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Die Stimme · 1930-09-22 · Heft 144 (22.9.1930) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 144 (22.9.1930)
Date
1930-09-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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dPeite 2 ♦ DTE STIMME * Nr tU fian tchttnM Heim dureh Tawig4apeteofabrHis I. 6., Wien, L, Schottenbastel 10. Pnial« Brüte, HnttiniaiM t. Ein Jahr zionistische Geschichte Von Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landeskomitees Das abgelatifene jüdische Jahr war das ereignisreichste in der Geschichte des Zionismus seit den Tagen der Balfour-Deiklaration und seit San Remo. Nicht nur das Judentum der ganzen Welt, auch die nicht jüdische Welt verfolgte gespannt die Entwicklung der palästinensischen Frage. Wir Zionisten erlebten seit den Augustimruhen bange Tage, die Suspeödierung der Einwanderung und der Bericht der Shaw- Kommission steigerten unsere Erregung zur Siedehitze, der Bericht der Mandatskommission brachte eine fühlbare Erleichterung und die Berliner Aktionskomiteetagung neue Unruhe. Wir haben in diesem jüdischen Jahre, in dem sich die Ereignisse überstürzten, in dem der Kampf um die zionistische Position in Palästina und der Kampf der zionistischen Parteien untereinander nie geahnte Formen annahm, so viel erlebt, daß wir vielleicht noch nicht die richtige Distanz gewonnen haben, um klar zu sehen. Trotzdem können objektive Feststellungen schon heute gemacht werden, da die Panikstimmung, die bezeichnenderweise die Galuth, nicht aber den Jisohuw beherrschte, geschwunden ist. Als wichtigstes und ©ehr erfreuliches Ergebnis muß vorangestellt werden, daß das Judentum der ganzen Welt einmütig aufstand, um für Palästina zu manifestieren, daß das Judentum das getan hat, was Herzl im „Judenstaat“ verlangte: „Wir müssen die Judenfrage zu einer politischen Welt frage machen, die im Rate der Kulturvölker zu regeln sein wird“. Das Unwahrscheinliche wurde hier Ereignis: Wir Juden haben unser Recht zum erstenmal seit der Zerstörung Jerusalems einmütig verfochten und wir sind nicht unterlegen, Macht ging nicht vor Recht. Wieso konnte unsere vielgelästerte Exekutive und die vielgeschmähte Jewish Agency diesen Erfolg erringen? Nur weil wir den Jischuw in Erez Israel geschaffen haben, der mit heroischem Gleichmut standhielt, diesen Jischuw, dessen Arbeit die Bewunderung der ganzen Welt erregt, in dem ein neuer jüdischer Geist aus Ghettomenschen den neuen, nackensteifen, mit der Scholle verbundenen Menschen schuf. Alle Proteste der Diaspora wären nutzlos gewesen, hätte der Jischuw in den Stürmen des letzten Jahres versagt. So wichtig London und Genf für uns sind, das jüdische Palästina, die Stärke seiner jüdischen Besiedelung wird immer in erster Linie das Schickeal des Zionismus bestimmen. Da müssen wir uns fragen, oh wir alles getan haben, um diesen Jischuw groß und stark zu machen, wir Zion'stcn haben diese Frage zu beantworten. Nun, wir müssen ein Sündenbekenntnis ablegen. Wir waren vielfach lau, wir waren vielleicht oft mit unserer ganzen Seele bei der Sache, nicht aber mit unserem Vermögen. Wir haben debattiert, den Kampf der Meinungen überspitzt, die zionistische Volksbewegung zu wüstem Parteienzank degradiert. Das ist das zweite, leider ©ehr traurige Ergebnis dieses Jahres. Ströme von Tinte und Buchdruokerschwärze sind geflossen über die Rede Weizmanns in Berlin und werden weiterfließen. Der Mann, der auf ein opferreiches, dem Zionismus geweihtes Leben zurückblicken kann, den man händeringend bat, seine Demission zurückzunehmen, wird vielfach von Zionisten wie ein Auswurf der Menschheit behandelt. Der Kampf der Meinungen, geht unbeirrt weiter, ale ob der Zionismus mit Weizmann stehen und fallen würde. Ist Weizmann unser Diktator? Das können auch seine Feinde nicht behaupten. Wir haben eine demokratische Organisation, in der jeder Stimmzettel das gleiche Gewicht hat. Klammert ©ich Weizmann an seinen Präsidentenstuhl? In Berlin wollte er doch gehen K30CCCCÖGC5COCXXXXXXXXXXXXXXXXXXX5CXX2000C Mplf der Zionisten im Cafe „Sites Rathaus" (Cafötier Leo Löwy) GrSftcr« «ad klein« Klublokale , 1. Bez«, Wipplinyerstraße 24 ] Tel. U 27-4-84, U 2Ö-2-74 | ] ooooooooooooooooooooooooocxxzxxxxxxxxx? und man leh#te doch mit überwältigender Mehrheit seine Demission ab. Ja, sagen aber seine Gegner, er zerstört das Ideal der zionistischen Bewegung, er leugnet die Möglichkeit des Judenstaates. Gewiß, wer da dieser Meinung ist, muß sich zur Wehr setzen, aber nicht durch Worte, sondern durah Taten. Es ist sehr billig zu protestieren. Dieser Protestzionismus ist auch so eine Erscheinung des letzten Jahres. Man geht unausgesetzt in Protestversammlungen, protestiert, applaudiert oder schimpft lind wirft sich in die Brust: „Nichts Zionistisches ist mir fremd. Was für ein guter Zionist bin ich!“ Der Mund ist offen, aber die Tasche geschlossen. So richtig es ist, daß der Zionismus seine Ideale nicht verwässern lassen darf, so unsinnig ist es, sieh in Protesten zu erschöpfen, wo doch die Möglichkeit fruchtbarer Gegenwehr besteht. Worte sind nichts, die Arbeit für und in Palästina ist die Gegenwehr für alle, die das zionistische Ideal in Gefahr glauben. So wie der Jischuw die Entscheidung der Welt in Genf beeinflußt hat, wird sich das zionistische Ideal nicht herauskristallisieren als Ergebnis endloser Diskussionen in der Diaspora, sondern als natürliches Produkt einer mächtigen jüdischen Siedlung in Erez Israel, deren äußerer Festungsgürtel eine opferfreudige Galuth Ist. Hier ist der Hebel anzusetzen! Gehen wir hinaus ins Volk, nicht um tins gegenseitig zu beschimpfen und der Welt in einer großen Zeit ein kleines, durch Partei hader zerrissenes Geschlecht zu zeigen, sondern um gemeinsam für das Land unserer Sehnsucht zu arbeiten. Werben wir neue Anhänger, opfern wir doch bis an die äußerste Grenze für den Aufbau Israels! Weg mit dem öden Protestzionismus! Wenn wir mit diesem Plan ins neue Jahr gehen, dann sind wir wahre Zionisten, dann wird das letzte Jahr unseres zionistischen Mißvergnügens den steilen, aber auch erfolggekrönten Anstieg bedeuten zur Verwirklichung unserer Ideale! Herrn RICHARD HERZOG Inh. d. Musikhauses Excelsior Wien, I, Adlergasse 6 Im Besitze der von mir gemachten Neuaufnahmen teile ioh Ihnen mit,dass dieselben mich sehr befriedigt haben. Sie übertreffen in bezug der Reinheit der Stimme alle meine bisherigen Platten. .mit herzlichen Grüssen S. Kwartin. Zur Jahreswende Von Dr. David Feuchtwang Wehmütige Rückblicke sind unfruchtbar. Wir könnten aber aus ihnen für die Zukunft Lehren ziehen, wenn uns die Gestaltungen der Verhältnisse der Zukunft einigermaßen klar wären. Pessimistischer Tadel und rücksichtslose Kritik bringen sefteü Erfolg. "Wei ernstlich bauen will und bereit ist, mitzuhelfen, das Schicksal der jüdischen Gemeinschaft günstig zu gestalten, muß jeden Tag als einen Tag der Schöpfung betrachten. Als einen Neujahrstag, denn es darf kein Tag vorübergehen für denjenigen, der die Fähigkeit und die Berufung hat, mitzuwirken an der Schicksalegestaltung des Judentums, an dem er nicht einen zweckdienlichen und positiven Beitrag zu diesem Schicksal leistet. Das verstrichene Jahr hat uns vielfache Enttäuschungen, Verluste und Heimsuchungen gebracht. Man darf wohl voraussetzen, daß die Schädigung der jahrzehntelang geleisteten wundervollen Aufbauarbeiten in Palästina allen Juden der Welt tiefen Schmerz bereitet; das hat ©ich auch in den Hilfeleistungen und Kundgebungen klar geoffenbart. Daß die gemachten Erfahrungen auch die jüdische Politik beeinflußt haben und beeinflussen werden, ist nicht zu bezweifeln. Unschwer ist es, die Männer, welche bisher die Hauptarbeit geleistet haben, erbarmungslos über den Haufen zu werfen. Kurzsichtigkeit und Weiohherzigkeit dürfen aber nicht so viele Rücksicht üben, daß etwa diese Rücksicht das Gesamtwerk in Palästina gefährden könnte. Denn es darf nicht übersehen werden, daß eine Gefährdung dieses Werkes oder gar dessen Vernichtung ein Unglück für das Judentum der Welt wäre. Wenn auch ein Teil, und zwar ein großer Teil des Weltjudentums keinen positiven Anteil an Palästina nimmt, weder seelisch noch materiell, so kann doch von keinem Teil des Weltjudentums Palästina aus dem Kreise und Bereiche jüdischen Denkens und Lebens ausgeschaltet werden. Unsere ernsten Neujahrsbetraohtungen finden in unserem Gebet und den Stücken der leiligen Schriften, die zur Verlesung kommen, claren Ausdruck. So individuell sie an gewissen Stellen erscheinen und sich mit dem Einzelscbickeal beschäftigen, so umfassend sind sie in ihrer Berührung mit dem universellen Schicksal der Menschheit und der Weltgestaltung, denn das ist ein charakteristisches Zeichen unserer Feste im allgemeinen und unserer höchsten Festtage im besonderen, daß sie das Geschick des Einzeljuclen mit dem Geschicke der Menschheit tiefsinnig verbinden., Nirgendwo aber und an keiner bedeutsamen Stelle unseres Gottesdienstes und unseres Gebete wird das Schicksal Palästinas in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft außer acht gelassen. Unsere Verbundenheit mit dem Lande der Väter und der Propheten ist historisch und schicksalsgemäß unzerreißbar. Wer diese Verbundenheit zerreißt, durchsehneidet eine Pulsader des jüdischen Leibes und verletzt ein zartes Organ des jüdischen Seelenlebens. Es ist durchaus begreiflich, daß der fromme, betende Jude zunächst seiner selbst und seines Schicksals gedenkt. Die Sünden aber, die wir gegen den Schöpfer der Welt begehen, hat Er zu verzeihen und ohne jeden Mittler wenden wir uns an ihn. Die Sünden gegen das jüdische Volk aber haben wir aus eigener Kraft zu sühnen, nicht durch ein Lippenbekenntnis, sondern durch lebendige Taten. Die Schicksalslage des Weltjudentums ist nicht günstig. Und die politische Konstellation ist durchaus nicht so geartet, daß wir uns als noch so treue Staatsbürger und heimatliebende Vaterlandsfreunde unbedingt sicher fühlen könnten. Wenn wir auch nach dieser Richtung keine Umstürze fürchten und mit Einrechnung der furchtbaren Notlage der Juden in einzelnen Ländern der Welt trotzdem zuversichtlich auf die Gerechtigkeit der regierenden Kreise bauen können, so bedarf es doch allenthalben der größten Umsicht und Sorge, das Judentum der der Welt vor Verunglimpfung und Rechtsverktirzung zu schützen. Gefährliche Zeichen angriffsfreudiger Reaktion in kulturpolitischem Sinne sind am Horizont sichtbar und in deut- Ichen Taten und Aeußerungen hervorragender Machtzentren Europas wahrzunehmen. Große Innenarbeit am kulturellen, sittlichen und wirtschaftlichen Aufbau der jüdischen Gemeinschaften in der ganzen Welt sind zu vollziehen. Das Gebäude ist vielfach baufällig und einstmals festes Gebälke schwankt; es fehlt an großen geistigen Führern, die mit Aufopferung und Selbstlosigkeit am Werke wären, das Ge bäude zu stützen. Unser Neujahrstag ist ein Tag des Aufrufs zu sittlicher Tat und Einkehr. Hier helfen die Gebete allein nicht und die großen Versammlungen der Andächtigen in noch so vielen Synagogen vermögen allein die klaffenden Lücken der jüdischen Tat nicht auszufüllen. Spaltung, Zerklüftung und Zersplitterung der Kräfte schwächen unsere unstreitig große Kraft. Ungebrochen aber ist die innere 31! I HandgesticKte fiAhfllilflC nach Gemälden berühmter \IVIIW9VV9jUclischür Haler HERZL-Gobelins trzgugt Atellar Zahradnik jjj Wien, Anzengrubergasse Nr. 30 * Telephon U-40-9-17

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