Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 142 (11.9.1930)
- Date
- 1930-09-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SeH» 4 DIE ST1M1WE Nf. 142 Bin britischer Arbdterdepntierter spricht zn jüdischen Arbeitern in Palästina Jerusalem. (J. T. A.) A. D. Den man, Abgeordneter der Arbeiterpartei, Überbrachte einer hier zu seinem Empfang abgehaltenen Afbdtetversamnriung die Grüße der englischen Arbeiterpartei, ln seiner Ansprache führte er etwa folgendes aus: Ich Mn erfreut, das jüdische Aufbanwerk hi Palästina zu sehen. Ich habe viel Kritik gehört, bin aber gekommen, um euch zu ermutigen. Ich nehme Anteil am Jüdischen Natiottathehn nicht ab einer bloß jüdischen Uatemehmang, sondern weil es Bedeutung hat für die ganze Welt Kentridge begann seine Ansprache hebräisch und fuhr englisch fort: Ich habe hier Wunder gesehen, vor allem ln der Jlsraef- Ehetk, hi Tei-Avfv und beim Rothenberg-Werk. Das jüdische Werk bedeutet einen Fortschritt in Zivilisation und Ethik der Wett. Arbeitnehmer und Arbeitgeber hier denken nicht an persönlichen Vorteil, sondern daran, das Jüdische Nationalheim aufzubauen. Jüdische Arbeit dient auch der Besserung der Lage der Araber. Unbeschadet ddr begangenen Fehler wird die englische Regierung ihre Versprechungen halten. tfamuBond Ö3? >is geht mit der britischen Delegation nach Genf London. (J. T. A.) Wie Reuter ans Genf mitteilt, ist der Unterstaatssekretär für die Kolomen, Dr. Dramraond Shiels, in Genf eingetroffen, tum die vom Außenminister Henderson geführte britische Delegation m den Völkerbundverhandlungen zu verstärken. Der britischen Delegation in Genf gehören auch, wie Reuter weiter mitteilt, der High Commissioner für Palästina, Sir John Chancellor, und der britische außerordentliche Bevollmächtigte für Palästina, Sir John Hope Simpson, an. Italien für Revision des Palästina-Mandats? Das «Journal de Geneve» veröffentlicht einen Artikel seines römischen Korrespondenten, in welchem über das lebhafte Interesse beriohtet wird, mit dem die faschistische Presse den Bericht der Mandatskommission und seine Beantwortung durch England verfolgt. Einige Italienische Blätter geben der Hoffnung Ausdruck, daß es möglich sein werde, durch eine diplomatische Aktion des Vatikans die bisher im Mandat nicht berücksichtigten Rechte der Römisch- Katholischen Kirche zur Geltung zu bringen. •Der Korrespondent des «Journal de Geneve» kommt zu dem-Schlüsse, daß man in Italien einen momentanen Ausgleich der gegensätzlichen Interessen für eine unzureichende Lösung der Palästina-Frage und das Mandat selbst für revisionsbedürftig halte. ff Onnau Bentwiob über Schaffung eines Parlaments Jerusalem, 5. September. (J. T. A.) Der Chef des Justizi departeapients der Palästina-Regierung, Oberstaatsanwalt Norman Bentwich, hielt im Jerusalemer'Brith Schalont-Zirkel einen Vertrag über die Pläne der Regierung, einen Legislative Council (gesetzgebenden Rat) in Palästina zu schaffen und im Zusammenhang damit auch die Befugnisse der Stadtseübst- * Verwaltungen zu erweitern. „Felestin“ will einen rein arabischen Palästinastaat ‘ Jerusalem. (J. T. A.) Als Erwiderung auf die Ausführungen des Präsidenten der Jewsih Agency Dr. Chaim Weizmann auf der Berliner Tagung des zionistischen A. C., daß in Palästina Platz sein muß für beide Völker, schreibt das Organ der arabischen Exekutive «Felestin»: Palästina ist ein arabisches Land, wir fordern einen arabischen, nicht aber einen jüdisch-arabischen Staat Ausschreitungen gegen jüdische Touristen in Damaskus Jerusalem. 250 jüdische Touristen wurden in Damaskus mit. Steinen beworfen. Die Ulemas und Notabein verlangten von der Regierung, daß sie die Touristen zum Verlassen der Stadt auffordere. Die Regierung lehnte dieses Ansinnen ab. Kleine Nachrichten ausPalästina Der Hebroner Polizeioffizier Ibrahim Jorjura, der im August 1929 in Hebron eine eigentümliche Rolle gespielt hat,:wurde zum Leiter in dem Jerusalemer jüdischen Stadtviertel Machnej jehuda ernannt. Die hebräische Presse ist darüber; empört. . [rn Juli sind 340 Juden nach Palästina ein- und 143 Juden aus Palästina ausgewandert. Einige im April verhaftete junge jüdische Kommunisten wurden zu Gefängnisstrafen bis vier Monate und zur Landesverweisung nach der Verbüßung der Strafe verurteilt. Die arabische Presse warnt vor der Durchführung des Plane»; 60 Yemeniten in Hebron anzusiedeln. Nach der soeben abgeschlossenen Zählung wurden in die Wahlliste für die jüdische Nationalversammlung 93.000 Wahlberechtigte aufgenommen. Die Wahlen finden voraussichtlich im November statt. Die Araber haben dagegen Protest erhoben, daß das Rachelgrab renoviert wurde und daß Sitzgelegenheiten vor dem Grabe geschaffen werden. Die landwirtschaftliche Schule in Mikwe Israel feierte ihr ßOjähriges Jubiläum. In Jerusalem wurde vom stellvertretenden Oberkommissär Davis die Grundsteinlegung für den Neubau des Jerusalemer Rathauses vorgenommen. Col. Kish und der frühere. . Jüdische Vizebürgermeister Solomon waren dem Festakt demonstrativ ferngeblieben. In dein arabischen Regieruhgsschulen werden von den Lehrefn die Schüler dazu verleitet, die Streikparolen der Exekutive zu befolgen. Dies hat eine Untersuchung der RegierungskAmmission ergeben. AAAAAAAAAAAAAAAAAAA Die Woefke Königsberg. Bei dem hier tagenden Naturforschertag wurde Eugen Goldstein, der Entdecker der Känalätrahlen, die das wichtigste Mittel der Atomforschung geworden sind, besonders geehrt. Frankfurt a. M. In einer hiesigen jüdisch-orthodoxen Privatschule hat man eine Feldgranate gefunden. Die Polizei ist bemüht, die Sache aufzuklären. Leipzig. Die Israelitische Religionsgemeinde Leipzig feierte am 7. September das 25jährige Bestehen der Gemeindesynagoge. London. Dem hier tagenden siebenten internationalen Philosophenkongreß wohnen auch einige bedeutende jüdische Gelehrte bei. Berlin. Am 3. September vollendete der bekannte Berliner Internist Professor Theodor Rosenheim sein 70. Lebensjahr. Er ist tätiges Mitglied des C. V. Rabbiner Julius Samuel, der bisherige Generalsekretär des Weltverbandes «Schomre Schabbos», hat einen Ruf auf den Rabbinatssitz in Oslo erhalten. Der jüdische Friedhof in Grünstadt (Pfalz) wurde geschändet. Es ist bereits die 93. Friedhofsschändung in Deutschland. Am 5. September wurde der weltberühmte physikalische Entdecker Professor Eugen Goldstein 80 Jahre alt. Rumänien Hetzplakate Bukarest (j. T. A.)) Die Cuza-Partei hat in den Straßen von Bukarest zahlreiche Plakate kleben lassen, in denen offen zur Diktatur aufgefordert wird. Es wird festgestellt, daß das Land durch die Parteistreitigkeiten und die Juden vollkommen zugrunde gerichtet wird. Kandidat der Cuza- Partei für den Posten des Diktators ist Professor Cuza, dessen, Photographie auf den Plakaten zti sehen ist. Danila and Totu veranstalten nach ihrer Freilassung neue Exzesse Czemowitz. (J. T. A.) Die Cqzistischen Führer Danila, Toto und Irima, die vor wenigen Tagen aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen wurden, haben im Zuge Jassy- Pascany den jüdischen Kaufmann Jeancu Goldenoerg aus Pascany überfallen und blutig mißhandelt. Vaida,Voevods Beziehungen zu den Antisemiten Die Bukarester Tageszeitung «Adeverul* hat bekanntlich ein bisher unwidersprochen gebliebenes Interview des Union der Zionisten - Revisionisten Österreichs Sie Sefterteidiififte labatregie auf Her Sieltet Itetbftmeffe. 2ßie öHjäiEjrlitf) Beteiligt fidj Me Safiafregiß audj fjeiter ait bet. SSiener ^rttetnationalen #erf>ftniej’[e (7.—14. ©e^tembe1 1930) imb bringt itt iljrent ißabitton auf hem 5RotuitbengeIän&e -unb in jtaet SBerfaüf&oagen im beä .•äfteffebafoftess Üjre färrutlid^en $aßri» Eatenforien — bie gaugbarfteu audj euhtifptmiftetl burcf) bic ©ntniü'Otinifieru'ttg£»äCnftali SCuguft galf — aur ©tbauftßttung üttb jum SSerfaufe. gabtifatiou§taume beS SftotunbonbabiCCotcS totrb eine ÜDiajtfiinencHiitage jur ©rjeugiutg bau Slabfcenfdjadj» teilt im gliehberfafjmt im ^Betriebe gegeigt; banebett toerbeit in biefe ©djadjfcelrt ©g^ptifdje 3igaretien II. ©orte ban ^anb berpadit Slu^telXungSraunte be3 S£abiHon# toitb bet bom Stteüter Sßrofeffor SD’t. SBe5teirä>$to-fe.f.f.0t $opp projektierte Umbau, bet Sababfabrik m Sßfönen, ©figaen unb MobtfLm borgeficfjrt (GrntgetfHid).) rumänischen Innenministers Vaida-Voevod mit einer ungenannt sein wollenden Persönlichkeit wledergegebeh, in welchem der Minister zugegeben hat, daß er direkte Beziehungen zu den AntüsemltenfUhrern unterhielt und sie unterstützte; dies habe er aber nicht aus Feindschaft zu den Juden getan, sondern im Gegenteil aus Freundschaft zu den Juden; er wollte auf diese Weise die antisemitische Bewegung kontrollieren. «Adeverul» setzt nun die Wiedergabe jenes. Interviews fort und verbürgt sich für dessen Authentizität Im Verlauf des . Gespräches äußerte sich Minister Vaida-Voevod dahin, die Juden schaden sich selbst wenn sie laut vor aller Welt Klage führen und besonders den Brand von Borscha herausstreichen, denn eben dadurch seien die Bauern auf den Gedanken gebracht worden, die Juden hätten selbst, .ohne Rücksicht auf die Mitgefährdung nichtiüdischen Eigentums, den Brand ln Borscha gelegt, um die Versicherungssummen zu bekommen. Auch dächten die Juden, sagte Vaida-Voevod weiter, zu wenig an die Tatsache, daß ihre Emanzipation in Rumänien noch jungen Datums und noch nicht ganz j sichert sei; es wäre darum besser für sie, nicht allzu wc gehende Forderungen zu stellen. Einstige Pogromf(ihrer in Kiew erschossen Moskau. (J. T. A.) Das Sowjetgencht in Kiew hat zwei Banditenführer, Donzow und Schwejko, zum Tode durch Erschießen verurteilt, das Urteil wurde bereits vollzogen. Während der Gerichtsverhandlung wurde festgestellt, daß die beiden Banditen ln der Zeit der ukrainischen: Pogrome Unterführer des Attamans KJimenko waren und als solche die jüdische Bevölkerung ganzer Städte aüsgerottet hatten. Allein in Uman haben die Banden Donzows und Schwejkos 3000 jüdische Seelen umgebracht. Vor dem Kongreß für das arbeitende Palästina. Die Tagesordnung des Kongresses Berlin, 7. September. (J. T. A.) Vom 27. bis zum 30, September 1930 findet in Berlin der Weltkongreß für das arbeitende Palästina statt. Das Zentralkomitee zur Vorbereitung des Kongresses hat die Folge der allgemeinen Tagesordnung festgesetzt: a) Die Nöte des jüdischen Lebens in der Gegenwart; ln diese Qruppe fallen Referate über die soziale Struktur des jüdsiden Volkes, die Lage der Juden überall in Donnerstag, dm IX. Septem* her 19,30* 8 Uhr abends, Cali Arkaden, Wien, L, Universi* tütsstrafle (Souterrain) VERSAMMLUNG Die Revisionistische Wdtkon* fertnz in Prag und die A. C. Sitzung in Berlin Redneri Dr. H. Glücket, Dr. D. Buhspan Eintritt frei Gäste willkommen der Welt, die jüdische Arbeiterbewegung, die jüdischen Auswanderernöte, Probleme des westeuropäischen Judentums, b) Palästinas Rolle im jüdischen Leben; in diese Gruppe fallen Referate über das jüdische Arbeiterwerk in Palästina, jüdischer Arbeit und Zionismus, die Aufnahmefähigkeit Palästinas, das jüdische Kolonisationswerk und die Araber, Völkerbund und Palästina-Mandat, die Beziehungen des arbeitenden Palästina zur Mandatarmacht und zu den Arabern, c) Konkretes Tätigkeitsprogramm; in diese Gruppe fallen Referate über die Aufgaben der Liga für das arbeitende Palästina, die Arbeitsmethoden in den verschiedenen Ländern, die Jugendbewegung-im arbeitenden Palästina. Die Juden im heutigen Rußland Ein Interview mit Dr. S. Elleberg Herr Dr. EUsberg, Vize-Vorsitzender der Gesellschaft ORT in Amerika, der zuletzt einige Monate in Rußland verbracht hat, äußerte sich in einem Gespräch mit dem JTA- Vertreter über die Lage der Juden im heutigen Rußland u. a. wie folgt: ln Rußland werden jetzt alle Hoffnungen in den Fünfjahresplan gesetzt. Die Regierung erklärt, daß der Plan lOOprozentig durchführbar ist und bereits gute Resultate erbracht hat. Die besten Kräfte des Landes sind jetzt der Verwirklichung des Fünfjahresplanes gewidmet. Die zu seiner Durchführung notwendige Maschinerie muß aus dem Auslande eingeführt werden und dies erfordert enorme Geldmittel. Daher die größte Anstrengung seitens der Regierung, den Export zu heben, was die Bevölkerung, im Lande immer schmerzlicher zu fühlen hat. Trotz des akuten Nahrungsmangels und der Besorgnisse, mit denen man dem kommenden Winter entgegen sieht, verliert die Bevölkerung doch I nicht die Hoffnung auf bessere Zeiten. So schwer die Lage 1 für das gesamte russische Volk ist, so ist sie für die deklassierten Juden doch erheblich'sch werer. Die Einscbichtung der jüdischen Deklassierten in die Wirtschaft vollzieht sich, wenn auch langsam, so doch entsprechend den in der letzten Zeit erweiterten Möglichkeiten. In dieser Hinsicht haben der ÖRT-Verband und Agro-Joint ein großes Werk vollbracht. Insbesondere ist die Tätigkeit hervorzuheben, die der ORT-Verband mit Hälfe der. amerikanischen Volkswerkzeug-Kampagne verrichtet. ' Für einen, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, Ist es schwer sich vorzustellen, was das bedeutet: ein deklassierter Jude in Rußland. Es ist dies nicht bloß eine Brotfrage, sondern eine Frage der Erlangung der primitivsten sozialen und politischen Rechte. Hier ein Beispiel: Kurz vor meiner Abreise aus Rußland traf ich mit einer-bekannten jüdischen. Familie zusammen — Mann, Frau und zwei Kinder, die zwei Zimmer bewohnten. Die Frau, eine in einer Regierungaanstalt beschäftigte Aerztin, bat ein Recht auf ein Zimmer, der Mann aber, ein ehemaliger Geschäftsmann, ist deklassiert und be-;. sitzt kein Wohnungsrecht Gerade, als ich. mit der Familie rasammentraf, erhielt der Mann den. Befehl, sein Schlafzimmer zu räumen und er mußte sich sofort nach einer Schlafgelegenheit amsehen. Solche Fälle zählt man nach Tausenden. Um die Deklassierten aus dieser unerträglichen Lage zu retten, ist es notwendig, sie einem produktiven Erwerb zuzufütiren. Die Arbeit des Verbandes ORT in. Rußland hat sich in der letzten Zeit bedeutend verzweigt. Die ÖRT-Vertretung hat in der Anpassung an die neuen Verhältnisse eine große Energie entwickelt. Die landwirtschaftliche Arbeit des ORT- Verbandes hat eine Ausdehnung erfahren, wenn auch die Tätigkeit in einigen Ortschaften Weißrußlands aus verschiedenen Gründen eingestellt werden mußte: Sehr erfreulich dst auch die Pionierarbeit des ORT-Ver bandes auf dem Gebiete der Industrialisierung. Der ORT- Verband organisierte 36 Artels für Deklassierte, von denen 20 mit einer Gesamtzahl von zirka 200 Beschäftigten bereits tätig sind. Ernste Warnungszeichen gibt die Natur durch Schwindelgefühl, Atemnot, vorzeitige Ermüdung, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Ohrensausen usw. Diese Beschwerden zeigen zumeist den Beginn der gefährlichen Adernverkalkung an. Bekämpfen Sie diese, ehe es zu spät wird, durch Radiosklerin, die seit Jahren ärztlich empfohlenen, frei verkäuflichen Tabletten, welche die Blutzirkulätion in den Schlag« und Pulsadern fördern, geistige und körperliche Arbeitsfähigkeit erhöhen. Radiumgehalt amtlich geprüft Depot: Apotheke Bayer, Wien, 1. Bezirk, Wollzeile 13. Prospekte gratis u :d franko. . 4