Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 145 (2.10.1930)
- Date
- 1930-10-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gelte 2 DIE STIMME Nr. 145 Ein seit Olt Heim durch TMleTHeteSteftrlkS I* fc, Wien, 1., Schottenbastel 10. __MMnfe Brflea, ftwItwgUM l Ussischkin in Wien M. M. Ussischkin weilt in Wien. Nur sehr wenige Namen haben ednen ähnrichnn Klang in unserer Bewegung wie der seinige. Ja, es gibt -vielleicht unter den lebenden Führern keinen, der ihm an die Seite gestellt werden kann. Er repräsentiert die lebendige Entwicklung des Zionismus in allen seinen Epochen. Er gehörte den Bilu an, stand in den vordersten Reihen der Chibath Zion, 3a in der letzten Periode (schon in der Herzischen Epoche) war er als Präsident des „Odeseaer Komitees“ der repräsentativste Mann desselben. In der Herzischen Zeit gehörte er zu den führenden Männern des politischen Zionismus. In der Ugandazeit war er das Haupt der Zione-Zion. Nach dem Kriege war er Präsident der Zionistischen Exekutive in Palästina. Seither führt er den Keren Kajemeth. Ueberall, wo er seine Tätigkeit entfaltete, wurde er fast identisch mit der von ihm vertretenen Sache. Ussischkin ist eine der mächtigsten Persönlichkeiten des Zionismus. Sein Weg ist immer gerade. Der unerschütterliche Glaube an die Macht des Willens ist seih hervorstechendster Zug. Aus einem Guß ist er. Sein Handeln, sein Schreiben, seine Reden — wie aus Granit gehauen. Wenn man in seine Nähe kommt, wird man nolens volens mit Ehrfurcht erfüllt. Eine geschichtliche Person und dpeh zugleich von steter Aktualität. Wo unserem Werk Gefahr drohte, da trat Ussischkin mit seiner mächtigen Persönlichkeit in die Bresche. Als die hebräische Bewegung durch Untergang des' „Haschiloach.“ gefährdet war, forderte Ussischkin Abonnenten, das Volk gab sie ihm. Als die Frage des Emek aktuell wurde, da vollbrachte Ussischkin eine revolutionäre Tat. Er erwarb ihn auf eigene Verantwortung. Ale das Bodenproblem brennend wurde, da warf Ussischkin seihen großen Einfluß in die Wagschale — er reiste nach dem Ausland und hatte Erfolg. Als die Jewish Agency in Zürich zusammen trat, stand die ganze illustre Versammlung unter dem faszinierenden Eindrücke der plötzlichen Rede Ussischkins. Er sehnte sich mit dem Gedanken der Jewish Agency aus, den er bekämpft hatte, zugleich aber trat er als das mahnende zionistische Gewissen auf, das in dieser Stunde den neuen Partnern in kristallreiner Klarheit die zionistische Mitgift auseinandersetzte. Wir wünschen, aus tiefster Seele: Ussischkin, möge Deine Sehnsucht nach Erlösung des Landes, in Deinen Tagen, in Erfüllung gehen. Ch. T. M. M. Ussischkifls Ankunft. Dienstag, spät abends, kam Ussischkin am Wiener Ostbahnhof an, wo ihn Vertreter verschiedener zionistischer Institutionen erwarteten. Zur Begrüßung des iJlustren Gastes erschienen u, a.: Die Mitglieder des Zionistischen Landeskomitees: Präsident Dr. Grünbaum, Dir. Epstein und Dr. Finkeistein, das Mitglied des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds Adolf Boehm, der Leiter der Wiener Nationalfondsstelle Dr. Ch. Tartakower, ferner die Mitglieder des Präsidiums der Nationalfondskommission Frau Rosalie Leser, Dr. Leo Goldhammer, Löbl Taubes, Dr. Hermann Ebner, Saul Weinreb u. a. Ueber die Frage eines Berichterstatters, ob Ussischkin nicht etwas vor Jom Kippur den Juden Wiens ausrichten möchte, erklärte derselbe mit einem Lächeln: «Sagen Sie ihnen, sie sollen nur recht oft «chutusi» wiederholen, weil nur aus dieser Erkenntnis die Arbeit für Palästina in Wien und überall erstarken kann.» BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, lln TaboratraÖe 20 a, Tel. R-43-1-58 M» RATH'S Moderne Leihbibliothek bietet Urnen eine reiche Auswahl von Büchern oller Art, insbesondere von Neuerscheinungen Iw Driflnsl, bzw. gesdunsekvolles Bibliotbekssinband« Allier den deutschen Büchern auch englische, hebriiicho, Jiddische u. Deu11 ch-Judaice in reicher Auswahl. Tiglichcr Umtausch Den ganzen Ttg von 8 bis 6 Uhr geöffnet Monstsgsbühr üUf I 1,- Keine BandgebShr Die Juden und die Sejmwahlen in Polen Von Leon Weinstock« Wien, 30. September. «Am 16. und 23. November wird sieh die Bevölkerung der polnischen Republik für Diktatur oder für die Demokratie entscheiden.» Diese Worte, aus taktischen Gründen ineine geschickt vereinfachte Form gefaßt, lasen wir in dem ersten, teilweise konfiszierten Aufruf der großen Koalition polnischer Parteigruppierungen (an der sowohl bürgerliche wie auch Bauern- und Arbeiterparteien teilnehmen), die der Regierung des Marschall Pitsudftki den Fehdehandschuh zuwarf. Doch da die Aufgabe unseres Aufsatzes bloß die Beurteilung der Lage der jüdischen Bevölkerung in Anbetracht der kommenden Wahlen ist, wollen wir «programmatische» Hintergründe des großen Kampfes um die Macht in Polen beiseite lassen, jenes Kampfes, auf dessen Resultat ganz Eurapa wartet und der die bisher krankhaft ln viele Parteien zersplitterte polnische Gemeinschaft zu einem — man könnte fast sagen — Zweiparteiensystem vereinfachte. Die Resultate dieses Kampfes werden in keinem Falle unmittelbar und konkret den großen Prozeß der Abbröckelung, unter dem das polnische Judentum so schwer leidet, aufhalten können. Die jüdischen Massen als solche sind nicht und können nicht am Erfolg dieses gigantischen politischen Kampfes unmittelbar interessiert sein. Die fortschreitende wirtschaftliche Verarmung der jüdischen Bevölkerung in Polen trieb sie in eine Sackgasse; schwer« Wolken des Pessimismus verdecken den Horizont der politischen Interessen. Diese Tatsachen gerade haben es aber nwD Spezial IOO 0/* Fettgehalt Gelb, geschmeidiges Pflanzenfett, überall erhältlich Unter Aufsicht des. Herrn Oberrabbiner Fürst (Schiffssehul) veranlaßt, daß noch nie ein vereinigter jüdischer Block in Polen eine größere politische, psychologische und taktische Berechtigung hatte als in der jetzigen Lage. Aus den Pressestimmen und der Stimmung der Bevölkerung kann man mit Leichtigkeit erfahren, daß im Gegensatz zu den letzten Sejm wählen in Polen im Jahre 1928, bei denen die Jüdisch-nationale Bevölkerung, in zwei Gruppen gespaltent zu Wahlen schritt (die Grtinbaum-Uste in Russisch-Polen, vereinigt mit dem allgemeinen Minderheitsblock und die Jüdischnationale Liste in Ost- und Westgalizien), diesmal es wahrscheinlich zu einer einheitlichen jüdischnationalen Liste kommen werde. Jedenfalls kann keine Rede sein von einem Block zwischen Juden und anderen nationalen Minderheiten, die diesmal keine einheitliche Front bilden. Die Weißrussen sind in bürgerliche und linksradikale Organisationen zersplittert; die Ukrainer werden höchstwahrscheinlich in einem einheitlichen Block («Undo»-RadilcaJe, die Rechte des «Selrob» usw.) nur mit Ausnahme der Sozialdemokraten zur Wahl schreiten; die Deutschen haben durch den Abgeordneten Uttah, den Präsidenten des Deutschen Volksverbandes, erklärt, daß sie geneigt wären, dem Block der jüdischen Parteien beizutreten. Diese Frage ging aber bi« jetzt nicht über unverbindliche Gespräche hinaus. Den ersten Schritt zur Schaffung einer einheitlichen jüdischen Front bildet der kürzlich gefaßte Beschluß aller zionistischen Landesorganistionen in Polen, wonach bei den kommenden Wahlen eine einheitliche zionistische Front zu bilden sei. Diesem Beschluß muß eine große Bedeutung zu geschrieben werden, nicht nur aus dem Grunde, weil er die Unifikation der zionistischen Bewegung in Polen, die bisher so viel Schwierigkeiten bot, faktisch durchführt, sondern auch deshalb, weil er als der Kern eines allgemein jüdischen Blockes zu betrachten ist. Man muß sich nämlich die Tatsache vor Augen halten, daß die zionistische Bewegung in Polen eine führende und entscheidende politische RoHe im jüdischen Leben dieses Landes spielt. Und in der Geschichte der Sejmwählen gab es bisher noch keinen Fall, daß die überwältigende Mehrheit der jüdischen Bevölkerung nicht auf die zionistische Liste gestimmt hätte. Allerdings; taktische Gründe und vor allem die noch immer geltende Wahlordnung (geschaffen . vom verstorbenen Anführer des radikalsten Antisemitismus, des Priesters Lute» siawski und eingestellt auf größtmögliche Einengung der jüdischnationalen Repräsentation im Parlament) erfoderten Schaffung von Kompromissen mit den Vertretern kleiner Parteien, wie Volkisten, die Orthodoxie oder wirtschaftliche Gruppierungen der Kaufleute und der Handwerker, die an und für sich bedeutungslos für den Fall der Abstinenz bei den Wahlen schädlich sein könnten. Doch ist es eine unzweifelhafte Wahrheit, die aus den bisherigen Wahlerfahrungen in Polen resultiert, daß der Zionismus in Polen eine moralische und ideelle Macht repräsentiert. Der Zionismus ist in Polen eben keine Konjunkturangelegenheit und er kann nichts von seiner Popularität einbüßen. Er kann keinesfalls «unmodern» werden oder seine Anziehungskraft verlieren. Es zeigte sich bei den Wahlen, daß keine politische Gruppe, nicht einmal die Agudah oder «Bund» imstande sind, im Kampfe gegen den Zionismus auch e i n Mandat zu erobern, geschweige denn kann es die Assimilation, die in Polen durch einige skrupellose Konjunkturjäger repräsentiert ist, erreichen. So ist die Schaffung der zionistischen Einheitsfront eine entscheidende Tatsache, die es verdient, in der noch nicht heraU8kri8tal(isierfen, ab«.r lebendigen und nervösen Chronik des vorbereiteten Wahlkampfes hervorgehoben zu werden. Diese Front kann, unterstützt durch wirtschaftliche und politische Gruppen (wie es scheint, wird es zu einer Einigung mit der Agudah nicht kommen), bei der augenblicklichen schlechten Konjunktur (die Wahlzahl ist sehr groß) dennoch 12 bis 14 Mandate erobern, also genügend, um auf Grund der Sejmordnung jüdische Vertretung in allen Kommissionen gesichert zu haben. Wenn jedoch die eine oder die andere wirtschaftliche oder politische Gruppe aus dem einheitlichen allgemein jüdischen Block austreten und versuchen würde, die Zahl der jüdischen Stimmet; für die einheitliche Liste zu verkleinern, könnte es unter Umständen tatsächlich zu einer Verringerung der Zahl der jüdischen Mandatare im polnischen $ejm und Senat kommen, insbesondere da äußere Einflüsse sich bemerkbar machen,^welche die zionistische Bewegung in Polen zu entkräften versuchen, indem sie sich der Dienste der Assimilationsclique bedienen. E6 scheint jedoch, dab, wenn auch die*Lage nicht besonders günstig ist, das polnische, politisch reife und an Erfahrungen reiche Judentum sich Rechenschaft davon gibt, daß die Lage bedrohlich ist. Eingepreßt . zwischen zwei große polnische Gruppierungen, die um die Macht im Staate kämpfen, in ein ungewisses Morgen schreitend, sieht das polnische Judentum die einzige Möglichkeit der Abwehr in einer sowohl qualitativ wie quantitativ starken jüdischen Vertretung im Parlament Nicht ohne Einfluß auf diesen Prozeß der sozusagen «kontemplativen» Konsolidierung ist die Lage der Juden in Rumänien, Deutschland und in Oesterreich. In ernstesten und schwersten Momenten kam es immer zu einer Einigung der Juden, und schwere Zeiten, macht das Judentum jetzt merkwürdigerweise gleichzeitig in allen Ländern Zentral- und Osteuropas, Polen inbegriffen, durch. Zur Zeit, als wir diese Worte schreiben, bemüht sich das zionistische Lager in Polen, in der Einheitsfront alle, auch kleinste Gruppierungen zu vereinigen. Denjenigen. gegenüber aber, die diesem Werke der Konsolidierung, die im jetzigen Moment eine Notwendigkeit ist, aus egoistischen Gründen Schwierigkeiten in Weg werfen, wird der Zionismus den Grundsatz verwirklichen müssen: Beugen oder brechen. Rosch Haschanah ln Jerusalem. Jerusalem. (J. T. A.) Die Rosch Haschanah- Tage sind in Jerusalem ohne wesentliche Störungen vorübergegangen. Juden aus dem ganzen Lande waren zur Klagemauer gepilgert und besuchten die jroße Synagoge in der Altstadt. Dieser gewaltige Zustrom von Menschen bewirkte eine noch stärkere Ueberfüllung der Synagogen als in früheren Jahren. An der Klagemauer wurde fast ununterbrochen Gottesdienst abgehalten. Das von Rabbi Sonnenfeld geleitete Maarew-Gebet war von überlautem Gesang einer kleinen Gruppe von Betern in der Zawieh-Mo* schee begleitet. Das Verbot des Schofarblasens an der Klagemauer nötigte die dort Betenden, zum Mussaf die ständigen Synagogen aufzusuchen. Während des Maarew-Gebetes an der Klagemauer vfarden zwei Steine unter die Versammelten geschleudert, glücklicherweise ohne jemand zu Treffen. Es gelang den Polizeipatrouillen, welche die Zugänge zum Platz vor der Klagemauer bewachten, nicht, der Täter habhaft zu werden. Am Abend des zweiten Festtages waren die Straßen Jerusalems durch zahlreiche jüdische Spaziergänger belebt, die Filmtheater wiesen nach der zweitägigen Spielpause einen Rekordbesuch auf. >ooc)oooqooooc)ooooooooocxxmcxxxxx3oooo^ 1MH der Ziotti im Gaff „Altes Rathaus“ (Caftftier Leo Löwy) Größer« und kleine Klublokde 1* Buo WippUug erstraße 24 fei. U 974-84, U 26-2-74 °P0<WPWJCXlO<!XlOQt»OOCXino^