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Die Stimme · 1930-09-18 · Heft 143 (18.9.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 143 (18.9.1930)
Date
1930-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nf. 14» PTE STIMME Seite 5 5KterotiKcr wtd Altersschwache 3tc tofirtfdjen <&tkiä)tt* rung utth SCuffrifquitö, bann berfudjen ©ie eine üteMöfHettn * StittRut. Jrci betüäitjlidje, rabtumljalttgc fRa'biojRettnXöWetten betottfen freies Äteifen bStates, ma^en bie äbern elafttfm uttb beugen Äauablagetuitgen unfe ben bamit jufatnrneitbängenben SlltetäerJdjciitungen. lote Senommenhett, @djtoinbrfßefü$l, £opffd)mot$eit, Rlintmetn bot ben Jungen, 2Üemitot, Dgrenfaufcn, gidfo* tilgen unb rijeumattfdjen 33efd)merben, ~ “ ' "" ' biä in« Ijohe SUter erhalten. ~ äuStunft: 24>othc!e 95aher, *öHSsaaHa«MBHi Dr. Chaim Koffler gestorben Der Delegierte des Keren-Hajessod-Direkfcoriums, BerrDr. Chaim Koffler ist , Sonntag, den 14. d. M. in seiner Wiener Wohnung das Opfer einer Gasvergiftung geworden. Ein junges Leben, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, hat hier dur<?h einen tückischen Zufall einen Jähen und vorschnellen i Abschluß gefunden. Dr. Koffler fet bloß ■ 36 Jahre alt geworden. Von früher Jugend an der zionistischen Bewegung verschrieben, trat er bald nach Absolvierung seiner Hochschulstudien, nachdem er eine Zeitlang am hiesigen Jüdischen Gym* J nasium Hebräisch gelehrt hatte, in die Dienste Idee Keren-Ha jessod und war zunächst : einige Jahre in der Tschechoslowakei mit gro-; ßesm Erfolge tätig. In späterer Zeit entsandte! ihn das Direktorium des Keren-Hajessod auch j in mehrere andere Länder, wo er überall der I praktischen Palästina-Arbeit starke Impulse i gab und einen sichtlichen Aufschwung dereel- I ben in die Wege leitete. In Wien und Oesterreich | war er in letzter Zeit durch etwa 1% Jahre erfolgreich tätig. Ausgerüstet mit einer be-! merkenswerten allgemeinen und Jüdischen Bil*! düng, mit bedeutenden organisatorischen Fähigkeiten und einer genauen Kenntnis Palästinas |und seiner Probleme, war Dr. Koffler für das schwere Amt eines Keren-Ha Jessod-Vorarbeiters besonders geeignet und sowohl das Direktorium wie die Landeskomitees des Keren- Hajessod, mit welchen ihn seine Arbeit in Beziehung brachte, wußten seine Fähigkeiten wie seinen Eifer gebührend zu schätzen. Aus traditionellem Jüdischen Milieu des I Ostens stammend, wo er schon in früher Jugend I den Grund zu seinem wohlfundierten Jüdischen I Wissen legen konnte, welches er dann in Wien j vervollkommnete, ging D r. Koffler völlig jin der ihm sowohl vertrauten geistigen Welt jd.es Judentums auf. Für ihn war Zionismus i und Palästina nicht bloß Parteiprogramm, sonjdern die natürliche Selbstverständlichkeit eines! vollen Jüdischen Lebens. So erklärt sich die I Hingabe und Unermüdlichkeit in seiner Arbeit, | die mehr war, als bloße Pflichterfüllung. Erst in den allerletzten Tagen hatte Doktor Koffler die Aufforderung erhalten, die Pa-. I lästina-Arbeit in einem östlicheren Lande zu; organisieren und er war daran, die verschie- : densten Pläne zu entwickeln, die leider nicht mehr zur Reife gedeihen werden. Ein Mensch mit reichen Gaben des Geistes,! eine Froh- und Vollnatur ist mit ihm dahin-! gegangen. Wenn etwas die bedrückende Tragik dieses plötzlichen Hingangs zu mildern vermag, so ist es der Gedanke, daß das Wirken Dr. Kofiilers, welchem die volle Entfaltung versagt geblieben ist, dennoch nioht umsonst gewesen ist und daß es seine Spuren ins Jüdische Aufbauwerk in Palästina dauernd miteingezeichnet hat. *** Die Teilnahme des Direktoriums des Keren- Hajessod Aus Berlin ist das folgende Telegramm eingelangt; Tief erschüttert durch die unerwartete Traueraachricht vom Ableben unseres erprobten, treuen Mitarbeiters sprechen wir unser aufrichtiges Beileid aus. Direktorium Keren-Hajessod, Hantke. Die Jüdisch-Sozialistische Partei „Bund“ tritt der zweiten Internationale bei Warschau, 10. September. (J. T. A.) Der Parteirat der jüdisch-sozialistißcben Partei «Bund» hat beschlossen, alle für den Beitritt der Partei zur zweiten sozialistischen Internationale nötigen Schritte sofort zu unternehmen. Soeben erhalten wir die Nachricht, daß das Musikhaus «Exzelsior», Wien, I., Adlergasse 5, schon seit längerer Zeit die neuesten Schgllplnttenaufnahmen von Hrn. Sawel Quartin, Kantor in Amerika, herausgebracht hat. Da dieselben nr -’i dem allerneuesten elektrischen Verfahren hergeßtellt wu. den, sind wir gewiß, daß sie in unseren Leserkreisen großes Interesse finden werden. Besonders erwähnen wollen wir die Stücke Halbein Chatufcin, dann Anshonio Loch, ferner Weal Jedei und Tier Rabbi Ismael. Aber auch die Gesänge, wie Ribono Shel Oloim. Tka Bshofor und Yhei Rotzon, Moron Dwi$hma]o, Leduwid Mozmor. Gegenwärtig findet in diesem bekannten Hause ein Okkasions-Propagandaverkauf jüdischer und hebräischer Platten, aber auch moderner Tänze, zu dem ermäßigten Preise von S 3.80 statt. Beachten Sie genau die Hausnummer 51 Ei Eherechtsreform — auch für „die Juden* Schaft“? von Rechtsanwalt Dr. Simon Fischei, Wien Der Kampf um die Reform des österreichischen Eherechtes lebt sich lediglich in dem Stutmlauf gegen die Bestimmungen über die Untrennbarkeit der katholischen Ehe aus. Der Wunsch nach Aenderungen der Ehegesetze in anderen Einzelheiten ist ln den Tageszeitungen nicht laut geworden. Da nun die Untrennbarkeit der katholischen Ehe einzig und allein auf den Bestimmungen des § 111 des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches beruht, welcher besagt, daß das Band einer gültigen Ehe zwischen Katholiken nur durch den Tod des einen Ehegatten getrennt werden könne, so wäre die geplante Ehereöhtsreform ohne Demolierung eines wichtigen Teiles unseres bürgerlichen Gesetzbuches einfach dadurch durchzuführen, daß eben der §111 gestrichen wird. Allerdings müßte für die dadurch gegebene Trennbarkeit der katholischen Ehe auch das Ehetrenmingsverfahren gesetzlich geregelt werden. Diese Regelung ist aber wieder durch einen einzigen Federstrich überaus leicht herbeizuführen. Denn der § 115 a. b. G. B. regelt die Ehetrennung . bei den sogenannten «nicht katholischen christlichen Religionsverwandten». Er ist auch ohne jedes Gesetz, also via facti auf die konfessionslosen (Zivil-) Ehen ausgedehnt worden. Wird min beim § 115 die Einleitung «nicht katholischen christlichen Religionsverwandten... nach ihren Religionsbegriffen» weggestrichen, so daß dieser Paragraph mit den Worten beginnt: «Das Gesetz gestattet, aus erheblichen Gründen die Trennung der Ehe zu fordern», so ist mit einem zweiten Federstrich die große Ehereform GroRNeischiiairorei SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A17-8-99 u. A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteijunfle^^ unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien AutoiBustellunb kostenlos IX, Berggasse 15 XVIU, Währingerstraße 97 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■«■■■■■ vollzogen. Bel den öffentlichen Diskussionen über die Reform des Eherechtes ist viel von der Angieichung am das deutsche Recht gesprochen worden. Wer Gelegenheit hatte, zu beobachten, wie diese Angieichung bei uns durch'geführt wird, der konnte konstatieren, daß sie bisher immer nur durch Federstriche an den bestehenden Gesetzen herbeigeftihrt wurde. Es Hegt daher die Wahrscheinlichkeit nahe, daß auch hier mit zwei Federstrichen die Angieichung an das deutsche Recht vollzogen wird, damit man nicht einen wichtigen Teil des österreichischen bürgerllohen Gesetzbuches demolieren und neu aufbauen muß. In diesem Augenblick erhebt sich aber für «die Juden schaff» eine sehr wichtige Frage: Das österreichische bürgerliche Gesetzbuch macht nämlich sogenannte «Ausnahmen der J u den schaf t», mit welchen sich die §§ 123 bis 136 befassen und welche Unterschiede bezüglich der Ehehindernisse, der Verkündigung, der Trauung, der Scheidung und Trennung, also Abweichungen von den Bestimmungen für andere Glaubensbekenntnisse macht. Dem deutschen Rechte sind die «Ausnahmen der Judenschaft» fremd. Es wäre nu-n natürlich, daß die Angieichung an das deutsche Gesetz hier noch mit einem dritten Federstrich vollzogen wird, nämlich mit jenem Federstrich, der die «Ausnahmen der Judenschaft» — das sind die §§ 123 bis 136 a. b. 0. B. — gänzlich ausstreicht. Ob nun die Ehereform auch diesen dritten Federstrich bringen wird, ist ungewiß; und das ist eine Frage, auf die ich die jüdisohe Öeffentlichkeit eindringlich st aufmerksam machen möchte. Die Einstellung der gegenwärtigen österreichischen Regierung und Parlamentsmehrheit zur Judenfrage läßt wenig Aussicht darauf zu, daß die geplante Reform «die Judenschaft» der Bevölkerungstnehrheit gleichstellen wird, das heißt, daß sie ein für alle Konfessionen gleiches Eherecht schaffen wird. Für «die Judenschaft» wäre die Beseitigung der engen Bestimmungen über die Trennung der Judenehen (§§ 133 bis 136 a. b. G. B.) wichtig genug. Nach dieser Gesetzbestimmung kann bekanntlich die Ehe der Juden nur mit wechselseitiger freier Einwilligung oder wegen Ehebruches der Gattin aufgelöst werden; sie erweist sich in den schwersten Fällen genau so wenig trennbar wie etwa die katholische. Wenn zum Beispiel der; Mann einen liederlichen Lebenswandel führt, die Frau; betrügt, mißhandelt oder verläßt, so kann die Ehe ohne seine Zustimmung nicht gelöst werden, obwohl «in dem gleichen'Falle bei Andersgläubigen die Möglichkeit einer Auflösung der Ehe auch gegen den JÜDISCHE ELTERN! Kauft Schulbilchar für Eure Kinder nur ln der HKHathan Buchhandlung Hermaim TtlChlter Wian, II., Or. Stadtgutg. 7 (Ecke Taborstraße 52) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! Willen des Miannes aus den Gründen des Ehebruches, der Verurteilung zu schwerer Kerkerstrafe, wegen boshaften Verlassens, gefährlicher Nachstellungen oder wegen schwerer Mißhandlungen möglich wäre. Die Aufrechterhaltung der «Ausnahmen der Judenschaft» in bezug auf Verkündigung und Trauung ist bedeutungslos. Denn diese Formalitäten können auch in Hinkunft durch die jüdische Religionsgemeinschaft genau so intern ausgeübt werden, wie dies in Deutschland der Fall ist, wo diese internen Vorgänge durch das bürgerliche Gesetzbuch auch nicht geregelt sind und Aufgebot und Trauung in der Synagoge neben dem gleichen Vorgang beim Standesbeamten offen stehen. In Anbetracht der hier ausgeführten Möglichkeit möchte ich an die berufenen Wahrer der Rechte des jüdischen Volkes den Appell richten: Achtet darauf, daß die österreichische Ehereform nicht ohne den dritten Federstrich — nicht ohne Tilgung der «Ausnahmen der Juidensohaft» durchgeführt werde. Vor dem Weltkongreß für das arbeitende Palästina Die bedeutendsten jüdischen Gelehrten, Schriftsteller und sozialistischen Politiker unserer Generation rufen zur Teilnahme am Weltkongreß für das arbeitende Palästina auf. Ein wichtiges Dokument ist zweifellos der Ruf der bedeutendsten jüdischen Schriftsteller, Gelehrten und sozialistischen Politiker unserer Generation, die zur Anteilnahme am allweltlichen Kongreß für das arbeitende Palästina, den, die Histadruth zum 27. September nach. Berlin einberufen, auffordern. Dieser Aufruf, der jetzt veröffentlicht wurde, ist von den mutigsten und besten sozialistischen Kämpfern, den verdienstvollsten und bekanntesten, Gelehrten, den erfolgreichsten und talentvollsten Schriftstellern, die die heutige jüdische Generation aufweist, unterzeichnet. Sie alle hat das historische Werk der jüdischen Arbeiter in Palästina und der feste Wille mit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas den schweren Weg konkreter Aufbauarbeit zu gehen, vereint. An alle Freunde des arbeitenden Palästinas Die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in Palästina, die Histadruth, die die gesamte Arbeiterschaft Palästinas ohne Unterschied der Parteizugehörigkeit umfaßt, hat beschlossen, einen Weltkongreß für das arbeitende Palästina einzuberufen. Sie ruft alle Freunde ihres Aufbauwerkes, die an allen Lagern des jüdischen Lebens zu finden sind, auf, an diesem Kongreß teilzunehmen. Das Aufbauwerk der jüdischen Arbeiter in Palästina ist schon lange über den Rahmen eines engen Parteikreises hinausgewachsen. Sein Schicksal berührt aufs Innigste jeden, der sich für die jüdische Renaissancebewegung und ähren großen sozialistischen und volksbefreienden Inhalt verantwortlich fühlt. Und gerade jetzt, da das Werk vor große Prüfungen und schwere Aufgaben gestellt ist, muß auch auf eine noch sinnfälligere und greifbarere Weise als bisher» unser aller Interesse für seine Zukunft klar zum Ausdruck kommen. Aufs Neue ist in der Öeffentlichkeit die Frage der Durchführbarkeit des jüdischen nationalen Heims in Palästina zur Debatte gestellt worden. Die bisherigen Leistungen werden m ein falsches Licht gerückt, die Bedürfnisse und Ziele werten unrichtig dargestellt, die Möglichkeiten und Perspektiven werden nicht richtig gewertet und verstanden. Die sozialgolitischen Verhältnisse im Orient gefährden die brüderliche iegegnung des jüdischen und arabischen Volkes auf ihrem historischen Weg zu gemeinsamer Arbeit, Internationaler Solidarität und nationaler Freiheit. Die Zunahme reaktionärer Tendenzen in der Welt stellt die Erhaltung und Ausdehnung der sozialistischen Errungenschaften der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas und die neuen Formen menschlichen Zusammenlebens vor einen harten Kampf. Dieser Kampf geht um die Güter, die den Stolz der jüdischen Kolonisationsarbeit ausmachen und um die ungestörte und wachsende Möglichkeit ihrer erfolgreichen Entwicklung. Der Weltkongreß, der zum 27. September 1Ö30 nach Berlin auf den Grundlagen der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina einberufen wird, soll die Front der Arbeiterschaft im Lande stärken und ihre schöpferische Kraft vergrößern. Im Kreise Gleichgesinnter soll der Weg für weitere Taten freigemacht, die Kräfte zur Schaffung der freien jüdischen arbeitenden Gesellschaft in Palästina mobilisiert werden. Die Freunde des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina sind über die verschiedenen Lager und Richtungen des jüdischen Lebens verstreut. Freunde, die das an Opiem reiche Aufbauwerk der jüdischen Arbeiterschaft bewundern, die mit ihren Leiden Schmerz empfinden und sich mit ihren Erfolgen freuen. Sie alle, ohne Unterschied der Parteitradition, auch diejenigen, die sich nicht in allen Einzelheiten mit dent Histadruthprogramm identifizieren, werden auf den aufrichtigen Ruf, der in prüfungsschwerer und verantwortungsvoller Zeit kommt, antworten und sich alle in die Reihen der Wähler stellen, zum Weltkongreß für das arbeitende Palästina: Schalom Asch, Eduard Bernstein, Ch. N. Bialik, Hermann Badt, Julius Braunthal, Max Brod, Läon Blum, Martin Buber, Oskar Cohn, Simon Dubnow, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Siegmund Freud, A. B. Klerkoper, Fritz Naphtak, F. Latzki-Bartoldi, A, Schiplahoff, Arnold Zweig,

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