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Die Stimme · 1930-09-18 · Heft 143 (18.9.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 143 (18.9.1930)
Date
1930-09-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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S8w T DIE OTWME ,Nf. 145 elbstkontingentler des Keren Kajemeth! 6,Ml’5n8|a'"'5,90 9,M “ Ergänzet das übernommene Selbstkontingent! Ob das Jüdische Nationalbdm in Palästina aus&ebaut und erhalten wird, hängt ansschfieß&ch von dem Wißen der englischen Regierung ab. England hat bisher das jüdische Aufbauwerk durchaus nicht gefördert Dte deutsche Etnstethmg zam Zionismus, meint Europito, ist grundsätzlich sympathisch und in keiner Hinsicht d«rch irgendweiche politischen und materiellen Nebenabsichten beeinflußt Es dürfte wohl ausgeschlossen sein, daß die Zionisten von der deutschen Regierung eine andere Förderung als die Unterstützung des Aufbaues einer Heimstätte kultureller Art ohne jede politische Sonderstellung zu erhoffen haben. Solange das Mandatsstatut in Kraft ist, muß die deutsche Regierung sich für seine Ausführung einsetzen, soweit dies ira Interesse einer Befriedung Palästinas liegt und dem jüdischen Aufbauwerk zugute kommt. Mit diesen Vorbehalten kann das zionistische Werk der aufrichtigen und ehrlichen Sympathie Deutschland sicher sein, und ira Rahmen dieser Vorbehalte wird Deutschland das in dem Mandatsstatut verbriefte jüdische Heim fördern. Landeskonferenz des Hapoel Hazair (Hitachduth) in Deutschland Die Konferenz Hapoel Hazair in Deutschland, die am 7. September 1930 in Berlin tagte, hat folgende Resolutionen : angenommen: 1. Die Konferenz des Hapoel Hazaär bestätigt die vom Zentralen Waad befolgten politischen Grundlinien. Sie beauftragt den neuen Zentralen Waad, den Kampf für die Durchsetzung der vom deutschen Hapoel Hazair vertretenen Auffassung der zionistischen Politik innerhalb der Arbeiterschaft und innerhalb der Zionistischen Organisation fortzusetzen. 2. Die Konferenz sieht mit Besorgnis, daß die mangelnde Aufklärung über die realen politischen und kolonisatorischen Aufgaben, die das jüdische Aufbauwerk in Palästina zu bewältigen hat sowie die Proklamierung poütfscn extremer Zielsetzungen zur Entwicklung einer nationalistisch-chauvinistischen Richtung im Zionismus geführt haben, die ihren stärksten Ausdruck heute in der Propaganda der revisionistischen Partei findet. Die Konferenz sieht insbesondere mit Besorgnis, daß solche Tendenzen Boden in der jüdischen Jugend gewinnen, die hierdurch ihrer eigentlichen Aufgabe, Träger des nationalen und sozialen Fortschrittes zu sein, entfremdet wird. Die Konferenz hält demgegenüber an der Auffassung des konstruktiven, völkerverbindenden und gesellschaftserneuernden Charakters der zionistischen Bewegung fest, die der Hapoel Hazair seit jeher vertreten hat. Der Hapoel Hazair erblickt im Zionismus die Bewegung, das jüdische Volksleben in Palästina auf eigenem Boden, durch seine eigene Kultur, durch die Errichtung einer politisch freien, arbeitenden jüdischen Gesellschaft zu erneuern. Er fühlt sich in diesem Ziele mit der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina verbunden und solidarisch. Die Konferenz stellt fest, daß bei der Verwirklichung dieses Zieles das volle Recht der Araber auf politische Freiheit und Selbständigkeit anerkannt wird, wie von den Arabern das Recht der Juden auf Einwanderung und politische Freiheit und Selbständigkeit anerkannt werden muß. Das entstehende gemeinsame palästinensische Staatswesen soll durch die beiden autonomen, in ihrer völligen Gleichberechtigung durch kein Minoritäts- oder Majoritätsverhältnis beeinträchtigten Nationen gebildet werden. Die Konferenz ist der Ueberzeugung, daß eine Kooperation von Juden und Arabern auf allen Gebieten des Lebens einen Zustand friedlichen Zusammenlebens der beiden Nationen herbeiführen wird. Als eine der wichtigsten Vorbereitungen für eine politische Verständigung mit den Arabern fordert die Konferenz eine aktive Teilnahme der Jewish Agency an der Ausarbeitung von Vorschlägen für eine Verfassung Palästinas. Eine solche Verfassung muß die unerläßlichen Vorbedingungen für den Aufbau der Jüdischen Nationalen Heimstätte sichersteilen und dem Wunsche der palästinensischen Bevölkerung nach Beteiligung an der Landesregierung Rechnung tragen. 3. Die Konferenz des Hapoel Hazair tritt zu einem Zeitpunkt zusammen, wo die Einwanderung von Chaluzim nach Palästina suspendiert ist. Sie protestiert gegen die Maßnahme der Mandatsregierung, die trotz der dringenden Vorstellungen der Exekutive der Jewish Agency nicht rückgängig gemacht worden ist. Die Konferenz fordert, daß die Einwanderung der Chaluzim nicht länger vom Lande ferngehalten wird und daß die jüdische Einwanderung zukünftig die im Mandat zugesicherte Förderung erhält Sie erwartet, daß das von der Mandatarmacht in ihren Bemerkungen zu dem Bericht der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes angekündigte konstruktive Programm ihrer Palästina-Politik die berechtijVn Erwartungen des jüdischen Volkes erfüllt und die ihr vor getragenen Vorschläge der Jewish Agency berücksichtigt. Sie erwartet insbesondere, daß die Verwaltung in Palästina, die die Förderung des Jüdischen MISRAGHI-ZENTRALE WIEN, Praterstraße Nr. 11 j Telephon-Nr. R-45-6-25 Anläßlich der hohen Feiertage 1930 veranstaltet die Mlsrachi-Zentrale in ihren geräumigen Loka’itiitcn wie alljährlich — einen feierlichen Gottesdienst und ist für vorzügliche Vorbeter gesorgt Karten sind im- Misrachibureau täglich von 10 bis 12 und von 4 bis 6 zu haben. Nationlheims betreffenden Artikel des Mandates in loyaler Weise ausführt. Die Zionistische Organisation war in ihren Arbeiten bisher von dem Gefühl des Vertrauens zur Mandatarnracht und dem Wunsche nach Zusammenarbeit mit ihr getragen. Die Konferenz ist der Meinung, daß die Beziehungen zwischen Jewish Agency und Mandatarmacht auch in Zukunft von diesem Geiste bestimmt sein sollen. 4. Die Konferenz des Hapoel Hazair stellt fest, daß das vom Administrative Committee der Jewish Agency angenommene Budget in keiner Weise den dringendsten Bedürfnissen der laufenden Palästinaarbeit genügt,*'"insbesondere besteht im Rahmen dieses Budgets keine ausreichende Möglichkeit, die begonnenen Siedlungen zu konsolidieren, neue Einwanderung ins Land zu bringen und neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Der Hapoel Hazair hält es für notwendig, alle Kräfte der zionistischen Bewegung und der jüdischen Welt zu mobilisieren, um unsere Aufbauarbeit fortzuführen und zu verstärken, und fordert alle seine Chawerim auf, sich mit aller Energie in den Dienst der Bewegung und ihrer Aktionen zu stellen. Beschlüsse des zionistischen Parteirates Kongreßpolens für Jadenstaat Warschau, 9. September. (J. T. A.) Die unter dem Vorsitz von J. Grünbaum stattgefundene Sitzung des Zionistischen Parteirates Kongreßpolens hat eine Reihe von Grünbaum (radikal) und Dr. J. Kahan (Revisionist) eingebrachter Resolutionen mit Mehrheit angenommen, die u. a. besagen: Der Parteirat drückt sein tiefstes Bedauern darüber aus, daß Dr. Weizmann in der Berliner Sitzung des AktlonsKomi« tees eine Erklärung abgegeben hat, die als eine Verleugnung des Endzieles des Zionismus gedeutet werden kann; der Parteirat sieht in dieser Erklärung eine Tendenz, aer englischen Regieruhg weiterhin in einer Weise entgegenzukömmen, die zur Balfour-Deklaration und Mandat in Widerspruch steht. Der Parteirat erklärt, daß die Endziele des politischen Zionismus dardu# hinausgehen, eine endgültige Lösung der Frage des jüdischen Volkes zu finden, die ihre Krönung in der Gründung eines jüdischen Staates in Palästina erhalt. Der Parteirat ist dafür, daß die Leitung der zionistischen Politik nicht weiter in Händen von Fünfern bleiben könne, die das Endziel des Zionismus, den Judenstaat in Palästina, verleugnen. Der Parteirat fordert die Einberufung des 17. Zionistenkongresses noch im Jahre IÖ30. Der Parteirat wählte eine Kommission zur endgültigen Festsetzung der Taktik und der Stellung der Zionistischen Organisation zu den bevorstehenden Wahlen in den polnischen Sejm. in. Weltkonferenz des Haschomer Hazair Prag, 10. September. (J. T. A.) In Vrutky, in der Westslowakei, wird gegenwärtig die III. Weltkonferenz des Haschomer Hazair in Anwesenheit von 70 Delegierten au6 Polen, Rußland, Lettland, Litauen, Rumänien, Deutschland, der Tschechoslowakei, Oesterreich, Ungarn, Transsylvanien, Belgien, Frankreich, Tunis und Bulgarien sowie aus Palästina ' abgehalten. Zur Konferenz erschienen 400 Schomrin aus verschiedenen Ländern sowie zahlreiche Gäste. Nach der Eröffnungsrede von Meir Jaari, die der heutigen Lage im Zionismus und der Stellung des Haschomer Hazair zu den aktuellen zionistischen Problemen gewidmet war, überbrachte der Vertreter des tschechoslowakischen zionistischen Landesverbandes die Grüße der tschechoslowakischen Zionisten. In der Reihe der mündlichen und telegraphischen Begrüßungen des Waad Leumi, der Jewish Agency und der Zionistischen Exekutive und der Hästadruth Haowdim machte besonderen Eindruck das herzliche Begrüßungstelegramm M. M. Ussischkins. Im Mittelpunkt der Beratungen der Tagung steht die Stellungnahme des Weltverbandes Haschomer Hazair zu den Fragen des Kibbuz Arzi, die, wie die JTA. erfährt, zu schweren Differenzen zwischen einzelnen Landesverbänden und der Leitung geführt haben. Der VI. Europäische Nationalitäten- Kongreß Die Lage der jüdischen Minderheiten in Europa Das tragische Los von einer Million Jaden in Rumänien. Vertrauen zum VSIkerbanH erschüttert. Rede des Vizepräsidenten des Europäischen Nationalitäten - Kongresses AJbg. M. Nurock. Genf, (j- T. A.) Auf der Tagung des 6. Kongresses der Europäischen Nationalitäten hielt der Vizepräsident des Kongresses, der lettländische Abgeordnete Rabhiner Dr. M. Nurock, eine Rede über die Position der jüdischen Minderheiten in den verschiedenen europäischen Länaern und rührte u. a. aus: Die jüdischen Minderheiten, in deren Namen ich hier zu sprechen die Ehre habe, die bereits während des Versagter Friedenskongresses auf der Wache des Minderheitsrechtes gestanden haben und auch unseren Nationalitäten-Kongreß mit begründen halfen, stehen nach wie vor auf dem Boden einer vereinten Minderheitenfront. Wenn wir nunmehr zum Vorschlag einer überstaatlichen Volksgemeinschaft Stellung nehmen wollten, so könnte unsere Beziehung nur eine positive sein. Das jüdische Volk, das seit vielen Jahrhunderten mehr kein selbständiges staatliches Leben führt und dessen Nationalheim, Palästina, erst wieder aufgerichtet werden soll, hat ln bezug auf die Wahrung seiner national-kulturellen und traditionellen Güter überhaupt keine Landesgrenzen gekannt. Eine gewisse kulturelle Volksgemeinschaft, allerdings ohne jegliche Organisation und Verpflichtung, hat im Laufe der Jahrhunderte doch bestanden. Nur dank diesem Umstand vermochten keine auch noch so starken und mächtigen Stürme in den verschiedensten Teilen der Welt das jüdische Volkstum zu entwurzeln. Die praktische Durchführung einer überstaatlichen Volksgemeinschaft wird zweifellos sehr, emtslichen Hemmnissen seitens der Mehrheitsvölker begegnen, ist doch das Verhältnis der Mehrheitsvölker zu den Stamm- und Muttervölkem der Minderheiten kein besonders freundschaftliches. Die meisten Staaten behandeln dte völkerrechtlich verbrieften Minderhedtenrechte, als wären sie nur fürs Papier, nicht aber fürs Leben bestimmt. Eine erfreuliche Ausnahme bilden die neugegründeten Staaten Lettland und Estland. Ein ganz anderes Bild entrollt sich jedoch vor unseren Augen in allen anderen Staaten. Vergessen sind sämtliche hohen Freiheitslosungen des Weltkrieges über die nationale Selbstbestimmung der unterdrückten Völker. Wir Juden müssen noch auf eia Land hinweisen, wo es eine jüdische Minderheit von einer Million gibt, und wo gegen diese jüdische Minderheit brutale Ausschreitungen unternommen werden, die mit Recht ins Gebiet des Mittelalters hineingehören. Diesen traurigen Ruhm nahm Rumänien auf sich, wo mit abscheulicher! terroristischen Mitteln gegen die friedliebende und arbeitsfreudige jüdische Minderheit vorgegangen wird. Es ist eine Schmach unseres Jahrhunderts, daß derartige Zustände in einem sich als Kulturstaat betrachtenden Lande sich als möglich erweisen. Wir lenken von dieser hohen Tribüne aus die Aufmerksamkeit der ganzen zivilisierten Welt auf diesen unwürdigen und grauenerregenden Zustand unserer Volksgenossen in Rumänien und fordern die baldmöglichste und tatsächliche Einführung geordneter Verhältnisse. Es gibt auch Mehrheitsvölker, die dem wenig moralischen Grundsatz von zweierlei Maß huldigen. Man versucht, die jüdische Minderheit ausschließlich zu einer religiösen Gemeinschaft zu stempeln. In bezug auf die Nationalität bemüht man sich jedoch, sie gänzlich der Mehrheitsnation anzugliedern. Solche Experimente werden beispielsweise mit der jüdischen Minderheit in Ungarn vorgenommen. Auch der Völkerbund hat für den übernommenen Minderheitenschutz sehr wenig übrig. Wir rufen auch m letzter Zeit den Völkerbund wenig an, weil unser Vertrauen zum Völkerbund erschüttert ist, dem es unbequem zu sein schein^ das Recht der Schwachen und Unterdrückten gegen die Starken und Mächtigen zu verteidigen. Aus diesem Grunde müssen wir Minderheiten uns immer enger zusammenschließen. Solange diese 40 Millionen Minderheiten Europas in den Lebensbedürfnissen ihrer Volksseele nicht befriedigt sein werden, kann doch ernstlich von einem wirklich friedlichen Zusammenleben der Völker Europas keine Rede sein. Mit uns ist das Recht! Faszismus und Zionismus Die Zeitung «Regime fascista», ein halboffizielles Organ Mussolinis schreibt begeistert über den Zionismus und stellt fest: «Der Zionismus ist das herrlichste Ideal in der Geschichte der Menschheit.» Soeben erschien: Heft Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei Herausgegeben von Hugo Gold Erscheint vierteljährlich Abonnement nur ganzjährig RM. 7.- fohalt des ersten Heftes: Leopold Blau, Zur Geschichte der Judtn in Neuern — Theodor Haas, Die Eigentumsverhältnisse der Juden an unbeweglichem Besitz in vormäfzlichcr Zelt — B. Wachstdn, Bibliographie der Schriften Gerson Wolfs — H. Schwenger, Ueber die zweite Ansiedlung der Juden in Lundenburg — J. Poläk-Rokycana, Rozmital — Hugo Gold, Zur Geschichte der Juden in Pimltz — N. M. Gelber, Die böhmisch-mährischen Juden und das napoleonische Sanhedrin —• Familienforschung Suchecke — Namensdeutung — Stammbäume Zeitschrift für die Geschichte der Jaden ln der Tschechoslowakei1 Jüdischer Bachand Kunstverlag, Brünn, Rennern. 20, Tschechosi. Republik

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