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Die Stimme · 1930-09-04 · Heft 141 (4.9.1930) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 141 (4.9.1930)
Date
1930-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sett© 4 die stimme wirtschaftlichen, sozialen, und staatsbürgerlichen Gebiete Zusammenarbeit, Toleranz und gegenseitige Hilfsbereitschaft herbeizuführen. Unter den wichtigen Fragen, die in dieser Tagung behandelt werden sollen, Ist die gründliche Prüfung and Analyse der Finanzlage der Agency, ihrer Strulciur und Ihrer Arbeitsmethoden; die Erwägung von Mitteln und Wegen, die geeignet sind, die größtmögliche Leistungsfähigkeit, die sich mit sparsamer Wirtschaft und mit der Verringerung von Verwaltungsausgaben vereinbaren läßt, sicherzu stellen und das Budget der Agency dadurch zu entlasten, daß anderen in Palästina tätigen Körperschaften und Organisationen die für sie geeigneten Funktionen übertragen werden. Wir tragen die schwere, erdrückende Last früherer Schulden und Verpflichtungen. Sie werden sich erinnern, daß ungefähr 26 bis 27 Prozent des Budgets für das laufende Finanzjahr zur Deckung von Schulden verwendet werden mußten. Es wurde der Vorschlag gemacht, daß einige der Männer, denen Palästina besonders nahesteht und die glauben, daß sie sich von ihrer Tätigkeit zurückziehen müssen, eine Gruppe bil- den und sich verpflichten möchten, die Schulden und iVerpflichtungen der Agency während einer Anzahl von Jahren zu tilgen. Es ist erfreulich, daß der Präsident der Palestine Economic Corporation sich unter uns befindet und uns über die Tätigkeit der Corporation berichten kann. Ich bin sicher, wir werden mi-t Bewunderung anerkennen, wie stark, rein und unerschüttert diese Organisationaus den Stürmen, Erdbeben und Aufständen hervorgejgangen ist. Wir glauben, daß sie sachkundig und richtig verwaltet wird; sie weist den Weg, auf dem Palästinas geschäftliche Unternehmungen geleitet werden könnten. Eine der Kapitalanlagen, die ich der Palestine Economic Corporation zur Verwaltung übertragen habe, ist die von 40.000 Pf. St. für das Rutenbergsche hydroelektrische Projekt, welches, wie ich höre, durchgeführt äst. Die außergewöhnliche Persönlichkeit dieses Mannes, seine Energie und seine Gewandtheit waren es, die mich seinen kühn gedachten Projekten mit Freuden folgen Heßen. Es wird auch für die Tagung von Interesse sein, zu erfahren, daß im Mai 1929 die Satzungen der Pale- .ötine Potash Ltd. ausgearbeitet worden sind und daß diese Gesellschaft die Konzession für die Ausbeutung;der Mineralschätze des Toten Meeres erhalten hat. Das 'Aktienkapital der Gesellschaft beträgt 400.000 Pf. St., jvon denen 215.000 Pf. St. Ende 1929 von Aktionären (übernommen worden sinjL Die vorübergehende Außerkraftsetzung der Zertifijkate und die RückwiTk-ung dieser Maßnahme auf das 'WeltJudentum bildet, meiner Ansicht nach, den Tiefpunkt in der jüdischen Arbeit in Palästina. Heute jhaben wir das Recht, mit größerer Zuversicht in die 'Zukunft zu bHcken, denn die letzten paar Monate haben .alle Menschen in Palästina und alle, die mit seiner Verwaltung und seiner Wohlfahrt verbunden sind, zur 'klaren Erkennung der Verhältnisse gebracht. Es freut mich auch, über unseren vor kurzem Lord > Paßfield abgestatteten Besuch, zu dem wir ohne Anlegung unsererseits eingeladen worden sind, zu belichten. Lord Paßfield hat uns zwei Stundet) gewidmet und überzeugte uns davon, daß es sein voller Ernst gewesen sei, als er uns für die Durchführung des Mandats gewisse Zusicherungen machte: «We are going to put our back lato the Job.» Das sind seine eigenen Worte. Er hat ferner Verständnis dafür gezeigt, daß Geldmittel nötig sein werden für den Ankauf von Land zu Siedlungszwecken und daß die Regierung diese Mittel vielleicht durch eine Art Garantie des britischen Schatzamtes werde beschaffen müssen. Das wird uns aber nicht der Notwendigkeit entheben, die Mittel der Regierung zu ergänzen, um die vollständige Durchführung dieser Pläne sicherzustellen, und zwar ganz unabhängig von den Mitteln, die wir werden bereitstellen müssen für die Besiedlung des Bodens, der sich In unserem Besitz befindet. Lord Paßfield äußerte sich auch hoffnungsvoll mit Bezug auf die wichtige Erweiterung de« Eisenbahndie von der Regierung zwar gefördert, aber aus PrivatqueUen finanziert werden soll. Er sagte uns, daß sein Ressort auf Grund sachverständiger Prüfung davon unterrichtet sei, daß Truppen in genügender Stärke und eine vergrößerte Po-lizeimacht die Sicherheit aller Einwohner Palästinas gewährleisten. Er teilte -uns ferner die Ansicht der Regierung mit, daß es möglich sei, bessere Beziehungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsteilen ln Palästina zu fördern und daß die Regierung im Begriff sei, Schritte in dieser Richtung zu unternehmen, Uitier diesen Umständen glauben wir, daß die mühevollen Anstrengungen von Weizmann und anderen von Erfolg gelcrönt waren und daß unser Schiff wieder flott ist und sicherem Hafen zusteuert Wesn es zu Plänen für die Zukunft kommen wird, werden das Administrative Committee und die Unterausschüsse, die ge^kM werden sollen, so lebenswichtige Probleme zu; ,.iigen haben wie die Frage der Finalen und des Budgets der Agency, und zwar nicht nur für das laufende und da« nächste Finanzjahr, sondern auch die Frage eines Planes für die Tilgung und Rückzahlung der Schulden und Verpflichtungen der Agency. Zweitens werden wir die Frage der Organisation und des Personals sowie die der Koordinierung der Beziehungen zwischen unseren verschiedenen Büros und Abteilungen weiter und sorgfältiger zu prüfen haben. Drittens wird unser Komitee darüber zu beraten haben, wie unsere Tätigkeit mit den Funktionen und der Arbeit anderer wirksam arbeitender Organisationen, die für Palästina tätig sind, in Einklang gebracht werden soll. Soweit es sich um Fragen grundsätzlicher Politik handelt, werden wir bestimmen müssen über unsere Stellungnahme zu den Beschlüssen der britischen Verwaltung in Palästina, über unser Verhältnis zu der britischen Regierung und zu dem Völkerbund in wichtigen Fragen, über unsere Einstellung zu eventuellen Vorschlägen für die Neuregelung des Verkaufs von Boden und für die Reorganisation auf dem Gebiete der Gesetzgebung und der Verwaltung in Palästina über das wichtige Problem der Zusammenarbeit, mit der arabischen Bevölkerung auf staatsbürgerlichem, wirtschaftlichem, sozialem Gebiete und anderen Gebieten; und endlich werden wir uns darüber schlüssig werden müssen, wie wir über die schwere Zeit der finanziellen Spannung und des politischen Druckes hinwegkommen werden und wie wir für eine kluge, ruhige und sachliche Beratung und Leitung für die Zeit bi« zu unserer nächsten Sitzung Vorsorge treffen sollen. Der Palästina-Bericht der Ständigen Mandatskommission des Völkerbudes und das Memorandum mit den Bemerkungen der britischen Regierung zu diesem Bericht sind soeben von der Presse veröffentlicht worden. Die Kommission hatte die. Mandatsmacht ln mancher Beziehung kritisiert und die britische Regie¬ Ein Nachschlagewerk mH Aufträgen, sehr gut gehend, ist zu verkaufen. Reflektanten (Vermittler ausgeschlossen) wenden sich unter „Rentabel“ an die Expedition dieses Blattes rung hatte ihr Vorgehen verteidigt und .Gegenkritik an dem Bericht der Mandatskommission,geübt. Die Jewish Agency hofft, daß eine Regelung zustande kommt, daß weniger wichtige Fragen, die zu Reibungen Anlaß gegeben haben, aus der Welt geschafft werden und daß gutgemeinte Kritik in Betracht gezogen werden wird. Bis zur Versammlung des Völkerbundes sind die zwischen der Ständigen Mandatskommission und der Mandatamacht schwebenden Fragen gewissermaßen sub judice. Es war der einmütige Wunsch des jüdischen Volkes, daß das Mandat für Palästina Großbritannien anvertraut werden sollte. Die Juden waren der festen Zuversicht, daß diese Treuhänderschaft einer großen, gerechten und erfahrenen Nation, die unter der Aufsicht des Völkerbundes ausgeübt wird, eine neue und höhere Verwaltungsform zur Folge haben würde, die nicht nur Palästina, sondern auch anderen Tellen der Welt zugute kommt und die ein ausschließlich auf das Wohl der Bevölkerung des Landes gerichtetes System schaffen wird. An dieser Hoffnung halfen wir noch fest. Wir möchten Palästina zum Vorbild für andere Länder machen — zu einem Land, in dem jedermann Gerechtigkeit widerfährt, zum Ruhme nicht nur derjenigen, die an seinem Wiederaufbau mitarbeiten, sondern auch zum Ruhme der britischen Regierung, die die Verpflichtung, das Land zu verwalten, übernommen hat, und zum Ruhme des Völkerbundes, dem diese Sache besonders nahe geht, wegen der feierlichen Abmachungen, die getroffen wurden, und des Interesses, das das Heilige Land bei allen zivilisierten Menschen erweckt. Wir hegen die Zuversicht, daß das britische Volk und die aufgeklärte öffentliche Meinung der ganzen Welt die Gerechtigkeit unserer Sache und unsere Bereitwilligkeit zur Mitwirkung an der Lösung dieser großen Probleme anerkennen wird. Wir werden keine ehrenhafte Anstrengung scheuen, um diese Ziele zu erreichen. Das Mandat kann und soll durchgeführt werden im Interesse der Völker von Palästina, die lernen müssen» als gute Nachbarn und Freunde zusammenzulebeeu Nr. Hl Ansprache des Präs. Dr. Weizmann Nach Beendigung seines Berichtes erteilte Herr Felix Warburg das Wort Herrn Professor Weizmann, dem Präsidenten der Jewish Agency, zu einem politischen Bericht über die Lage. Weizmann« Ausführungen deckten sich im wesentlichen mit seinem Bericht an das Aktionskomitee. Weizmann erklärte, daß wir durch die Verhältnisse gegen unseren Willen ln eine Kampfesstellung gegen England gedrängt wurden. Unser Wunsch aber Ist selbstverständlich, nach wie vor, mit England auf der Grundlage der Wahrung des Mandates wie seit beinahe zehn Jahren in alter Freundschaft zusammenzuarbeiten. Weizmann ging dann auf den Bericht der Mandatskommission ein, den er nicht alseinen Sieg, wohl aber alseineOenugtuung für uns bezeichnete. Wir warten nun auf den Bericht Sir John Simpsons und auf die Schlüsse der englischen Regierung z-u diesem Bericht. Wir wissen natürlich noch nicht, was der Bericht enthalten wird, glauben aber, annehmen zu dürfen, daß er wenigstens eine Klärung in der Frage der Aufnahmefähigkeit Palästinas für neue jüdische Einwanderer bringen wird. In den Verhandlungen mit der englischen Regierung hat diese Ihrer Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß wir die Maßnahme der Suspendierung der Zertifikate als eine Sperrung der Einwanderung betrachten. Die englische Regierung verwahrt «Ich gegen eine solche Auffassung. Wir sind jetzt in der Vorbereitung einer neuen Schedule über eine neue Anzahl von Zertifikaten, die wir verlangen, aber ein Beschluß darüber wird erst nach der Annahme und Beurteilung de* Simpson-Berichtes gefaßt werden können. Die englische Regierung bereitet ejn konstruktives Programm vor, wir kennen es noch nicht und können somit kein« Stellung nehmen. Was die Araber-Frage anlangt, so hoffen wir, ebenso wie der Chairman des Administrative Committee, das eine verständigere Richtung sich Bahn brechen wird und daß es möglich sein wird, mit den Arabern friedlich zusammen zu arbeiten. Die englische Regierung hat den Arabern eine gewisse Selbstverwaltung versprochen, aber die Araber müssen sich klar darüber seih, daß das Mandat aus zwei Hälften besteht; Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina und Einführung einer autonomen Verwaltung. Eines hängt vom anderen ab, und wenn die Araber das zweite wollen, müssen sie das erste anerkennen. Ebenso wie wir die Rechte der Araber auf Palästina anerkennen, müssen sie auch die «n-srigen respektieren. Das Wichtigste ist die praktische Arbeit!h Palästina selbst. Der Jischuw hat viel WenigfeT Besorgnis an den Tag gelegt als die Juden fm Galuth. Die politische Tätigkeit ist eigentlich nur der Handlanger für die praktische Arbeit ln Palästina. Die Hauptsache ist, dort stark und; gut zu arbeiten. Gebt uns die Möglichkeit, mehr und mehr Positionen des Aufbaues In Palästina zu schaffen und das wird unzweideutig auf die politische Lage des Zionismus sowohl in London wie auch in Genf einwirken. Nach Weizmanns Rede erstattete Dr. Arthur Ruppjn den Palästina-Bericht mit besonderer Berücksichtigung der Untersuchung Sir John Hope Simpsons. / Die Lage in Rumänien Vaida Voevod über die Frage der Entschädigung von Borscha. Bukarest* (J. T. A.) lim Hinblick darauf, daß die Regtet rung bisher nichts getan hat, um die jüdischen Opfer der Nieaerbrennung vpn Borscha zu entschädigen, entsandte der jüdische Parlamentsklub den Deputierten Dr. Josef Fischer nach Bukarest, damit er bei der Regierung zugunsten der geschädigten Juden interveniere. Dr. Fischer hatte eine längere Unterredung mit dem Innenminister Vaida Voevod, in deren Verlauf der Minister erklärte, die Regierung betrachte dte Katastrophe von Borscha von der rein menschlichen Seite und sei von diesem Gesichtspunkt aus geneigt zu einer Wiederaufbauaktion des Städtchens beizutragen. Gleichzeitig müsse die Regierung aber auch an die Tausende anderer Bürger denken, die gleichfalls durch Feuer oder andere UnglucksfäUe ihr Vermögen verloren haben. Es gehe nicht an, daß man nur die Opfer von Borscha entschädigt; denn dies würde eine stille Anerkennung dessen bedeuten, daß der Brand in Borscha gelegt worden ist, was in der offiziellen Untersuchung nicht festgestelU worden ist. Innenminister Vaida teilte mit, er habe die Regierung um die Eröffnung emes außerordentlichen Kredites für die Unterstützung von Brandopfern im allgemeinen ersucht, wovon der größte Teil für Borscha verwendet werden soll. Deputierter Dr. Fischer hielt den Ausführungen Vaidas entgegen, daß man doch nichj den Brand von Borscha von demselben Gesichtswinkel wie andere Brände betrachten dürfe. Der Jüdische Parlamenteklub beharre auf seinem Standpunkt, daß sowohl die Opfer von Borscha als auch die Opfer von Balaceana und Suczawa, die alle durch Unruhen geschädigt wurden, entschädigt werden müssen, Deputierter Dr. Fischer begab sich auch nach Sovats, wo er vom Ministerpräsidenten Maniu empfangen wurde, dem er die gleichen Beschwerden vorbrachte. Ministerpräsident Maniu sagte, er teile die Auffassung des Innenministers Vaida Voevod, UP Fortdauernd« Unruhen im Bezirk Balti. Czernowitz. (J, T. A.) Der jüdische Deputierte von Kt* schinew Dr, Michael Landau überreicht« dem Präfekten von Bessarabien ein Memorandum, In welchem er auf die jüngsten Ausschreitungen in der Umgebung von Balti hinweist und erklärt, daß die Sicherheit von Leben und Gut der Bevölkerung ernstlich gefährdet sei.

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