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Die Stimme · 1930-09-04 · Heft 141 (4.9.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 141 (4.9.1930)
Date
1930-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. Ul PTf tTTMMf Seite 5 Georg Kareeki kandidiert auf der Zentrumsliste Blättermeldungen zufolge wurde der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Georg Kareeki, auf der Berliner Wahlpräsenzliste des Zentrums an zehnter Stelle aufgestellt. Georg Kareeki Ist bekanntlich ein aktiver Zionist. Wiener Blätter schreiben, es sei ein interessanter Fall, daß das rein katholische Zentrum einen Juden auf seine List« übernimmt. -r.* r. v SFVW’M L ——-. . I 3« ©efifnnitt ®la, dje t$ ga fpöt totrb, fcurdj Raätoflleetn, bie fett Sfcdjtet 8tai* ttdj empfohlenen, frei bazfäu flirrt fcaßletten. Benommenheit, ßopfithmergen, ©djtoinfcel* ßefüht £%enfaufett, 0i#ttfdje uith xljeumöttfdfjß Befdjtußrben au linbem. ©as mbtum* haltige Dtobioffterin erhält Me ttbern etaftifdrj, e§ hetoirft eine Berbümtung beS Blutes, berhtnbert #ölla61ö0erungen in ben Blutgefäßen, befärbert bie Blutgirfulatton unb et* hält boher bis unbermlnberte SlrbeitStraft bis tns hohe STCtet- Dtabiumgeljalt toirb am ilfdj überprüft, ©enemloepot unb SCuSfunft: Slpeihefe Balje*, kßten, 1. Bewirf, SSoHaeilc 13. Brofpefte gratis unb franlo. Die letzten Unruhen in Palästina Von Mobamed el Tawil Wfr setzen beute die Uebersetztmg der Broschüre des Herrn Mohamcd el Tawil, «Oie letzten Unruhen ln Palästina», fort Diese Broschüre wurde sowohl in arabischer wte auch In späterer hebräischer Ausgabe von der Pa* lästtoa-Regierung konfisziert Die vorliegende Üebersetzung Ist demnach die erste Veröffentlichung des Buches des Herrn Tawil, der, wie unsere Leser bereits aus dem in der «Stimme» veröffentlichten Interview (siehe «Die Stimme» Nr. 138) erfahren haben, ein Zionistenfreund und. unerbittlicher Gegner des Jerusalemer Qroßtmttti ist Wenn auch die Arbeit des Herrn Täröl in einem einfachen, well für die Fellachen bestimmten Stil gehalten Ist, so werden dennoch seine Ausführungen nicht verfehlen, großes Interesse und Aufsehen sowohl in jüdischen wie auch arabischen, und — last not least — britischen Kreisen zu erregen. (Die Redaktion.) Der Oberste Mohammedanische Rat*) Der Oberste Mohammedanische Rat wurde gegründet, damit er sich mit mohammedanischen religiösen Angelegenheiten befasse. An die Spitze des Rates wurde Hadj Amin el Hussein! gestellt, ein Mann,, der im Jahre I92Ö zu einigen Jahren Kerker verurteilt worden ist Dieser Mann machte aus dem Rate eine politische Institution, ein Organ für seine Politik, die auf Lügen und Fälschungen aufgebaut ist In der letzten Zelt erwachten viele Gelehrte, Denker und Notaibeln unsere» Landes'aus ihrer Lethargie und begannen die Führerschaft dieses Mannes zu bekämpfen, wie auch von der Regierung zu verlangen, daß sie ihn seines. Amtesi.enthebe. Der Rat beschloß ein Gesetz* wonach der Qroßjmifti neun Jahre in seinem Amte verbleiben und dann wieder auf weitere neun Jahre gewählt werden kann. Der Mufti verschwendete viele Tausende von Pfunden, bis er diesen zeitweiligen Erfolg erntete. Aber die Meinudgeverschledenheit zwischen ihm und dem Volke dauert nach wie vor an und wurde nach den letzten Unruhen noch größer. Der Vorsitzende des Obersten Mohammedanischen Rates und seine Amtskollegen vernachläsigten ihre religiösen Pflichten und beschäftigten sich mit der Politik, Dadurch wurde der Islam im ganzen Lande, insbesondere kt den Städten, geschwächt. Die Sitten vieler Mohammedaner wurden verdorben. Die Missionäre vervielfachten ihre Propaganda, aber der Rat tut so, als ob er gar nichts davon wüßte, und vernachlässigt nach wie vor seine religiösen Pflichten. Dieser Mann und seine Amtskollegen sammelten bei den Mohammedanern der ganzen Welt Tausende von Pfunden, angeblich, um die Omarmoschee auszubessern. Als es jedoch bekannt wurde, daß die gesammelten Beträge genügen, um die Moschee von neuem aufzubauen, verlangte .das Volk die Rechnungslegung. Pa bracTien plötzlich die Unruhen aus und der Oberste Moslemische Rat versdhanzte sich hinter ihnen. Der Vorsitzende des Rates gab die Gelder aus, um für Riesenbetrage Böden1 ln öffentlicher Versteigerung zu kaufen, obzwar diese Böden verlassen und vollständig brach waren. Er baute auf diesen Grundstücken Hotels, in welchen seine Leute wohnten. Mit einem Worte: man kann sagen,, daß er auf ungesetzliche Weise mohammedanische Gelder verwendete. Dagegen wurde nichts für die mohammedanische Religion getan. So besuchen z. B. viele moslemitische Waisen christliche Missionsschulen, werden dort im Sinne der christlichen Religion erzogen und nachdem sie die Schule verlassen, werden sie bestimmt nicht wissen, daß sie Mohammedaner sind oder von Mohammedanern abstammen. Und wieviel arme Mohammedaner und Kranke befinden sich in Missionshäusern, wo sie umsonst behandelt werden. Auch dort werden sie Im Sinne der christlichen Religion beeinflußt und da sie mittellos und krank und auf die Hilfe angewiesen sind, lassen sie sich beeinflussen, Die Missionäre besuchen die Kranken und die Wärter zwingen sie, d*m christlichen Gottesdienste beizuwohnen. Und jetzt saget mir: gibt e6 in den jüdischen Hadassa-Hospltälern auch eine derartige List, auch einen derartigen Krieg gegen den Islam? Dreimal nein! Schlecht ist die Lage vor allem deshalb, weil es jetzt viele christliche Priester und Missionäre im Lande gibt. Und vorwiegend sind es Araber, von dieser Art der *) Sieh« «Die Stimme» Nrn. 138—140. Araber, die Tag und Nacht behaupten, daß Mohammedaner und Christen sich gegen die Juden vereinigen Sollen. Und das tun sic, damit sie weiter auf verschiedenen Wegen den Islam bekämpfen können, bis sie ihn vollständig ausgerottet haben. Es wird ja genügen, wenn ich sagen werde, daß einer dieser großen Missionäre identisch ist mit dem Manne, den die Zeitung «Falaetin» als Kandidaten für die palästinensisch-arabische Delegation aufgestejlt hat. Schauet also, Ihr Mohammedaner, wohin uns die Christen bringen wollen. Und der Oberste Moslemltische Rat sieht all das nicht, oder tut so, als ob er es nicht sehen würde. Es gibt auch viele andere Schäden, deren wir dank dem Mohammedanischen Rate teilhaftig geworden sind, aber der größte Schaden sind die letzten Unruhen, die ausgebrochen sind unter dem Vorwände der Religion und die hervorgerufen wurden durch Verbreitung falscher Nachrichten über einen Angriff der Juden auf die Omarmoschee und die Klagemauer. Wir wissen alle, daß der Oberste Mohammedanische Rat diese Lügen verbreitete, die die ganze mohammedanisch« Weit in Aufruhr versetzten. Wenn der Mohammedanische Rat es gewollt hätte, dann hätte er bestimmt das Unheil und das Blutvergieniramt MittelachUlei(in) aus gutem jüdischen Hause in Pondon. Lveptuell Unterricht. Adresse Wien 10. Bezirk, N«-u setrgasse 4/14. Telephon Nr. U 40 0-69. ßen unschuldiger Menschen verhüten können. Wenn er aber das hätte tun wollen, dann hätte er rechtzeitig die Lügen dementieren müssen, Und dann wären für vjeie der Unsrlgen die Todesurteile erspart geblieben und die Witwen und Waisen würden nicht um ihre Männer und Väter trauern ... Und deshalb ist der Oberste Mohammedanische Rat vor Gott, vor der Geschichte und vor der Menschheit für das unschuldige, in Strömen vergossene Blut, für das große Unglück, das in Folge der Unruhen auf die Mohammedaner niedefftel, für die wachsende Misslonsgefahr 1-m Lande und für die Schwächung des Islam verantwortlich- Es wäre die Pflicht des Mohammedanischen Rates gewesen, im ganzen Lande mohammedanische Hospitäler zu gründen, in denen unsere mittellosen Kranken umsonst geheilt werden könnten, anstatt unnütze Bodenflächen zu kaufen und Hotels zu bauen. Es hat keinen Sinn, sich mit nationalen fragen zu beschäftigen, wenn zugleich nicht gearbeitet wird, um die mor hammedanische Religion zu heben- Denn Religion geht vor dem Vaterland und wenn wir kein« Religion haben, haben wir kein Vaterland, Daher wende ich mich an unsere Gelehrten, an unsere Notabeln, daß sie sich versammeln und über die Taten des Mohammedanischen Rates und die Schwächung der Religion beraten. Sie sollen so rasch als möglich Abhilfe schaffen und 'eine Neuordnung und Neuorganisierung des Mohammedanischen Rates herbeiführen. Sie sollen ihn von der Plage des Politisierens befreien, sollen von ihm die Politiker entfernen und ihn beeinflussen, daß er »ich nur mit religiösen Dingen beschäftige. Das alles wird aber nicht verwirklicht werden können, solange der Großmufti und seine Nächsten im Amte bleiben. Der Großmufti ist kein Gelehrter und kein Wissenschaftler. Will der Mufti mit Politik »ich beschäftigen, so soll er sich der Arabischen Exekutive srtscbließen. Es ist eine Schande für die palästinensischen Gelehrten, daß sie gestatten, dem Großmufti als dem Vorsitzenden des Obersten Moslemitlschen Rates über das Schicksal von 700.000 Arabern zu entscheiden und so zu tun, als ob das Land sein Privateigentum wäre. OraBIMscMiauaral SIEGM. KORN MEHL Zentrale IX, Barggasse 19, Tel, A17-3-99 u. A 16-9*34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen för »ny>Flel3ch mmwmMu&mmmmalmmmmBmmmnmemB unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien kutosuileilune kostenlos IX, Belasse ls XVUI, WÜhrlmrerstraße 97 Die Sitzungsprotokolle der Mandatskommission Re ve ja torische Einzelheiten Die am 26. August veröffentlichten Sitzungsprotokolle gewähren aufschlußreiche Einblicke in die Vei -• handlungen während der außerordentlichen Tagung der Permanenten Mandatskommission zur Behandlung der Palästina-Fragen, deren Ergebnis in dem Bericht der Mandatskommision niedergeiegt ist. Es zeigt sich, daß die Ablehnung der Palästina-Politik der Mandatarmacht durch die Mitglieder der Mandatskommission einhellig war. Die Sitzungsprotokolle lassen weiter erkennen, daß die Mitglieder der Mandatskommission diesmal das palästinensische Problem mit äußerster Sorgfalt studiert haben. Als Dokument von größter Wichtigkeit erwies sich die Antwort der Jewish A?en:y auf den Shaw- Bericht, die gleichwert g neben dem Shaw-Berich' figurierte, sehr zur Unzufriedenheit von Dr. Shlels. Im wesentlichen stellt die Mandatskommission Widersprüche im Shaw-Bericht und häufig gegensätzliche Schlußfolgerungen fest. Wären der Mandatskommission d!e Protokolle der Zeugenaussagen vor der Shaw-Kommission zugänglich gewesen, die zur Zeit ihrer Tagung noch unveröffentlicht waren, dann wäre höchstwahrscheinlich die Kritik der Mandatskommission noch schärfer ausgefallen. Selbst das britische Mitglied der Mandatskommission, Lord Lugard, bemängelte in gewissen Punkten die Maßnahmen der Mandatarmacht, während Shiels, der einige frühere Mitglieder der Mandatskommision der judenfreundlichen Voreingenommenheit beschuldigte, für sich volle Unparteilichkeit in Anspruch nahm, da er weder die jüdische, noch die arabische Partei, noch die Partei der Shaw-Kommission einnehmen wollte. Von den Schlußfolgerungen der Shaw-Kommission sagte er an einer Stelle, «er wolle nicht behaupten, daß alle Schlußfolgerungen itn Shaw- Bericht korrekt seien». Im Zusammenhang mit dem von der britischen Regierung in ihrer Antwort auf den Bericht der Mandatskommision erhobenen Vorwurf, letztere habe früher die Möglichkeit von Unruhen nicht vorausgesehen, Ist die Erklärung Rappatds aufschlußreich, der feststellte, daß in der Sitzung der Mandatskommision vom Juli 1929 der High Commissioner bei den Mitgliedern der Kommission den Eindruck erzeugte, daß die Gesamtsituation in Palästina ständig ruhiger, werde und daß die Mandatskommission bisher über die Situation unrichtig Informiert war, was Rappard darauf zurückführte, daß der High Commissioner selbst wahrscheinlich nicht ganz richtig informiert war. Auch van Rees verwies Dz. Shiels auf dessen Frage, warum die britische Politik hinsichtlich des Jüdischen Nationaiheims nicht schon in früherer Zeit kritisiert worden sei, auf das SitzungsprotokoU der vorangegangenen Sitzung der Mandatskommission, in der die britische Politik kritisiert wurde, allerdings in vorsichtigen Ausdrücken, um nicht unnötigerweise öffentliches Aufsehen zu erregen. Eine interessante Frage wurde vom Vorsitzenden der Mandatskommission gestellt. Er fragte, \ ob die Mandatarmacht sich eine klare Meinung darüber gebildet habe, wann das Jüdische Nationalheim als errichtet anzusehen sei und ob es möglich sei, zu sagen, wann nach Ansicht der Juden selbst die Errichtung des Nationalheims vollendet sein würde, Shiels ließ diese Frage unbeantwortet. Der englische Vertreter ln der Mandatskommission, Lord Lugard, sagte zur Suspendierung der Einwanderung, daß sie, falls die Zertifikate aus rein politischen Erwägungen heraus suspendiert worden seien, ausdrücklich der verkündeten Politik der Regierung widersprechen würde, da die Einwanderung ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten reguliert werden soll. Zu einem Redekampf kam es zwischen dem Vorsitzenden der Mandatskommission und Luke, als die Geringfügigkeit der von der Palästina-Regierung gewährten Entschädigungen zur Sprache kam. Luke stellte sich auf den Standpunkt, daß die Gewährung von Entschädigungen einen freiwilligen Akt der Regierung bedeutet, während der Vorsitzende betonte, daß es ein Akt der Gerechtigkeit sei. Lord Lugard stellte die Frage hach der Möglichkeit jüdischer Siedlung tn Transjordanien. Dr, Shiels wies diese Frage jedoch sofort zurück, erstens als unvereinbar mit dem Mandat und dann als undurchführbar, weil die in Transjordanien bestehende Gesetzgebende Versammlung die Ausführung solcher Absichten unmöglich machen würde. i

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