Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 144 (22.9.1930)
- Date
- 1930-09-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 144 DIE STIMME Seifte 3 Erklärung / Bei der Samstag (abends), den 20. d. M., stattgefmtdenen Sitzung der Mterachi-Zentrate Wien hat der Vorstand wegen der kürzlich von einem gewissen Mal-; fcid Grünwald gegen das Misrachi-Präsidium verbreiteten Schmähschrift sein Bedauern ausgedrückt und dfe unverantwortliche Tat Grünwalds verurteilt. Der Vorstand hat diesen Anlaß benützt, dem verdienstvollen Präsidium nicht nur das vollste Vertrauen, sondern auch den Dank für dessen bisherige Leistung für das Wohl des Misrachi und awf anderen wohltätigen Gebieten ausz-uspreehen. Im übrigen hat das Präsidium wegen der vom Grßnwald erhobenen Anwürfe und Verleumdungen das Gericht angerufen und befindet sich G r ü n w a 1 d bereits seitdem 19. d. M. i n Un tersucfo« ngshaf t. lieber den Aasgang des gerichtlichen Verfahrens wird seinerzeit an dieser Stelle berichtet werden. Der Vorstand des Misrachi Wien. Kraft des Judentums, geboren aus dessen historischem Bewußtsein und weltumfassendem BittlichikeitsideaL Ebenso wenig wie die im heiligen Lande geschaffenen Werke verwüstbar sind, weil die Schöpfer zum Martyrium bei reit sind, ebenso wenig ist die Kraft des Juden- I fcnms za brechen durch den noch so scharfen i Ansturm äußerer Geschehnisse, weil . seine Ideale ewig und seine Verbundenheit mit diesen Idealen unzerreißbar ist. Wir können keinen Posaunenschall der Erlösung etrtönen lassen, aber unser Ruf nach Beglückung der Menschheit und Erlösung des heiligen Landes darf und wird nicht verhallen. Rosch Haschanah 5691 Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. Der schrille Ton, mit dem da« Jahr 5689 schloß, hat auch den Rhythmus, oder richtiger die Disharmonie dieses Jahres bestimmt, von dem wir jetzt Abschied nehmen. Es war das Jahr der politischen Folgen des arabischen Ueberfall« vom. Monat Aw 5689. Der Jischuw, mitten in friedlicher konstruktiver Arbeit überfallen, sah sich, nachdem er sich aus eigenen Kräften verteidigt hatte, einer Untersuchung unterworfen, deren Tendenz immer deutlicher dahinging, den Ueberfallenen, den Ankläger, zam Schuldigen zu machen. Die arabische EffendicHque, die Anstifterin der Unruhen, und die leitenden Beatmten der Administration, die ihr Spiel auf gedeckt sm sehen fürchteten, schlossen einen Bund, in dessen Zeichen die gesamten Maßnahmen standen, die die Regierung im Laufe dieses Jahres in bezug auf Palästina durchgeführt hat Wir waren Zeugen der Shaw-Kommission, wo Beamte des Colonial-Office in das Land kamen, u.m ihre KoHegen und , deren Verbündete, den Mufti und die arabische Exekutive, reinzuwaschen und nachzuweisen, daß der Zionismus der Schuldige sei, die Jüdische Einwanderung gesperrt, jüdischer Bodenkauf erschwert und die Araber für die Augustereigmsse mit einem Parlament belohnt werden müßten. Wir waren Zeugen einer ungehemmten Fortsetzung der arabischen Agitation gegen uns, einer Verhöhnung der jüdischen Entschädigungsansprüche durch Zahlung lächerlich geringfügiger Summen, wir waren Zeugen ständiger Wiederholungen der Treueerklärungen der Mandatsregrerung gegenüber der Baifour-Erklärung und der ständigen Maßnalwnen zur Außerkraftsetzung dieser Erklärung. Mau ließ die Verhandlungen mit der arabischen Delegation demonstrativ scheitern, weil man nichts gegen das Mandat ton wollte, aber, anstatt, wie versprochen, einen Politiker großen Formats als Experten für die zukünftige britische Palästina-Politik in das Land zu entsenden* schickte man Simpson und erklärte, um jedes Mißverständnis zu vermeiden, von vortneherein, seine Aufgabe sei, den Schutz der arabischen Fellachen gegen die Gefahren der zionistischen Siedlungstätigkeit sicherzusteHen. Nicht genug damit, suspendierte man die Einwanderung der Chatimm, eine Maßnahme, die bisher nicht aufgehoben wurde. Der Bericht Simpsons ist noch nicht bekannt, und man kann deshalb über das konstruktive Programm, das die Regierung auf Grund seines Berichtes auszuarbeiten gedenkt, nichts Voraussagen. Liest man jedoch die Antwort, mit der die Regierung auf den die Vorgänge des letzten Jahres gerecht beurteilenden Bericht der Mandatskommission des Völkerbundes erwiderte, so wird man gut ton, sich auch in bezug auf die zukünftige britische Palästina-Politik keinen Illusionen hinzugeben. Auch in der Angelegenheit der Kotei Haroaarawi scheint es, trotz allem Entgegenkommen seitens der Juden, zu keiner wirklichen Liquidierung des Problems zu kommen, da die Araber von vorneherein erklärt haben, sich einem ihnen nicht genehmen Entscheid der Völkerbundskominission nicht fügen zu wallen. So werden denn die Folgen der Augustereignisse auch im Jahre 5691 eine entscheidende Rolle spielen: Simpsons Bericht wird veröffentlicht wenden, die Regierung ihre Politik daraufhin festlcgcn und m der Klagemauerafigelegenheit wind eine Entscheidung faßen. Die Jewish Agency, deren Erweiterung durch fühi aan Schlüsse des Vcuäatas erfolgt war, hat eht Jahr außergewöhnlich schwieriger Verhältnisse hinter sich. Die politische Arbeit vermochte im einzelnen wichtige Erfolge za verzeichnen: der große moralische Erfolg, den der Beschluß der Mandatskommission für uns bedeutet, ist vor allem das Ergebnis der zionistischen Aufklärungsarbeit, der es auch sonst gelang, namentlich in England, in weiten Kreisen über das Ziel unserer Bewegung Aufklärung zu schaffen. Wenn aber auf politischem Gebiete die Juden eben nur einen Faktor im Spiel der Kräfte bedeuten, und naturgemäß einen schwachen, so sind die Ergebnisse der praktischen Aufbauarbeit in Palästina doch in erster Linie vom jüdischen Volk und von der zionistischen Bewegung abhängig. Die großen' Hoffnungen auf Erweiterung unserer Aufbauarbeit durch Schaffung einer breiteren finanziellen Grundlage haben sich leider im Jahre 5690 nicht erfüllt. Viele Momente wirkten zusammen: die Unruhen und die ihnen folgenden politischen Ereignisse, das Andauern der schweren wirtschaftlichen Lage in Ost- und Mitteleuropa, der wirtschaftliche Krach in Amerika und die unvermeidliche Tatsache, daß die neugeschaffene Organisation der erweiterten Jewish Agency erst einer Uebergangsperiode bedarf, um vollständig zu funktionieren. So brachte das Jahr ein erneutes Defizit der Palästina-Exekutive, und unter dem Eindruck dieses Defizits und der auch weiterhin schlechten weltwirtschaftlichen Situation nahmen die soeben in Berlin geschlossenen Sitzungen des Administrative Committee der Jewish Agency für 5691 ein außerordentlich geringfügiges Budget an, das nur dann konstruktive Arbeit ermöglichen wird, wenn die Bemühungen zur Aufbringung der Mittel für die Ansiedlung von 1000 jüdischen Arbeiterfamilien auf Keren Kajemeth-Boden, die nicht mit Mitteln des ordentlichen Budgets vor sich gehen soll, gelingen. Ebenso will man die zur Konsolidierung der bestehenden Siedlungen erforderlichen Beträge außerhalb des regulären Budgets aufbringen. Es ist erfreulich, zu konstatieren, daß die Einnahmen des Keren Kajemeth durch die Ereignisse des letzten Jahres nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden, wenn freilich auch die Reise Ussischkins in die Vereinigten Staaten, von der man sich eine große Vermehrung der Einnahmen versprechen konnte, auf das kommende Jahr verschoben werden mußte. Wenn so das Bild der finanziellen Lage nicht rosig ist, so ist es um so erfreulicher, zu konstatieren, daß auch unter den Verhältnissen dieses Jahres, das bisher nicht seinesgleichen in der Geschichte unserer Bewegung hatte, die wirkliche Aufbauarbeit im Lande weitergegangen ist und auf einer Reihe von Gebieten wichtige Fortschritte zu verzeichnen hat. Auf die Augustereignisse reagierte die zionistische Jugend Osteuropas durch massenweisen Eintritt in die Reihen des Hecbaluz. Die Einwanderung brachte seit den Unruhen beinahe 6000 Menschen in das Land, zum überwiegenden Teile Chaluzim, während die Zahl der Einwanderer mit eigenen Mitteln ziemlich gering war. Die Suspendierung der Einwanderungszertifikate führte dann naturgemäß zu einem starken Rückgang der Einwanderungsziffern in den letzten Monaten. Um so wichtiger sind die Bemühungen der letzten Zeit zu bewerten, die Einwanderung mittelständiscker Elemente, auf die die Einwaaderungsbesoiiränkungen nicht angewandt werden, za verstärken^ Das Wirtschaftsleben des Jischuw widerstand den Unruhen und dem Boykott und bewies damit seine Solidität. Die neuen Einwanderer vermochten mühelos absorbiert zu werden, zu einem großen Teil in den Pflanzungskolonien, wo jetzt über 8000 jüdische Arbeiter tätig sind und wo in diesem Jahre 14.000 Dunam neue jüdische Pardessim angelegt wurden, zum Tei im Bauwesen, das insbesondere in den Städten teilweise sehr groß war, zur Konzentrierung der jüdischen Bevölkerung in jüdischen V.crtein führte und mit Hilfe der Gelder des nach den Unruhen aufgebrachten Hilfsfonds eine Stärkung der jüdischen Position in den Städten brachte. Mit Mitteln dieses Fonds wurden auch eine Reihe von Chausseen gebaut, um unsere Siedlungen leichter erreichbar m machen und dadurch ihre Sicherheit zu erhöhen. Auch die Arbeit dies Keren Kajemeth vermochte uneingeschränkt fortgesetzt zu werden. Eine Reihe von Badenkäufen konnte trotz der Schwierigkeiten, che die Administration zu machen verstand, d-urchgesetzt werden; 1m Eimek Scharon und im Ernek Akko wurde die Position des KKL wesentlich verstärkt, im Emek die fehlende Verbindung zwischen verschiedenen Siedlungspunkten hergestetlt, die erforderlichen Böden für die Ansiedlung der 1000 Arbeiterfamilien wurden erworben. Insgesamt w urden in diesem Jahre 12.620 Dun am auf den Namen des KKL übertragen. Die Entsumpfungsarbeiten m der Kischonebene wurden fast beendet, 230.000 Bäume wurden gepflanzt. Die Konsolidierung des zionistischen Siedlungswerkes wurde, soweit es die finanziellen Mittel ermöglichten, energisch fortgesetzt; leider brachte die Mäuseplagc den Siedlungen des Emek schwere Verluste. Acht neue ' >uien wurden in diesem Jahre gegründet, darunter eint* neue mittelständische Siedlung bulgarischer Juden, Beth Chanan bei Rechoboth, und die neue PICA-Siedlung Pardess Anna in der Scharonebene. Auch die jüdische Industrie hat Fonschritte gemacht. Eine Anzahl neuer Fabriken ist im vergangenen Jahre entstanden, während die alten sich neue in-und ausländische Märkte eroberten. Unter den größeren Industrien hat sich insbesoiidere die Zementunter Aufsicht des Herrn Bezrrksrabbiners $. Ehrenfeld 20 Mattersburg wird das Speisefett Kunerol hergestellt Kunerol ist reines Kokosntifefdf und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen verwendet werden. R0L 100% REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung. Vor täuschend ähnlichen Nachahmungen wird gewarnt. industrie entwickelt. Die Nachfrage war im Jahne 1929 größer als das Angebot, und in der letzten Zeit wurden neue Maschinen aufgestellt, um eine vermehrte Prodi:'.- fcion zu ermöglichen. Die Textilfabriken haben ihre Produktion vergrößert, da sie nun sowohl im Ii>- laude als auch nach dem Ausland mehr verkaufen. Die große zentrale Rutenbergsohe Kraftstation am Jordan nähert sich der Vollendung, die Arbeiten am Toten Meer 'haben, nach Unterzeichnung der Konzession, eingesetzt und für die allgemeine Landesenfwickhmg sind die Fortschritte des Hafenbaues in Haifa von großer Bedeutung. Das hebräische Schulwerk hat sich normal entwickelt und stellt mit mehr als 21.000 Schülern heute da« stärkste Schulsystem des Landes dar. Es verdient erwähnt zu werden, daß die von der Regierung unter dem Namen Knesseth Jisrael anerkannte autonome Organisation des Jischuw zu Beginn des neuen Jahres nach Beendigung aller Vorbereitsarbeiten Neuwahlen zur Assefafh Harcharim veranstalten wird und dort zum ersten Male die Möglichkeit haben wird, von ihrem Besteuerunigsrecht Gebrauch zu machen. Verhandlungen, die jetzt auf der Sitzung des Administrative Committee zum Abschluß gekommen sind, sehen den etappenweise* Uebergang des hebräischen Schulwerks an die Knesseth Jisrael vor, womit einerseits der organisierte Jischuw eine große Aufgabe erhält, anderseits die Mittel der Jewish Agency in höherem Maße kolonisatorischen Aufgaben zugeführt werden können. Schana ba-Arez Von Dr. A. J. Brawer (Jerusalem). Der Grundgedanke des modernen Zionismus ist die Schaffung einer Heimatsstätte für das Judentum. Unbehindert durch den Zwang einer fremden Umgebung soll die jüdische Kultur im Lande der Väter neu aufblühen. An dieses Bestreben war von allem Anfang die Hoffnung geknüpft, daß das freie nationale Leben im Stammland das Nationalgefühl der Juden in der Diaspora steigern und ihren Widerstand gegen die Assimilation stärken würde. Allen politischen und wirtschaftlichen Hemmungen zum Trotz hat der noch kleine Jischuw in Erez Israel bereits jetzt einen Teil der an seine national-kulturelle Mission geknüpften Hoffnungen erfüllt. Schon lange hat kein Land einen solchen Einfluß auf das geistige Leben der Judenstadt ausgeübt, wie heutzutage Erez Israel. Die von Jerusalem ausgegangene hebräische Sprachbewegung findet überall dort Anklang, wo Juden in größerer Zahl leben; das hebräische Schulwerk wird überall nachgeahmt, wo nur die Verhältnisse eigene jüdische Volksschulen zulassen, ln Erez Israel ausgebildete hehräische Lehrer sind nicht nur im Orient und in Europa, sondern auch in Nord- und Südamerika, in Südafrika und in Australien als Verkünder der jüdischen Renaissance zu finden. Die meisten und besten hebräischen Schriftsteller leben jetet in Erez Israel und der weit größte Teil der modernen hebräischen Bücher wird hier verlegt und gedruckt. Auch das künstlerische Schaffen, das hebräische Theater voran, hat bereits eine solche Höhe erreicht, daß wir vor anderen Kulturvölkern nicht mehr zurückstehen. Auf wissenschaftlichem Gebiete, wo die Früchte selten schnell reifen, liegen verheißungsvolle Anfänge vor; die sprachlichen Schwierigkeiten sind schon überwunden. Weit davon entfernt, sich mit unverdienten Lorbeeren zu schmücken, sehnt sich Erez Israel nach einer zielbewußten Kulturpropaganda unter den Brüdern in der Diaspora, die von den sie umgebenden HochkuHuren fast erdrückt werden. Die hebräischen Spraclikongresse waren bescheidene Anfänge auf diesem Weg, jedoch ohne nennenswerte Erfolge. Man ist sich heute darüber im klaren, daß die hebräische Kultur in der Diaspora nur durch Erziehung feste Wurzel schlagen könne. Es gilt, möglichst viele hebräische Schulen zu gründen und mit gute« Lehrkräften aus Erez Israel zu ,