Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1930-09-04 · Heft 141 (4.9.1930) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 141 (4.9.1930)
Date
1930-09-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3053752-3053859-3053894--1891-3057279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nf. 141 DIE STIMME Sette 3 Führerkrise Das Aktlöros-Coniitee der Zionistischen Organisation, weiches laut Programm am Donnerstag, den 28. August, seine Tägun,g hätte beenden sollen, da. schon am Freitag, den 29. August, das Administrative Committee' der Jewish Agency in Berlin Zusammentritt, hat sich am Freitag, den 29. August, morgens, ohne seine Arbeiten beendet zu haben, vertagt, um am 30. August, abends, die Sitzungen fortzusetzen. Ursache der Ausdehnung'der Tagung über den beabsichtigten Zeitpunkt hinaus ist der plötzliche Ausbruch einer Fütirerkrrse. Bei Wiederaufnahr* der Plenarverhandlungen im A. C. gab im Namen des Misrachi Rabbi Brodt (Polen) die Brktärung ab, daß sich die Misrachi-Fraktion mit der Auffassung des Präsidenten Weizmann über den Judenstaat nicht einverstanden erklären könne und deshalb ihre Mitglieder aus der Zionistischen Exekutive zurückziehe, daß der Misrachi aber bereit ist, auch weiterhin mit dem Präsidenten Dr. Weizmann und der Exekutive loyal zusammenzuarbeiten. Es kam hinzu, daß Herr Joseph Cowen (England) einen Antrag formulierte, der ungefähr lautet: Das Aktions-Comitee der Zionistischen Organisation rückt ab von der Auffassung des Präsidenten. Die Lage wurde dadurch verschärft» daß, während die allgemeinen Zionisten Deutschlands sich mit Dr.. Weizmann solidarisch erklärten, ein Teil der allgemeinen Zionisten aus dem Auslande sich mit Weizmanns Erklärung hinsichtlich des Judenstaates picht ganz Identifizieren konnte und dem Wunsch nach einer neuen Formulierung Ausdruck gab. Die Sitzung wurde abgebrochen und die einzelnen' Fraktionen: traten zu Beratungen zusammen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung gab Dr. Weizmann eine Erklärung ab, die ungefähr besagte, er wolle sich in die Erörterung des Wortes Judenstaat, das überhaupt einen undefinierbaren, schemenhaften Begriff deckt, nicht cinlassen. Für ihn bieibe a's nächstes Ziel der Bewegung bestehen: Die Schaffung eines konstruktiven, entwicklungsfähigen, autonomen Gemeinwesens. Diesem Ziele müsse man nach Kräften zustreben. Wenn erst 500.000 Judpn in Pa’äit’na leben, dann werde eine so starke jüdische Gemeinschaft auf die Millionen Juden der ganzen Welt eine stärkere Anziehungskraft ausüben, und die Entwicklung werde mit kräftigeren Schritten iweitergehen. Es folgten Erklärungen der Radikalen und der (Revisionisten, daß sie für den Antrag Joseph Cowen stimmen werden, während die Vertreter der Arbeiterjparteien; erklärten, daß sie an der Erörterung über - jicJudenstaat» überhaupt kein Interesse hätten. ■;; Nach Wiederaufnahme der Plenarsitzung gab Rabbi jßrodt im Namen des Misrachi eine Erklärung ab, die pngefähr dahin lautete, daß Misrachi die Erklärung iDtr. Weizmanns zur Kenntnis nehme in dem Sinne, daß gas erstrebte konstruktive Werk das jüdische Volk auf en Weg zum Judenstaat führen werde. Präsident Dr. Weizmann erhob sich sofort und führte aus, die Deutung des Misrachi entspreche nicht seiner Auffassung und, da er glaube, daß er die Mehrheit nicht hinter sich hat, wolle er nicht mehr deppolitische Führer der Bewegung sein. Er sei aber bereit, provisorisch die politischen Geschäfte weiter zu führen. Wenn aber das A. C. in der Lage sei, über eine neue Führerschaft zu beschließen, so sei er bereit, schon jetzt zurückzutreten. . Nach Abgabe dieser Erklärung verließ Dr. Weizmann den Sitzungssaal Diese Erklärung des Präsidenten der Organisation /wirkte auf das Haus konsternierend, doch mehrten sich die Stimmen, die glaubten, daß der Konflikt nicht so ernst sei, daß sich nicht vielleicht schon über Nacht oder in den allernächsten Tagen eine Lösung finden -könnte. Das A. C. ging dann, spät nachts, in die Beratung des Budgets ein. Man einigte sich auf ein Budget von. 833.000 Pfand und nahm auch sonstige Entschließungen finanzieller und budgetärer Natur an, die dem Administrative Committee der Jewish Agency zur Erwägung und Beschlußfassung empfohlen werden. Die Ausspräche über die Krise wurde wieder aufgenommen und erwogen, ob nicht das A. C. Dr. Weizmann ersuchen solle, seine Rücktrittserklärung zurückzuziehen. Schließlich wurde mit 24 gegen 2 (Grünbaum . und Strioker) Stimmen der Beschluß angenommen, Dr. Weizmann zu ersuchen, die Führerschaft definitiv zu behalten. ' Beschluß betreffend den nächsten Zionistenkongreß Nach einem Referat von Dr. Mossinsohn (Palästina) namens der Organisatiqns- und Propaganda-Kommission nahm das' zionistische Aktionskomitee den folgenden Beschluß betreffend: den nächsten Zionistenkongreß an: Das A. C. nimmt die Erklärung der Exekutive zur Kenntnis, daß vor einer definitiven Stellungnahme zu einem Palästina-Programm der englischen Regierung, welches vitale Interessen unserer Arbeit berührt» eine Tagung des Councils der Jewish Agency erforderlich ist und der zionistische Kongreß einberufen werden muß. Die Exekutive wird ermächtigt, alle von ihr für erforderlich gehaltenen Maßnahmen organiaationsreebtlieber Art: zu treffen, um den Zusammentritt des Kongresses nach Durchführung von Wahlen ln kürzester Zeit zu ermöglichen. Zeit und Ort des Kongresses soll gegebenenfalls die Exekutive im Einvernehmen mit dem Präsidium des A. C. bestimmen. Beschluß über hebräische Erziehungsarbeit im Galuth Das A. C. begrüßt die Erklärung der Exekutive über die beabsichtigte Errichtung eines Departements für hebräische Erziehunsarbeit im Galuth und nimmt den Bericht der Exekutive über die Ausführung der betreffenden Beschlüsse des XVI. Kongresses zur Kenntnis. Das A. C. spricht gleichzeitig die Erwartung, aus, daß das Departement als eine Zentralstelle für eine planmäßige, konstruktive hebräische Kulturarbeit im Galuth ausgebaut ward, und beauftragt die Exekutive, die Budgetierungsmög- . lichkeiten für ein solches Departement zu prüfen und, falls möglich, ausfindig zu machen. Die zionistischen Landes- und Sonderverbände werden aufgefördert, ihre ernste Sorge der hebräischen Erziehungsarbeit zu widmen, die Bestrebungen der auf diesem Gebiete arbeitenden Institutionen zu fördern und sich um den Ausbau, bezW. um die Schaffung von Institutionen zu bemühen, die sich die Pflege und die Verbreitung der hebräischen Sprache und Kultur zur Aufgabe stellen. Beschluß gegen politische Sonderr Aktionen : Das A. C. bringt in Erinnerung, daß außenpolitische Sonderverhandlungen mit Regierungen und dem Völkerbund von Zionisten und zionistischen Gruppen nur mit Genehmigung der Exekutive geführt werden dürfen. ln besonderen Fällen kann die Exekutive verlangen, daß auch politische Sonderaktionen anderer Art, die das Arbeitsgebiet der Exekutive berühren, nur nach . Verständigung mit ihr vorgenommen werden. Das Budget Das vom A. C. angenommene Budget in Höhe von 834.000 Pfund verteilt sich auf die einzelnen Posten wie folgt: Kolonisation und Konsolidierung der bestehenden Wirtschaften 267.000 Pf.; Aliah 39.000 Pf.; Hachscharah 8000 Pf.; Arbeit 9000 Pf.; Gesundheitswesen 31.000 Pf.; Erziehungswesen 72.500 Pf.; Industrie 6000 Pf.; politische Arbeit in London und Palästina 10.500 Pf.; landwirtschaftliche Versuchsstation 12.500 Pfund; statistische Arbeiten 750 Pf.; Kupath Cholim 15.030 Pf.; Veiwaltungskost.n: a) Pa ästina 21.000 Pf.; b) London 20.000 PL; Schuldentilgung 216.000 Pf. Politische Resolutionen : ln der Schlußsitzung des Zionistischen Aktions- Comitees, die am Samstag, den 30. August, 11 Uhr abends, begann und gegen 2 Uhr nachts endete, referierte EL B e r 1 i g n e über die Anträge der Politischen Kommission. Nach längerer Aussprache, an der sich Vertreter verschiedener Fraktionen beteiligten, gelangte eine Reihe von Beschlüssen zur Annahme. Bezüglich des angekündigten Programmes der englischen Regierung erwartet das A. C., daß die englische Regierung das von der Exekutive der Jewish Agency gemäß Art, 4 des JÜDISCHE ELTERN! Kauft Schulbücher für Eure Kinder nur in der JÜdlSChea Buchhandlung Hermann TllChlier Wien, 11*9 Gr. Stadtgutg. 7 (Ecke Taborstraße 52) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auf« lagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! Palästina-Mandates eiligereichte Memorandum über die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims in Erwägung ziehen und ein konstruktives Programm empfehlen wird; welches entsprechend dem Geist und dem Buchstaben des Mandates darauf gerichtet seht wird, die Erricbtiiäg des Jüdischen Nationalheims zu sichern und zu beschleunigen. Das A. C. erklärt, daß die Zionistische Organisation bereit ist, in vollem Umfange mit der Mandatarmacht hei der Ausarbeitung eines solchen Programmes zusammenzuarbeiten. Zu den Beschlüssen der Mandatskommission und ihrer Tagung vom 3. bis 21. Juli 1930 erklärt das A. C;, - daß es in ihnen eine von internationaler Stelle kommende, moralische und rechtliche Bestätigung der Notwendigkeit einer aktiven «dynamischen» Betätigung der Mandatarmacht zur Entwicklung Palästinas erbticke, um entsprechend dem Art. 2 des Mandates solche Bedingungen politischer, ökonomischer und administrativer Natur in Palästina zu schaffen, die die Errichtung de? jüdischen nationalen Heimes sichern. Lösung der Krise Nach Erledigung des Berichtes der Politischen Kommission brachte Rubaschow die in der Nachtsitzung vom 28. zum 29. August beschlossene Resolution des A. C. in Erinnerung, wonach das A. C. die Erklärungen Sokolows in Anknüpfung an die Aussage Sachers vor der Shaw- Kommission gemäß den Instruktionen Prof. Weizmanns zur Kenntnis nimmt und Dr. Weizmann auffordert, die Arbeit fortzusetzen. Prof. Weizmann gab hierauf eine Erklärung ah, daß er sich freue, in dem Beschlüsse des A. C. die Möglichkeit für die Fortführung seiner Arbeit zu sehen. Er forderte alle Teile der Organisation auf, auf ihrem Posten zu verharren, und betonte v mit Nachdruck die Dringlichkeit und Notwendigkeit der gegenwärtigen Arbeit, die die unumgängliche Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung, einerlei wie man die Endziele ■ formuliert, darstellt. (I. T. A.) (Wir werden in unserer nächsten . Nummer, nach der Beendigung der . Sitzung des Administrative Committee, , zu den Ergebnissen der.Berliner T agu n- . gen Stellung nehmen. — Red.) . Die Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency Am Freitag, den 29. August, IQ.30 Uhr, begann im Logenhäus m Berlin die Tagung des Administrative Committee der Jewish Agency. Felix M. Warburgs Bericht Der Vorsitzende des Administrative Committee der Jewish Agency, Felix M. Warburg, eröffnete die Tagung mit einer Ansprache, in der er ausführte: Es tut mir leid, ein gewisses Gefühl der Enttäu- - schurtg nicht verhehlen zu können. Als wir unsere Londoner Tagung im März dieses Jahres abschlossen, tarnen wir überein, im Herbst wieder zusammenzutreten. Trotz.des Berichtes der Shaw-Kommission gingen wir mit gewissen Hoffnungen auseinander, gestützt auf die herzlichen Versicherungen der britischen Regierung, daß die Bestimmungen des Mandats und der Balfour-Deklaration aufrecht erhalten werden würden. : Leider haben sich diese Hoffnungen nicht ver- . wirkWcht. Der plötzliche und. unerklärliche Schritt der Regierung, durch den zirka 2300 Einwanderungszertifikate, provisorisch außer Kraft gesetzt wurden, hat uns tief erregt und erschüttert. Trotz dieser schweren Schläge haben der Keren Hajessöd und die verschiedenen Geldsammel-Komitees sich auf das äußerste angestrengt, um die von ihren Ländern erwarteten Geldbeträge aufzubringen. Wie uns mitgeteilt wird, gingen beim Keren Hajessöd während der zehn Monate von Oktober 1929 bis August 1930 über 198.000 Pf. St. ein, ausschließlich von ungefähr 1520.000 Pf. St. aus den Mitteln des Allied Jewish Campaign in den Vereinigten Staaten und ausschließlich der Überweisungen, die von der Hadassah direkt für iire medizinischen Zwecke gemacht worden sind. Darüber hinaus wurden 115.000 Pf. St. dem Keren Hajessöd als Darlehen zur Verfügung gestellt. Mit verschiedenen anderen Eingängen zusammen ergibt das eine Qesamtbruttoeinnahme von ungefähr 433.000 Pf. St. 1 Es ist bedauerlich, daß in den Vereinigten Staaten eine Reihe von Hindernissen sich einer raschen Einleitung der Geldsammlungen in den Weg stellten. Es kann nicht unterlassen werden, hervorzuheben» daß viel von dem allgemeinen Vertrauen zerstört worden ist durch die wenig günstige Haltung, die die britische Regierung unserer Ar- Arbeit gegenüber einzunehmen scheint. Ein etwas erfreulicherer Bericht kann über die Tätigkeit des Keren Kajemeth erstattet werden, der einen erheblichen Erfolg aufzuweisen hat. Die politische Entwicklung und die Besprechungen mit der Regierung haben natürlich den Präsidenten der Agency, die Mitglieder der Exekutive und die Vorsitzenden des Administrative Committee und des Political Committee dauernd lebhaft beschäftigt. Eine Sitzung des Political Committee wurde am 23. Juni nach London einberufen. Das Protokoll dieser Sitzung bringt das Gefühl,, der schweren Enttäuschung zum Ausdruck, das alle seine Mitglieder über die Wendung der Dinge empfanden. . ■ Es soll nachdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die Führer der Agency bei jeder Gelegenheit ihre Ueberzeugung geäußert haben, daß diejenigen, denen es oblag, die heiklen. Verhandlungen mit der Regierung zu führen, ihr Bestmöglichstes unter den schwierigen Verhältnissen getan haben. Im Laufe der sehr ernsten Aussprache über das Problem der jüdisch-arabischen Beziehungen sind gewisse. grundlegende Meinungsverschiedenheiten aufgetreten, nicht so sehr über die letzten Ziele, als vielmehr darüber, ob es wünschenswert und ob der Zeitpunkt geeignet sei, Besprechungen mit der Regierung über die jüdisch-arabischen Beziehungen einzuleiten. Wir sind der Meinung, d-aß der Kernpunkt des ganzen Problems darin besteht, auf dem ökonomischen, land-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.