Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1930-10-02 · Heft 145 (2.10.1930) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 145 (2.10.1930)
Date
1930-10-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3053859-3053898--1933-3057325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Die hevMtfe Rnmar M ** »cMc— atforh Preis 35 BrostUm V|B Ife ■ Da Da Abonaieret Verbreitet a\ . * £ H* J Aboanementprelse: Für Österreich: Monatl. 8 1.50, rlertolj. 8 4.20, ganxj. S 10.— / Deutschland: Monatl. Goldmark 1.—, rlertclj. Goldmark 8.— I Tschechoslowakei: Monatlieb Ke 7.—, yiertelj. Ko 10.— I Jugoslawien: Monatlich Dinar 14.—. vierteljährlich Dinar 40.— I. Jüdisdie Zeitung Crscflielni fettem Kfonnerstfatl Aed«ifM0h und 4dmlniflrafioii: Wien, Y., d2«|iAeii*feinia«8e I — getenfto« 2g<*3-S% Polen: Monatl. Zloty 2.30. viertel]. Zloty 8. Uacarn: Monatl. Pengö 1.50, viertelj. Pengö 4.201 Rumänien: Monatl. Lei 45.—. viertelj. Lei 125.— Bulgarien: Monatl. Lewa 80.—. viertelj. Lewa 80.— Belgien: Monatl. Belga 2.—, viertelj. Belg» ft— I Uebriges Ausland: Monatl. Schweizer Franken 1A0 3. Jahrgang Wien, Donnerstag, 2. Oktober 1930 (10. Tischr! 56tl) Nummer 145 I I I.■■■■■ .■■■■IHM.I lim ,l r I .11 I i ' - linilil 'l .— in IM— I M., I. ' .. IHM ' , I III. ■ . .. . ..»— Der Weltkongreß für das arbeitende Palästina in Berlin Am 27. September abends wurde der U Weltkongreß für das arbeitende Palästina feierlich eröffnet. Am Rräsidiumtisch befinden sich äte Mitglieder der Exekutive der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation (Histadruth) ih Palästina, Die Eröffnungssitzung wird von den Chawerim' Ben- Gurion, Kaplansky und Spnnzak geleitet. D. Ben-Gurion eröffnet den Kongreß im Namen der Histadruth. David Ben-Gurion führt u. a. aus: «Der starke Widerhall, den der Aufruf der Histadruth zum Kongreß in den breitesten Schichten der Arbeiterschaft, der Jugend und der Intelektuellen gefunden, hat die Arbeiterschaft in Palästina mit Befriedigung und Ermutigung erfüllt. Mehr als Vierhunderttausend haben auf diesen Ruf geantwortet und ihre Boten hierhergesandt. Solche Betätigung hat noch kein jüdischer Arbeiterkongreß gehabt. Mit Schmerz müssen wir feststellen, daß tausenden tri^u^r Freundei die Möglichkeit der Teilnahme äh diesem; Kongreß genommen {s.tj /-die,Gefängnisse und DefjortatidnslageF-jto Rußland sperren ihnen den Weg hierher; aber wir glauben, daß, ihr heroisches beiden seinen Lohn finden. wird; ■. Der Kongreß ist in einer Zeit lebhaften Anstiegs der. Ber wegung einberufen worden, in einer Stunde schwerer" Ptüfun^ gen, — nach den Ereignissen des August 1929. Die jüdischen Arbeiter, die im Kampfe gegen die Pogroimhelden standen, haben am Tage nach dem Pogrom; erklärt: wir werden in nichts auf unsere zionistischen Bestrebungen verzichten, wir werden nicht aufhöreh, unser Aufbauwerk im Lande weiter zu stärken, -— aber wir werden auf keinen hören, der zu Rache tifid nationalem Haß oder Boykott aufruft. Nach den Augustereignissen kam ein zweites nicht weniger grausames Attentat auf unser Werk. Die Mandatsregierung hat die Arbeiter-Immigration suspendiert, in: einer Zeit, wo man neue Arbeitskräfte für das Land brauchte. In diesem Verhängnis haben wir wie die ganze übrige Welt einen Akt erblickt, in dem sich die Mandatsregierung leider denen gebeugt hat, die die Pogrome angestiftet haben. Dieser Schlag traf uns umso schwerer; als an der Spitze der englischen Regierung gerade unsere Freunde standen und ihr Führer Macdonald, der beim Anblick unserer Arbeit geschrieben hat: «Der Jude, der nach Palästina geht, ist ein Mensch der Arbeit, ein Mensch der Visionen. Er gibt dem s Lande mehr, ajs er für sich nimmt, während die arabische Bevölkerung Schätze des Bodens nicht verwertet und das. Laqji nicht weiter entwickelt. Es ist nicht nur der Pjatz da für huhderttausende jüdische Einwanderer, sondern das Land ruft geradezu nach neuen Arbeitern, nach neuem Fleiß.» Matsmann be£tnadi{ft Wien, 1. Oktober 1930. Wie die Korrespondenz Herwei erfährt, ist im Zuge des dritten periodischen Gnadenantrages, der 120 Personen mnfaßt, auch Philipp Halsmann begnadigt worden. Philipp Halsmann wurde von der Direktion der Strafanstalt Stein hei Krems von seiner Begnadigung bereits verständigt lind nach Erledigung der Formalitäten enthaftet. Steine Mutter, die seit seiner reohtskräftigen Verurteilung in Wien wohnt, und sein Verteidiger Doktor Richard Preßburger holten ihn aus der Strafhaft ab. Halsmann hat die Hälfte seiner Strafe, nämlich zwei Jahre, verbüßt. Diese Nachricht wird wohl in der ganzen gebildeten Welt einen starken und freudigen Widerhall erwecken. Damit ist jedoch nur die erste Phase des Kampfes ums Recht, den dieser jüdische Student heldenmütig geführt hat, abgeschlossen. Die gänzliche Rehabilitierung wird — daran glauben wir fest — früher oder später erfolgen müssen. Allenfalls begleiten alle, denen das Schicksal des unschuldig Verurteilten naheging, seinen weiteren Weg mit besten Wünschen. Die Histadruth ist keine Partei, sie vereinigt alle Arbeiter Palästinas, sie fragt nicht nach dem Parteibekenntnis ihrer Mitglieder: Wer von seiner Arbeit lebt und keinen Nebenmenschen ausbeutet, ist berechtigt, Mitglied der Histadruth zu sein. Sie ist dabei nicht lediglich ein gewerkschaftlicher und wirtschaftlicher Organismus, denn nicht nur materielle Bedürfnisse oder Forderungen haben die palästinensischen Arbeiter zu einer entschlossenen Einheit zusammengeschmiedet, zu einer Einheit, die wohl ln der ganzen jüdischen Arbeiterbewegung der Welt ihresgleichen nicht nat. Die Histadruth ist in ihrem geistigen Wesen und in ihrem historischen Willen ein Bund von Staatsbegründern: keines Staates der Gewalt und Unterdrückung,- sondern der Arbeit und der Gleichheit. 1 ' Der Zukunftsstaat, den die Arbeiterschaft, die Armee der : Verwirklichung der jüdischen Wiedergebiirh: erstrebt, wird [. durch die Neuschöpfung des jüdischen Volke» errichtet, durrii eine dauernde Anstrengung tffiü bittsfchögfe^bjes^ j Wirkentlgrer;^Jie daS Land mJt ihrem Schweiße atrfbäueri. In den Errungenschaften des Arbeiters, in dem Kolonisätions- Iwcrk, im Kulturwerk, in der Bildung neuer Gesellschaftsreformen, in den politischen Anstrengungen, in' dem Klassen-- katnpf für die Interessen. de» vArbeiters und das Recht des Neu eoffnele DeloilniederlaHe; Wien, I.,Herrengasse2 (Ecke Michaelerplafz) Einfühningsschlager: Sole LaTäftle. ... . $ 5’?i Garantiert 100*/o Naturseide für Wäsche und Blusen Volkes — bei aller Wichtigkeit, die alldem für die, die in der Front stehen, zukommt — sieht der jüdische Arbeiter nur Etappen der Verwirklichung, in einer Entwicklung, die zu ’ einer territorialstaatlichen Lösung des Judenproblems durch den vollen Einsatz der schöpferischen Kräfte des jüdischen Volkes, in freier Arbeit auf eigenem Boden führen soll. t , Ein Land hat zwei Dimensionen: Zwei sind naturgegeben, die Länge und die Breite des Landes. Es gibt aber noch eine dritte Dimension, die wichtigste, das ist die Fruchtbarkeit, die Produktivität . des Bodens. Diese dritte . Dimension zu'ändern, zu vergrößern, auszuweiten, ist in unsere Macht gegeben; Durch Erhöhung der Fruchtbarkeit verwandeln wir einen Dunam in hundert, uüd die 99 neuen Dunam sind fähig, nicht nur neue Siedler aufzunehmen, sondern iauch die Lage der bisherigen Bewohner zu verbessern. Das Endziel der jüdischen Renaissance — die territorialstaatliche Selbständigkeit des jüdischen Volkes in seinem Lahde — wird verwirklicht durch den Aufbau, dessen Größe nur von der Arbeitsfähigkeit des jüdischen Volkes abhängt. Erez Israel wird so jüdisch sein, wie das jüdische Volk . es will. Unser Recht auf Palästina ist ein Recht auf Arbeit, das Kolr. lektivrecht eines Volkes, sich selbst die Basis seiner Existenz durch seine eigene Arbeit zu schaffen. Und deswegen muß das jüdische Palästina ein arbeitendes Palästina sein. Und: deswegen muß es ein Land dps Friedens und der Zusammenarbeit mit seinen arabischen Söhnen sein. Drei Dinge; Die bisherige Aufbauleistung, den Ausblick in die Zukunft, die Mobilisierung, neuer Kräfte bringen wir zum 1. Kongreß für da» arbeitende Palästina, den im Namen der Histadruth zu eröffnen ich die Ehre habe.» Die Rede wurde durch die Versammlung im ehemaligen Preußischen Herrenhaus mit stürmischen Beifall aufgenommen. Pie erste Hälfte der Rede wurde in hebräischer, die zweite Hälfte in jiddischer Sprache vorgetragen. Bei Beginn der Rede machte die Gruppe der Linken Poale Zion eine Demonstration gegen das Hebräische, jedoch trat bald wieder ,Ri$e ein. S. Kaplansky begrüßte die Gäste, insbesondere Eduard Bernstein, Professor Albert Einstein, Nachum Sokolow, Sassenbach, Jean Longuet, Knoll u. a. »HÄfiSftUJtG« anrufender bequemste . 8 2*1-5-20 SERIE WM* frfrfr I «IS :ifrM mmm. wmmww frfrfrfrfr'fr ’-'O Der alte r Führer und; Lehrer des internationalen Sozialismus, Eduard Bernstein, wird stehend vom Kongreß begrüßt. Er spricht vom Baseler Programm, der Errichtung einer öffentlich rechtlich gesicherten; Heimstätte der Juden in Palästina. Jm Baseler Pto^amm ,sieht, er einen Ausdruck des Strebens nach Gleichheit und.'Brüderlichkeit in Erez Israel. Ein solcher'Ztistanr} wird geschaffen sein, werin sich die jüdische mit der arabischen Bevölkerung immer mehr verbinden wird. *; Professor Einstein hält .von seinem Platze aus eine kurze Ansprache. Er ist nicht zum Kongreß gekommen um zu lehren, sondern um zu lernen/Er sieht im jüdischen Aufbauwerk in Palästina den Weg der Juden zum Volk, zur Errichtung einer Kültiirgemeinschaft; Ihm ist nicht wichtig, wieviel Juden nach Palästina gehen, sondern daß Palästina Kulturwerte schaffen soll, die.es dem Herzen des Volkes und der ganzen Welt nähebringen. Im Namen des Amsterdamer Internationalen Gewerksehaftsbundes begrüßt dessen Generalsekretär SassehbacH den; Kongreß. Nachtun Sokolow begrüßt den. Kongreß im Namen der Zionistischen Exekutive. Als er in hebräischer Sprache seine Rede beginnt, machen die Linken Poale Zion zahlreiche Zwischenrufe .und. verlassen den Saal. Präsident Sokolow knüpft an ein Wort an, das Theodor Herzl vor 30 Jahren — in Abwandlung eines alten Satzes — gesprochen hat: «Durch Arbeit wird Zion, erlöst werden», — 30 Jahre später haben wir diesen Kongreß für Arbeit und Erlösung. Der Zionismus kann nur durch jüdische Arbeit verwirklicht werden und er sorgt deshalb dafür, daß sein Nationalfonds Boden für die jüdischen Volksmassen beschafft. Jean Longuet begrüßt den Kongreß im Namen der sozialistischen Bewegung in Frankreich. Er spricht mit Wärme und in temperamentvoller Weise über die Bedeutung des Werkes der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina. Zahlreiche bedeutende ’ Führer der internationalen Arbeiterbewegung haben in diesen Jahren diesem Werk ihre Sympathie zugewandt. Nicht mit nationalistisch-chauvinistischen Ten* denzen kann das nationale Heim der Juden aufgebaut werden, sondern nur in dem hohen Geiste von Spinoza, Marx, LassaHe und Einstein. Grüße des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes überbringt Genosse Knoll. Er spricht im Namen der stärksten gewerkschaftlichen Organisation der Welt, des A. D. G. B., der 5,000.000 Arbeiter und Arbeiterinnen umfaßt. Im Namen all dieser überbringe er die wärmsten Glückwünsche für die Arbeiten des Kongresses. ' Genosse Dr. Weinberg begrüßt den Kongreß im Namen der sozialdemokratischen Fraktion der Berliner Stadtverwaltung. S. Rubaschow verliest eine Reihe von Begrüßungen, die telegraphisch und brieflich eingelaufen sind, u. a. von Chaim Nachman Bialik, Profesor Sch. Dubnow. Weiters sind Begrüßungen einfegängen von Leon Blum, Harry Sneil, De Brouquere und Süukup (C. S. R.). Unter stürmischem Beifall wird in arabischer Sprache die Begrüßung des Haifaer arabischen Arbeiterklubs vorgelesen. /7/ HAI5ER5TR. 123 ALSE&5T&. 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.