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Die Stimme · 1930-08-21 · Heft 139 (21.8.1930) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 139 (21.8.1930)
Date
1930-08-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 189 PIE STIMME Seite 7 zionisflsdifs Leben m men Großes Meeting des Misrachi Dienstag, den 19. August, abends, fand im Festsaale des Hotel Continental ein Massenmeeting, einberufen durch die Misrachi-Zentrale und den Merkas Zeire Misrachi für Oesterreich, an dem die jetzt in Wien anläßlich der Sitzung der Misrachi-Exekutive weilenden Misrachi-Persönlichkeiten gesprochen haben. Der Saal war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden der Versammlung Herrn Koppel Blum sprach als erster Rabbi O s t r o w s k y aus Palästina, Vizepräsident des Waad Leumi. Rabbi Ostrowsky sprach hebräisch. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß die Wiener Juden in Massen kamen, um Neues aus Palästina zu hören, bas letzte Jahr war sehr schwer, aber der Glaube an den Endsieg des zionistischen Gedankens wurde gestärkt. Der Jischuw in Palästina führt einen schweren Krieg, aber es ist kein Verzweiflungskrieg. Wir fühlen uns stark, wir 160.000 Juden im Lande, die von Rechten bis zur Linken alle einig sind. Es kann keine Unruhen geben, die imstande wären, unser Werk in Palästina zu erschüttern, denn der Aufbauwille ist da unc dieser Wille ist so stark, daß wir allen unseren Feinden zum Trotze das jüdische Land aufbauen werden. Man kann unsere Arbeit verzögern, man kann sie aber nicht verhindern. Erez Israel ist unc bleibt Erez Israel, das jüdische Land. Rabbi SeewGoId aus New York, der gerade von einer Palästinareise zurückgekehrt ist, freut sich, den lebendigen Gruß aus Palästina der Wiener Judenheit übermitteln zu können. Bevor er die Reise antrat, konnte er sich vom Gefühl der Angst nicht befreien, daß er im Lande ein verzweifeltes Volk von Juden finden werde. Das Gegenteil ist aber wahr: Ein fröhliches, glückliches Volk lebt dort in Arbeit und Hoffnung. Der Jischuw weiß und fühlt: Wenn noch 100.000 Juden in Palästina wären, wäre es nie zu Unruhen gekommen. Daraus sollen wir die Konsequenzen ziehen: ein rasches Tempo des Aufbaues tut not. Es ist vielleicht gut, daß wir nicht so ganz leicht Palästina in Besitz ergreifen können. Es ist vielleicht besser, daß wir um Palästina kämpfen, als daß es uns als ein Geschenk in den Schoß falle. Einen großen Fehler haben wir begangen, indem wir glaubten, daß wir Zeit haben, langsam arbeiten zu können. Jetzt wissen wir, daß dem nicht so ist. Und wir müssen alle Anstrengungen machen, um unser Arbeitstempo zu beschleunigen. Von Palästina können wir auf keinen Fall lassen; denn wir sind Zionisten nicht auf Grund der Balfour-Deklaration, sondern auf Grund der Deklaration Gottes. Nach der Ansprache des Herrn G o 11 e sdjener (Warschau) ergriff das Wort Rabbi J. Bermann aus Jerusalem, Leiter des Misrachi- Schulwerkes in Erez Israel. Er sprach von der Wichtigkeit der jüdischen Erziehung im misrachistischen Sinne. Auf diese Weise erzogene Kinder bürgen dafür, daß Palästina jüdisch sein wird, Unser Recht auf Palästina kann uns niemand strittig machen. Die Araber haben nichts für den Aufstieg des Landes geleistet. Es ist ihnen nie eingefallen, das Tote Meer zu exploitieren, die Tiberiasquellen auszubauen. Die Juden sind wirkliche Bürger des Landes, weil sie es in Liebe bebauen. Aber ohne Opfer kann man Erez Israel nicht bekommen. Messias kommt nicht innerhalb 24 Stunden. Nur mit Arbeit können wir das Land erobern. Wir brauchen mehr Boden, mehr Geld, mehr praktische Arbeit, mehr Menschen. So werden wir unser Ziel erreichen. Sodann ergriff das Wort Herr Lazarus Barth, Mitglied der Zionistischen Exekutive. Für uns, sagte der Redner, kann es keine Enttäuschung geben. Die Britische Regierung sandte ihren landwirtschaftlichen Experten nach Palästina, damit er «das Problem löse». Aber unser Problem ist kein derartiges, daß es durch einen landwirtschaftlichen Sachverständigen gelöst werden könnte. Für uns gibt es nur eine Lösung und die hat Herzl mit seinem prophetischen Blick erfaßt. Und wenn auch jetzt die Stunde gegen uns ist, wenn wir auf große Schwierigkeiten stoßen, so sollen wir dennoch wissen: diese Schwierigkeiten sind vorübergehend und das jüdische Volk ist ewig. Wir können keinen Schiffbruch erleiden, wenn das ganze Volk hinter seinen Palästinapionieren stehen wird. Die Jugend wird mit uns gehen, immer ging sie mit uns, immer würde sie von unserer Idee hingerissen. Zum Schlüsse seiner Ansprache appelliert Herr Barth an die Versammelten» daß sie sich nicht mit vorübergehendem Enthusiasmus, wie in dem heutigen Meeting, begnügen. Jeder soll für sich aus dem, was er hier gehört hat, praktische Konsequenzen ziehen. Die Worte der Männer des Jischuw sollen nicht ohne Widerhall bleiben. I Als letzter sprach Präsident des Weltmisrachi und Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Rabbi Meir Berlin. Trotz der bereits vorgerückten Stunde hielt seine Rede die Versammelten in Atem. Sie war voll Inbrunst, echter Leidenschaft und wirkte zündend auf die Anwesenden. Rabbi Berlin führte im Wesentlichen aus: Im letzten Jahre ist der Jischuw an Kraft gewachsen, auf allen Gebieten kam es zu einer Entwicklung. Die Juden Im Lande sind ernst, aber kampffähig und erfolgsicher. Es lebt in ihnen die nicht zu besiegende Hoffnung. Und die Juden im Auslande, in den Ländern der Zerstreuung sind auch zufrieden, wenn sie erfahren, daß der Jischuw ungebrochen dasteht und begnügen sich damit. Hoffnung ist aber ein großer Vorteil, wenn man sie für sich hat, nicht aber für die anderen. Ist es denn ein würdiger Zustand, daß Millionen Juden im Auslande ruhig zuschauen, wie Palästina aufgebaut wird? Unruhig sollen sie werden, Verantwortung sollen sie fühlen, mithin sollen sie, wo und wie sie nur körnten. Palästina gehört nicht den 160.000 Juden des Jischuw -r: Palästina gehört allen Juden der ganzen Welt, Warum sollt Ihr also nicht an unseren Schmerzen und Sargen teil* nehmen? Es ist wahr: die politische Lage ist jetzt sehr schwer. Und da sagen so manche Zion-isten: Jetzt kann man nicht viel für Palästina arbeiten, weil wir keine politischen Vorbedingungen haben. Vor 25 Jahren hat man den politischen Zionismus belächelt, heute sind plötzlich alle Juden Politiker gewordeft. Wegen eines Zeitungstelegramms macht sich die Enttäuschung breit. Ist das ein würdiger Zustand? Ein Volk, das seinen Daseinskampf führt, soll doch, wenn schlechte Neuigkeiten kommen, umso entschlossener kämpfen. Ist es denn ein Grund zu desertieren, wenn ein Kriegsbericht schlecht lautet? Juden sollen nach Palästina kommen, das ist das wichtigste. Wir brauchen nicht nur Geld — Menschen brauchen wir in erster Reihe. Es ist wahr, man steht uns im Wege. Da gibt, es aber nur eine Antwort: die Störungen entfernen. Und die Welt soll wissen, wenn man vor uns die Türen sperren wird, werden wir durchs Fenster hineinkommen. Die wirtschaftliche Lage im Lande ist gut, so gut, daß wenn Palästina nicht Erez Israel hieße, möchten auch Assimilanten hingehen. Es fehlt aber den großen Massen des jüdischen Volkes in der Zerstreuung der Wille, nach Palästina ' zu gehein. Die Lage ist gut. Aber auch wenn sie schlecht wäre, müßte man doch eines fühlen: das Leben dort in unserem Erez Israel ist ein wertvolles Leben, denn es ist unser nationales Leben. Wir müssen Palästina größer machen, nicht nur in geographischem Sinne, nicht nur dadurch, daß wir auch in Transjordanien arbeiten. Palästina kann ein großes Hinterland haben. Dieses Hinterland, das sind 15 Millionen Juden in der ganzen Welt. Aber Hinterland ist kein passiver Begriff, Hinterland ist eine Frage von Taten. Was machen die Juden der ganzen Welt für die palästinensische Wirtschaft? Warum ist für uns «made in Erez Israel» nicht so wichtig und heilig, wie «made in Germany» für die Deutschen zur Zeit, als Deutschland in Gefahr war? Ungeahnte Möglichkeiten gibt es für die Entwicklung der . palästinensischen Industrien, wenn sie auf die Stützen des jüdischen Hinterlandes in der ganzen Welt rechnen können. Bald und in großen Massen nach Palästina gehen — das soll die Losung sein. Juden mit Kapital können ohne weiteres einreisen. Was man in Palästina baut, bleibt für ewige Zeiten Eigentum des' jüdischen Volkes. Bauet das Land auf! Die Arbeit des Keren Kajemeth Relly Infeld s. A.’Gartew. Auf diesen Garten sind weitere zwei Bäume eingegangen. Jetty Mamber-Garten, Auch auf diesen Garten sind beim Keren Kajemeth weitere drei. Bäunio eingezahlt worden. Dir. Salo Hauptmann-Hain. In dieser Woche sind für diesen Hain S 23.00 eingezahlt worden. Rabattsektion des Keren Kajemeth. Neueintritt der Feinwaschanstalt „Habsburg“ G. m. b..H, Diese Firma, mit allen ihren. Filialen, lat sich unserer Rabatteektioa angesehloseen. Wir ersuchen alle unsere Freunde, nur diese Waschanstalt zu benützen. Die Verrechnung des Rabatts geschieht nur in der Form, daß unsere Mitglieder an uns die bezahlten Fakturen übersenden und wir diese bei der Firma zugleich mit allen übrigen bei uns einlaufenden überreichen. Neue Telephoniiummer des Keren Kajeui etil. Die neue Teleph onnummer dee Keren Kajmeth lautet: Ii 27-3-20. Es wird ersucht, unsere Telephonnummer nur in Angelegenheiten des Keren, Kajemeth zu benützen. Ring des Keren Kajemeth Isidor Schächter spendet S 2.— und ruft zu Spenden auf: Dr. Leo Ginsberg, Isak Händel, Max Torten, S. L. Schorf, Moses Marian. Frau Nechama Wind schauer spendet S 2.— und ruft zu Spenden auf: Frau Rosa Andermann, Frau Fein- Weit, Israel Mandel, Saul Oppermann. Verband derr jüd.-soz. Arbeiterjugend spendet S 2.-— und ruft zu Spenden auf: Alfred Friedniann, B. Schleien, Dr. E. Gaster, Dr. S. Sokat. Salomo n Kupfermann spendet S 2.— und ruft zu Spenden auf: Osias Kupfermann, Bernhard Schwebet, Heinrich Fiederer, Aiax Haber, Max Exelräd, Richard Stössel, Friedrich Mayer, Wolf Dominic, Josef Gehetier, Brüder Goldenberg, Jakob Kaufmann, Nissenbaum, Julius Lager, Simon Premingtr, Dr. Peiler, OskaT Neumann, Graz, Karl Rephan, Krems, Mark. Reitmann, Leob.en. An die Freunde des arbeitenden Palästina! Die Exekutive der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina (Histadruth) hat beschlossen, den Weltkongreß für das arbeitende Palästina für Ende September d. J. nach Berlin einzuberufen. Die schwere politische Lage, die Erschütterungen, denen unser Werk in den letzten Monaten ausgesetzt war, der Drang nach Befestigung, der bereits erzielten Errungenschaften im Lande sowie die grenzenlose Not der jüdischen Massen in der Diaspora, die eine Masseneinwanderung fordert, dies alles macht den Zusammenschluß aller Kräfte, die dem arbeitenden Palästina nahestehen, notwendig. Alle unsere Gesinnungsgenossen und Freunde müssen sich um diesen Weltkongreß konzentrieren und in den Dienst der jüdischen Arbeiterschaft Erez Israels stellen. Unsere Aufgabe ist es, für den Kongreß eine starke Vertretung aus Oesterreich zu erreichen. Alle Juden, die sich mit den "Grundsätzen des arbeitenden Palästina einverstanden erklären, sollen durch den Kauf einer Wahlkarte ihr Interesse am Weltkongreß bekunden'. Um weiten Kreisen die Möglichkeit zum Ankauf der Kongreßkarten zu geben, ist ihr Preis auf 50 Groschen festgesetzt worden. Die Stärke der österreichischen Delegation hängt von der Zahl der verkauften Karten ab. Da nur noch sehr wenig Zeit zur Verfügung steht, fordern wir alle Freunde des, arbeitenden Palästina auf, durch sofortigen Kauf einer Kongreßkarte ihre Verbundenheit mit dem Werke der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas zu bekunden. Die Karten sind im Ciialuzverband, I., Kärntnefstraße Nr. 28, und bei den Organisationen Gordonia, Hitachduth, J, S. A. J., Mischmar Ovdim, Poale Zion und Schomer- Hazair-Blau-Weiß erhältlich. Grundsätze des arbeitenden Palästina Chaluz- und Volkseimvanderung nach Palästina aui breiter Basis. Arbeiteransiedlung äh Palästina mit Hilfe nationalen Kapitals auf der Grundlage von kooperativer Selbstarbeit in Stadt und Landwirtschaft. Erwerb von Boden durch den K. K. L. Organisierte jüdische Arbeit in der gesamten jüdischen Wirtschaft des Landes. Erziehungs¬ und Kulturwerk der Arbeiterschaft für die Jugend und den arbeitenden Erwachsenen. Selbständige wirtschaftliche, politische, kulturelle und organisatorische Tätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft in Erez Israel. Stärkung des eigenen Fonds der Arbeiterschaft für ihre selbständige Tätigkeit. Kampf um eine Arbeiter- und Arbeiterinnen-Schutzgesetzgebung. Sicherung einer entsprechenden Interessenvertretung der Arbeiterschaft in allen Institutionen des Landes. Gemeinsame Organisierung jüdischer und arabischer Arbeiter auf der Grundlage nationaler autonomer Einheiten. Ständige Hilfeleistung zur Hebung des wirtschaftlichen und kulturellen Standards des arabischen Arbeiters. Anläßlich des dritten Todestages des Herrn Direktor Sälo Hauptmann und der Komplettierung des Hauptmannhaines im Chajeswald in Palästina,, veranstaltet das Stiftungskomitee Sonntag, den* 24. d. M., um 11 Uhr vormittags, Zentralfriedhof, 3. Tor* einen gemeinsamen Gang zum Grabe Hauptmanns. Alle Freunde und Mitarbeiter des Verstorbenen werden auf diesem Wege höflichst eiugeladen, teilzunehmen. Ankündigungen und Mitteilungen Verband zionistischer Mittelschüler, Sektion n. Die Wandergruppe veranstaltet Sonntag, 24. August, einen Ausflug. Treffpunkt Sievering, Endstation, halb 9 Uhr. Jüdisch-akademischer Juristenverein, II., Taborstraße 1. Es ergeht hiemit an alle ehemaligen Vereinsmitglieaer (auch der Vorkriegszeit) das Ersuchen, ihren Namen und ihre Adresse der Vereinsleitung zu dem Zwecke bekanntzugeben, um die Zusammenfassung in dem ZU gründenden Altherrenverbande möglichst vollständig zu gestalten. Histaduth iwrith, II., Kleine Mohrengasse 3. Samstag, den 23. August, 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. Zifroni aus Palästina, Redakteur der Zeitschrift «Leschoneun» über «Das Aufleben der hebräischen Sprache in Erez Israel». Crabmalenthüllung. Am 29. d. M. um 12 Uhr findet auf dem hiesigen Zentralfriedhofe, I. Tor, Gruppe 76 b, Reihe 13, Nummer 16, die Enthüllung des Denkmals des'bekannten Tonkiinstlers Professor Theodor Pollak statt. Die Errichtung ermöglichten dankbare Schüler und Verehrer. Das Denkmal stammt aus den Ateliers der bekannten Steinmetzfinna Friedländer u. Deutsch. Rabbinerwahl, Für den Tempel des Vereines «Aeschef Awrohom», Wien, II., Pazmanitengasse 6, wurde nach zweijähriger Vakanz als Nachfolger des Rabbiners Dr. Salomo«

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