Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 142 (11.9.1930)
- Date
- 1930-09-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr, m Sette $ P^g STIMME Wollen Sie noch besser essen? Hochprima Mastochsen-Fleisch / Eckte Hausmannskost / Spezial-Küche / Vorzügliche Zubereitung Gösser Bier / Hervorragende Weine Menü ä S 1.60, $ 2. Mäßige Preise S 2.60 1 ° Um gütigen Zuspruch bittet Alfons Kornmehl Wien> IX., Kolingasse Nr. 3 Abraham Goldberg ln Wien „England wird dem Zionismus Konzessionen machen“ Großes Zionistisches Meeting im Festsael des Hotel Continental — Eindrucksvolle Rede Abraham Goldbergs, Vizepräsident des Zionistischen Aktionskomitees CR.) Samstag, den 6. September, 8 Uhr abends, fand im 1 Festsaale des Hotels Continental eine vom Zionistischen Landeskomitee einberufen e Massenversammlung statt, in wdeher der Vizepräsident des Zionistischen Aktionskomitees Herr Abraham G o 1 d b e r g über den Verlauf der letzten zionistischen Tagungen in Berlin und die gegenwärtige politische Lage im Zionismus sprach. Der Saal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Mit größtem Interesse und gespanntester Aufmerksamkeit folgte man den hochinteressanten Ausführungen Abraham Goldbergs. Der Präsident des Zionistischen Landeskomitees Doktor Oskar Grün bäum eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Ansprache, in der er den Gast herzlich begrüßte und ihm; hierauf das Wort erteilte. Goldberg, als geistvoller, witziger.Redner den Wiener Zionisten nicht unbekannt, führte, stürmisch akklamiert, in mitreißender Rede ungefähr folgendes aus: «War auch der Beginn und Verlauf der letzten Berliner Tagungen in . vieler Hinsicht nicht gerade begeisternd, so komite nian dennoch mit dem Resultat der Sitzungen und mit dem,, was sich hinter den Kulissen abspielte, zufrieden sein. : Unsere Stimmung war in den letzten Monaten eine sehr gedrückte. Die Palästinaereignisse im August v. J., 'so traurig . sic auch waren,, konnten wir noch immer als etwas zufälliges — das zwar in seinen Auswirkungen furchtbar war —, als plötzliche Revolte verhetzter Menschen gelten lassen. Sie waren eine Episode, eine traurige Episode; es sind Menschen getötet, es ist viel Sachschaden angerichtet worden: 17 Millionen ^Menschen haben 130 Menschen verloren, 10 Millionen Pjuqd.die ini letzten Jahrzehnt ln Palästina investiert würden, haben;efhe‘halbe Million Pfund eingebüßt Doch: dies .war noch nicht das Aergste. Das ,kam erst späte?- und bieb keine Episode, sondern trug schon den Charakter eines bestimmten Systems. Die Haltung der englischen Regierung, das Weißbuch, Shiels Erklärungen und Interpretierungen vom «Jewish Nationa Home» mußten , von uns als Ausflüß einer bestimmten Richtung gegen unser Werk empfunden werden. Aber wie so oft sind wir aus dieser bedrückten; Lage mit einer gesteigerten Festigkeit herausgekommen, Es setzte die große Protestbewegung ein .und was dabei besonders hervorgehoben werden muß, sie Ratte unstreitbar Erfolg. Es zeigte sich nun, daß die Macht und die Kraft eines iii seinem wollen und Streben geeinigten 17-Millionenvolkes einen Faktor darstellt, mit dem auch ein britisches Imperium rechnen muß. Man denke an den-Erfolg, den die Juden beim , Völkerbund erzielt haben. Aus der-scharfen Antwort der englischen Regierung auf den Bericht der Mandatskommission ersieht man erst, wie nahe es der englischen Regierung gegangen ist, daß sich die Mandatskommission auf ein jüdisches Memorandum mehr oder ebenso stützte, wie auf ein englisches. Ein 17-MiüionenvoIk stellt eben eine Macht dar, , die imstande ist, alle Hürden zu nehmen, wenn es all seine Kräfte mobilisiert und organisiert Wir haben noch viele Freunde. Fassen wir alle unsere Kräfte zusammen und organisieren wir diese -unsere Freundschaft Wenn es sein muß, sogar gegen England. Das Verhältnis Amerikas zu seinem ehemaligen Mutterland, zu England, ist ein solches, das eine Einflußnahme auf dasselbe in dieser oder jener Richtung unsererseits England nie gleichgültig bleiben kann. Unser Ziel ist mit England zu gehen; aber richten ^lr unser Augenmerk nicht minder nach Washington als nach London, nicht minder nach Genf, nicht weniger auf den Frieden mit den Arabern. Das britische Imperium macht gegenwärtig eine schwere Krise durch; Aegypten und Indien bereiten der englischen Regierung viel Kopfzerbrechen. Aber, trotz dieser für uns objektiv widrigen Umstände sind wir ein gut Stück vorwärts gekommen. Es sind deutliche Anzeichen dafür, vorhanden, daß sich unsere Beziehungen zu England, die Infolge der Ereignisse getrübt waren, bedeutend gebessert haben. England wird dem Zionismus Konzessionen machen.; Die Unterredung Lord Passfields mit Warburg, die aqf Passfields Initiative zurückzuführen ist, ist ein weiteres erfreuliches Symptom für das vorhin Behauptete. Es steht fest, daß England an einen konstruktiven Plan bezüglich Palästina arbeitet; Daß dies bisnun nicht geschah, war sicherlich auch ein Fehler unsererseits. Wir lebten sozusagen von der Hand in den Mund. Die Opposition hatte daher Recht, an diesen Fehlern Kritik zu üben. Wir haben alle ein Recht, mit der Führerschaft unzufrieden zu sein. Redner warnt jedoch davor, aus den eingestandenen Fehlern der Führer irgendwelche Konsequenzen zu ziehen, wendet sich. daher gegen die depressiven Wirkungen, die Führerkrisen alösen, Die Frage vom Führer ist unwichtig. Auf die Geführten kommt es an, Führer gehen, aber das Volk bleibt bestehen, ln diesem Zusammenhänge kommt Goldberg auch auf das peinliche Intermezzo der Welzmannschen Erklärung ln der Judenstaat-Debatte zu sprechen. Ob Weizmanns Erklärung bloß eine Entgleisung war, wie seine Anhänger es behaupten und zu entschuldigen suchen, ob es ein bewußter Ausspruch war oder im Sich versprechen die Offenbarung seines wirklichen Denkens zu erblicken ist, wie seine Gegner es behaupten, ist nicht so wichtig. Tatsache ist, die Erklärung Ist gefallen — zum Entsetzen aller, auch seiner engsten Anhänger — eine Erklärung, die nie hätte fallen sollen, fallen dürfen und die dann, nach stürmisch erregter, einmütiger Opposition zurückgezogen und gemildert wurde. Von Bedeutung ist für un$ die einmütige Ablehnung jener . Erklärung, die wir im Grunde genommen nur als Episode zu betrachten haben. Diese Tatsache, sowie der einheitliche Geist, der bei der Tagung das Administrative Committee herrschte und besonders darin zum Ausdruck kam, daß die Jewish Agency für die Verwirklichung des «Baseler Programms» eintrat, indem sie die zionistischen Forderungen zu den ihren machte, beweisen uns nicht die Diktatur der Zionisten, wohl aber die Diktatur des Zionismus, die Kraft der Idee, den Sieg der Idee. Die aufschluß- und hoffnungsreichen Ausführungen Abraham Goldbergs, die dem zerstörenden Pessimismus, der durch die Ereignisse seit Jahresfrist immer weiter um sich zu greifen drohte, eine aufbauende, planmäßige und zielbewußte Richtung entgegensetzten, wurden von den Anwesenden mit stürmischen Beifall aufgenommen. In diesem ffe» _rasch und sicher wirkend bei iB he umatiech® n, _ Gichtischen ßv» MhewMI uicniisvnen _ Ltv* v. a und nervösen Schmerzen, Kopfschmerzen, Erkältungskrankheiten. Scheidet die Ham» [säure aus! Ober 6000 Arzte*Gutachten! I Absolut unschädlich; Fragen Sie Ihren Arzt. Sinne dankte der Präsident Dr. Oskar Grünbaum dem Gaste für seine Rede, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Ausführungen Goldbergs dazu beitragen werden, den Defaitismus auch bei uns zu bannen. Das Absingen der «Hatikwah» beendete die eindrucksvolle Versammlung. Der jüdische Vorläufer Zeppelins Der Zeppelinbesuch in Wien ruft wieder Erinnerungen an David Schwartz wach, auf dessen Ideen die heutigen Zeppeline beruhen- David Schwartz wurde 1849. in Ungarn geboren und betätigte sich zunächst in der Holzbranche. Angeregt durch einen Zeitungsartikel begann er sich mit der Frage der Lenkbarkeit von Luftschiffen zu befassen. Die Verwendung von Aluminium für den Luftschiffbau ist seine Idee, desgleichen die jetzt gebräuchliche Verbindung der Gondel mit dem Luftschiff. Schwartz hot seine Luftschiffpläne der österreichischen Regierung an, aber ohne Erfolg. Er ging nach Rußland, wo die ersten Flugversuche stattfanden. Im Jahre 1893 vollendete er in Deutschland das erste Model! des starren Luftschiffes. Erst 1897 lud ihn die deutsche Regierung ein, für sie ein Luftschiff zu bauen.und in Berlin Flugversuche zu unternehmen. Bevor das Luftschiff beendet wurde, erlag Schwartz einen Herzschlag. Erst zehn Monate später kam es am Tempelhofer Felde in Berlin zum ersten Fluge, der gelang. Das Luftschiff zerschellte jedoch durch die Ungeschicklichkeit des deutschen Unteroffiziers, der das Schiff lenkte. Die Witwe des genialen Erfinders Verkaufte die Patente ihres verstorbenen Mannes an den Grafen Zeppelin. Kleine Nachrichten Ingenieur Solomon Etingen, Lehrer am Technikum in Haifa, befindet sich derzeit in New York, wo er an der dort eben eröffneten Internationalen Verkehrskonferenz teilnimmt. Ejt wird in Amerika eine Vortragsserie über Palästina absolvieren. Der Ankauf von Boden, für eine Kolonie amerikanischer Juden wurde kürzlich perfekt. Die Durchführung des Projektes geht auf die Initiative der Zionisten in Pittsburg, Pa., zurück, welche die ersten 30.000 Dollar aufbrachten. Insgesamt wurden 12.000 Dunam angekauft Kip Lehrer aus Palästina der sowohl in hebräischen Schulen in Palästina als auch in den Allianz-Schulen in Bevrouth erfolgreich unterrichtet hat, und der Hebräisch, Arabisch, Französisch, Englisch und Deutsch beherrscht, kann seinen Aufenthalt in Wien nur dann fortsetzen, wenn er entsprechende Lektionen oder Kurse in obigen Sprachen erhält. Er war auch als Korrespondent bei bedeutenden Handelsfirmen in Beyrouth beschäftigt. Auskünfte erteilt , das Palästinaamt, Wien, I., KänMnnrsiraße 28, .(Telephon R-27-4-86^ ' JÜDISCHE ELTERN! Kauft Sdiulblldrar für Eure Kinder nur in der Jütflact»«« i Buchhandlung Harmana TtlChflGf Wlaat, ll.v Qr. Stadtgutg. 7 (Ecke Ta- ■fi borstraße 52) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen* Verzeichnisse kostenlos! Antisemitismus in U. S. A. Von Wilhelm Ebenstein. I. Mit seinen 4% Millionen Seelen bildet das amerikanische Judentum heute den stärksten Faktor der Welt-Judenheit, Nicht nur im Sinne einer ökonomischen Ueberlegenheit den verarmten Juden Mittel- und Osteuropas gegenüber, denn auch auf dem Gebiete der jüdischen Erziehung, der Verbreitung des Hebräischen, der Zahl der großen Lehr- und Lemanstalten steht das amerikanische Judentum zweifellos an erster Steile. Das Werk der «Väter der Republik», die Begründung des amerikanischen Staatswesens auf den Prinzipien der französischen Revolution, ließ auch die Juden an dem ungeahnten Aufschwung des jungen Kontinents in hervorragendem Maße teilnehmen. Diese Entwicklung währte ungefähr bis zum Weltkrieg, als das im ständigen Wachstum sich befindende Amerika nicht viel Zeit und Sinn für nationale Fragen hatte. II. Mit einem Schlage änderte sich die Situation, als Amerika aus dem Weltkrieg als die mächtigste Nation der Erde hervorging. Chauvinistischer Nationalismus begann in Aktion zu treten. Offen und versteckt nahmen die «Hundertprozentigen», der Ku-Kux-Klan, die American Legion, die patriotischen Bürgervereinigungen usw., den Kampf gegen alle Elemente des Landes auf, die nicht protestantisch und angelsächsischer Abkunft waren. Wenn auch der Ku-Kux- Klan in den letzten Jahren zurückgegangen ist, so hat doch die von ihm ausgestreute Saat Früchte getragen. Der Antisemitismus ist heute in den Vereinigten Staaten eine Macht, mit der man rechnen undkämpfenmuß. Wie überall, trifft auch in U. S. A. die wirtschaftliche Erscheinungsform des Antisemitismus die Juden am schwersten. Nach vorsichtigen Schätzungen sind es in New, York 12.000 bis 15.000 junge jüdische Männer und Frauen* in Chicago mindestens 8000, die wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum keine Anstellung finden können. Freie-Stellen-Annoncen mit*' der Bedingung. «Gentiies only» oder «Christians only» («Nur Christen») gehören nicht zu den Raritäten amerikanischer Blätter. Der wirtschaftliche Antisemitismus versperrt übrigens nicht nur neuen Arbeitsuchenden den Weg in die Wirtschaft, sondern bemüht sich auch, die Juden aus den ökonomischen Positionen, die sie bereits innehabein, zu verdrängen. In Erinnerung ist noch der heroische Kampf William Fox’ gegen die Banken-Hierarchie von Wallstreet, der schließlich damit endete, daß Fox aus der Gesellschaft scheiden mußte und mit einigen Millionen Dollars abgefunden wurde. Als Präsident zeichnet nun der Hundertprozentige L. H. Clarke. Mit Fox aber, mußte auch das gesamte leitende jüdische Persona! neuen hundertprozentigen amerikanischen Beamten, Managern und Direktoren Platz machen. Der Boykott gegen jüdische Arbeitsuchende hat solche Ausmaße angenommen, daß der Jüdisch-Amerikanische Kongreß sich genötigt sah, ein Komitee mit der speziellen Aufgabe zu ernennen, die Ursachen des Wirtschaftsantisemitismus und die Mittel zu seiner Beseitigung oder wenigstens Milderung zu erforschen. Daneben wird mit Spannung ein Buch erwartet, an dem der berühmte Mitarbeiter der New Yorker «Nation», Heywood Broun, gegenwärtig arbeitet. Es wird «Christians Only» («Nur Christen») heißen und dem Kampfe gegen antijüdischen Wirtschaftsboykott durch die Veröffentlichung wertvoller authentischer Dokumente zu dienen suchen. Hi. In ihrem hehren Streben, die höchsten Gipfel der Kultur zu erklimmen, haben die Vereinigten Staaten es auch schon zur praktischen Anwendung des Numerus clausus an den Universitäten gebracht. Wenn es ein Volk auf Erden gibt, das von einer derartigen barbarischen Maßnahme getroffen wird, so ist es das jüdische, das kraft seiner jahrtausendelangen geistigen Schulung zum Studium der verschiedensten akademischen Disziplinen berufen ist. Besonders die Universitäten New Yorks und anderer Großstädte im Osten der U. S. A., die die überwältigende Mehrheit des amerikanischen Judentums beherbergen, wenden die drückenden Numerus-cIaiisüs-Bo* stimmungenln rigoroser Weise an, so daß vielen Studenten nichts übrig bleibt, als eine der kleineren Universitäten in den Weststaaten der U. S. A. aufzusuchen, wo der Antisemitismus verhältnismäßig selten in Erscheinung tritt. Fast ebenso schwer wie der jüdische Student hat der jüdische Forscher und Wissenschaftler in Amerika zu leiden. Auch gegen Professoren, Dozenten und Assistenten wird der Numerus clausus streng durchgeführt, mögen sie auch wissenschaftlich erstklassig in ihrem Fach qualifiziert i