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Die Stimme · 1930-08-14 · Heft 138 (14.8.1930) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
3 (1930)
Issue
Heft 138 (14.8.1930)
Date
1930-08-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 188 om.sjjMWE »i *mMm«* Seite 5 Die Einwendung nach Ü. Ö. A. Das Einwandefungsbüro der Vereinigten Staaten stellt fest, daß die Zahl der jüdischen Einwanderer aus Polen, Rußland, Litauen, Rumänien und Lettland verhältnismäßig größer ist, als die Zahl der nichtjtidisehen Einwanderer aus diesen Ländern. Von Juli 1Ö29 bis Mai 1P3Ö kamen aus diesen Ländern 10.800 Juden gegenüber 11.577 Nichtjuden aus denselben Ländern« §)ag 5Uter ttafrt unA mit t$nt fe/in-e SÖefdjipetben, SÖenommeiüjeh, JLxifföffterjen, (S^JniitbelöeW, $et$&eEl«mntuttgtu trefeit am, bie SXd&eit3fü^ngfleit nitrant ob. 2>urdj eine 9t a b i o f f le c i n I u r mit® ben SCöetiezfdjelmmgen borgefceugt. $>tc frei uedCäiifCiditfu Möbius iffettiifaMeittfiii förfcem bie '3£utjii:fu£otion, mnißeu mib bevNinnen t>ö£ Shit, gehen ben SCbent iic nrifi^e ßfoftiibäi, lüoburd)?utex&e cfd} cinui ige it abgemenbet uni) bie Slrboftc^ h<pft Bte iitS Ijcrljfi trita* cr^öiCten üfciüt. 91 ab i n m g c b a If a m i I i tf) ii b c v pr ii f i. Üöepoi: Ülbotljcfc 33 a i) c r, 28 km, 1. 23esirf, SßoH.jeilc 13. — 33tofpeftc gratis utib fcaitio. Freie zionistische Tribüne Statt Brith Schalom» Brith Hasbara Von M. D. Groß, Wien. Der zukünftige objektive Schreiber der jüdischen .Geschichte der heutigen bewegten Periode wird gut tyn, wenn er Über wichtige Kapitel, die die Parteikämpfe dieses Zeitalters behandeln werden, di? Aufr schfift set2en wird: «Kämpfe um die bessere Betonung». So z. B. ist die wesentlichste Differenz?wischen Misrachj und der nicht- oder antizionistischen Orthodoxie, dje zum Teil in der A^udath Israel organisiert ist, eigentlich nur ejn Streit um die bessere Betonung: Während Misrachi das Religiöse und Nationale als untrennbare, separiert kaum definierbare Wesensbestandteile des Judentums gleichmäßig betont, will die Aguda, wenigstens programmatisch, d<js Religiöse besser betont wissen als das Nationale. Es gibt kaum welche, jedenfalls nur gezählte Zipnisten, die Palästina nicht auf Basis der aus dem jüdischen Gesetze resultierenden sozialen Gerechtigkeit aufgebaut haben möchten, andererseits gibt es kaum welche zionistische Sozialisten, die das Einfließen des Privatkapitals verhindern und dje Privatinitiative ausschalten möchten, und die sozialistischen Fraktionen innerhalb der Zionistischen Organisation unterscheiden sich im wesentlichen nur darin, daß sie däs soziale Moment besser betont zum Ausdruck bringen. Alle bewußten Zionisten, ob Anhänger voji Weizmann, Misrachisten, Sozialisten, Revisionisten, radikale Zionisten, sind sich über das politische Endziel der zionistischen Bestrebungen einig, die hauptsächliche Differenzierung beginnt erst bei der Frage, wie weit und wie oft und wie pointiert dieses Endziel betont werden soll. So gibt es wohl keinen einzigen Zionisten, den extremsten Revisionisten inbegriffen, der einen Kampf oder Streitigkeiten mit den Arabern provozieren oder überhaupt wünschen und nicht den ehrlichen Wunsch hegen würde, mit diesen in Frieden und Eintracht zu leben und zu schaffen. Das wissen die Führer der Araber ebenso wie die englische Regierung. Und wenn die Brith-Schalom-Bewegung heute, insbesondere nach den Augustereignissen und päeh den bekannten politischen Vorgängen, im zionistischen La^er so viele Gegner hat, so ist sichtlich kein einziger dieser Gegner gegen «Schalom», vielmehr nur gegen «Brith», gegen die. Organisierung einer Sonderbewegung für Scfialöm mit den Arabern. Wir sind Gegner einer Sondertoewegung füf Schälöm mit den. Arabern, weil wir der Ansicht sind, däß eine solche Bewegung als Sonderbewegung geeignet ist, den falschen und nicht ungefährlichen Eindruck zu mächen, daß die an dieser Bewegung nicht teilnehmenden Zionisten Feinde der Araber seien und sie zu bekämpfen wünschen. Besonders schädlich erscheint uns diese Sonderbewegung zu einem Zeitpunkte, da die Araber von Friedenswillen keine Spur zeigen, unsere wiederholten Friedenskundgebungen vielmehr mit vandalischen Mordtaten usw. beantworteten. Insolänge eine Brlth-Schajom-Bewegung ausschließlich von Juden ausgeht und sich nur auf Juden beschränkt und b£l den Arabern weder Anhänger noch Anklang findet, kann diese Bewegung nicht als taugliches Werkzeug zur Anbahnung einer von allen Zionisten erwtinsohten Verständigung mit den Arabern betrachtet werden, vielmehr erinnert diese Bewegung, solange sie einseitig jüdisch ist, seht lebhaft an jene in der Blütezeit der Assimilation in verschiedenen Ländern gegründeten jüdischen Verbände zur Verständigung mit und Annäherung an die meist judenfeindlichen Nichtjuden, denen auch aus dem Grunde kein Erfolg beschieden war, weil sie statt richtiger von Nlchtjuden von Juden begründet und geleitet waren. Insolange die Araber bei Brith Schalom nicht mit dabei sind, sollte statt Brith Schalom eine Bewegung unter dem richtigen Namen «Brith Hasbara-Aufklärung&bund» elnsetzen und die Tätigkeit eines solchen Bundes sollte darin bestehen, die Araber, und zwar nicht soweit deren politische Führer, sondern die weitesten Kreise der Fellachen, die ganze islamitische Welt in geeigneter, wirksamer Weise übef unsere friedlichen Absichten aufzuklären sowie darüber, daß unser Aufbauwerk, unsere kulturellen und sanitären Leistungen den arabischen Nachbarn nur Vorteile und keine Nachteile bieten. Eine so-lohe wirksame Aufklärungsarbeit ist notwendig und kann für beide Teile segensreich werden, Bei einer Erörterung der Verständigung und der Verständigungsmöglichkeiten mit den Arabern sollte das wichtigste, weil einfachste, natürlichste Mittel zur Erreichung des Zweckes nicht unbeachtet bleiben. Wenn schon bei staatsbildenden, an politische Selbständigkeit und Konstitution gewöhnten Völkern gerade jetzt in der Nachkriegszeit eine Verständigung von Volk zu Volk einer Solchen zwischen Regierung und Regierung Oder zwischen Parlament und Parlament vorgezogen wird, weil die erstere vielleicht langsamer erzielt werden kann, däfür aber aussichtsreicher und tiefer wurzelnd ist, um so eher muß diese Verständigugsmethode angewepdet werden im gegebenen Falle zwischen Juden und Arabern in Erez Israel, wo beide Völker ■ ....p—■*■*■■ .. ' **■"" .. wird mit S 10.000 bie 15.000 zu einern in Betrieb befindlichen Reklameunternehmen gesucht. Die Unternehmung Ist nachweisbar rentabel. — Anträge unter „Das Gefd dreht eich“ an die Expedition dieses Blattes. keine eigene Regierung und kein Parlament besitzen. Um der Verständigung von Volk z»u Volk in Erez Israel näherzukommen, müßten wir zunächst dafür sorgen, daß ein jeder unserer Palästinaimmigranten, in erster Linie der Chaluzeinwanderer, noch ehe er den Böden Palästinas betritt, die Sprache, die Religion, die Kultur, die Sitten und Lebensgewohnheiten, die Mentalität des Palästina bewohnenden arabischen Volkes in allen seinen Schichten so gründlich als möglich kennenlernen soll. Ohne Kenntnis der Sprache und der Sitten des palästinensischen Arabers steht der Immigrant dem Araber gegenüber als Fremder dort und Fremdheit ist das natürliche Hindernis einer jeden Verständigung. Und ein jeder, der dje eigenartige Mentalität des arabischen Fellachen und Beduinen kennt, wird zugeben, daß mit diesem ohne genauere Kenntnis seiner Art und seiner Kultur oder Unkultur nichts anzufangen ist. «Asiat Iekarta halach benimussa» (Kommst du in eine Stadt, so richte dich nach den dort herrschenden Bräuchen) lehrt schon die alte talmudische Lebensweisheit (Midrasch Rabba zu Exodus 47), um so mehr da, wo es sjch um ein Beisammensein für die Dauer handelt. Es müßte dafür gesorgt werden, daß ejn jeder Chaluz schon im Galuth neben der physischen Hachschara, neben der Erlernung der hebräischen Sprache usw. auch die nötige Verständigungshachschara bekomme, indem ihm schon hier die Möglichkeit geboten werde, die arabische Sprache und die Sitten der Araber je gründlicher zu erlernen. Dann wird ein jeder Ohaluz statt Mitglied einer nutz- und zwecklosen Brith Schalom zu sein, tätiges und erfolgversprechendes Mitglied der notwendigen Brith Hasbara werden. orandum Das jüdische Natipnalheim ist der Kernpunkt des Palästina-Mandats. — Von der englischen Regierung wird dje Sicherung des Nationalheims bestimmt erwartet. — Die jüngsten Ereignisse haben das Vertrauen der Juden in Großbritannien erschüttert. Jüdische Mitglieder der vor kurzem in London stattgefundeuen ^Konferenz der interparlamentarischen Union haben dem britischen kolonienminister Lord Fassfieid da& folgende Memorandum Überreicht: Die Unterzeichneten Mitglieder der Intefparlamentarischin Union, die auf der Londoner Konferenz der Union Lander mit einer jüdischen Bevölkerung vor) zusammen acht Millionen Menschen vertreten, nehmen die Gelegenheit wahr* um Sie (jber die Ansichten der Weltjudenhl^it hinsichtlich der jetzigen Lage in Palästina zu informieren. Im Jahre 191Ö war es die einmütige Forderung der W?ltjudenheit, daß das Mandat für Palästina Großbritannien anvertraut werde. Nach Vferkündung d?r B^lföur-D6kJajräti^n hat sich di$$e$ GefüJij dps Vertrauens in eines der Begeisterung und der Dankbarkeit gewandelt. Wir bedatierp es, nun sagen zu müssen, daß die jüngsten Ereignisse dem Vertraten der Juden unserer Länder in Großbritannien einen ernstlichen Sto# versetzt haben. Die Unruhen im August 10^9 bedeuteten für die Juden, die Vorfälle solcher Art unter der britischen Flagge niemals für möglich gehalten haben, einen schweren iSchlag; am aller« wenigsten hätten wir Juden erwartet, daß Juden, die versuchten, jhre Familienangehörigen gegen Gewalt und Mord« anschlag zu verteidigen, durch englische Behörden ent« waffnet werden würden. Auch heute noch sind wir hinsichtlich der Lage der Juden in Palästina nicht beruhigt, Die Polizei stellt weiterhin eine vornehmlich arabische Körperschaft dar, und es sind bisher nicht die geeigneten Schritte ergriffen worden, um den jüdischen Bestand Innerhalb der Polizei zu erhöhen. Obwohl die Notwendigkeit der Selbstverteidigung anerkannt wird, sind den Angriffen ausgesetzte landwirtschaftliche Kolonien nicht die wirksamen Waffen zur Selbstverteidigung geliefert worden. Die Shaw-Kommission war für uns eine tiefe Enttäuschung; besonders befremdete uns die Art, in der der Anwalt der Palästina-Administration zu Werke ging, was er offenbar auf Grund von Instruktionen seitens der Administration tat. Er machte keinerlei Versuche, die guten und die bösen Seiten des Falles zu sondieren, seine Bemühungen waren einzig und allein darauf gerichtet, die Juden anzugreifen; er ging dabei so wejt, unserer Toten zu spotten. Die Shaw-Kommission, deren Mehrheit einen völligen Mangel an Verständnis für die zionistischen Ideen und Bestrebungen sowie für unsere Arbeit in Palästina an den Tag gelegt hat, machte weitreichende Vorschläge die darauf hinausgeheu, die eigentlichen Grundlagen des Jüdischen Nationalheims in Palästina zu zerstören. Diese oVrschläge überschritten den Aufgabenkreis, den die Regierung der Shaw-Kommission vorgezeichnet und vor deren Ueberschreitung sie sie gewarnt hatte. Nichtsdestoweniger ging die Regierung in ihrem Weißbuch so weit, ihre weiteren Handlungen in einem sehr weiten Ausmaße diesen Empfeh« fuiigen anzupassen. Die jüdische Arbeitereinwanderung ist suspendiert worden, weitere Einschränkungen der jüdischen Tätigkeiten in Palästina sind angekündrgt worden, und es scheint, daß das gesamte Schicksal des Jüdischen Nationalheims von dem Bericht eines einzigen Experten abhängt. Diese Handlungen haben in der gesamten jüdischen Welt einen Zustand der Ungewißheit und der Beunruhigung geschaffen, der dazu angetan ist, die jüdische Arbeit in Palästina ernstlich zu schädigen. Beiträge und weiteres Investierungskapital fließen natürlich nicht zu, wenn die Zukunft unserer Arbeit in Frage gesteht ist. Wir sind wiederholt dahin informiert worden, daß die englische Regierung beabsichtigt, an dem Mandat festzuhälten und es durchzuführen. Das Jüdische Nationalheim bildet den Kernpunkt des Mandats; mit Hoffnung und Zuversicht erwarten wir von der britischen Regierung eine Aktion, die geeignet ist, die Errichtung dieses Nationalheims zu sichern. Das Memorandum ist unterzeichnet vom Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten, Sol. Bloom, vom Mitglied des polnischen Parlaments, Dr. Henryk Rosmarin, vom Mitglied des lettischen Parlaments, Dr. M. Nurök und vom Mitglied des südafrikanischen Parlaments, M. Kölitrldge. Eine neue Aktion <les Brith Schalom. Jerusalem, 8. August (J. T. A.). Die palästinensischjüdische Friedensorganisation Brith Schalom hat neuerdings Schritte zur Förderung des Friedens zwischen Arabern und Juden in Palästina ergriffen, ln Verwirklichung der vom Unterhausmitglied Harry Snell gegebenen Anregung, in allen Städten und Dörfern Palästinas, jn denen Araber und Juden zusammen leben, binationale Komitees ztir Förderung der gegenseitigen Achtung und Freundschaft zu bilden, hat Brith Schalom beschlossen, Seminare zum Studium Palästinas, der jüdischen Kolonisation, der arabischen Bodenkultur, der Fragen der Gesundheit und des Unterrichts, sowie der Frage, wie jüdische und arabische Selbstverwaltungsinstitutionen auf der Grundlage einer binationalen Regierung entwickelt werden können, einzurichten, Der unsterbliche Protestrabbiner. Auf der kürzlich stattgefundenen Zentralkonferenz det amerikanischen Rabbiner verstieg sjch Rabbi Salomon Foster aus Newark N. Y. zu folgenden unglaublichen Behauptungen: «Der Zionismus mit seiner Nationalphilosophie (!) hat den Antisemitismus vergrößert». Weiters verstieg er sich zur Feststellug, «der Zionismus habe jüdische Fonds, die in Amerika benötigt wurden, dem Lande entzogen und dadurch das bürgerliche Leben in Gefahr gebracht, was jedoch einen strategischen Zusammenschluß der Rabbiner herbei* geführt habe». Die Konferenz reagierte auf diese unglaub* liehen Ausführungen, die an die Anfänge der zionistischen Bewegung erinnern, wie «The Jewish Guardian» berichtet, «mit Gemurre und Widerspruch».

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