bahre seine Witwe und seine Verwandten in tiefe Trauer gehüllt Schmerzerfüllt versammelte sich der gesamte Vorstand der Kultusgemeinde, tieferschüttert stehen vor dem Grabe seine Freunde vom Klub der zionistischen Mandatare; es kamen hierher die Insassen des Versorgungshauses, um zum letzten Male dem Verstorbenen ihre Dankbarkeit zu bekunden dafür, daß er es verstanden hatte, Menschenelend mit Menschenliebe und Menschenwürde zu behandeln. In dem Augenblick vernehmen wir auch den Verzweiflungsschrei vieler hunderter jüdischer Familien, die er gespeist und vor bitterster Not gerettet hatte. Diese große Trauergemeinschaft liefert am besten Beweis dafür, daß er nicht umsonst gelebt hat und viel zu früh gestorben ist. An ihm bewahrheitete sich das Herzische Wort, es sei das größte Glück eines Menschen, Diener am Licht zu sein, dem Licht des zionistischen Werkes, dem er sein ganzes Leben widmete, welches er vorantrug in den vielen Jahrzehnten seiner zionistischen Arbeit. So wollen auch wir sein Andenken nicht nur in Liebe und Freundschaft bewahren, sondern es ehren, indem wir das Licht der zionistischen Idee in die jüdischen Massen weitertragen und sein Werk fortsetzen. Diese Ehrung wollen wir in dieser traurigen Stunde an seiner Bahre geloben und dieses Gelöbnis wollen wir halten. Das Leichenbegängnis. Unter riesiger Beteiligung einer unübersehbaren Schar von Trauernden wurde Max Markus am Freitag, den 26. September, zu Grabe getragen. Es kamen alle zionistischen Mandatare, eine große .Zahl Kultusräte aus allen Lagern, die Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Vertreter verschiedener Institutionen und Vereine, in denen der Verstorbene in aufopferungsvoller Weise wirkte, sowie Vertreter der Bethausvereine und Fürsorgelnstitutioncn, die in Markus einen unersetzlichen Führer betrauern. JÜDISCHE ELTERN! Kauft IhulbUther für Eure Kinder nur ln der SQdlschqii Buchhandlung Narmanu Tuchner WIN, M* flr. StadlBUlfl T (Ecke Taborstraße 53) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen - auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen* Verzeichnisse kostenlos! Rabbiner T a g 1 i c h t entwarf in warmen Worten ein Bild dieses prächtigen Volksmannes, der ein Jude war in all seinem Tun und Denken. Im Namen des Kultusvorstandes widmete Vizepräsident Dr. Ornstein dem Dahingeschiedenen ergreifende Worte der Trauer der ganzen jüdischen Gemeinde in Wien unn schilderte mit Wehmut die unzähligen Verdienste, die sich Markus in- und außerhalb der Kultusgenieinde um das Judentum erworben hat. Nach der Rede des Vizepräsidenten Dr. Loewenherz, die wir an anderer Stelle bringen, sprachen noch Vertreter verschiedener Vereine. Am Grabe staute sich noch lange eine große Schar von Trauergästen. Die kantoralen Funktionen versah in gewohnt meisterhafter Art Oberkantor Margulies. Trauerkundgebung des Zionistischen Landeskomitees. Die Hiobsbotschaft vom Tode Max Markus’ wirkte überall erschütternd, da es in jüdischen Kreisen Wiens kaum eine Persönlichkeit gibt, die es an Opfermut, Hilfsbereitschaft und Agilität mit dem Verstorbenen aufnehmen könnte. Das Zionistische Landeskomitee, zu dessen Zierden der Verstorbene gehörte, berief bald, nachdem der Tod Markus’ bekannt wurde, eine Sondersitzung ein, zu der auch sämtliche Kultusvorsteher eingeladen wurden. Nach einer Einleitung des Präsidenten Dr. Grünbaum hielt Dr. Desider Friedmann dem verstorbenen Freund und Führer eine Trauerrede, die alle Anwesenden aufs tiefste erschütterte. „Er war ein Jude vom Scheitel bis zur Sohle“ — sagte er — „und einen besseren werden wir schwerlich finden. Wir wollen ihm ein treues Angedenken geloben, indem wir sein zionistisches Werk, unser aller Werk, das plötzlich durch seinen Tod verwaist wurde, in seinem Sinne fortsetzen. Nur auf diese Art kann der Verstorbene geehrt werden.“ In tiefer Trauer wurde die Sitzung mit dem Beschluß, den Verstorbenen zum ewigen Andenken ins Goldene Buch des Nationalfonds eintragen zu lassen, beendet Waffenlager in den arabischen Dörfern Palästinas — Unausgesetzter Waffenschmuggel aus Transjordanien Jerusalem, 24, September. (J. T. A.) Die Beschlagnahme von 100 Militärgewehren in einem Dorfe in Franzosisch-Syrien lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Vorhandensein zahlreicher großer Waffen- und Munitionslager in den arabischen Dörfern Syriens und Palästinas. Aus verläßlicher Quelle erfährt JTA., daß trotz der Wachsamkeit der Polizei der Waffenschmuggel über den Jordan unvermindert andauert. Man schätzt die Anzahl der Gewehre, welche im Laufe dieses Jahres aus Transjordanien nach Palästina gebracht worden sind, auf 5000. Die transjordanischen Behörden erlauben das Waffentragen, um die Bewaffnung der Araber in Palästina, wo Waffenverbot herrscht, zu ermöglichen. Vor kurzem hat die Polizei eine Bande arabischer Waffenschmuggler aus Transjordanien auf frischer Tat ertappt Der Leiter des Hauptbureaus der palästinensischen Geheimpolizei, Hauptmann Riggs, konnte die Bande dadurch überführen, daß er als Araber verkleidet, Waffen zu kaufen versuchte. Der Waffenverkauf wurde von den Arabern auf einem alten jüdischen Friedhof auf dem Oelberg betrieben. Als Hauptmann Riggs sich als Polizeiführer zu erkennen gab, und zur Verhaftung der Schmuggler schreiten wollte, fielen diese mit Messern über Ihn her. Hauptmann Riggs konnte sich nur mit Hilfe seines Revolvers der Angreifer erwehren. Schließlcih gelang die Verhaftung der Schmuggler und ihre Eskortierung zur Polizeistation von Jerusalem. Drummond Shiels nach Palästina abgereist London. (J. T. A.) Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels ist nach Palästina abgereist, um die gegenwärtige Lage zu untersuchen. Seine Beobachtungen sollen die Grundlage für die künftige Gestaltung der britischen Politik in Palästina bieten. I Frau Dora Markus gibt hiemit im eigenen Namen und namens aller Angehörigen tief erschüttert Nachricht von dem Hinscheiden ihres Gatten, des Herrn Kommerzialrat Max Markos Torstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde Wien der am 24. September 1930 im 71. Lebensjahre seines segensreichen Wirkens ijach kurzem schweren Leiden sanft entschlafen Ist. Die Bestattung hat am 26. September 1930 am Zentralfriedhof, III. Tor (neue israelitische Abteilung) stattgefunden. Um stilles Beileid wird gebeten.

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