Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 141 (4.9.1930)
- Date
- 1930-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3053752-3053859-3053894--1890-3057278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 2 DIE STIMME Nr. 141 ganda des Judensfaates eine Besserung erwarten. Diese Parole türmt nur neue Schwierigkeiten auf unseren Weg. Der direkte Ausgleich mit den Arabern ist die Basis der zionistischen Politik, Das Palistinawerk kann nicht ein Dialog zwischen uns und England sein, sondern ein Dreieck. In der Sitzung vom 27. August nachmitfags wurde die politische Aussprache fortgesetzt Zuerst sprachen Rabbiner Brod, Dr. Ebner, Dr. Halpern, Harzfeld und Glücksohn. Llchtheim (Revisionist): Das System der Leitung ist zusammengebrochen, daher muß die Leitung zurücktreten. Die zweite Forderung der Revisionisten ist die sofortige Einberufung des Kongresses zwecks Wiedergewinnung der Freiheit des zionistischen politischen Wollens gegenüber der erweiterten Agency. Die politische Basis für uns bleibt die Kooperation mit England. Eine Verständigung mit den Arabern Ist unmöglich, denn wir sind in Palästina auf Grund der englischen Macht und da die Araber als politisches Kollektiv gegen diese sind, müssen sie auch gegen uns sein. Angesichts der zionistischen Situation, glauben die Revisionisten ein revolutionäres Recht auf separatistische politische Aktion zu haben. Alexander G o 1 d s t e i n (Allgemeine Zionisten) spricht über die Notwendigkeit einer Aufklärungsarbeit unter den Mohammedanern in Indien und anderen außerpalästinensischen Ländern Coralnik (Amerika): Wir wollen keine Leitung®- krise. Redner ist mit Einzelheiten des revisionistischen Programms einverstanden, aber das System als ganzes ist unabwendbar. Brodetsky und Rabbi Berlin Ib der Abendsitzung des Aktionskomitees wurde «fie Debatte vorläufig abgeschlossen. Als erster setzte sich namens der Exekutive Professor Brodetsky in einer bedeutsamen Rede mit den Kritikern auseinander. Aus dem .'Gehörten und aus dem vorgelegten Material habe das Aktionskomitee das Wesentliche über die gegenwärtige politische Situation erfahren. Am hervorstechendsten sei, daß die Suspendierung der Zertifikate nicht aufgehoben wurde. Dadurch haben wir ein halbes Jahr verloren. Die oft angekündigte und von uns erwartete Debatte im englischen Parlament konnte aus vielen Gründen nicht stattfinden, ln {Palästina glaubt die Regierung, die arabische Bevölkerung schützen zu müssen. Paßfield und Shiels sind — zahlreiche {Erklärungen beweisen das — Anhänger des jüdischen Nationalheims. Es bandelt sich für uns darum, die Auffassung {über diesen Begriff bei der englischen Regierung unserer (Auffassung anzunähern. Simpsons Bericht wird für die {nächste Zeit in London erwartet Wir erwarten, daß die (Regierung gemeinsam mit uns über die aus dem Inhalt des {Berichtes resultierenden Vorschläge diskutieren wird» Wir sind nicht der Meinung, daß man diese Verhandlungen nur im Kampfwege durchführen kann. Es gibt auch eine stille Form des Protestes. Es ist möglich, mit einer Regierung zu verhandeln und gleichzeitig mit ihr zu kämpfen. Wir müssen die Regierung dazu bringen, daß sie ein positives Programm vorlegt Redner hält die Antithese, daß England an dem 'jüdischen Palästinawerk interessiert oder desinteressiert sei, für abwegig. So einfach liegen die Dinge nicht. Dem vorhandenen englischen Interesse am jüdischen Palästinawerk können, was man sich leicht vorstellen kann, Momente [widersprechen, die dieses englische Interesse abschwächen. [Wir sind mit England als Partner verbunden. Die Exekutive ßteht auf dem Standpunkt, daß man von den kommenden Vorschlägen der britischen Regierung nur das akzeptieren kann, was unsere Arbeit in Palästina nicht stören wird. Wir müssen auch in der Zukunft mit England kooperieren und dem englischen Volk und der ganzen Welt darlegen, daß England das Mandat nicht in einer dessen Wortlaut und Sinn entsprechenden Weise durchführt Redner faßt seine Darlegungen in die Worte zusammen: keine Extreme, keine Nachgiebigkeit keine Intransigenz, ruhig verhandeln unter dem Zeichen des Protestes! Meir Berlin erklärt, daß von den zwei Problemen, {.Verhältnis zu England und Verhältnis zu den Arabern, das {zweite noch wichtiger ist als das erste. Gegenüber den persönlichen Anschauungen Rupplns, der hier über den Brith Sebaloi» gesprochen habe, wolle er auch seine persönliche Meinung sagen. Bei der Aktion des Brith Schalom für die Begnadigung der arabischen Mörder habe es sich um einen politischen Schritt gehandelt weil der Brith Schalom sonst {in Fällen von Todesurteilen in Palästina, die arabische Verbrecher bestrafen, nicht eingegriffen habe. Aber die Theorie [des Brith Schalom ist wichtiger als die einzelnen Akte. Die [vom Brith Schalom geforderte «Umstellung» könne Redner picht mitmachen. Der dauernde Hinweis, daß die Juden in {Palästina eine Insel im arabischen Meer darstellen, entspreche einer uns aus Westeuropa bekannten Ideologie, die die Forderung aufgestellt hat, daß sich die Juden den Bedingungen der Umwelt anpassen müssen. Die Anschauung, daß Palästina beiden Völkern mit gleichem Recht gehört, [wird vom Redner abgelehnt. boOOQOQCXKWOOOQOqO^^ im Gatt „ältes Rathaus“ (Catetier Leo Löwy) Größere und kleine Klublokele!• Bez., Wipplingerstraße 24 m ü 87-4-84, ü 28.8-74 OOOCXXXXZXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX3 Professor Welzmanns zweite Rede Unter großer Spannung der Aktionskomiteemitglieder ergriff nun auch Präsident Dr. Weltmann das Wort, um auf die Ausführungen der Redner der Generaldebatte zu erwidern und das politische Programm in allgemeinen Linien darzulegen. Dr. Weizmann beschäftigt sich zunächst mit den Ausführungen verschiedener Debattenredner, betreffend unsere Beziehungen 2ur Mandatarmacht. Wir haben jetzt der Regierung Mn ausführliches Memorandum überreicht, in weichem wir unsere programmatischen Forderungen zusammengestellt haben, Darüber müssen wir -jetzt verhandeln. Wenn Jemand ein anderes Programm vorzuschlagen hat, dann soll er seine Vorschläge im Aktionskomitee Vorbringen. Die Redner der Opposition haben keine praktischen Vorschläge gemacht, mit Ausnahme des einen, man solle ihnen die Leitung übergeben. loh hätte nichts dagegen, daß die Opposition die Exekutive übernimmt, aber das hängt nicht von mir ab, sondern vom Aktionskomitee oder vom Kongreß. Die Exekutive hat die größten Anstrengungen gemacht, um die öffentliche Meinung für unsere Idee zu gewinnen, und wir haben im letzten Jahre eine Reihe von Freunden gewonnen. Aber es Ist sehr schwer, es dahin zu bringen, daß auch gute Freunde entscheidende Schritte für eine Sache unternehmen, die sie unterstützen wollen, weil stets eine Fülle anderer Interessen und Rücksichten mitspielen, über die wir keine Macht, haben. So haben wir gesehen, daß trotz der Bemühungen unserer Freunde, eine Debatte im Unterhaue herbeizuführen, diese Immer wieder, verschoben wurde. Auch der Vorwurf, wir hätten nicht genügend scharf mit der Regierung gesprochen, ist unberechtigt. Wir haben unsere Sache mit aller Entschiedenheit vertreten. Viele Redner haben keinen Sinn für die realen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten. Mit heroischer Geste werden Anschauungen vertreten, die einem mystischen Glauben entspringen. Grünbaum zum Beispiel ruft zum Kampf auf. Ich habe auch gekämpft, aber als verantwortlicher Politiker muß ich wissen, wohin ein Kampf in letzter Linie führen wird. Manchmal kann man die Befürchtung haben, daß das Resultat unseres Kampfes auf unseren eigenen Kopf zurückfallen wird. Manche Herren meinen, wenn man eine geschickte Formel findet, dann existieren die Araber nicht in Wirklichkeit. Und diese Reden werden uns dann vorgehalten und die öffentliche Meinung kehrt sich gegen uns. Wenn Grünbaunf’ Ütiib tönen) System sprach, so hat er im gewissen Sinne Röcht. Das System bestand1 darin, so lange die Möglichkeit vorhanden ist, Menschen nach Palästina zu bringen und, Boden zu kaufen und die Menschen auf dem Boden zu verwurzeln. Ich habe immer gesagt, daß wir in erster Linie uns auf unsere eigene Leistung verlassen müssen. Wir mußten verschiedenes Unangenehme über uns ergehen lassen, oft mit Zähneknirschen, damit die Arbeit weitergeführt . werden kann. Sieben Jahre hindurch war ich mehr Geldsammler als politischer Leiter, um diese Leistung zu ermöglichen. Die aufgebrachten Mittel kombiniert mit der Begeisterung eines Teiles der jüdischen Jugend haben diese Leistung zustande gebracht. Es Ist nicht alles geschehen, was hätte geschehen können. Vielleicht, wenn 250.000 Juden in Palästina gewesen wären, wären viele schlimme Ereignisse nicht eingetreten. Aber wären diese Leistungen nicht da, dann wären wir viel schlechter weggekommen. Das System war, das Maximum der Juden im Minimum der Zeit mit den Mitteln, die wir aüfbringen konnten, trotz all den Schwierigkeifen; die'man uns gemacht:hai Und in dem Moment, wo ein Attentat auf die Seele dieses Systems unternommen wurde, mußte ich notgedrungen, eine Kampfstellung einnehmen. Lichtheim sägte, ich bagatellisiere die Interessengemeinschaft mit England. Ich glaube nicht, daß leh das getan habe. Ich glaube ah diese Interessengemeinschaft, aber viele Engländer sind der Ansicht, daß andere Interessen diese Interessengemeinschaft kreuzen, und so kommt es, daß in der praktischen Politik nicht unser Standpunkt allein maßgebend Ist. Es Ist eine gewisse Tragik darin, daß wir gerade mit dieser englischen Regierung,. deren führende Persönlichkeiten uns stete besonders nahe standen, ln Konflikt geraten sind. Es ist auch nicht richtig, wenn Großmann sagt, England könne sich darauf berufen, daß die Exekutive zehn Jahre geschwiegen hat. Wir haben nicht geschwiegen, sondern um jeden Schritt und jede Maßnahme mit ganzer Energie gerungen. Allerdings sind wir nicht in einen öffentlichen Kampf gegangen. Shiels hat nicht recht, als er in Genf sagte, die Zionisten hätten nichts als Boden gefordert. Ich muß Dr. Shiels verweisen auf die langjährige Korrespondenz mit der Regierung in London und in Jerusalem. Es ist fraglich, ob man einen größeren Eindruck macht* wenn man die ganze Zeit einen lärmenden Kampf fdlirt oder aber, wenn man jahrelang geduldig alles erträgt und dann im entscheidenden Moment sägt, jetzt Ißt der Moment gekommen, wo wir es nicht tragen können. Die einzige Macht, auf die wir uns in unserem Kampf stützen können, sind die Positionen in Paiästiha. . Stricker und andere haben hier behauptet, wenn wir nicht den Judenstaat ausrufen, läuft uns die Jugend weg. Darauf muß ich im vollen Bewußtsein mich damit unpopulär zu machen, erwidern: dei Judenstaat war nie Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Im Baseler Programm steht nichts über Judenstaat, auch in der Balfour-Deklaratiön nichts. Der Inhalt des Zionismus ist: eine Reihe von bedeutenden materiellen Unterlagen in Palästina zu schaffen, auf denen sich ein autonomes, in sich geschlossenes und produktives Gemeinwesen aufbauen kann, Vielleicht haben manche führende englische Politiker während des Krieges, als die Welt noch im Dunkel lag, an einen Judenstaat gedacht, aber als die Realitäten zum Vorschein kamen, ist das revidiert worden. Im Mandat steht geschrieben, als Ziel der Palästinapolitik ein jüdisches Nationalheim i n Palästina. Die Jugend ist nicht von dem Wort Judenstaat hingerissen worden, sondern die Jugend ist zu uns gekommen, weil sie eine große Möglichkeit der Arbeit in Palästina sah. Die Jugend kommt zu uns. Vielleicht ist sie nicht im Aktionskomitee; darum will Ich Platz machen, damit Jüngere kommen können, und vielleicht folgen andere meinem Beispiel. Aber das ist nicht nur bei uns so, sondern ln der ganzen Welt, weil eine ganze Generation durch den Krieg vernichtet worden ist. Palästina könnte ein Judenstaat werden, wenn es rin leeres Land wäre. Es ist aber kein leeres Land. Und ich behaupte, daß trotzdem die höchsten und besten Kräfte im:. Judentum durch unsere Idee geweckt werden ■ und daß sie sich für diese große jüdische Schaffensmöglichkeit, auch wenn sie durch die gegebenen Vor- ’ hältnisse eingeschränkt wird, voll rinsetzen werden. Nach meiner tiefen Ueberzeugung ist es überaus schädlich und unpolitisch, wenn Gedanken ausgestreut. wer-.. den, die Glaubensbekenntnisse sind, aber das Fortschreiten«unserer Arbeit , in Palästina erschweren. Dies haben manche sich im letzten Jahr zuschulden kommen lassen. Es ist nicht unsere Schuld, daß das Auflebert dös Ostens viel schneller vor sich gegangen ist, als die meisten sich vorgestellt haben. Es gibt heute eine heranwachsende arabische Jugend in Palästina, die in ihrem Sinne genau so gut zionistisch ist wie wir, und es wäre lächerlich, zu sagen, wir ignorieren diese Kraft und verschanzen uns in diesem Glauben. Wir dürfen nicht so sprechen, daß die Araber es so empfinden müssen, wie wenn man uns sagte, wir hätten kein Recht auf Palästina. Wir haben ein Recht, und sie haben ein Recht, Beide Völker sind gleichberechtigte stättsbildende Elemente. So müssen wir zusammen arbeiten und wenn wir einmal die Majorität werden, dann werden wir sie nicht majorisieren, so wie wir : nicht majorisiert werden wollen. Das ist, der Sinn des Mandates* Wenn dieser Inhalt des Mandates reicht durchgeführt wird, dann . müssen wir aufs letzte dafür kämpfen, aber leider hat nian Paßfield und Shiels -die Möglichkeit gegeben, zu sagen, wir haben euch keinen Judenstaat versprochen. Es ist nicht leicht für eine politische Leitung, nach so schweren Rückschlägen und angestrengter Arbeit zu den Freunden zu sprechen. Was die Zukunft betrifft, so halte ich es für gärez richtig, daß wir Simpson unser Material vorgelegt haben. Ich weiß nicht, wie sein Bericht ausfällen wird. Vielleicht werden wir gezwungen sein, dagegen zu kämpfen. Vielleicht Wirder manche unserer Anschauungen akzeptieren. ich. möchte hier nur eine Möglichkeit erörtern. Gesetzt den Fäll, wir könnten in den nächsten zehn Jahren 30.000 oder 40.000 Fämilien in Palästina atisiedeln,. das ist nicht das Nationalheim, aber ich behaupte,'daß; wenn das gemacht wird, wir einen ganz gewaltigen Schritt weiterkommen und die Arbeit dann vervielfacht werden kann. Es handelt sich nicht darum, Irreale. Ziele zu setzen, sondern ein praktisches Programm für fünf oder zehn Jahre zu schaffen. Zum Schluß möchte ich sagen: wir haben, der englischen -Regierung unser Programm vorgelegt, die Durchführung hängt nicht allein von uns ab. Sie wer* den entweder durch einen Kongreß oder durch eine provisorische Exekutive oder durch andere Mittel versuchen, Ihre Wünsche durchzusetzen. Ich hoffe, es Wird gelingen. Dies hängt aber ab von den Untersuchungen der Regierung. Ich kann keine Versprechungen geben und nicht sagen: wenn man mich einsetzt, werde ich euch zum Ziele führen. loh kann nur sagen: wir werden uns nach bestem Wissen und Gewissen, mit Ihrem Rat und Ihrer Hilfe bemühen und jeden Schritt mit allen unseren Kräften erkämpfen, um unsere, Sache weiter zu führen. BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Leihbibliothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH'S Moderne Leihbibliothek bietet Ihnen, eia« reiobe Auswahl von Bßchem iuebeeendere von Neuerscheinungen im Original, bzw geschmackvollen Bibliothekseinband. Außer den deutschen Büchern auch englische, hebräiiehe. jiddische n. De ut ach-Ju <UU« In reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Uhr geöffnet MoMtogebübr nur S 3*— Keine Bandgeböhr