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Die Stimme · 1930-09-18 · Heft 143 (18.9.1930) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 143 (18.9.1930)
Date
1930-09-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Jä QIE Nr. 14B Abschied Ton der Galsth Hier ist Galuth. In diesen Tagen des Abeciriednelänens, da ich In den vielen Dingen voröbergehe und sie ansehe, so wie man etwas ansieht, das man viel leicht nie mehr, das man lange, lange Zeit nicht wieder sehen wird, frage ich mich: was ist dieses und jenes, was ist es? Unzählige Male hast du es gesehen, bist du an ihm vorttbergegangen, ohne dich auch nur umzusehen und jetzt, mit einem Male, heben sich die Umrisse scharf ab, siehst du die Biegung der Linien deutlicher, heller blickt dich das weiße Gesimse, das graue Mauerwerk an, — und über alles hinweg, durch alles hindurch dringt dein suchender, dein fragender Blick. . . . Das ist immer so, wenn man Abschied nimmt.Da werden Namen, zu Menschen, die du dir mit einem Male so nahe glaubst; und Menschen, die dich täglich umgaben, werden, auch, wenn sie noch heute dich gleichwie „umgeben“, zu bloßen Namen, du siehst nicht mehr ihre Träger, sie sind dir so fremd geworden — waren sie es nicht immer? — ferne irgendwo mögen sie noch weiter bestehen, ihr kleines Leben, weiterführen, wie gestern und vorgestern, dir sind sie fremd geworden, die hier geblieben sind, die hier bleiben Und dasselbe geschieht mit den vielen Worten und Begriffen des täglichen Lebens und der Versammlungen, an den lauten Abenden. Die heftigen Beden und die zermürbenden Sitzungen, auch sie rücken in weite Ferne, kaum, daß ihr Echo dich noch an sie erinnett. Ist es immer so, wenn man Abschied nimmt? .... Einzelne Worte kommen mir in den Sinn. Und eines dieser Worte heißt: „Galutli“. Denkt ihr daran ihr lauten Redner, wenn ihr von der „Galuth.“ sprecht und ihr, ihr Schreiber von Büchern, wenn ihr über „Galuth“ schreibt, was alles in diesem Worte steckt? Nein, dieses Wort, tausendmal wiederholt, endlos abgewandelt, ist zu etwas Totem geworden, ohne in unserem Bewußtsein jenes wunde Gefühl wachzurufen, das aus dem stummen Seufzer unserer Väter so laut gesprochen hat: ,,Wir sind doch in der Galuth!“; Alle Qual des Verbannten (des Menschen, der I sich wirklich „verbannt“ fühlte), des Einsamen, i des allein einer fremden und kalten Welt Gegen- überstehenden, sprach daraus. Und der trübe Blick, der diesen Seufzer zu begleiten pflegte — oh, ich sehe ihn noch auf mich gerichtet, ich sehe mich von ihm angesehen!. — sagte noch: Ja und wir — wir sind schuld, wir sind schuldig! Eine tiefe Weisheit, eine tiefe Wahrheit offenbarte dieses „Schuldig“. Wir — wir sind schuldig, daß die Galuth noch währt, wir müssen Erez Israel schaffen und neubauen! — Wir aber vergaßen all das. Galuth wurde ein leeres Wort, ein terminus technicus im Schwünge der Rede, eine bequeme Abkürzung und ein geographischer Begriff. Aber in diesen Tagen des Abschieds dachte ich: „Ja, das ist Galuth: All die Kleinheit und die Enge unseres Lebens, unseres Lebens hier, die Hast, die unser Leben ausfüllt, alles Unnatürliche an uns, all die Fremde um uns — und sind wir nicht stumm in all unserer Beredsamkeit, ist es unsere Sprache, die wir sprechen? — ja, all das ist Galuth. Habt ihr es vergessen?" Und auch das ist Galuth: Dieses Sichgenügen an der Geste, dieses Zufriedensein mit dem „Erfolg“, die Sattheit, mit der sich namenlose Hohlheit panzert, auch das, ja auch das ist Galuth. Von dieser Galuth nehme ich Abschied. Ich nehme Abschied von dem sonnigen. Hauch des , Herbstes der über der Stadt liegt. In einigen Tagen werde ich Erez Israel sehen .... Ich habe schon viel Abschied genommen in meinem Leben, von Menschen, denen man sich nahe fühlte, von Dingen, die einem liebgeworden waren — ich habe schon viel Abschied genommen in meinem Leben — diesmal aber empfinde ich nichts von jener Schwere, die Menschen befällt, wenn sie Abschied nehmen. In einigen Tagen werde ich Erez Israel sehen, Erez Moladetenu .... Ist es I;n ner so, wenn man Abschied nimmt? Jakob Singer. Kleine Nachrichten ausPalästina In Tel Aviv verstarb an den Folgen eines Schlaganfalles David Weisbord im Alter von 60 Jahren. Weisbord gehörte zu den Gründern der jüdischen Stadt TeJ Aviv. Er hat sich auch schriftstellerisch betätigt lind u. a. ein Buch über Wilna verfaßt. Die Siedlung Nahalal feierte an den letzen Tagen die neunjährige Wiederkehr des Tages, an dem die ersten Siedler Nahalals d.-n Boden in Besitz genommen hatten. Nach Nachrichten in der hebräischen Presse bestätigt es sich nunmehr, daß die Zentrale der A. P. C. von Jaffa nach Jerusalem verlegt wird. In Haifa wurde eine jüdisch-arabische Gesellschaft zur Beförderung von Reisenden und Hütern vom Hafen auf die :u dir!•)'.;< .ist liegende fiiitu une /.tsri'.'!: gegründet. Ais* Arbeiter der Finna werden ig u. auch jüdische |.«>jriräger £>ie Worte Bttrtifl. Herr Rabbiner Dr. Eli Munk, Berlin, wurde zum Rabbiner der Oetneinde Adass-Jisroel nach London berufen. Dr. Eli Munk ist der älteste Sohn des Rabbiners der israelitischen ReMgionsgemeinde «Adass-Jisroel» zu Berlin, Doktor Esra Munk, und ein Schüler des Hildesheimersdien Rabbinersemiaars in Berlin, ln seinem Londoner Wirkungskreis tritt er als Nachfolger des verstorbenen bekannten und angesehenen Rabbiners Schönfeld ein. — Am 7. September verstarb hier im Alter von 37 Jahren (he Leiterin des «Israelitischen Hilfswerks», Fräulein Hanna Lewinski. Sie übte einen großen geistigen Einfluß in den Winkeln jüdischer Not aus und bildete einen Mittelpunkt thoratreuer Jugendpflege und Jugendbewegung in Berlin. Sie war die Tochter des hervorragenden Gelehrten und Dajan Lewinski in Breslau. Baden-Baden, kn Atter von 78 Jahren verschied hier der frühere langjährige Vertreter der Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule in Karlsruhe Geheimrat Hofrat Dr. phil. und Dr. ing. h. c. Marc Rosenberg. Er gab eine großangelegte «Geschichte der Goldschmiedekunst» heraus, später veröffentlichte er sein international berühmt gewordenes vierbändiges Werk «Der Goldschmiede Merkzeichen». Bad Ems. Am Sonntag, den 7. September, wurden hier bei Anwesenheit von Vertretern der Stadtbehörden, der jüdischen Gemeinden, der jüdischen Lehrerschaft aus dem ganzen Reiche das vor kurzem vollendete Erholungs- und Altersheim für jüdische Lehrer und Kantoren feierlich eingeweiht. Frankfurt a. M. Bei dem Granatenfund in der orthodoxen jüdischen Schule des Stadtteiles Klibansky in Frankfurt a. M. handelte es sich, wie die politischen Erhebungen. ergaben, um einen üblen Scherz; die Geschoßhülse war nicht gefüllt, der «Zünder» bestand aus gewöhnlichem Bindfaden. Kowno. Der Staatspräsident Litauens, Prof. Smetana, empfing den gegenwärtig in Kowno weilenden litauischen Generalkonsul in Palästina Dr. Simon Rosenbaum und überreichte ihm den als hohe Auszeichnung geltenden litauischen Orden «Gedimin». New York. In den Straßenkämpfen, die am vergangenen Samstag in Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, stattfanden und die zum Sturze der Regierung Irigoyen geführt haben, wurden drei, luden getötet und zehn verwundet. Eines der drei jüdischen Todesopfer, Chaim Rosenblatt, war seinerzeit Polizist in Palästina. Das Gebiet der jüdischen Kolonien in Argentinien ist von den Unruhen nicht berührt worden. — Im Alter von 70 Jahren verstarb hier Moses Isaac Mintzi, ein bekannter jüdischer Schriftsteller, der gemeinsam mit Israel Beikind Bilu-Gruppen in Rußland organisiert hat. Er war seinerzeit Landwirt in Palästina, kam später nach Amerika, wo er in der jüdisch-sozialistischen Bewegung und Presse tätig war. i ijmm unnMi^i aus Saloniki beschäftigt, die in dieser Stadt schon in dem gleichen Berufe tätig gewesen waren. Die Einnahmen der Palästina-Regierung betrugen vom 1. Jänner bis 30. April 1930 1,115.751 Pfund, die Ausgaben 1,150.752 Pfund. Der Emir Abdallah von Transjofdanien hat in der vergangenen Woche Jerusalem besucht, wo er Gast des stellvertretenden Highcommissioners Sir Davies war. Der Besuch wird von der Presse in Zusammenhang mit den Bewegungen der arabischen Stämme an den Grenzen Transjordaniens gebracht. In Jerusalem starb Rabbiner Alfrandi, der älteste Rabbiner Palästinas, angeblich im Alter von 117 Jahren. Er war seinerzeit Oberrabbiner von Mafed und später von Damaskus. Rumänien Lazar Margulies über den Erfolg der Jewish Agency in Rumänien Berün, 8. September. Die Jewish Agency hat sich in Rumänien als Erfolg erwiesen, erklärte der bekannte rumänische Zioinstenführer Lazar Margulies,. Mitglied aes Administrative Committee der Jewish Agency, in einem Interview mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur. Der versöhnende, und vereinigende Gedanke, der der Jewish Agency zugrunde Hegt, hat in der Tat zur Heranziehung von neuen Kräften für die Palästinasache in Rumänien geführt. Dr. Fildermann und andere nichtzionistische Persönlichkeiten nehmen eifrigen Anteil an der Arbeit für den Aufbau Palästinas. Ich hege keinen Zweifel, daß die Jewish Agency auch in anderen Ländern zu ähnlichen Resultaten führen wird. Der Aufbau Palästinas ist eine so ungeheure Aufgabe, daß die Anstrengung der Gesamtjudenheit notwendig ist, um dieser historischen Mission gerecht zu werden. Ich hege aufrichtige Bewunderung für Herrn Felix M. Warburg, für den Emst, die Aufrichtigkeit und die rastlose Energie, mit der er für die Sache Palästinas arbeitet. Die Kommission des Österreich. Keren Hajessod gibt hiemit die traurige Kunde, daß ihr Mitarbeiter, der Delegierte des Keren Hajessod- Direktoriums, Herr Dp. Chaim Hoffier im blühenden Alter von 35 Jahren, Sonntag, den 14. September 1930, das Opfer eines tragischen Unfalles geworden ist. Ein ausgezeichneter Mensch von hoher Begabung, mit Schätzen des Wissens und des Geistes ausgestattet, ein unermüdjicher und vielbewährter Arbeiter für die Sache des jüdischen Palästina ist mit ihm dahingegangen. Die Bestattung findet Donnerstag, den 18. September 1930, 11 Uhr vormittags, auf dem Zentralfriedhof (III. Tor), statt. Ehre seinem Andenken! Aus Palästina Der Plan einer eigenen jüdischen Stadtgemeinde in Jerusalem Jerusalem. (J. T. A.) Die neuerdings begonnene Agitation für die Schaffung einer besonderen jüdischen Stadtgemeinde ln Jerusalem ruft die Erinnerung an ähnliche Vorschläge früheren Datums wach. Solche Vorschläge wurden unmittelbar nach der im April d. J. erfolgten Resignation d*T jüdischen Mitglieder des Stadtrates gemacht. Bekanntlich haben die jüdischen Stadträte ihre Mandate zum Protest dagegen zuückgelegt, daß bei Uebergehung des jüdischen Vizebürgermdsters Solomon der zweite Vizebürgermeister, ein Araber, mit der Vertretung des Bürgermeisters Nashashibi während dessen Abwesenheit betraut und von der Regierung in dieser Funktion bestätigt wurde. Aber auch schon früher, so im Juni 1928, wurden Pläne für Errichtung einer separaten jüdischen Gemeinde in Jerusalem erörtert. Im Zusammenhang damit regte die Londoner Zeitung «Jewish Chronicle» die Zusammenfassung der bereits in Palästina bestehenden jüdischen Siedlungen zu einem geschlossenen Verwaltungsbezirk an, der den Kern des jüdischen Nationalheims bilden soH. Verlängerung des Termins in der Klagemauerfrage. Vor der Abreise der Klagemauer-Kommission bat der Vorsitzende der Kommission die palästinensische Regierung, die Verhandlungen mit den beiden Parteien fortzusetzen, um auf dem Wege gütlicher Einigung eine Lösung der Frage zu finden. Die Regierung hat dieser Bitte entsprochen und in diesem Sinne mit den Juden und Arabern Verhandlungen geführt. Nachdem der Termin, der durch den Vorsitzenden der Kommission für die Einreichung der Verstärtdigungsvor-; schlage festgesetzt wurde, verstrichen ist, hat die Regierung die Kommission gebeten, den Termin zu verlängern. Die Verhandlungen werden, wie die Presse berichtet, fortgesetzt. Einigungsverhandlnngen in der Klagemauer- Frage gescheitert Jerusalem. (J. T. A.) Die vor etwa einer Woche unter Mitwirkung der Palästnnaregierung eröffneten Verhandlungen zwischen Juden und Arabern über eine Einigungsformel im. Klagemauerkonflikt wurden nunmehr ergebnislos abgebrochen. Die starre Unnachgiebigkeit des Großmufti von Jerusalem macht eine Wiederaufnahme solcher Verhandlungen unwahrscheinlich. Der Präsident der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde und Mitglied der Exekutive des Waad-Leumi, Josef Meyuchas, hatte sich schon kurz nach der Aufnahme. der Verhandlungen dem Vertreter der JTA. gegenüber dahin geäußert, daß er an die Möglichkeit einer Verständigung im, Klagemauerstreit nicht glaube. Die Juden hätten die äußersten Zugeständnisse gemacht, die Araber aber seien jedem Argument unzugänglich. i .. . „Palästina ist englisch and muß englisch bleiben“ — Eine Antwort an „Daily Mail“ London, 8. September. «Referee» tritt scharf den Ausführungen der »Daily Mail» entgegen, in denen die Räumung. Palästinas durch England und die Uebertragung des Mandates an Italien empfohlen wurden. Die Verwirklichung eines solchen Vorschlages, schreibt «Referee», würde nur den Feinden Englands zugute kommen. Die Aufwendungen, die für Palästina gemacht wurden, seien der großen strategischen Bedeutung dieses Landes angemessen. Nur zu leicht seien die treibenden Kräfte hinter dem Artikel der «Daily Mail» erkennbar. «Alle Wege führen nach Rom» und die kolonialen Ambitionen Mussolinis im Orient seien wohl bekannt. Mit Palästina würde England ein Bollwerk verlieren, das den Weg nach dem Iraq und Indien schützt. Palästina sei englisch und müsse englisch bleiben, solange es noch einen Mann gibt, der für die Ehre seines Vaterlandes einsteht, und solange noch ein Pfund in der Bank von England liegt. In einem seien Juden und Araber eines Sinnes: daß sie ihre Zukunft vertrauensvoll in Englands Hände legen können. „•Falastin“ nennt den Beschluß der Jewish Agency, ein Departement für Verständigung mit den Arabern zu schaffen, sinnlos Jerusalem. Die englische Ausgabe des Organs der Arabischen Exekutive «Falastin» kommentiert den Beschluß der Jewish Agency, ein eigenes Departement zur Verständigung mit den Arabern zu schaffen, und bezeichnet dieseh Beschluß als einen «sinnlosen Versuch», die Araber und die öffentliche Meinung der Welt hinters Licht zu führen. Man sollte, schriebt das Blatt, an Stelle des beschlossenen Departements ein solches schaffen, das den Revisionisten und Misrachisten Mäßigung anzuempfehlen hätte. Die Araber fordern die arabische Föderation und würden gerne die Stellungnahme dei Juden zu dieser Frage erfahren wollen . Eine Organisation religiös-sozialistischer Arbeiter Vor einigen Tagen fand in Tel Aviv eine Zusammenkunft religiös-sozialistischer Arbeiter aus verschiedenen Städten Palästinas statt, die sich mit einer Organisierung der religiösen Arbeiter befaßte. Nach Verlesung der Begrüßungsschreiben referierte Sch. Boruchani über die Arbeiterbewegung in Palästina und ihre religiösen Strömungen. Herr Nomberg von der Leitung der Partei «Dath Waawoda» (Religion und Arbeit) in Polen überbrachte die Grüße der religiös-sozialistischen Arbeiter in Polen und sprach über die Weltanschauung des religiös-sozialistischen Arbeiters. Nach einer kurzen Diskussion wurde die Schaffung einer Organisation religiös-sozialistischer Arbeiter beschlossen und ein Ausschuß gewählt. Für die Sukköth-Fciertage soll eine Landeskonferenz der neuen Organisation einberufen werden. (Ziko.)

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